Verlag Lauggaffe SL
„Sügilalt.^onS".
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„Tagblau - Haus" Nr. üSLg-53.
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gkoeiieuen Uno Ul orn ocnuujoancu ^uuuvuc» unu uu yiyeu’.yuu prc vcnc||ciu»cu jtuHutaii* x-tusci.. T. —'-- — — --- — -' _ " ~ ._
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Samstag, 28. August 1915.
Abend-Ausgabe.
Nr. 400. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Der Kaiser an Hinüenburg.
Großes Hauptquartier, 28. Aug. Der Kaiser hat aus Anlaß der Wiederkehr des Tages von Tannenberg folgendes, bereits in der heutigen Morgen-Ausgabe kurz wredergegebenes Telegramm an den Generals eldmarschall v. Hindenburg gerichtet:
„Mein lieber Feldmarschall!
Ich kann die Wiederkehr des Tags der Schlacht von Tannenberg, in der es Ihrer zielbewnßten und energischen Führung gelungen ist, die in Preußen cmgedrungeuen Russen vernichtend zu schlagen und dem weiteren Vormarsch der feindlichen Massen ein schnelles Ziel zu setzen, nicht vorübcrgehen lassen, ohne Ihrer hohen Verdienste zu gedenken. Sie haben damals eine Wasfentat vollbracht, wre sie einzig in der Geschichte dasteht, und die Grundlage gelegt fiir die mächtig ausholcnden weiteren Schläge der Ihnen unterstellten Streitkräftc im Osten. Mit Stolz blickt Deutschland auf die Siege Ihrer Armeen in der Winterschlacht in Masuren, bei Lodz und L o w i tz und die herrlichen Taten, die Ihre kampferprobten Truppen in bewundernswertem Schneid und zäher Ausdauer bis in die jüngstvergangenen Tage vollbracht haben. Die Kämpfe in Polen werden für immer ein R u h me s b l a t t in den Annalen dieses Krieges bilden.
Wie die Herzen aller Deutschen Ihnen zujubeln und des Vaterlandes heißer Dank Ihnen gesichert bleibt, so ist cs anch mir erneut an dem heutigen Gedenktage ein tiefempfundenes Bedürfnis', Ihnen aus vollem Herzen meine hohe Wertschätzung, meinen nie erlöschenden Dank auszusprechen. Ich will, daß Ihr N a m e, den Sie selbst mit ehernen Lettern in die Tafel der Geschichte eingetragen haben, fortan auch von dem tapferen o st- prcußischen Truppenteile geführt wird, zu dessen Chef ich Sie unlängst ernannt habe, und habe bestimmt, daß das 2. Masurische Infanterieregiment Nr. 147 die Bezeichnung „Infanterie-Regiment Generalfeldmars chall v. Hindenburg (2. Masurisches) 9k r. 14 7" zu führen hat.
(Gez.) Wilhelm I. R.
Zur Erstürmung der Westfront Brest-Litowsks.
Weitere Einzelheiten.
Br. Wien, 28. Slug. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bin.) Über bis Erstürmung der Westfront von Brest-Litowsk Lurch Lie österreichisch-ungarischen Truppen wird gemeldet: Der Angriff dieser Truppen richtete sich hauptsächlich auf die Werke beiderseits der Chaussee Bialostok- Brest-Litowsk. Am 25. August in der Nachmittagsstunde begann der Sturm; gegen bas Werk Kobylani rückte die Kaschauer Honv cd-Division, gegen jenes bei Koroseyn die Krakauer Heeres-lDivision vor. Der Kampf in den Hindernissen des südlichen Forts dauerte von 6 Uhr 45 Min. bis 10 Uhr 55 Min. abends. Unter heftigen: Infanterie- und Maschinengewehrfeuer mußten die lOfachen Drahthindernisse mit Kolben und Spaten zerstört und die in den Hindernissen eingelegten dichten Minenfelder überschritten wenden. Ein Bajonettkamp f schloß sich an. Die noch übrige Besatzung flüchtete gegen den Bug. In den Morgenstunden des 26. August drang ein deutsches Reserve korps von Norden in die dortigen Werke, in die Zitadelle und die Stadt. Die 53 000 Bewohner zählende Stadt wurde von den Russen an >gezünüet; es verblieben von den Einwohnern nur sehr wenige. Beschleunigung des russischen Rückzuges.
. Br. Berlin, 28. Slug. kEig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Die „Boss. Ztg." meldet aus dem Kriegspresseguartier: Ter Erfolg der Verbündeten entlang des Fronttcilcs von der heute eingenommenen kleinen Njemenfcstung Olita bis zu der Chaussee Kowel-Kobrin sowie besonders das Vordringen der nach der Einnahme von Brest-Litowsk gegen Kobrin vorrückenden Truppen bestimmte die Russen, den gegen Minsk gerichteten Rückzug möglichst zu beschleunigen. Sluf der über Minsk nach Smolensk und Moskau führenden Bahnstrecke und beiderseits dieser Chaussee und Eisenbahnlinie vollzieht sich der Rückzug mit größter Kraftentfaltung, um so früh wie möglich eines weiteren umfassenden Angriffes der Verbündeten zu entgehen.
„Die geeignete Stellung".
W. T.-E. London, 28. Ang. (Nichtamtlich) „Daily Mail" meldet aus Petersburg: Eine halbanrtliche Mitteilung besagt: Für unsere Armeen ist die Zeit gekommen, eine ae- eignete Stellung auszuwählen, in der sie bleiben können und die, nachdem die Reg:menter wieder ausgefüllt und Vorräte angesammelt sind, als Ausgangspunkt für den entscheidenden Vormarsch dienen kann,
Die verhängnisvolle Geschwindigkeit der Ereignisse in polen.
W. T.-B- London» 28. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) In einem Leitartikel der „Morning Post" heißt es: Die Ereignisse in Polen entwickeln sich mit verhängnisvoller Geschwindigkeit. Weder Hindernisse noch die anwachsenden Entfernungen ln einem verwüsteten Lande, noch die Verluste konnten die Stoßkraft des deutschen Vormarsches beeinträchtigen. Mit Brest-Litowsk geschah dasselbe wie neulich mit Warschau. Die russischen Festungen widerstanden den Deutschen wenig mehr als Namur. Nur wenige der eingeweihten Kreise des englischen Kriegsamtes werden das Geheimnis dieses seltsamen Glückswechsels ergründen können.
Sange Sorge in Petersburg.
Minsk von den Zivilbehörden geräumt.
De. Wien, 28. Aug. (Eig. Drahtberüht. Zenf. Bln.) Aus Petersburg wird gemeldet: Di: Nachrichten vom Falle von Brest-Litowsk haben dort tiefe Niedergeschlagenheit hervorgerufein. Offen redet mem darüber, daß die Deutschen die Absicht hätten, sich Petersburg zu bemächtigen. Zunächst würden sie die baltischen Brovinzen besetzen, um dann jene entscheidende Schlacht zu schlagen, von der sie sich die Beendigung des Krieges versorechen. In der „Nußkoje Slawe" erschien ein pessimistischer Artikel, in dem es heißt, die deutsche Armee«:!- ganz Deutschland sei ein gewaltiges Gebäude aus Beton und Stahl, das man nicht zerstören könne. — Die „Reichspost " meldet aus Petrikru, daß die russischen Zivilbehördcn Minsk gcräumä haben.
Kommunale Mastnahmen In Warschau.
Tie Beraubung der Universität durch dir Russen.
Br. Wien, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der städtische UnlerrichtsauSschuß van Warschau hat sich an den deutschen Gouverneur gewandt mit der Biste, den Bezug Van polnischen 1? e l r l- ««fc.e: « aus .ffrofat, für Unter« richtszwecke zu gestatten. DaS Bürg-rkem'tce von Warschau beschloß, zur Deckung der kommunalen Erfordernisse eine Anleihe von 5 L'till: o n e n R u b e l aufzunehmen. In der Universität, namentlich in der Bibliothek und den Instituten, haben die Russen bei ihrem Abzug fast alles Brauchbare mitgenommen.
Rustlands notwendigste Reformen.
Drei Hauptsragen von Duma und NlichSrat.
W. T:-B. London, 28. Aug. (Nichtamtlich.) Nach eister Meldung der „Times" aus Petersburg haben sich in den letzten Tagen 24 einflußreiche Mitglieder der Duma und des N c i ch s r a t S versammelt, um über die Frage, wie die Regierung des Landes an: besten zu reorganisieren sei, zu beraten. Es wurden drei Hauptfragen besprochen: Die Noiwenidlgkeit der Ernennung eines tüchtigen M in i st erst räsidcnten, ein Abkommen der konstrtuticmellen Parteien zur Unterstützung und die Fe>tlegu,ng und Abfassun; eines Programms, dessen Durchführung sofort von der Negierung verlangt werden soll. Waö die Person des zukünftige» Ministerpräsidenten betrifft, so ist nur ein Name aus aller Lipleri, nämlich Kr».woschein. Dieser weigert sich aber hartnäckig, weil er glaubi, daß ihm keine genügende Unterstützung werde, um imstande au sein, die Lage zu beherrschen. Es ist jedoch Grund vorhanden anzunehmcn, daß der jetzige Widerstand überwunden werden wird.
Russische Geheimpolizisten als Verräter.
Rotterdam, 26. Aug. (Zeus. Bln.) Wie der „Dimes" aus Petersburg berichtet wird, sollen die Verräter Baron Grothus und Freinat, die als Mitschuldige deS Obersten Masojedow hingerichtet wurden, früher hervorragende Mitglieder der russischen Geheimpolizei gewesen sein. Baron Grothus war ein Deutscher aus den Ostseeprovinzen und wurde besonders bei der Beauflichtigung der ausländischen Berichterstatter beschäftigt. Zu dem Zwecke gab er sich für den Berichterstatter eines baltischen Provinzblattes aus. Freinat, der frühere stellvertretende Direktor der Geheinrpolizei, hatte seinerzeit die Judenmorde in Kischinew untersucht. In seinem Bericht suchte er die Schuld von den Behörden abzuwälzen.
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Russische Fliegerangriffe auf Lemberg.
Br. Wien, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens Mn.) Dir r n s s i s ck c n F : i > gcr statten jetzt der Stadt Lemberg öfters Besuche at. Am 23. August wurden datrlbst vor- einem russischen Acravlan, der ouö der Nichlniia Vvn Tarnopol kam, Bomben abgcwrrfcn, welche vier Bahnbcdienstetc töteten. Der Sachschaden war gering. Am 25. August überflogen, offenbar zu Lr.skmidschoftszwcckci!, vier russische Flngzeuuc- dic Stadt.
Die Opfer der russischen „Befreier".
ug. Lemberg, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Blu.) Das Lcmberger .Ukramtzke Slawe" meldet: .Aus der Reihe der Opfer, welche unser Volk am Opkertisch des- Weltsturmes nieLcrgekcgt hat, erwähne« wir noch folgende: An dem Tage, als dte r u f f: s ch e tt Truppen nach Tarnopol einmarschierten, haben sich das Leben genommen: der Direktor des ukrainischen Eymiivsiums Roman Zehlynskyj und sein
Sohn. An dem Tage, als die ersten russischen Patrouille« i.a Przempsl einzogen, bat sich der Ukrainer Stabsarzt Dr. Kotschertewytsch erschossen. Seinen Kameraden hat er vorher angesagt, daß er diesen Moment nicht erleben werde. . . . Vor einigen Tagen starben in Lemberg Pawlo Wvjnarowsky, der Sohn eines ukrainischen Abgeordnoten. und Pawlo Stafyniak, ein Beamter der ukrainischen Länderbank nt Lemberg, d:e sechs Wockwn im Lcmberger Gefängnis sahen wnd die uin- nteirschliche Behandlung seitens der Russen rnchr ertragen konnten. Wojnaruwskv starb in der Anstalt fiir Geisteskranke. — Einige der vielen, die auf dem blutigen Wege der mosko« witischcu „Befreier" ihr Leben gelassen haken!"
Der Urieg gegen England.
Erfolgreiche Beschießung einer englischen Benzolfabrill.
Mißlungener Angriff auf ein deutsches Unterseeboot.
W. T.-B. Berlin, 28. Aug. (Amtlich.) Am 16. August vernichtete eines unserer Unterseeboote eine bei Harrington an der Irischen See liegende Benzolfabrik einschließlich des Benzollagers u.nd der dazu gehörigen Koksöfen durch Geschützfeuer. Die Werke flogen mit hoher Stichflamme in die Luft. Die seinerzeit in der englischen Presse ausgestellte Behauptung, daß das Unterseeboot die offenen Städte Harrington, Parton und Whitehaven beschosien habe, ist unzutreffend. Dasselbe Unterseeboot wurde am 15. August ,n der Irischen See von einem großen Passagier- d a m p f c r, anscheinend der „Rohal Mail Steam Packet Comp." angehörig, ans weite Entfernung beschaffen, obwohl cs ihn nickst angegriffen batte. Es wrrd ansdrück- lich festgestellt, daß der Angreifer van dem Geschütze also zum Angriff, nicht etwa zur Berteidtguug Gebraucht machte. ,
Die englische Admiralität gab am 27. August bekannt, daß ein deutsches Unterseeboot vor Ostende durch ein englisches Marineflugzeug vollständig z e r st ö r t und zum Sinken gebracht worden sei. Die Nachricht ist unzutreffend. Das Unterseeboot wurde von dem Flugzeug zwar angegriffen, aber n i ch t g et r o ff en. Es ist unv ersehrt rn den Hafen zurückgekehrt.
Der stellvertretende Chef deS Admiralstabs der Marrue: (gez.) B e h n ck e.
Die zerstörte BenzoIfabrik ist eine der größten Englands und für die englische Sprengstaff- erzeugung von um so größerem Wert, als es nur wenig derartige Werke in England gibt.
Ein englisches Transportschiff torpediert.
Frankfurt a. M., 28. Aug. Die „Franks. Ztg." meldet aus Amsterdam vom 28.: Das „Baderland" berichtet: Rei
sende des Dampfschiffes „Ryndam", das dieser Tage aus New York zurückkam, teilten mit, daß am 15. auf der Höhe der Scilly-Jnseln ein englisches Transportschiff mit kanadischen Truppen torpediert worden ist. Bon de» 2000 Mann an Bord sollen ungefähr 10 0 0 gerettet worden sein.
Es handelt sich dabei um den bereits zu jraet Zeit kurz erwähnten Vorfall, der allerdings mehr in Form einer Mutmaßung wiedergegeben wurde.
Lin englischer Fleischtransportdampfer ^ auf eine Mine gelaufen.
Br. Haag, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Wie Augenzeugen, die aus London eintrafen, berichten, ist in der Nähe der Londoner Tilburh-Docks ein größerer Überseedampfer auf eine Mine gelaufen. Er wurde mit schwerem Leck in den Hafen eingeschleppt. Durch das einströmende Wasser sind die Eisvorräte geschmolzen, so daß die ganze Ladung argentinischen Fleisches verdorben ist und weithin die Luft verpestet.
2er Letzte von „E 13" geborgen.
Kopenhagen, 28. Aug. (Zeus. Bln.) Ein deutsches Torpedoboot fischte die Leiche des letzten ver- mißten Matrosen von dem vernichteten englischen Unterseeboot „E 13" auf und übergab sie dem dänischen Torpedoboot „Nachvalen", das sie nachniittags im Hafen von Dragoer einbvachtc.
Die Lüge des norwegischen Rapitäns. I
Zur Versenkung der „Harboe".
W. T.-B. Christiania, 28. Aug. (Nichtamtlich.) Das Ministerium des Äußern teilt mit: Die angestellten
Untersuchungen haben ergeben, daß die Angaben des Kapitäns der norwegischen Segelbark „H a r- v o e", die am 25. Juli von einem deutschen Unterseeboot versenkt wurde, die Deutschen hätten, bevor sie die „Harboe" versenkten, die norwegische Flagge mit Petroleum ü b e r g o s s e n und sie dazu benützt, das Schiff in Brand zu ietzen, auf einer Vermutung des Kapitäns begründet sind, die jeder rechttgung entbchrt.
