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Morgen.veilage des Wiesbadener Tagblatts, i m a

Nr. 198. Donnerstag» 26. ftuguft. - 1915.

lSchlutzö ft Dos Hontdjcn, f«te«frbnul verboten.)

Erzählung von

Zwei Minuten lagt« niemand von den Dreien ein Wort.

Herr Böhmer rieb sich nervös die Hände. Tantchen schüttelte den Kopf, daß die grauen Ringellocken flogen und sah verstohlen nach dem Schreibtisch, auf dem die vielen Photographien standen, mit einem tannen- schlanken, hübschen Mädchen drauf.

Der Justizrat sah die beiden über seine Brille weg an. Bisher hatte er völlig zur Zufriedenheit seines Auftraggebers gehandelt. In seinem alten Freund Böhmer kannte er sich aus, der donnerte nun erst recht tüchtig los, aber das war Rückzugsgefecht, und Frau­lein Würmeling, die immer noch nach den Bildern da drüben schielte, der hatte er «das Herz weich gemacht.

Oh, er hatte noch nicht alles Pulver verschossen. Ob den lebten Angriff aber nicht besser der Herr Leutnant Klevenich selbst durchsührte, das mußte sich gleich her- ausstellm, denn Herr Böhmer schnappte sichtlich nach Luft. Er brachte aber schließlich nur heraus:

„Es geht nichtl Es geht nicht!"

Also den nun ein bißchen gereizt.

„Was soll denn nicht geschehen? Reden Sie doch keinen Unsinn! Denken Sie vielleicht, ich hätte meine Hände in dieses Spiel gesteckt, wenn ich nicht wüßte, Sie wären zu halten oder der Herr Leutnant könnte nicht mit Hilfe einer so tatkräftigen Frau, da meine ich Ihre Tochter, auf Laupischkeim ganz vergnüglich loben? Ich bin ein Ehrenmann, mein Herr Böhmer, der schmutzrge Sachen nicht in die Hand nimmt! Und wenn dann Ihr Neffe manchmal die Mundwinkel hängen läßt, wenn die gelben Ulanen an Laupischkeim vorbeireiten, gnädiges Fräulein, dann ist weiter niemand daran schuld, als dieser Dickkopf da!"

Richtig, nun schlug er gemäßigt mit der Faust auf den Tisch und sein Gesicht bekam wieder die tiefe Röte.

„Einwickeln sollen Sie das gnädige Fräulein", schrie er los.

„Bitte, halb' ich in einem einzigen Punkte die Un­wahrheit gesagt, dann treten Sie jetzt den Beweis an, sonst muß ich mir Beleidigungen ernstlich verbitten!"

„Man kann so reden und es ist wahr . . ."

.Sie, ich bin kein Viehhändler!"

Richtig, nuir waren sie am Brüllen. Tantchen rang die Hände.

„Um Jottes willen, meine Herren! Die Fenster stehen offen. Was sollen denn die Leute denken? Und was hilft ldas Hin- und Herjerede, solange mein Neffe nicht da ist!"

„Den will ich nicht sehen", schrie Herr Böhmer nun erst recht.

Und der Justizrat schrie nun auch los.

„Der bedankt sich schön! Der hat Ihre Tochter viel stu lieb, als daß er sich von Ihnen Insulten an den Kopf werfen läßt! Haus und Hof haben Sie ihm angeboten! Haus und Hof! Einem königlichen Offizier! . . . Herr" . . .

Horst Bodemrr.

Tantchen hielt die Hände hoch, während ihr die Tränen die Backen heruntevliefen.

„Meine Herren! Das ist mir zu toll! Wo ist mein Neffe? Der muß jetzt her! Sie wenden wissen, wo er steckt!"

„Aber ja! Er frühstückt im „König von Preußen"!"

Da war Tantchen schon an der Tür. Riß sie auf. Karolek taumelte in eine Ecke und rieb sich Stirn und Nase.

„Holen Sie den Herrn Leutnant! Schnell! Er ist im „König von Preußen"!"

Und dann beschwor Tantchen die Herren, doch Ruhe zu halten.

„Es gibt sonst auf der Straße noch eine Volks­ansammlung I"

Und richtig, als sie zum Fenster hinaussah, ging Herr AngrabeU in Filzschuhen, ohne Rock, die lange Pfeife in der Hand, vovm Hause auf und ab. Da schlug sie schleunigst die Fensterflügel zu.

Der Justizrat Hellermann sah Herrn Böhmer von der Seite an und lachte in sich hinein. Der „Kriegs­plan" hatte geklappt. Wenn nun der Leutnant Kleve­nich seine Pflicht und Schuldigkeit tat, war an dem endgültigen Erfolge gar nicht mehr zu zweifeln. Denn sein Tantchen tupfte sich zwar immer noch die Tränen aus den Augen, aber von der Seite würde der Wider­stand nicht mehr stark sein.

Herr Böhmer räusperte sich zwar alle halbe Minuten, zog sich dabei die Finger lang, daß die Gelenke knackten, aber wenn der weitere Angriff nur ein bißchen ge­schickt durchgeführt wurde, der ihm einen anständigen Rückzug gestattete, dann wurde auch heute noch Ver­lobung gefeiert.

Und der Heini nrachte seine Sache ganz großartig! Erst begrüßte er sein Tantchen, küßte sie rasch auf beide Wangen und trat dann auf Herrn Böhmer zu.

„Guten Morgen! Und ich denke, was wir noch zu besprechen haben, das läßt sich nur in Laupischkeim er­ledigen. Sie haben wohl die Güte, Herr Böhmer, meine Tante im Wagen mitzunehmen. Denn ohne Ihre Frau Gemahlin läßt sich doch eine Angelegenheit von so schwerwiegender Bedeutung überhaupt nicht er­ledigen!"

Herr Böhmer wollte zu einer langen Rede einsetzen, aber da redete Tantchen schon drauflos, denn ihrem Heini mußte unbedingt die Ulanka erhalten werden.

„Der Vorschlag jefällt mir. Ich mein', Herr Böhmer, Ihnen müßt' es auch lieber sein. Ihre Frau Jemahilin weiß jenau Bescheid, da kann es später keinen Krakeel jeden!"

Der Justizrat griff schleunigst nach Hut und Akten» mappe, sonst benutzte Herr Böhmer seinen bewährte» Rechtsbeistand womöglich zum Blitzableiter und da- hatte jetzt gar keinen Sinn mehr. Mit einer flüchtigen Verbeugung verabschiedete er sich.

Aber Herr Böhmer gab so schnell nicht nach. Und