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Zreitag, 27. August 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 397. ♦ 63. Jahrgang.
nferc Truppen vor Vialostok und Mita.
Zurückörängen der Russen in die Pripetfümpse.
Ein Angriff zweier französischer Flugzeuggeschwader auf das Saartal unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen. 4 Flugzeuge vernichtet, mehrere Flieger tot und mehrere gefangen. — Srest-LilowsK durch dis Brandenburger erstürmt. — Der Feind auch an anderen wichtigen Punkten geworfen.
Der Tagesbericht vom 26. August.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 26. Aug. (Amtlich.)
westlicher Rriegsschauplatz.
Nördlich liou Brausejvur, in der Champagne, wurde ciu vorgestern besetzter Sprengtrichter gegen französische Angriffe behauptet.
Zwei feindliche Flugzcuggcsch Wader warfen gestern im S a a r t a l e, oberhalb und unterhalb von S a a r l o u i s, Bomben. Mehrere Personen wurden getötet oder verletzt. Der Sachschaden ist unwesentlich. Bor ihrem Start waren die Geschwader in ihrem Hafen Ranzig mit gutem Erfolg von unseren Fliegern angegriffen worden. Außerdem büßten sie 4 Flugzeit ge ein; eines stürzte bei Bolchtn brennend ab, Führer und Beobachter 'sind tot; eins fiel bei Remilly mit seinen Insassen unversehrt in unsere Hände; ein drittes wurde von einem deutschen Kampfgeschwader bei Arracourt (nördlich von Luneville) dicht vor der französischen Linie zur Landung gezwungen und von unserer Artillerie zerstört; das vierte landete im Feuer unserer Abwehrgeschütze bei Moivrvns (südlich von Noneny) hinter de^ feindlichen Front.
Gestlrcher Rriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Bei Banste und Schönberg, südöstlich von Mitau, haben sich Kämpfe entwickelt. Östlich und südöstlich von Kowno nehmen die Kämpfe ihren Fortgang. Bor Olita nähern sich unsere Trnvpcn den Vorstellungen der Festung. Zwischen S e > n y und M c r c c z (am Njemcn) wurde der Feind geworfen. Auch im Walde, östlich von Augustow, driitgen Teile der Armee des Generalobersten v. Eichhorn nach Osten vor.
Weiter südlich wird um den Bcrecowka-Abschnitt gekämpft. U n s e r c S P i tz e hat B i a l o st o k e r r e i ch t.
Die Armee des Generals v. Gallwitz warf den Feind im O r l - I a n k a -A b s ch n i t t (südlich und südöstlich von Bielsk) zurück.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls
Prinz Leopold von Bagern.
Ter schwergcschlagcnc Feind flüchtete in das Innere des Bialo-Wieska-Forstes. Südlich des Forstes in der Gegend nordwestlich von Kamis- lficc-Litowsk hält er noch stand.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Tie Festung Brest-Litowsk ist gefallen. Während das öfterrcichisch-nngarischc Korps des Fcld- marschallcutnants v. Arz • gestern nachmittag nach Kämpfen zwei Forts der Westfront nahm, stürmte das branden burgis che 2 2. R e s e r v e k o r p s die Werke der Nordwcstfront und drang in der Nacht in das Kcrnwcrk ein. Der Feind gab darauf die Festung frei.
Ans der ganzen Front der Heeresgruppe von Bialo- Wieskaforst bis zum S u m p f g e b i c t des P r i p e t (südöstlich vor Brcst-Liiowsk) ist die Verfolgung in
vollem Gange. Oberste Heeresleitung.
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Oie Bedeutung von Vrest-Litowsk
Nun, da B r e st - L i t o!w s f so überraschend schnell gefallen ist, da cs entgegen den allseitigen Erwartungen fast keinerlei Widerstand zu leisten vermochte und nur verhältnismäßig wenig russische Truppen einen etwas zäheren Widerstand versuchten, erkennen wir immer klarer. daß die Nüssen nicht gesonnen sind, eine größere Schlacht anzunchmen, wie sie vordem zur Beschönigung und Entschuldigung ihrer Niederlagen immer und immer wieder verkündet hatten. Sie sind im Gegenteil auch bei Brest-Litowsk bestrebt gewesen, daß sich ihre zusammengedrängten Massen so gut wie nur möglich m Sicherheit brachten, und daß sie den hart aus den
Fersen folgenden deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen soviel wie möglich an Kriegsmaterial entzogen.
Es ist alles anders gekommen, als man auf seiten Rußlands und der Verbündeten erwartete. Brest-Litowsk sollte infolge seiner Lage an der Mündung des Mucha- wiec in den Bug sowie am westlichen Rand der Potchic zur Bugverteidigung beitragen und der östlichste Eckpfeiler werden, an dem sich der Widerstand der Feinde brechen mußte — wenn nur die Festung Kowno den Deutschen noch länger hätte widerstehen können. Darin, und das erkennen wir jetzt zur vollsten Genugtuung, lag die Bedeutung von Kowno als Hauptstützpunkt des ganzen Verteidigungssystems. Auch die Frage, ob Brost im Verein mit Bialostok eine neue vorteilhafte Vertei-di-
S slinie bilden könnte, in die der Westrand der er von Bjelowiec mit einbezogen wenden würde, hatte jede Berechtigung verloren, seitdem die Deutschen im Besitz von Bielsk und Ossowiece waren und die Bahnverbindung Bialostok-Brest unterbrochen war, vor allem aber seit die Pulwastellung getrommen und die Wälder durchdrungen waren.
Alle Hoffnungen schwinden dahin, da auch das letzte Bollwerk genommen ist, das noch chnj-germaßen hätte Widerstand zu leisten vermocht. - Von nun an wird's nur noch offene Feld schlecht sein können, in der sich die Russen stellen oder ergeben müssen. Nt noch irgend jemand, der an ihrer verzweifelten und schlimmen Lage zweifelte! Mögen sie auch hier und da noch einmal Widerstand zu leisten beabsichtigen, bei dem Versuche wird es doch nur bleiben. Sie sind geschlagen, ob sie nun eine offene Schlacht annehmen oder nicht. Sie sind bereits derart besiegt, daß bis zur völligen. Vernichtung nur noch ein winziger Schritt ist. Das wird auch der moralische Eindruck sein, den alle unsere Gegner gewinnen müssen. Dr. A. H.
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Dünamünde geräumt.
Br. Bukarest, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Auf Grund zuverlässiger Petersburger Mitteilungen melden hiciige Blätter, das, die Festung Dünamünde von ihrer Garnison bis auf einen kleinen Bruchteil geräumt worden ist.
Auffälliger Verlust hoher russischer Gffiziere.
Br. Stockholm. 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Rückzugskämpfe im Monat August haben das russische Heer auffallend hohe Verluste an höheren Offizieren gekostet. In den Todesanzeigen hier vorliegender Blätter sind die Namen von vier gefallenen Generalen, 11 Regimentskommandeuren und einer großen Anzahl hoher Offiziere anderer Rangstufen enthalten. Ein Linien-Jnfanterie- Regiment hat in den Kämpfen nördlich Cholm 17 Offiziere seines Stabes verlorem
Oie deutschen Angriffe auf die Rigaer Sucht.
Das Urteil eines norwegischen Marinesachverständigen.
Br. Christiania, 2V. Aug. (Eig. Drahtbcvicht. Zenf. Bln.) Der Marinesachverständige von ..Astonposten" schreibt über den Angriff der Deutschen auf die Rigaer Bucht: Die von deutscher unterrichteter Seite als erfunden scstgestellte russische Meldung, es seien einige Schlachtschiffe bei dem Forträumru von Minen gesunken, sei kaum wahrscheinlich. Daß die deutsche Flotte sich jetzt zurückgezogen fyjive, bedeute nicht, daß der Angriff aufgegcben sei, im Gegenteil sei Gyumd zu der Annahme vorhanden, daß der Angriff wiederholt werde, sobald sich die Gelegenheit dazu biete. Die Besitznahme der Rrgaer Buch! würde für die Deutschen kolossale Vorteile mir sich bringen, nicht allein hinsichtlich der Operationen gegen die russische Küste und Flotte, sondern sie würde auch die Unternehmungen des Lanöheercs wesentlich unterstützen.
Englische Befürchtungen.
Br. Kopenhagen, 26. Äug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Englische Telegramme aus Petersburg besagen, die Pläne der Deutschen in der Rigaer Bucht liefen daraus hinaus, einen Landungsplatz zu sichern, und einen Stützpunkt für bedeutende Truppen Massen zu fiuden, welche die russischen Streitkräste hinter Riga ab- schneiden und danach gegen Petersburg vorrücke sollen. In der neuesten Zeit seien wichtige Ereignisse in der Ostsee zu erwarten. Die „Times" warnt davor, allzu sicher an den Untergang des Kreuzers „Moltke" zu glauben. Wenn der Kreuzer auch von einem Torpedo getroffen sei, so sei es doch unsicher, ob er gesunken sei.
hoffnungslose Stimmung in Petersburg.
Br. Petersburg, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Alle Fragen der Politik sind hinter dem Eindruck der Hiobsposten von den Schlachtfeldern zurückgetrcten. An die künftige neue Offensive, die durch den strategischen Rückzug: nach der offiziellen Lesart vorbereitet werden soll, glaubt man kaum noch auf der äußersten Rechten und die Hoffnung auf die westlichen Verbündeten ist beinahe auf den Nullpunkt gesunken. Die Parteien der Linken geben der allgemeinen. Mißstimmung den stärksten Ausdruck. Der Führer der Progreffisten, Jefrcmow, meinte, wenn man nicht alles verlieren wolle, müsse man an die Spitze der Staatsgewalt eine diktatorische Persönlichkeit stellen, der daS ganze Bolk vertrauen könne. Die Lage sei so ernst, daß kein Mensch in Ruß- land leeren Worten und Versprechungen mehr traue.
Derverlust Polens für Ruhland eine Rataftrophe;
Br. London, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Tie Birminghamer „Daily Post" erklärt: Der Verlust Polens ist für Rußland vom ökonomischen Standpunkt eine Katastrophe. Es ist nicht genau sestgestellt, in welchem Matze Rußland von den metallurgischen Reichtümern der Gegend bei Sosnowice und Kalisch vcositiert. Es steht aber fest, daß wenigstens der sechste Teil der allgemeinen Produktion Rußlands auf Polen kommt.
Die Duma für ein Ministerium der nationalen Sammlung.
Br. Christiania, 26. Ang. (Eig. Dvahtbe-richi. Zens. Mn.) Aus Petersburg erfährt „Astonposten": Die
Parteiführer der Oktobristen. der Nationalisten des Zentrums, der Kadettenpartei und der Progressfften hielten gestern unter dem Vorsitz des Dumapräsidenten Rodsjanko eine Sitzung ab, die der Bildung des Ministeriums der nationalen Sammlung galt.
Große Unlerschleife in den putilowwerken,
Br. Stockholm, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In den Putilowwerken in Petersburg, den größten russischen Jndustriewerken für Kriegsbedarf, sind außerordentlich hohe Unterschleife entdeckt worden. Der K r i e z 8 m i n i st e r hat eine Revision der gesamten Geschäftsführung und namentlich der artilleristischen Geheim- zeichnungen der Werk? angeordnet.
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Erneutes Vorgehen der serbisch-montenegrinischen Streitkräste gegen die Donaumonarchie.
W. T.-B. Wien. 26. Aug. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: An der Ostfront sind kleinere Geplänkel und zeitweiliges Artilleriefeuer zu verzeichnen. Nächst Semlin wurde ein österreichisch - ungarisches Patrouillenboot durch serbische Batterien lebhaft, aber ohne Erfolg beschossen. Feindliche Flieger werden oft über dem Bairat sichtbar. An der montenegrinischen Grenze versuchten kleinere feindliche Abteilungen bei Bileca sowie östlich von Trebinje vorzu- stotzen, wurden aber mit Verlusten abgewiesen.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
„Ueberall die Deutschen an der Spitze."
Die verzweifelte Lage der Verbündeten.
In einem Leitartikel führt „Ekstrabladet" vom 19. August folgendes aus:
Man kann nicht leugnen, daß es augenblicklich den Verbündeten betrüblich geht. Kowno und der russische Rückzug ist nicht die Hauptsache. Niederdrückend sind in erster Linie die Verluste, die die Deutschen der englischen Flotte fortdauernd zusügen. Die moralischen Wirkungen ihrer Überrumpelungen der englischen Flotte sind sicher recht bedeutend und höchst beschämend für das Prestige der britischen Flotte.
Auch die Luftbombardements sind für die Verbündeten unbehaglich. Wo bleiben nach einem Jahr Krieg die englischen Luftschiffe und die französische Luftflotte, die sich ebensogut über Berlin und Köln zeigen könnten wie die deutschen über London?
Überall sieht man deutsche Initiative, so glanzvoll und so sicher, daß man in einen Ruf des Erstaunens auSbrechen mochte. Die anderen Parteien haben derartiges nicht — oder nur ausnahmsweise — aufzuweiscn. Überall sind die Deutschen der angreisende Teil und benutzen die Gelegenheit, ihre glänzenden Eigenschaften zu entwickeln. Das Geheimnis oer großen deutschen Siege ist offenbar in dem Mißverhältnis zwischen Deutschlands geistiger Entwicklung, und derjenigen seiner Widersacher zu suchen.
