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SL5. 51. Jahrgang.

Wiesbadener Tagblatt (Morgen-AuSgabe). Verlag: «anggafse 27 .

15. Mai 1008. Seite 5.

der Wein jedenfalls Ehrend der Nacht gestohlen oder infolge mangelhaften Zustandes der Fässer fortgelaufen fei. Das Gericht erkannte jedoch gegen ihn auf zwei Monate Gefängnis.

Da König Eduard jetzt einen Besuch in Edinburg machen wird, so wirft ein englisches Blatt die Frage auf, ob der König das Borrecht kennt, bas die Bräute dieser Stadt im Monat Mat haben. Sie haben nämlich ein Anrecht darauf, den Herrscherzuküssen, wenn sie ihn zu Fuß in der Stadt treffen. Jakob IV., dem eine Braut so entgegenkam, bezahlte ihr Buße, alssie ihn küssen wollte." Wahrscheinlich hatte er sie sich vorher an­gesehen . . .

Im Schaufenster und Schaukasten eines New-Dorker Sattlers sieht man neben Hundehalsbändern aller Arten für Schoßhunde auch Schuhe in verschiedenen Mustern und Größen. Die teuersten sind aus besonderem Schweinsleder. Eine Garnitur von vier Schuhen aus diesem weichen, biegsamen Leder hat gefurchte Gummi­sohlen und ist mit Ledersenkeln um die Knöchel zuge­schnürt. Diese kosten 20 Mk. die Garnitur. Schuhe aus Kalbleder haben helle, schwere Ledersohlen und kosten 18 Mk. das Paar,' andere aus Saffianleder, die der Hunde­elite am besten gefallen sollen, kosten ebenso viel. Die schöne Idee, den armen Hunden derartigen Komfort zu schaffen, ist aus Frankreich importiert.

Der Aberglauben der Seeleute ist sprichwört­lich geworden. Man mag also den Mut der Seeleute ermessen, die folgende Heldentat vollbracht haben: Ein Dampfer von Glasgow reiste von Clyde am 13. Dezember aus? er hatte 13 Engländer unter seiner Besatzung, und es war die 13. Reise, die das Schiff unternahm. Bon Liverpool nach Port-Said brauchte cs 13 Tage. Nachdem es einen Hafen angelaufen hatte, brauchte das Schiff 13 Tage zur Überfahrt nach Colombo, wo es einige Zeit blieb. Und schließlich dauerte auch die letzte Überfahrt von Colombo nach Kalkutta noch 13 Tage. Und trotzdem ist dem Schiff und seinen Insassen nicht das geringste passiert. Im Gegenteil, ein Mann von der Besatzung erfuhr bei der Ankunft, daß er eine reiche Erbschaft ge- wacht hatte.

v. --

Kehte Nachrichten.

wb. Straßbnrg i. Elf., 14. Mai. Der Kaiser empfing gestern vor der Abfahrt nach der Hohkönigsburg den Unterstaatssekretär Zorn von Bulach und teilte ihm seine Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz mit. Heute morgen 8 Uhr verließ der Kaiser unter Glockengeläute Straß- hurg und fuhr mit Sonderzug nach B i t s ch.

wb. Stuttgart, 14. Mai. Herzog Albrecht von Württemberg hat sich gestern abend zur Beteiligung an einem Jnformattonskursus für Generale an der Feldartillerie-Schietzschule nach Berlin begeben.

*

wb. Solinge«, 14. Mai. Die Ehefrau Förster erschlug in der vergangenen Nacht ihren Eh e m a n n im Streit mit einer Kohlenschaufel.

Volkswirtschaftliches.

Genossenschaftswesen.

Verband der Erwerbs- »ud Wirtschafts-Genossenschaften am Mittelrhein. Nach dem soeben erschienenen Bericht über die Ent­wickelung des Verbandes im Jahre 1902, erstattet von dem Ver­bands-Direktor Or. A l b ert i in Wiesbaden, sind dem Verband im Jahre 1902 betgetrctcn: die Spar- und Darlehenskasse von Beamten der Kgl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M., e. G. m. b. H., und der Spar- und Kredit-Verein, c. G. m. u. H., zu Sindlingen, ausgetreten ist kein Verein. Die 72 Genossenschaften des Verbandes bestehen aus 66 Kredit-, 2 Rohstoff-, 1 Produktiv-, 1 Baugenossenschaft und 2 Magazingcnossenschasten. Nach der Haft­art scheiden sich die 72 Genossenschaften in 58 Genossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht und in 14 Genossenschaften mit be­schränkter Haftpflicht. Die Mitglieöerzahl der 58 Kreditvcreinc, welche die Anlage A zum Rechnungsabschluß ausgefüllt haben, be­trug am 1. Januar 1902 51 468. Eingetreten sind in dieselben in 1902 3679 (1901: 3697) Mitglieder, auögeschieden sind zu Ende 1902 2501 (1901: 2369), mithin mehr eingetreten 1178, so daß den 58 Kreditvereinen zu anfang 1903 52 616 Mitglieder angehörten, wovon 12 102 ca. 23 Proz auf die selbständige Landwirtschalst, 5667 10,6 Proz. auf selbständige Kaufleute und Händler und 12 117 = 23 Proz. aus selbständige Handwerker kommen. Bei 40 (1901: 40) Vereinen überwog der Eintritt das Ausscheiden, bei 16 (1901: 12) war es umgekehrt der Fall, und bei 2 Vereinen hat der Mitgliederstand keine Veränderungen erlitten. Die Summe aller Ausgaben (das Kassakonto nicht einbegriffen) bei 61 Vereinen hat 843 179 553 Mk. betragen. In 1901 betrugen die Ausgaben bei 58 Vereinen rund 759 Mill., in 1902 bei denselben 58 Ver­einen rund 841 Mill. Mk. Der Ertrag an Zirtscn und Pro­visionen der Vercinsschuldner und an sonstigen Einnahmen bei Verkauf von Effekten, an Kursgewinnen k. betrug bei den 61 Vereinen 5 016 062 Mk. (1901: 5 040 613 Mk. bei 59 Vereinen». An Zinsen an die Vereinsgläubiger sind 2 660 211 Mk. (1901: 2 626 103 Mark), an Gehalten, Tantiemen und sonstigen Verwaltungskvsten 887 855 Mk. (1901: 835 921 Mk.), an Abschreibungen für Mobilien und Immobilien (bezüglich letzterer fast ausschließlich an Ge- schästsgebäuden) 75 291 Mk. (1901: 80 273 Mk.) verausgabt worden. An Verlusten sind 33 823 Mk. durch Kursverluste, Insolvenz und Fälschungen zu verzeichnen, welche sich auf 8 Vereine verteilen) hiervon sind 12 784 Mk. aus dem Reingewinn, 21039 Mk. aus Spezialrcserven gedeckt worden. Die Bilanzsumme hat bei 59 Vereinen Ende 1902 114 778 902 Mk. betragen gegen 109 836 745 Mark Lei denselben 59 Vereinen Ende 1901. Mit dieser erheblichen Steigerung des Umsatzes und der Bilanzsumme hat das Erträgnis nicht gleichen Schritt gehalten, was sich aus den ungünstigen Zins- verhältnisscn des abgelaufenen Jahres erklärt. Der von Len 64 Genossenschaften im Jahre 1902 erzielte Reingewinn berechnet sich einschließlich 44 356 Mk. Gewinnvorträgcn aus 1901 und Ein­gängen auf früher abgeschriebene Forderungen auf die Summe von 1 424 277 Mk. (1901: 1496 080 Mk. bei 59 Vereinen) sechs Prozent der Gefchästsguthabcn und Reserven zusammen. Von dem Reingewinn sind den Reservefonds zugewiesen worden 372 567 Mark, darunter 44 887 Mk. den Pensionsfonds (1901: zusammen 457 057 Mk.) und als Dividende unter die Mitglieder wurden verteilt 995 034 Mk. (1901: 981803 Mk.). Für gemeinnützige Zwecke sind 7088 Mk. aus dem Reingewinn verwendet worden während 49 588 Mk. für das nächste Jahr reserviert wurden. Die Geschäftsguthaben der Mitglieder bei 64 Genossenschaften haben die Summe von 17 835 576 Mk. (1901: 16 503 033 Mk. bei 58 Ge­nossenschaften) erreicht. Die Reservefonds betragen 5 883 554 Mk (1901: 5 437 949 bei 58 Genoffenschasten), die Pensionsfonds von 12 Genossenschaften außerdem 609 701 Mk. (1901: 549 585 Mk.) -u- sammen 6 493 255 Mk. (1901: 5 987 534 Mk. bei 58 Genossenschaften) Das eigene Vermögen der 64 Kreditvereine beträgt mithin Zu­sammen 23 828 831 Mk. (1901: 22 490 567 Mk. bei 58 Genoffen- schaften). An fremdem Kapital sind verwendet: an Anlehen qeaen Schuldschein 23 638 573 Mk., an Spareinlagen 36 106 610 Mk Schulden im Kontokorrent 28 118 667 Mk. (1901: 29 004 231 Mk )' llnlebcn von Banken und Vereinen 1 161 053 Mk. (1901: 1 095 530 Maick). Die Acceptverbinblichkeiten (einschließlich der Kautions-

acccpte) betragen 1055 210 Mk. (1001: 855 665 Mk.) und bas ge- samte srentde Betriebskapital 89 970 113 Mk. (1901: 81 396 685 Mk.». Die Ziffern pro 1902 betreffen 64, diejenigen pro 1901 = 58 Ver­eine. Mit Rücksicht auf die gegenwärtig betriebene Agitation betreffs des Verbots der Annahme von Spareinlagen seitens der Genossenschaften, sind diesmal in der Zusammenstellung der Ge- schüftsergebnissc die Spareinlagen besonders angeführt worden. Dieselben betrugen Ende 1902,- wie bemerkt, über 36 Millionen Mark. Diese Zahlen zeigen, welchen Schaden ein solches Verbot bringen würde. Das eigene Vermögen an Geschäftsguthaben und Reserven beträgt demnach im Durchschnitt 26,5 Proz. (1901: 26,7 Prozent» des angeliehcnen fremden Kapitals. Das Verhältnis der Reservefonds zu dem gesamten Betriebskapital (Bilanzsumme, beträgt durchschnittlich 5,6 Proz. (1901: 5,5 Proz.). Die gesamten Vcrwaltungskosten einschließlich Tantiemen, Gratifikationen, Ver- bandsbetträgen betragen 887 855 Mk. = 17,7 Proz. (1901: 16,5 Prozent) des Zinöerträgnisses und 0,784 Proz. (1901: 0.769 Proz.) der Bilanzsumme.

Marktberichte.

Groß-Gcra». Der verflossene Ferkelmarkt war von Käufern sehr stark frequentiert und nahm einen sehr glänzenden Verlauf. Aufgetrieben waren 325 Tiere, die ebenso wie am Markte vorher, bis aus das letzte Stück, in verhältnismäßig kurzer Zeit flotten Absatz gesunden hatten. Die Preise stellten sich für Ferkel aus 14 bis 20 Mk., Springer 23 bis 27 Mk. und Einlegschweine 82 bis 39 Mk. pro Stück. Wenn am nächsten Markt, der am Montag, den 18. d. M., stattftnöet, die Tiere ebenfalls in so guter Qualität aufgctrieben werden wie diesmal, so steht es außer allem Zweifel, daß auch bei diesem Ferkelmarkt der ganze Auftrieb verkauft wird.

Einsendungen aus dem Leserkreise.

* An Werktagen ist cs nicht jedermann vergönnt, einen schönen Morgen spaziergang zu machen. Da sind cs die Beruss- pflichten, die dies nicht ermöglichen. Es bleibt nur der Sonu- oder Feiertagsmorgen übrig. Wie freuen sich schon die ganze Woche die Kinder daraus, die werktäglich die Schulbänke drücken müssen, bas schöne Wiesentälchen und in den Wald hinein, wo alles blüht und grünt, wandeln zu können! Ein schöner Gang besonders in das Adamstal an der Auguste Viktoria-Ruh vorbct nach dem Waldhäuschen zu. Welch hübscher Blick von dem Tempelchen nach der Stadt, in der es gerade zur Kirche läutet die richtige Stimmung für einen Sonntagmorgen im Mai! Doch die Stimmung soll nicht lange dauern. Da komme» einige ange­trunkene Burschen, laut gröhlend und taumelnd daher, die bereits für heute genug haben. Die Kinder ängstigen sich. Wir ver­lassen schleunigst unser hübsches Plätzchen und gehen hinüber in die Geishecke. Doch kaum sind wir hier 300 Schritte in den Wald hineingegangen, da kommen uns zwei halbtrunkene Burschen ent­gegen, die sich Herumbalgen und herumtaumeln. Auch hier ist es mit der Stimmung vorbei. Es ist nicht das erstemal, daß ich ähn­liche Wahrnehmungen gemacht habe: und immer sind es halb­wüchsige Burschen, die sich dort Herumtreiben. Sollte diesem Uniug nicht abgcholfcn werden können? Würde die Patrouille eines berittenen Schutzmannes, wenn sie von Zeit zu Zeit sich zeigte, nicht den nötigen Eindruck machen? Es könnte da cingcwendet werden, daß die Polizei-Organe Wichtigeres zu tun haben, als am Sonntagmorgen in den Wald zu reiten. Dem gegenüber wäre indesien zu erividern, daß es sich gerade nur um die nächste Umgebung handelt) denn über die Waldwirtschaften hinaus ge­langen diese B-urschen nicht. Und gerade die nächste Umgebung ist auch das Ziel unserer Kurgäste, auf welche solch rode Be­gegnungen einen angenehmen Eindruck zu machen nicht ge­eignet sind.

* Die Unzulänglichkeit der K u r s a a l r ä u m e hat sich bei

der seitherigen ungünstigen Witterung so recht fühlbar gemacht und ist es erfreulich, zu hören, daß dieser Mangel bald durch Neubau beseitigt wird. Die Kurverwaltung sollte aber doch aus diesem Grunde die einmal noch für diese Saison bestehenden Räume nicht vernachlässigen, zumal sie dasselbe Eintrittsgeld ver­langt. Wenn man die Spiel- und Lesesäle betritt, besonders morgens, so kommt einem ein so unangenehmer Modergeruch ent­gegen, daß man am liebsten wieder umkehren möchte. Nach an- gestellter Nachforschung kommt derselbe daher, daß der Parquet- fußboden weder gewichst noch geölt ist und die Scheuerung mit Verwendung von größeren Wasfermengen geschehen muß, Fenster werden nicht geöffnet, oder nicht lange genug, so daß die Ver­dunstung des Wassers bei der ohnedies schlechten Ventilation lange Zeit gebraucht und sich an den Wänden niederschlügt. In den Lesesälen sind die Linolcumbcläge unbeschreiblich, diese muh man sehen. Es kann hier nicht gesagt werden: für eine gründ­liche Reinigung und Lüftung ist keine Zeit, solche Räume müssen wie auch anderwärts nachts oder wie bei jetziger Jahreszeit morgens früh gereinigt werben, und dann Türen und Fenster bis zur Eröffnung des Betriebes ausgesperrt bleiben. Daß viele Besucher, namentlich, wie man hier in Wiesbaden sagt, die Kur­saalwanzen, diese Höchst ungesunden Zustände der Atmosphäre, welche sie einatmen, nicht verspüren, ist zu verwundern) es ist die Gewohnheit. Aus den L e s e s ä l e n gehen wohl ebenso viele Besucher unbefriedigt wieder heraus, als auch drin sitzen, und warum? Weil sie die Zeitung, welche sie lesen möchten, nicht finden können, selbst oft nicht unter Beihilfe des Aufsehers. Die Zeitungen liegen haufenweise auseinander. Warum werden die weniger gelesenen Zeitungen und Zeitschriften nicht, wie auch in anderen ähnlichen Instituten, an die Wände aufgehangen oder in Realen untergcbracht, wie z. B. auch hier im Museum. Sehr dankenswert war cs von der Kurverwaltung, daß sie die Nach­mittags-Konzerte Lei schlechtem Wetter wieder im Saal abhalten ließ, demgegenüber ist es aber unverständlich, daß die Kochbrunnen - Konzerte trotz Regen, trotz Kälte morgens um 7 Uhr abgehalten werden, wo doch kaum sich Zuhörer einsinden. Viel zweckmäßiger würde es sein, diese Konzerte auf die frequenteste Stunden von 11 bis 1 Uhr zu verlegen) für die Monate Mai und Juni wären diese Konzcrtstunden offenbar viel geeigneter. Ein Kurgast.

* Welcher Einsichtige wäre nicht vollkommen der gleichen An­sicht über die Unzulässigkeit des täglichen und nächtlichen st a r k e n und langen Glockenläutens der hiesigen katholischen Kirchen, wie sie in zwei Eingesandts in den letzten Nummern dieser Zeitung ausgesprochen wurde? Aber was nutzt das alles? Hier wird mit Anführung von Vernunftsgrünben nichts ge­ändert und gebessert. Im Gegenteil! Nach der Meinung unserer hiesigen Ultramontanen und deren Führer sind ja doch die in der Zeitung über veraltete Mißbräuche Beschwerde führende Per-' soncn nurKetzer" undFreimaurer, und je mehr diese sich über den Glockenspektakel ärgern, desto besser! Nun erst recht! Von unserer Polizei aber auf Abstellung zu hoffen, ist ebenfalls ein schöner Wahn, jetzt, wo ZentrumTrumpf" ist! Es werden also ebenso wie bei der Verkehrsstörung durch die Fronleich­namsprozession die ebenso gut einen anderen Weg nehmen könnte die 2 /a andersgläubigen Einwohner unserer Stadt von der Minorität lustig weiter terrorisiert.

* Nein! liebesTagblatt"! Die Vereinigten

Staaten haben keine A r z n e i t a x e, wie hr. meint. Die Rezepte werden dort auch nichtnach dem Rocke taxiert", vielmehr sind die Preise vieler gebräuchlicher Medikamente allgemein be­kannt. Wollte ein Apotheker die hohen Preise berechnen, zu welchen die hiesigen durch die Taxe ermächtigt werden, so würde bald jemand eine andere Apotheke in der Nähe eröffnen und ihm Kon­kurrenz machen. Apotheker-Privilegien, die den Inhaber zum reichen Mann machen, ohne daß er die Hand zu rühren braucht gibt's in den Bereinigten Staaten nicht, und niemand fühlt das Bedürfnis, sie einzusühren. Z

Handelsteil.

3-proz. Deutsche Reichsanleihe. Der Rückgang der 3-proz. Anleihe hat aufgehört. An den letzten Börsentagen war Nach­frage vorhanden und das vorhandene Material fand glatte Auf­nahme. Es ist Aussicht vorhanden, daß das Geschäft aui diesem Gebiete sich überhaupt wieder besser gestaltet, da auf

dem Industriemarkt die Hausseströmung vorläufig untergraben ist. Nicht nur wegen des teuren Geldes, sondern durch die meist wenig günstigen Dividendenschätzungen derjenigen Institute, die mit 30. Juni ihr Geschäftsjahr abschließen.

Zur industriellen Lage. In der Generalversammlung der Spinnerei IIüttenheim-Benfeld wurde die Mitteilung gemacht, daß im laufenden Jahr die Produktion in Garnen bis September, in Gewoben bis Oktober verschlossen sei. ln Rohbaumwolle habe sich die Unternehmung sehr günstig gedeckt, so daß ein befriedigendes Ergebnis zu erwarten ist. Die Vereinigung Deutscher Gardinenwebereien hat eine Preiserhöhung von 8 bis 10 Proz. beschlossen. Ferner ist mitzuteilen, daß dieser Industrie die Möglichkeit des Wettbewerbs gegenüber den aus­ländischen Fabriken auf dem Weltmarkt dadurch erschlossen wird, daß fernerhin die zollfreie Verarbeitung ausländischer roher zweidrahtiger Eaumwoilgame im Wege des Veredelungs­verkehrs zur Herstellung von Gardinenstoffen gestattet wird, wenn die daraus gefertigten Gardinen wieder ins Ausland gehen. Die Deutsche Gummi- und Guttaperchawarenfabrik vorm. Yolpi u. Schlüter wird den Reingewinn mit 38 486 Mk. (5979 Mark) zur Aufbesserung der Finanzen verwenden. Das laufende Geschäftsjahr hat sich bis jetzt gut angelassen.

Erneuerung des Kohlensyndikats. Wir haben schon Ende I ebruar die Mitteilung gemacht, daß das Kohlensyndikat sich mit einem neuen Syndikatsvertrag beschäftigt, der hauptsäch­lich darauf eingerichtet sein soll, den außenstehenden Zechen den Anschluß zu erleichtern. Die Einzelheiten des Entwurfs sind in derK. Z." veröffentlicht und auszugsweise auch durch Telegramme desW. B. bekannt gegeben. Von besonderem Wert ist, daß dem Wettlauf um höhere Beteiligungsziffern ein Ende gemacht werden soll. Auch ist die Schaffung eines Schiedsgerichts vorgesehen. Die Erneuerung des Syndikats ist zum 30. September d. J. geplant.

Eisenindnstrie und Dividendenschätznngen. Noch sind wir in der ersten Hälfte des zweiten Quartals des Jahres 1903 und schon wird darauf aufmerksam gemacht, daß aller Voraussicht nach das dritte einen Rückgang der Konjunktur vorerst in der Eisenindustrie mit sich bringen wird. Ganz besonders wird be­fürchtet, ja als beinahe unausbleiblich bezeichnet, daß der amerikanische Konsum zurückgehen wird. Der Pessimismus greift wieder stark um sich. Die Börse befaßt sich mit den Dividendenschätzungen für die Eisenwerke und Maschinen­fabriken, deren Geschäftsjahr am 30. Juni abläuft und dabei konnte sie allerdings in der Hauptsache zu sehr wenig erfreu­lichen Schlußfolgerungen kommen. Einige Schätzungen haben wir bereits in der letzten Woche mitgeteilt. Wir lassen nach­stehend weitere folgen, insofern sie von allgemeinem Interesse sind. Selbstverständlich können dieselben auf unbedingte Zu­verlässigkeit keinen Anspruch erheben. Das Eisenwerk Rote Erde wird keine Dividende zahlen. Der Betriebsverlust hat bereits Ende Dezember 140 000 Mk. betragen und ist inzwischen weiter angewachsen. Die Aktionäre sind es bereits gewöhnt, sie haben auch im Vorjahr nichts bekommen. Die Bochumer Gußstahlwerke werden schwerlich 6 Proz. verteilen können. Daß die Dividende der Wittener Gußstahlwerke nicht über 4 Proz. hinausgehen wird, haben wir schon erwähnt. Die Deutsch-Luxemburgische Bergwerksgesellschaft schließt wieder so ab, daß die Aktionäre dividendenlos bleiben. Auch bei den Maschinenfabriken sieht es vielfach recht flau aus Die Divi­dende der Gothaer Waggonfabrik wird auf 0 (wie L V.), der Märkischen Maschinenbau-Anstalt ebenso geschätzt. Die Zeitzer Eisengießerei- und Maschinenbau-Aktiengesellschaft wird die gleiche Dividende wie im Vorjahr, 7 Proz., zahlen können; früher zahlte sie 20 Proz. und mehr. Die Gasmotorenfabrik Deutz ist gut beschäftigt und hofft eine anständige Dividende herausbringen zu können. Im Vorjahr wurden 5 Proz. verteilt.

österreichische Sädbahn. Wie nicht anders zu erwarten war, ist die vielbesprochene Sanierung nach französischem Vor­schlag mit gewaltiger Majorität angenommen worden. In der Versammlung fiel das treffende Wort: Die Politik der Franzosen gebe jedem sein Recht, der Gesellschaft die Zukunft. Nach neuesten Meldungen wird nun der Prioritätenkurator beim Handelsgericht um die Genehmigung nachsuchen, daß bereits am 1. Juni die Verlosung von 1000 Stück Obligationen nach dem neuen Tilgungsplan vorgenommen wird. .Weiter steht die Süd­bahn in Unterhandlung wegen Begebung 4-proz. Prioritäten Serie B. von 36.6 Millionen zum Zwecke der Rückzahlung schwebender Schulden.

Kleine Finanzchronik. Russischen Blättern zufolge ist eine Weiterführung der Breslau-Warschauer Eisenbahn auf russi­schem Gebiet gescheitert. Dies dürfte eventuell die Annahme der Verstaatlichungs-Offerte herbeiführen; da der Widerstand hauptsächlich sich auf den russischen Anschluß stützte. In einer am 3. Juni stattfindenden Generalversammlung der Mann- heim-Rheinauer Transportgesellschaft soll über die Auflösung der Gesellschaft Beschluß gefaßt werden. Daß die Darm­städter Bank mit einer Prager Bankfirma in nähere Beziehungen getreten sei behufs einer Ausgestaltung zu einer Kommandite, ist unrichtig.

Geschäftliches.

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