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Wiksdsökmr Tsgblsü.

Verlaa: Lanaaasse 27. Anzeigen-PreiS:

«>. Jahrgang

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Verlag: Langgasse 27.

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Uv. 226. BerlagLHerusprecher No. AS».

Freitag» den 13. War.

NebaktionS-Ferusprecher No. S».

1903.

Abend-Ausgabe.

Die drei W.

Die drei intcrnatiorialen Fragen, welche zur Zeit nicht nur die Diplomatie, sondern auch die öffentliche Meinung anr lebhaftesteir und intensivsten beschäf­tiget!, sürd die macedonische, die marokkanische und die mandschurische Frage. Wenn die drei Gebiete, auf denen sich diese Fragen aüspielen, auch weit von einander ent­fernt sind, so besteht doch zwischen diesen drei Fragen ein unverkennbarer und sehr enger Zusammenhang. Wir meinen nicht den, daß in allen drei Fragen zufällig alle mit einem M beginnen, und auch nicht den Zu­sammenhang, daß in allen diesen drei Fragen ein förm­licher Wettkampf in der Fabrikation von Gerüchten, Lügenmeldungen und Dementis stattfindct, sondern wir meinen der: politischen Zusammenhang zwischen diesen drei Fragen.

Dieser politische Zusammenhang liegt einmal darin, daß bei allen diesen Fragen in der Hauptsache dieselben Mächte, vor allem England und Rußland, beteiligt sind, daß überall der englisch-russische Gegensatz in die Er­scheinung tritt, daß die Tätigkeit der einen Macht in der einen M-Frage sie in der anderen hindert, während die andere Macht dadurch freieren Spielraum erhält, und daß endlich zwei der M-Fragen, nämlich die macedonische und marokkanische, auch politisch-geographisch insofcrir Zusammenhängen, als sie beide Teile der großen Mittcl- meerfrage bilden.

Der macedonischen . und der mandschurischen Frage fehlt zwar der geographische Zusammeichang, aber desto enger und offensichtlicher ist ihr politischer, der in dein englisch-russischen Gegensatz seinen scharfen Ausdruck findet. Wenn Rußland seine geheimsten Absichten ans­führen könnte, würde es sowohl in der macedonischen lvie in der mandschurischen Frage eine rücksichtslos aggressive Rolle spielen. Der alte Plan Rußlands geht dahin, sich einen Zugang zu dem Mittelmeer zu verschaffen und den Bosporus und die Dardanellen für seine im Schwarzen Meere eingeschlossenen Kriegsschiffe zu öffnen. Konstan­tinopel den Russen! das ist die alte Parole der russischen Politiker, die freilich nicht laut in die Welt hinausgerrifen, sondern still im verschwiegenen Busen bewahrt wird.

Man tveiß auch in Rußland, daß dies Zukunftsmusik ist, denn noch lebt der „kranke Mann", und die türkische Erbschaft ist noch in weitem Felde; noch weiß niemand, in welches Jahrhundert die Erbteilung fallen wird. Da­zu kommt, daß zu viel Erben da sind, als daß seiner Zeit die Erbteilung ohne komplizierten Prozeß vor sich gehen

könnte. Infolgedessen hat man in Rußland in Bezug auf die orientalische Frage die Berliner Bürgermeister- Parole „ich kann warten!" erkoren und wendet zunächst das Augenmerk der minder komplizierten mandschurischen Frage zu.

Der Zusammenhang der beiden Fragen ist ein sehr merkwürdiger. Rußland verfolgt in der macedonischen Frage eine für Rußland ganz ungewöhnliche friedliche Haltung, weil es dadurch freie Hand in der Mandschurei bekommen will. Gleichzeitig beinüht sich aber die russische Politik, die Vorgänge auf dem Balkan als möglichst ernst erscheinen zu lassen, um die Aufmerksamkeit Englands von der Mandschurei ab- und nach dem Balkan hinzu­lenken. England wiederum bemüht sich, Rußland in die macedonischen Wirren hineinzuziehen, um es von der Mandschurei abzulenken und weil es darauf spekuliert, daß, wenn Rußland seine Kräfte auf dem Balkan fest­legen wiirde, der englisch-japanische Zweibund in Ost­asien den Russen mit größerem Erfolg entgegentreten könnte.

Aber wer den Russen übers Oht hauen will, muß früh aufstehen, um so mehr, weim er, wie England, nicht daran denkt, die eigene Haut zu riskieren, sondern andere die zu verrichtende Arbeit ausführen lassen will. Den Russen ist das Hemd näher als der Rock, und so wollen sie sich zunächst das mandschurische Hemd airziehen, indem sie meinen, daß der Balkanrock derweilen noch lange am Nagel hängen kann. Das ist der Grund, weshalb Ruß­land sich durch die Agitation der Panslavistenpartei arif dem Balkan nicht verlocken läßt, sondern im Verein mit Österreich-Ungarn hier eine eminent friedliche Politik ver­folgt. Während dieser Zeit wird Rußland nach wie vor alle Behauptungen, daß es sich in der Mandschurei fist- setzen wolle, striktest dementieren, und es wird sich lang­sam, aber sicher doch dort feftfitzen. Tiefer Prozeß wird so allmählich und, wenn es sei:, muß, mit der Schonung der handelspolitischen Interessen der anderen Mächte vor sich geben, daß der englisch-japanisckie Zweibund gar nicht zum eigentlichen Protest kommen wird, selbst wenn er den Mut dazu hätte.

Es ist ebenfalls ein leicht verständlicher Schachzug in dem Jntriguenspiel Englands, wenn dieses, um bei den anderen Mächten gegen Rußland Stimmung zu machen, diesem den Plan unterschiebt, seine Mittelmeerstellung durch die Erwerbung eines marokkanischen Hafens zu stärken. An solche Pläne denkt Rußland schwerlich, und auch die in Marokko anr meisten interessierten Mächte, England, Frankreich und Spanien, werden erfreulicher Weise durch die gegenseitige Eifersucht daran gehindert, die marokkanische Frage zu einem internationalen Zank­apfel zu machen. Endlich haben alle drei Fragen noch das gcineinsain, daß man in allen drei Fallen Deutschland

hier und da der Jntriguen für oder gegen zu beschuldigen sucht. Das ist ein törichtes Unterfangen, denn Deutsch­land hat auf dem Balkair und in Marokko lediglich wirt­schaftliche, in der Mandschurei gar keine Interessen, und es wird sich weder hier wie dort, weder von Rußland noch von England von seiner Neutralität abdrüngen und das Leitseil um den Hals werfen lassen.

Die CliMiyung des Metzer pomprtals.

hd. Straßburg t. E., 14. Mai. Der Kaiser ist heute vormittag 8 Uhr in Begleitung des laiserlichen Statt­halters und der Herren des Gefolges nach Bitsch abge­reist, wo er 9 Uhr SO Minuten eintraf. , Der komman­dierende General Ritter Hentschel von Gilgenheimb hatte sich vorher nach Metz begeben. Die Ankunft des Kaisers in Metz erfolgte mittags 4 Uhr SO Minuten. Kurz nach der Ankunft des Kaisers fand die Feierlichkeit der Ein­weihung des neuen Christus - Portals am Metzer Dom statt.

Metz, 14. Mai. Die mit großem Pomp in Scene gesetzte Einweihung des Christus-Portals an der Käthe- drale wurde gegen 6 Uhr abends beendet. Bor dem mit Vorhängen verhängten Portal war auf dem Domplatz ein Zelt aufgeschlagcn, vor dem sich gegen 5 Uhr die Würdenträger des Landes, die aus Straßburg herüber­gekommen waren, und die hiesigen Generale und Spitzen der Behörden versammelten. Die Kaiserin kam um 4 Uhr SO Minuten, der Kaiser einige Minuten später von Bitsch an. Am Bahnhof stieg die Kaiserin in einen vier­spännigen Wagen, der Kaiser ritt zu Pferde. Truppen hatten auf den Straßen Spalier gebildet. Nachdem der Kaiser vom Pferde gestiegen war, begrüßte er zuerst den päpstlichen Delegaten Kardinal Dr. Kopp, sodann den von ihm eingeladcnen Erzbischof von Trier, Dr. Fischer. Alsdann hielt der Bischof Benzler von Metz eine An­sprache, woraus ihm der Kaiser antwortete: Es gereicht mir zur besonderen Freude, Ihnen, hochwürdiger Herr Bischof, das nunmehr vollendete Portal des Metzer Domes übergeben zu können. Ein Meisterwerk der Architektur und der Bildhauerkunst, hat seine bildliche Darstellung die freudige und bewundernde Anerkennung Sr. Heiligkeit des Papstes gefunden. Die Anwesenheit seines Stellvertreters ist eine besondere Ehre für das Bistum und das ganze lothringische Land, zu der ich Ihnen meinen herzlichen Glückwunsch ausspreche. Mögen durch die Pforte fromme Christen und treue Untertanen zum Dienst ihres Herrn ihren Eintritt nehmen. Das walte Gott! Der Bischof antwortete, daß er heute zum dritten Male Gelegenheit habe, dem Kaiser seine Hul­digung darzubringen, als er in Maria Laach den Altar schenkte, als er in Jerusalem den Grundstein auf der von ihm, dem Kaiser, geschenkten Dormitiou legte, und nun­mehr hier. Er erklärt den bildlichen Schmuck des Por-

Im weißen Kleiüe.

Roman von M. Böhme (O. Sandor).

(4. Fortsetzung.)

„Und das andere? Der — Mord?! Ist das auch erlogen?" Wieder war es eine Weile still. Ohne ein Glied zu rühren, stand Marike aufrecht da, schwarz und riesenhaft fiel ihr Schatten in den Mondglanz.

„Antworte! Ist das auch erlogen?"

Seine Stimme herrschte und.flehte zugleich, aber er bekam keine Antwort.

Er drückte die Hand gegen die Augen. Seine trotzige Wut erstarb allmählich in denr weicheren Gefühle namen­losen Schmerzes. Gewaltsam kämpfte er das Schluchzen nieder, das ihm in der Kehle saß und auszubrechen drohte.

„Daß meine eigene Attitter-du hast mich freilich

nie geliebt.-Es ist fürchterlich, so Grausiges aus-

zudenken —" Er konnte nicht weitersprechen, das Schluchzen erstickte seine Stimme.

Noch immer blieb es still, und Marike stand noch wie eine Bildsäule auf dem alten Fleck.

Stach einer langen Pause sagte sie eintönig: „Ich bin ein einfälliges Bauernweib. Ich bin nicht so klug, wie dein Vater war, auch nicht so gescheft, wie du bist. Aber von meiner Schulzeit her ist mir doch etwas im Gedächt­nisse geblieben, zum Beispiel das vierte Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren. Und in der Schrift steht es noch anders: Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben."

Und ohne eine Antwort abzuwarten, drehte sie sich um; gleich darauf schloß sich die Stubentür hinter ihr, dann war alles totenstill in dem einsamen Gehöft. Thygo machte einige Schritte nach der Haustür, dann, gleichsam einer geheimnisvollen Suggestion folgend, kehrte er uni und Fing nach der entgegengesetzten Richtung. Durch eine niedrige Tür im Hintergründe des Loo trat er, zwei Stufen abwärts steigend, in die Küche.

Zwei kleinscheibige Fenster gewährten auch hier dem Mondlicht Einlaß. In großen zitternden Ringen schwebte es über den roten sandbestreuten Steinboden und über die Wände, an denen allerhand Dressing- und Kupfergeschirr

funkelte. Sogar m die dunkle Herdnische drängten fid eilt paar vorwitzige Strahlen nnd kokettierten mit de: glühenden Kohlen unter dem Dreifuß, auf dem noch öe: Teekessel eine schläfrige Melodie summte.

Aus einer anstoßenden Kammer zog der scharfge würzige Geruch der medizinischen Kräuter, die dort zun Trocknen ausgebreitet waren. Im ganzen Hause und i: weiter Umgebung war kein Winkel und Fleckchen, in den nrcht der Odem von Knut Webers Schaffen wehte.

Von der.Küche führte eine Tür nach dem Garten Thygo schloß die Tür auf und zog sie hinter sich zu; unt wie ein Schlafwandler durchkreuzte er die schmalen Steig, des Gartens. Ter Mond, der drüben auf der Heide nii: firnen Silberflittern kargte, überzog den kleinen Blumen garten jetzt mit verschwenderischer Fülle von Licht. Mar hätte eine Stecknadel auf dem Boden suchen und finder können, so hell war es. Tie Farben der Blumen und Blatter verblaßten und verschwammen in der Silberflui des blendenden Mondscheins.

Vom Zaune her nickten bleiche Rosen und grellbunter, dickköpfiger Riesenmohn, und auf den Beeten blühten Rittersporn, Jüngferlein im Grünen, großdoldige Reseden und duftschwerer Goldlack. Aber durch das Gemisch von schwülen Hochsonunerdüften zog wahrnehmbar das feine Aroma der Himbeeren, die jenseits des Zaunes in üppigen Büschen wucherten: und alles, was hier wuchs, blühte. Früchte trug, war von Knut gepflanzt und gepflegt. Knut Weber! Und überall Knut Weber!

Zwischen Mohn und Rosen stand eine Bank.

Thygo setzte sich. Ein paar Minuten wollte er ruhen; seine Kniee zitterten, so daß er sich kaum aufrecht Halter: konnte. Drinnen hatte er die Schwäche niedergekämpft, jetzt übermannte sie ihn.

Eine Zeitlang überließ er sich seinen Gefühlen. Das Weinen erleichterte, die Tränen nahmen ein gut Teil jener dumpf belastenden, erstickenden, peinvollen Empfin- düngen, die sich in den letzten Stunden in ihm an­gesammelt hatten, von ihm.

In einem Winkel seiner Seele hatte lieben der Vor­stellung, daß doch vielleicht alles uiiwahr sein könnte, die fülle Hoffnung gelebt, Knut Weber werde die gegen ihn erhobene Anklage empört zurückweiscn; Er hätte sich so

gern überzeugen lassen, daß man den Heidhofcrn damals unrecht getan hatte.

Aber nun?

Er begann sich seiner Schwäche zu schämei: und trocknete die Tränen ab. Weiche Gefühle waren hier nicht am Platze. Wozu auch weinen? Des Abschieds wegen? Bisher war er sich feiner Heimatsliebe kaum be- wußt gewesen; erst in diesem Augenblick fühlte er, daß er :n dem einsamen Hause nicht nur seine Kindheit, sondern seine ganze Jugend zurückließ, jene hoffnungsfroh und unbefangen ins Leben blickende Jugend, die überall Licht und nirgends Schatten sieht. Dort im Hause hatte er heute seine Jugend begraben. Aber vietteicht gerade deswegen wurde es ihm klar, daß das Heidhaus seinem Herzen näher stand, als er bis jetzt geglaubt hatte.

Hundert Erinnerungen drängteti sich an ihn heran. Er schüttelte sie ab; es tat nicht gut, laiige zwischen Knut Webers Blumen zu sitzen und ihren Dust zu atmen.

Hasttg erhob er sich.

Hart aufschlagend fiel die Gartenpforte hinter ihm ms Schloß. Einen letzten Blick warf er noch rückwärts nach dem füllen mondbeschienenen Gehöft, dann rannte er quer über die licht- und schattenbedeckte Heide den Weg zurück, den er vor einer halben Stunde ge­kommen war.

2. Kapitel.

In der schmalen Stube herrschte die schwüle Tem- peratur der Hochsommernacht. Die kleine Lampe braiinte ruhig, ohne zu zucken, weiter, und die Wanduhr tickte unaufhörlich gleichmäßig durch die Stille, zuweilen knackte der Zerger bei der Wende, dai:n schlich er lautlos weiter, weiter, weiter bis ins Unendliche.

Marike und Knut saßen einander gegenüber, sie am Tische, Knut am Ofen, aber Marike hatte ihren Stuhl herumgerückt, daß sie dem Knecht i,:s Gesicht sehen konnte, und niemand von beiden rührte sich, niemand sprach ein Wort.

Die Hände der Frau waren in den Schoß gesunken - den Oberkörper etwas vornübergeneigt, starrte sie zu Boden. Das Lainpenlicht fiel hell auf ihren Scheitel ihr Gesicht blieb dagegen im Schatten. Plötzlich zuckte sie auf und richtete den Kopf etwas höher. Sie hatte das Zu-