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«1. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 9 Mk. SO Pfg. viertelliihrlich für beide

Verlag: Langgasse 27.

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Morgen »Ausgabe.

pic Fmk« im WlliWlheii StaatsDicnlt.

Von Adele Schreiber.

Eine übersichtliche Schrift über die Frauenarbeit im österreichischen Staatsdienst von Hans Nawiasky (Verlag Franz Deuticke, Wien und Leipzig, 1902) ergibt ein er- hebliches Anwachsen des weiblichen Beamtenpersonals während der letzten Jahrzehnte. Das Wort Beamten- personal ist hier allerdings nicht in seinem vollen Sinne anwendbar, denn die Frauen stehen zum Staat in einem besonderen privatrechtlichen Verhältnis, das für die ver- schiedenen Verwaltungszweige stark abweichende Bilder in Bezug auf Verpflichtung und Rechtsstellung aufweist.

In erheblicher Zahl finden sich Frauen sowohl als Postmeisterinnen wie als Postexpeditorinnen der nicht äranschen Postämter im Landpostdienste. Vom Jahre 1873 brs zum Jahre 1899 stieg ihre Zahl von 543 auf 5166, während sie damals 8 % der Angestellten aus­machten, sind sie gegenwärtig mit 40 % und zwar unter den selbständigen Inhabern mit 27,3 %, unter den Ex­peditoren mit 60,4 % vertreten. Die Jahresbezüge be- tragen für Postmeisterinnen 3. Klasse 860 bis 1200 Kronwr, 2. Klasse 1400 bis 1900 Kronen, Expeditorinnen 240 bis 360 Kronen und freier Station. Eine besondere Eigentümlichkeit des Landpostdienstes ist für die Frauen die Erlaubnis zuin Tragen einer Uniformbluse.

. Bei den staatlichen Postanstalten ist die Anzahl der im Telephon- und Telegraphenbetriebe bediensteten Frauen seit 1869 von 163 aus 2851, im Verhältnis von 5 auf 27 % gestiegen. Einer relativ kurzen Arbeitszeit von durchschnittlich 6 bis 7 Stunden täglich steht eine ge­ringe Entlohnung gegenüber, die anfangs 60 bis 65, erst im 5. Dienstjahre 70 bis 75 Kronen monatlich be­tragt. Aus diesem Grunde siird Mädchen, die nicht von zu Hause irnterstützt werden, darauf angewiesen, teils vielfach aushilfsweise doppelten Amtsdienst zu verrichten oder rn ihrer freien Zeit Verdienst durch Kontor- und Handarbeit oder Unterricht zu suchen. Wie schlecht die Bezahlung der weiblichen Angestellten ist, ergibt ein Ver­gleich mit den Bezügen männlicher Beamten derselben Kategorie. Das Einkommen der Frau beträgt im vierten bis fünften Dienstjahr etwa 42 %, im 10. 36 %, im 20. 35 %, in den höchsten Altersstufen bestenfalls 47 % des Männereinkommens. Da nun als allgemeiner Maßstab gilt, daß drei Frauen vollauf den Dienst von zwei Männern versehen, so ergibt sich noch immer eine erheb- liche Ersparnis für die Staatskasse. Die Frauen werden als „emsig, eifrig, verläßlich und in ihren Pflichten sehr hingebend" bezeichnet, als Nachteile kommen schlechterer Gesundheitszustand, Nervosität namentlich im Telephon- und Telegraphendienste und unzureichende Vorbildung

es

iit Betracht. Für den überwiegenden Teil bildet der Dienst nur ein Durchgangsstadium zur Ehe, es scheiden aus: m den ersten sechs Dienstjahren 41,4%, in den folgenden 6 weitere 28,6 %. Aus diesem Grunde haben die grauen nicht den Ehrgeiz, vollberechtigte Glieder des Beamtenorganismus zil werden und gelangen nur selten 3u verantwortungsvollen Ämtern.

Im L-taatsbahndienst sind 481 Frauen, größtenteils ^^.^Ebstuben, im Kontroll- und Rechnungsdienst beschäftigt. Ihre Ordnungsliebe und Ehrlichkeit ist großer, ihre Vorbildung aber geringer als die der männ lichen Beamten. Nur in zwei Fällen konnte auf Grund läge einer höheren Vorbildung die Verkehrsprüfung be­standen werden und die Ernennung zum definitiven Be- achten erfolgen. Zum ersten Male ist in diesem Jahr ein weiblicher Stationschef, mit Berechtigung zum Uniform tragen, angestellt worden. Es sind ferner noch im Staatsdienst beschäftigt 220 Kalkulantinnen der Postspar- lasse, 18 Dlurnlstinnen im handelsstatisüschen Amte, eine Anzahl von Hllssarbeiterinnen in der statistischen Zentral- s?^^ssuwn. Diese bedürfen zur Tabellenarbeit höherer Vorbildung und rekrutieren sich meist aus absolvierten Handels- und Fortbildungsschülerinnen, sowie Lehr- amtskandidatinnen. 91 Frauen stehen in Wien bei der Polizeidirektion in Verwendung — die Enllohnung be­tragt nirgends mehr als durchschnittlich 70—100 Kronm monatlich.

Ein Vergleich mit anderen Ländern ergibt, daß die Bezüge im österreichischen Postdienste für die Frauen wesentlich geringer sind als z. B. bei der Reichspost, in Bayern und Württemberg, der Unterschied beträgt teil- weise 46 bis 75 %. Benachteiligt sind die Frauen den männlichen Kollegen gegenüber auch dadurch, daß ihnen nur bei den Staatsbahnen ein Anspruch auf 14 Taae jährlichen Urlaubes zusteht.

In neuerer Zeit hat die bürgerliche Frauenbewegung im Kreise der Beamtinnen um sich gegriffen und sie ver­anlaßt, durch eine Petition an das Abgeordnetenhaus einheitliche gesetzliche Regelung der Dienstpensions- und Lohnverhälüiisse, Einreihung in den Beamtenstand bei entsprechender Vorbildung und Leistung, Gewährung eines jährlichen Urlaubes von 14 Tagen und Freigabe jedes zweiten Sonntages, sowie endlich Aushebung des Heiratsverbotes zu fordern.

Eine Verbesserung der Lage macht in erster Linie eme Erhöhung der Vorbildung nöffg. Da aber noch immer für eine große Zahl der Frauen die Vorbereitung für die hauswirtschaftliche Tätigkeit und die Ehe im Vordergründe des Strebens steht und stehen soll, da außerdem stets die verheiratete Frau und Mutter sich dem Staatsdienste nur schwer mit der wünschenswerten Regelmäßigkeit und Ausschließlichkeit wird widmen können, steht man auch hier vor den ungelösten Problemen der Frauenbewegung, vor den Widersprüchen, die noch immer ihre entwertende Wirkung zu Ungunsten der Frauenarbeit geltend machen.

FemlleLon. Wonnemonat.

Berlin, Anfang Mai 1903.

Der April hat seinem bösen Ruf alle Ehre gemacht, Regen vormittags und nachmittags, heulende Winde, Schneesturm, Hagel, Gewitter, viel Widerwärtigeres aus dem stattlichen Register meteorologischer Wider­wärtigkeiten konnte er uns nicht bescheren. Die weißen Kleider, die sich zu Ostern hervorwagten, verschwanden schnell oder kehrten braun oder durchweicht an den heimatlichen Küchenofen zum Trocknen zurück, jene Schönen, die sich vorwitzig „per taille" den linden Lüften anvertrauten, werden noch heute bet Influenza, Schnupfen, Husten über die Treulosigkeit besagter vielbe­sungenen Lenzesboten nachzudenken haben. Dennoch geht die Arbeit des Ausschmückens und Aufputzens in der Natur, in den großen Schneider-Ateliers, bei Modistinnen und mit den eigenen Nähmaschinen vor dem Spiegel im stillen Kämmerlein eifrig und ununter­brochen vorwärts, alle Osterhoffnungen wird das Pfingst­fest erfüllen, der Mai bringt buntbelebte Straßen und heitere Promenaden, in denen man doch wenigstens ab und zu ohne schützendes Dach des Regenschirmes lust­wandeln, sehen und gesehen werden kann,- er vereinigt das elegante Publikum bei den Eröffnungen der großen Kunstausstellungen, auf den Sattelplätzen von Hovve- garten und Karlshorst, Radler und Radlerinnen flitzen lustrg aus, von allem das Neueste vom Neuen' Wir haben ja seit dem sechzehnten April einen richtigen, regel­rechten Berliner Korso, „Promenaöenfahrten", wie der offizielle Titel lautet. In der Siegesallee, zwischen zwer und vrer Uhr nachmittags, fein im Schritt an den {£&? fcfÄÄ 6 ”,' Ehrend die scharf fahrenden Ge- des Dammes zu halten haben, soll er sich sittsam und würdevoll auf- und abbewegen,- zur Aus­dehnung der Fahrten, welche namentlich bei größerer Ansammlung der Equipagen erwünscht erscheint, kommen in erster ~tme die Tiergartenstraße und der Große Weg

Ausland.

Die türkischen Wirren.

I. K o n st a n t i n o p e I, 1. Mai.

Die Bombenattentate in Saloniki haben, das übliche Resultat hier gehabt, nämlich die Botschafter sind zum Sultan gegangen und machten die gleichfalls üblichen energischen Vorstellungen. Daraus ist ihnen erwidert worden, es würden sofort Maßregeln ergriffen werden, um ähnlichen Vorkommnissen einen Riegel vorzuschieben und vor allem Leben und Eigentum der Fremden zu schützen. Zu diesem Zwecke wurde ein Ministerrat schleunigst einberusen, und dieser hat denn auch sogleich das Richtige getroffen. Er versandte — eine Mitteilung an die Zeitungen und fremden Korrespondenten, in der es heißt, die Türkei sei für die Dynamitattentate nicht verantwortlich, sondern die Bulgaren steckten dahinter, die türkische Polizei tue ihre volle Schuldigkeit; die Be- volkerung habe volles, Vertrauen zu derselben. — Also nun wissen wir, wie die Sachen liegen und brauchen uns keine Kopfschmerzen mehr zu machen! Allerdings herrschen m „Saloniki jetzt derartige Zustände, daß die erregte Bevölkerung über ihr verdächtig erscheinende Leute einfach herfällt und sie totschlägt, doch wird viel- leicht darin gerade die Begründung des Vertrauens zur Polizei von türkischer Seite gesunden. Erstaunlich ist es nur, daß die Botschafter sich so etwas fortwährend ge« lallen lassen und,noch immer nicht herausgefunden haben, daß Abdul Hamid, wenn er überhaupt mit Energie ein­schreitet, dieses nur gegen die Macedonier ttm wird, mit­hin gerade gegen diejenigen, die die Mächte durch dis Reformen schützen wollen. In Albanien ernstlich vor- zugeheii, besteht an leitender Stelle nicht die geringste Absicht, und höchstens könnte etwas geschehen, um „der Form wegen" zu zeigen, daß die Pforte den fortwähren- den Vorstellungen endlich Gehör schenkt. Das wissen die Albanesen ganz gut, und daher ihre herausfordernde! Haltung die so weit geht, daß sie es trotz aller Bitten ab« lehnen, sich auch nur so zu stellen, als ob sie die Vorschläge des Sultans m Erwägung ziehen.

*

* Rußland. Eine neue russische Universität soll in Mohttew gegründet werden. Im Ministerium der Volks- aufklarung soll man, wie russische Blätter melden, ein- gesehen haben, daß auch das Nordwestgebiet Rußlands "sir erner Hochschule ausgestattet werden muß, und Mohilew soll bevorzugt werden, wenn die Stadtverwal- tung jich verpflichtet, den Grund und Boden für den Univcrfttatsbau umsonst herzugeben. Die Zeitungen smb nicht zufrieden damit, daß die Wahl gerade auf Mohilew fallt. Von Wilna konnte nicht die Rede sein/

man nicht die Erinnerung an die einstige polnisch^ Hochschule dieser Stadt wachrufen möchte, aber Witebsk! und vor allem Minsk hätten weit mehr Anspruch auf eins' Universität als Mohilew.

von der Hohenzollernstraße am Neuen See vorüber vis zur Station Tiergarten in Betracht. Polizei uv Sporr- verein hatten ihre Pflicht aufs Veste getan, r waren "sich wirklich zehn Zuschauer da, die den Kragen bis an die Nasenspitze hochgeklappt auf- und abgingen, um sich warm zu halten, — Seine ungezogene Majestät, der April, wollte nämlich nicht, — die ersten Wagen, die in

Fig. 1.

die Allee einbogen, waren derjenige des Herzogs von Ratlbor und der des Kammerherrn Grafen von Alvens- leben-Neugattersleben. Von fürstlichen Persönlichkeiten chh man u. a. den Prinzen Joachim Albrecht von Preußen, die Erbprinzessin von Wied, welche ein Drci- gespamr dirigierte, eine Anspannung, wie sie ihr Vater der König von Württemberg, besonders liebt. Leider war der größte Teil der Equipagen, unter denen sich

wirklich erstklassige Gefährte befanden, schon wieder nach Hause zuruckgekehrt, als nach 4 Uhr die Majestäten cr- fc n ' “ m den Korso zu besichtigen. Der Kaiser war zu Pferde, die Kaiserin im offenen zweispännigen Wagen

aristokratte ® tor£ I ’ eitreten mr auch die Finanz.

Niemals darf vergessen werden, daß. was in der ^.siuipage, rm geschlossenen Raum oder Garten als höchste Eleganz und Vornehmheit wirkt, auf der Straße, tm , bedränge der Passanten auffällig wird, r unbedingt tadelnswert erscheint. Dies

grlt besonders von den ganz hellen und entzückenden Farben, die durch ihre Verletzlichkeit und Vergänglichkeit gerade den äußersten Schick repräsentieren: Weiß, Hclllila.

sagten Grün und sehr mildem Pastellblau, die beide wohl die ausgesprochenen Modefarben sein dürften.

roolkigen Rüschen, Boas, Echarpen, — Rücksitz des eleganten Gefährts bilden sie ein uube- schreiblich kostges, zauberhaftes Nestchen für zarte Büsten, feine von Sargent und Boldini gezeichnete Profile — vor allem gilt dies von der Schleppe. Auf dem Trottoir Leipziger- oder Friedrichstraße ist sie beinahe eine Taktlosigkeit, eine hygienische Ungehörigkeit, fordert be­rechtigten Unwillen und den Spott der Gasseniunaen heraus, auf dem Parkett vornehmer Ausstellungssüle, dem Kiesgrund unserer eleganten Hippodrome, den sorgfältig gestampften und gewalzten Promenaden mondäner Kurorte und Bäder kann man sie mit allen auseinanderspringenöen Falten, Plissäs. SviNen. balayeusen ruhig schleifen lassen. Jedech wo Ä aehvrt! Die neuen sommerlichen Etamine-, Tattet- Lcinen-, Linon- und Mousselinekleider verursachen mit ihren tausend und abertausend Fältchen, senkrechten und wagerechten, den Hohlsäumen, Spitzeneinsätzen, Durch­brüchen, Unterlagen eine solche Mühe und Arbeit, daß die fashionablen Schneider und Schneiderinnen klaacn dies sei schon nicht mehr Schneiderarbeit, sondern dw der Femnaherln in Wäsche und Batist; natürlich versäumen die Schwergeprüften nicht, dabei ganz erheblich ibre Preise zu erhöhen, solche modernen Wunderwerke von Feenhanden gearbeitet, sind teuer, sehr teuer! Wo