Einzelbild herunterladen
 

Verlag Lauggaffe SL

Sügilalt.^onS".

ELaltcr-Halle geöffnet »ob 8 Uhr morgens bis 7 Uhr «öeod».

wöchentlich

12 Ausgaben.

»ezngS-Preis für beide ÄuSgadcn: 7» Pfg. monatlich, M. 8,- vierteljährlich durch den Terla« Langgasie 21. ohne Bringerlodn 9K. 3. vierteljährlich durch alle deutjchen^PvflanSaltcn. aurfchliesilich Besiellgeld. Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle BiS> marckring IS, sowie die Ausgabestelle» in allen Teilen der ©tato; in Biebrich: die dortigen Aus' gabestellcn und in den benachbarten Landorten und im Rheingau dir bctiessenden Tagdlatt-Träger.

Fernruf:

Tagblau - Haus" Nr. üSLg-53.

San « Uhr morgens bis » Uhr abends, außer Sonntags.

«uzeinrn-vreis für die Zeile: » P,g. sür örtliche Anzeigen im .ArbeitSmarkb- undKleiner Ameiger- in einheitlicher Sechsorm: W Psg. in davon abweichender SaKaussutoung, sowie sur alle abmgen örtlichen Anzeigen: 30 Psg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Ml- für örtliche Reklamen: 2 Nil. h:r auswärtige Rcklanien. Ganze, halbe, drittel und viertel Sellen, durchlaufend, nach besonderer Berechnung.

Bei wiederholter Aufnahme unveränderter An^igen in kurzen Zwijchenrämnen entlprechender Nachle

gkoeiieuen Uno Ul orn ocnuujoancu ^uuuvuc» unu uu yiyeu.yuu prc vcnc||ciu»cu jtuHutaii* x-tusci.. T.'-- --- -' _ " ~ ._

SS0 f»??*' vSSm !«»*.&! fm MtoÄ Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: »erlin-Wilmersdorf Simtzelftr. 66. Fernfpr.: Amt Uhland 450 u. 451. ^gm Vlä^ wlld kän? «-LätoWZ!^

Samstag, 28. August 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 400. 63. Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der Kaiser an Hinüenburg.

Großes Hauptquartier, 28. Aug. Der Kaiser hat aus Anlaß der Wiederkehr des Tages von Tannen­berg folgendes, bereits in der heutigen Morgen-Aus­gabe kurz wredergegebenes Telegramm an den Gene­rals eldmarschall v. Hindenburg gerichtet:

Mein lieber Feldmarschall!

Ich kann die Wiederkehr des Tags der Schlacht von Tannenberg, in der es Ihrer zielbewnßten und energischen Führung gelungen ist, die in Preußen cmgedrungeuen Russen vernichtend zu schlagen und dem weiteren Vormarsch der feindlichen Massen ein schnelles Ziel zu setzen, nicht vorübcrgehen lassen, ohne Ihrer hohen Verdienste zu gedenken. Sie haben damals eine Wasfentat vollbracht, wre sie einzig in der Ge­schichte dasteht, und die Grundlage gelegt fiir die mächtig ausholcnden weiteren Schläge der Ihnen unter­stellten Streitkräftc im Osten. Mit Stolz blickt Deutsch­land auf die Siege Ihrer Armeen in der Winter­schlacht in Masuren, bei Lodz und L o w i tz und die herrlichen Taten, die Ihre kampferprobten Truppen in bewundernswertem Schneid und zäher Ausdauer bis in die jüngstvergangenen Tage vollbracht haben. Die Kämpfe in Polen werden für immer ein R u h me s b l a t t in den Annalen dieses Krieges bilden.

Wie die Herzen aller Deutschen Ihnen zujubeln und des Vaterlandes heißer Dank Ihnen gesichert bleibt, so ist cs anch mir erneut an dem heutigen Gedenktage ein tiefempfundenes Bedürfnis', Ihnen aus vollem Herzen meine hohe Wertschätzung, meinen nie erlöschenden Dank auszusprechen. Ich will, daß Ihr N a m e, den Sie selbst mit ehernen Lettern in die Tafel der Geschichte eingetragen haben, fortan auch von dem tapferen o st- prcußischen Truppenteile geführt wird, zu dessen Chef ich Sie unlängst ernannt habe, und habe be­stimmt, daß das 2. Masurische Infanterieregiment Nr. 147 die BezeichnungInfanterie-Regiment Generalfeldmars chall v. Hindenburg (2. Masurisches) 9k r. 14 7" zu führen hat.

(Gez.) Wilhelm I. R.

Zur Erstürmung der Westfront Brest-Litowsks.

Weitere Einzelheiten.

Br. Wien, 28. Slug. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bin.) Über bis Erstürmung der Westfront von Brest-Litowsk Lurch Lie österreichisch-ungarischen Truppen wird gemel­det: Der Angriff dieser Truppen richtete sich hauptsäch­lich auf die Werke beiderseits der Chaussee Bialostok- Brest-Litowsk. Am 25. August in der Nachmittags­stunde begann der Sturm; gegen bas Werk Kobylani rückte die Kaschauer Honv cd-Division, gegen jenes bei Koroseyn die Krakauer Heeres-lDivision vor. Der Kampf in den Hindernissen des südlichen Forts dauerte von 6 Uhr 45 Min. bis 10 Uhr 55 Min. abends. Unter heftigen: Infanterie- und Maschinengewehrfeuer mußten die lOfachen Drahthindernisse mit Kolben und Spaten zerstört und die in den Hindernissen eingelegten dichten Minenfelder überschritten wenden. Ein Bajonettkamp f schloß sich an. Die noch übrige Besatzung flüchtete gegen den Bug. In den Morgenstunden des 26. August drang ein deutsches Reserve korps von Norden in die dortigen Werke, in die Zitadelle und die Stadt. Die 53 000 Bewohner zählende Stadt wurde von den Russen an >gezünüet; es verblieben von den Einwohnern nur sehr wenige. Beschleunigung des russischen Rückzuges.

. Br. Berlin, 28. Slug. kEig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) DieBoss. Ztg." meldet aus dem Kriegspresseguartier: Ter Erfolg der Verbündeten entlang des Fronttcilcs von der heute eingenommenen kleinen Njemenfcstung Olita bis zu der Chaussee Kowel-Kobrin sowie besonders das Vordringen der nach der Einnahme von Brest-Litowsk gegen Kobrin vorrückenden Truppen be­stimmte die Russen, den gegen Minsk gerichteten Rück­zug möglichst zu beschleunigen. Sluf der über Minsk nach Smolensk und Moskau führenden Bahnstrecke und beiderseits dieser Chaussee und Eisenbahnlinie vollzieht sich der Rückzug mit größter Kraftentfaltung, um so früh wie möglich eines weiteren umfassenden Angriffes der Verbündeten zu entgehen.

Die geeignete Stellung".

W. T.-E. London, 28. Ang. (Nichtamtlich)Daily Mail" meldet aus Petersburg: Eine halbanrtliche Mitteilung besagt: Für unsere Armeen ist die Zeit gekommen, eine ae- eignete Stellung auszuwählen, in der sie bleiben können und die, nachdem die Reg:menter wieder ausgefüllt und Vorräte angesammelt sind, als Ausgangspunkt für den entscheidenden Vormarsch dienen kann,

Die verhängnisvolle Geschwindigkeit der Ereignisse in polen.

W. T.-B- London» 28. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) In einem Leitartikel derMorning Post" heißt es: Die Er­eignisse in Polen entwickeln sich mit verhängnis­voller Geschwindigkeit. Weder Hindernisse noch die anwachsenden Entfernungen ln einem verwüsteten Lande, noch die Verluste konnten die Stoßkraft des deutschen Vormarsches beeinträchtigen. Mit Brest-Litowsk ge­schah dasselbe wie neulich mit Warschau. Die russischen Festungen widerstanden den Deutschen wenig mehr als Namur. Nur wenige der eingeweihten Kreise des englischen Kriegsamtes werden das Geheimnis dieses seltsamen Glücks­wechsels ergründen können.

Sange Sorge in Petersburg.

Minsk von den Zivilbehörden geräumt.

De. Wien, 28. Aug. (Eig. Drahtberüht. Zenf. Bln.) Aus Petersburg wird gemeldet: Di: Nachrichten vom Falle von Brest-Litowsk haben dort tiefe Niedergeschlagenheit hervorgerufein. Offen redet mem darüber, daß die Deutschen die Absicht hätten, sich Petersburg zu bemächtigen. Zunächst würden sie die baltischen Brovinzen besetzen, um dann jene entscheidende Schlacht zu schlagen, von der sie sich die Beendigung des Krieges versorechen. In derNußkoje Slawe" erschien ein pessimistischer Artikel, in dem es heißt, die deutsche Armee«:!- ganz Deutschland sei ein gewal­tiges Gebäude aus Beton und Stahl, das man nicht zerstören könne. DieReichspost " meldet aus Petrikru, daß die russischen Zivilbehördcn Minsk gcräumä haben.

Kommunale Mastnahmen In Warschau.

Tie Beraubung der Universität durch dir Russen.

Br. Wien, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der städtische UnlerrichtsauSschuß van Warschau hat sich an den deutschen Gouverneur gewandt mit der Biste, den Bezug Van polnischen 1? e l r l- ««fc.e: « aus .ffrofat, für Unter« richtszwecke zu gestatten. DaS Bürg-rkem'tce von Warschau beschloß, zur Deckung der kommunalen Erfordernisse eine Anleihe von 5 L'till: o n e n R u b e l aufzunehmen. In der Universität, namentlich in der Bibliothek und den Instituten, haben die Russen bei ihrem Abzug fast alles Brauchbare mitgenommen.

Rustlands notwendigste Reformen.

Drei Hauptsragen von Duma und NlichSrat.

W. T:-B. London, 28. Aug. (Nichtamtlich.) Nach eister Meldung derTimes" aus Petersburg haben sich in den letzten Tagen 24 einflußreiche Mitglieder der Duma und des N c i ch s r a t S versammelt, um über die Frage, wie die Regierung des Landes an: besten zu reorganisieren sei, zu beraten. Es wurden drei Hauptfragen besprochen: Die Noiwenidlgkeit der Ernennung eines tüchtigen M in i st er­st räsidcnten, ein Abkommen der konstrtuticmellen Parteien zur Unterstützung und die Fe>tlegu,ng und Abfassun; eines Programms, dessen Durchführung sofort von der Negierung verlangt werden soll. Waö die Person des zukünf­tige» Ministerpräsidenten betrifft, so ist nur ein Name aus aller Lipleri, nämlich Kr».woschein. Dieser weigert sich aber hartnäckig, weil er glaubi, daß ihm keine genügende Unterstützung werde, um imstande au sein, die Lage zu be­herrschen. Es ist jedoch Grund vorhanden anzunehmcn, daß der jetzige Widerstand überwunden werden wird.

Russische Geheimpolizisten als Verräter.

Rotterdam, 26. Aug. (Zeus. Bln.) Wie derDimes" aus Petersburg berichtet wird, sollen die Verräter Baron Grothus und Freinat, die als Mitschul­dige deS Obersten Masojedow hingerichtet wurden, früher hervorragende Mitglieder der russischen Geheim­polizei gewesen sein. Baron Grothus war ein Deutscher aus den Ostseeprovinzen und wurde besonders bei der Beauflichtigung der ausländi­schen Berichterstatter beschäftigt. Zu dem Zwecke gab er sich für den Berichterstatter eines baltischen Provinz­blattes aus. Freinat, der frühere stellvertretende Direk­tor der Geheinrpolizei, hatte seinerzeit die Juden­morde in Kischinew untersucht. In seinem Be­richt suchte er die Schuld von den Behörden abzuwälzen.

»

Russische Fliegerangriffe auf Lemberg.

Br. Wien, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens Mn.) Dir r n s s i s ck c n F : i > gcr statten jetzt der Stadt Lemberg öfters Besuche at. Am 23. August wurden datrlbst vor- einem russischen Acravlan, der ouö der Nichlniia Vvn Tarnopol kam, Bomben abgcwrrfcn, welche vier Bahnbcdienstetc töteten. Der Sachschaden war gering. Am 25. August überflogen, offenbar zu Lr.skmidschoftszwcckci!, vier russische Flngzeuuc- dic Stadt.

Die Opfer der russischenBefreier".

ug. Lemberg, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Blu.) Das Lcmberger .Ukramtzke Slawe" meldet: .Aus der Reihe der Opfer, welche unser Volk am Opkertisch des- Welt­sturmes nieLcrgekcgt hat, erwähne« wir noch folgende: An dem Tage, als dte r u f f: s ch e tt Truppen nach Tarnopol ein­marschierten, haben sich das Leben genommen: der Direktor des ukrainischen Eymiivsiums Roman Zehlynskyj und sein

Sohn. An dem Tage, als die ersten russischen Patrouille« i.a Przempsl einzogen, bat sich der Ukrainer Stabsarzt Dr. Kotschertewytsch erschossen. Seinen Kameraden hat er vorher angesagt, daß er diesen Moment nicht erleben werde. . . . Vor einigen Tagen starben in Lemberg Pawlo Wvjnarowsky, der Sohn eines ukrainischen Abgeordnoten. und Pawlo Stafyniak, ein Beamter der ukrainischen Länderbank nt Lemberg, d:e sechs Wockwn im Lcmberger Gefängnis sahen wnd die uin- nteirschliche Behandlung seitens der Russen rnchr ertragen konnten. Wojnaruwskv starb in der Anstalt fiir Geisteskranke. Einige der vielen, die auf dem blutigen Wege der mosko« witischcuBefreier" ihr Leben gelassen haken!"

Der Urieg gegen England.

Erfolgreiche Beschießung einer englischen Benzolfabrill.

Mißlungener Angriff auf ein deutsches Unterseeboot.

W. T.-B. Berlin, 28. Aug. (Amtlich.) Am 16. August vernichtete eines unserer Unterseeboote eine bei Harrington an der Irischen See liegende Benzol­fabrik einschließlich des Benzollagers u.nd der dazu gehörigen Koksöfen durch Geschützfeuer. Die Werke flogen mit hoher Stichflamme in die Luft. Die seiner­zeit in der englischen Presse ausgestellte Behauptung, daß das Unterseeboot die offenen Städte Harrington, Parton und Whitehaven beschosien habe, ist unzutreffend. Dasselbe Unterseeboot wurde am 15. August ,n der Irischen See von einem großen Passagier- d a m p f c r, anscheinend derRohal Mail Steam Packet Comp." angehörig, ans weite Entfernung beschaffen, ob­wohl cs ihn nickst angegriffen batte. Es wrrd ansdrück- lich festgestellt, daß der Angreifer van dem Geschütze also zum Angriff, nicht etwa zur Berteidtguug Ge­braucht machte. ,

Die englische Admiralität gab am 27. August be­kannt, daß ein deutsches Unterseeboot vor Ostende durch ein englisches Marineflugzeug voll­ständig z e r st ö r t und zum Sinken gebracht wor­den sei. Die Nachricht ist unzutreffend. Das Unterseeboot wurde von dem Flugzeug zwar angegriffen, aber n i ch t g et r o ff en. Es ist unv ersehrt rn den Hafen zurückgekehrt.

Der stellvertretende Chef deS Admiralstabs der Marrue: (gez.) B e h n ck e.

Die zerstörte BenzoIfabrik ist eine der größ­ten Englands und für die englische Sprengstaff- erzeugung von um so größerem Wert, als es nur wenig derartige Werke in England gibt.

Ein englisches Transportschiff torpediert.

Frankfurt a. M., 28. Aug. DieFranks. Ztg." meldet aus Amsterdam vom 28.: DasBaderland" berichtet: Rei­

sende des DampfschiffesRyndam", das dieser Tage aus New York zurückkam, teilten mit, daß am 15. auf der Höhe der Scilly-Jnseln ein englisches Transportschiff mit kanadischen Truppen torpediert worden ist. Bon de» 2000 Mann an Bord sollen ungefähr 10 0 0 ge­rettet worden sein.

Es handelt sich dabei um den bereits zu jraet Zeit kurz erwähnten Vorfall, der allerdings mehr in Form einer Mut­maßung wiedergegeben wurde.

Lin englischer Fleischtransportdampfer ^ auf eine Mine gelaufen.

Br. Haag, 28. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Wie Augenzeugen, die aus London eintrafen, berichten, ist in der Nähe der Londoner Tilburh-Docks ein größerer Über­seedampfer auf eine Mine gelaufen. Er wurde mit schwerem Leck in den Hafen eingeschleppt. Durch das einströmende Wasser sind die Eisvorräte geschmolzen, so daß die ganze La­dung argentinischen Fleisches verdorben ist und weithin die Luft verpestet.

2er Letzte vonE 13" geborgen.

Kopenhagen, 28. Aug. (Zeus. Bln.) Ein deut­sches Torpedoboot fischte die Leiche des letzten ver- mißten Matrosen von dem vernichteten englischen UnterseebootE 13" auf und übergab sie dem dänischen TorpedobootNachvalen", das sie nachniittags im Hafen von Dragoer einbvachtc.

Die Lüge des norwegischen Rapitäns. I

Zur Versenkung derHarboe".

W. T.-B. Christiania, 28. Aug. (Nichtamtlich.) Das Ministerium des Äußern teilt mit: Die angestellten

Untersuchungen haben ergeben, daß die Angaben des Kapitäns der norwegischen SegelbarkH a r- v o e", die am 25. Juli von einem deutschen Untersee­boot versenkt wurde, die Deutschen hätten, bevor sie dieHarboe" versenkten, die norwegische Flagge mit Petroleum ü b e r g o s s e n und sie dazu be­nützt, das Schiff in Brand zu ietzen, auf einer Ver­mutung des Kapitäns begründet sind, die jeder rechttgung entbchrt.