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febailfinr Tiialilliü.

Jahrgang.

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...r erschcmendcn Ausgabe, wie für die Anzeigen-Aufnahme an bestimmt vorgeschriebe«-» Tagen wird keine - ----- - ' 0 • • " °'"?»«chrer Anze^en zur nacyu

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vorgefchriebcnen Tagen wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach'Möglichkeit'Sorge getragen.

Rebakti»«S.Fernfprechcr No. 52 .

1903 .

Abend-Ausgabe.

Ersparnisse am Heerrsbudget.

(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Kaum sind im Herbst die Reservisten entlassen, so kommen die Rekruten zur Einstellung. Ohne Ruhe und Mast wird jahraus, jahrein gedrillt, als ob die Not­hafen schon im Anmarsch und die Russen in der Ver­sammlung wären. Dabei herrscht Friede, tiefster Friede, so daß der diplomatische Archäopteryx im Haag ein be­neidenswertes Schlaraffenleben führt, welches bei holländischer Küche und französischem Rotspon den Welt­friedensrichtern jedenfalls großartig bekommt!

Trotz der politischen Ruhe und dem internationalen Gerichtshof in Wilhelminjes Residenz wird weiter ge­rüstet, neue Gewehre, Geschütze und sonstige Mordwerk­zeuge eingeführt, die Armeeen werden vergrößert, Festungen entstehen uni» alle Welt versichert dennoch die tief empfundenen Friedensgefühle! Kräht auch von Zeit zu Zeit mal ein gallischer Hahn und verrät so den seelischen Zustand der Armee Frankreichs, so wiegelt ein Test der nachbarlichen Presse sofort wieder ab, dem vor- lauten Gickel aber geschieht weiter nichts! Klappern ge­hört zuni Handwerk, und das Bewußtsein, dem verhaßten ^achbarn es mal ordentlich gesagt zu haben, wirkt jedenfalls beruhigend auf die verschiedenen Sorten von Käfern, die ihren Wohnsitz im Oberstübchen solch keifender Helden aufgeschlagen haben.

Immerhin sind solche Lusthiebe zu beuchten, beson­ders da sie oft genug ihr Echo im fernen Osten, im Lande des Wutkis, finden! „Hunde, die bellen, beißen nicht", .ist ein altes Sprichwort, welches freilich wie die meisten solcher Redensarten nicht immer stimmt; denn bei dem Gekläff blieb cs nicht, die lieben Nachbarn haben längs unserer Grenze sich so konzentriert und verschanzt, daß nur ein ganz Harnlloser solches Tun für den Ausdruck freundschaftlicher Gefühle halten kann.

Drückt uns die schwere Kriegsrüstung auch die Schultern wund, sind wir Deutschen doch nicht in der Lage, den gewichtigen Harnisch mit einem bequemen Hausrock zu vertauschen, lllur ein schlechter Trost ist es, zu denken, haß die übrigen Völker Europas unter derselben Last seufzen und daß wir es länger aushalten iverden als jene, da des deutschen Reiches Finanzen geordneter sind und unsere Schuld gegen die unserer gefährlichsten Nachbarn gering ist.

Schwer, sehr schwer aber leidet der deutsche Volks­wohlstand unter dem Budget von Armee und Marine, und wohin dieser bewaffnete Friede führt, zeigt das Deficit in dem Staatshaushalt.

150 Millionen Mark fehlen, um Ausgaben und Ein­nahmen zu balancieren, und es ist kein Absehen, ob und

wann dies besser werden wird. Wir haben ja Kredit, eventuelle Anleihen können mit Leichtigkeit untergebracht, manche Objekte höher besteuert werden, aber wie bald wird nach bisherigen Erfahrungen der Finanzminister wieder am Ende seiner Weisheit angekommen sein und das Spiel der Steuerschraube und der Pumperei beginnt von neuem!

Solche Wirtschaft zeitigte den Bankrott mancher Staaten, wie die letzten zwei Jahrhunderte gelehrt haben!

Weltfriede — ein schöner Gedanke, viel zu erhaben, als daß er der sündigen Menschheit je zu Teil würde!

, Weltfriedensgericht —• gleich ideal gedacht wie die ewige Eintracht der Völker — wann werden sie kommen? Nie! Wenigstens sicher nicht so vollkommen, daß sie den Hoffnungen derer, die da friedfertig sind, entsprächen. Wir müssen also mit der Tatsache rechnen, daß Deutschland von Osten und Westen her dauernd bedroht ist und müssen, so schwere Wunden es dem Wohlstand des Volkes auch schlägt, möglichst stark sein, um den Sturm zu be­schwören, oder, bricht ec über uns los, demselben wider­stehen zu können!

Diese gefahrvolle Lage unseres Vaterlandes zwischen rachesinncnden und übelwollenden Nachbarn schließt aber nicht aus, daß wir uns nach der Decke strecken und, ohne unserer Kriegsmacht Einbuße zu tun, sparen müssen. Es ist immerhin möglich, eine große Summe zu erübrigen, und bringt mein Vorschlag durchaus nichts Neues, da in den 60er und 70er Jahren in Preußen und so viel mir bekannt in Bayern dauernd nach diesem Modus ge­handelt wurde.

Durch späteres Einstellen der Rekruten, wie es früher geschah, und durch ein systematisches Beurlaubungsver- iahrcn lassen sich — sagen wir 60 000 — Bervflegungs- tage pro Bataillon rnit Leichtigkeit sparen, ohne daß die Kriegsfertigkeit auch nur im geringsten leiden würde. Wir stellten z. B. 1867 erst im Februar die jungen Mannschaften ein, in anderen Jahren batte sich der Ersatz im November und Dezember zu melden. „Ja, das war damals", höre ich jetzt einen Zweifler sagen, „zur Zeit der dreijährigen Dienstzeit." Der Mann hat recht, doch fast die Hälfte diente auch zu jener Zeit schon nicht ganz zwei Jahre, da die besten zur Disposition entlassen wur- den. Diese Beurlaubten, welche mit 20 bis 22 Monaten bei der Fahne loskamen, genügten selbst den strengsten Ansprüchen und hatten eine kompliziertere Ausbildung sich zu erwerben, als ihre Kameraden von heute. Man vergleiche nur die Reglements von ehemals und jetzt, um zu gewahren, mit welchem überflüssigen Wust aufge­räumt und wie sehr vereinfacht das dienstliche Soldaten­leben geworden ist.

Was man damals konnte, kann man auch jetzt. „Wenn es befohlen wird, wird es gemacht", heißt es nach altem preußischen Gebrauch!

Der dicke Küüppel im Kriege ist Schießfertigkeit und Marschleistung. Wer es versteht, die meisten Krieger zur

Stelle zu bringen und am bcsteir schießt, hat die Chance zu siegen überwiegend für sich.

Ist es nun möglich, bei 2.—3 Monat späterer Ein­stellung und noch außerdem reichlichem Urlaub im Laufe des Dienstjahres das zu leisten, was gegenwärtig bei der heute üblichen intensiven Methode geschaffen wird?

Ich als alter erfahrener Offizier behaupte: Ja, es ist sehr leicht zu leisten und zwar, ohne daß unsere jungen Soldaten mehr angestrengt zu werden brauchen als bisher.

Nehmen wir an, der Rekrut tritt den 1. Dezember ein und wird Ende Februar ausgebildet in die Kompagnie eingestellt. Die Kompagnie bedarf 6, das Bataillon vier Wochen, um das Verlangte zu erlernen, es käme also Mitte Mai heran, bis sämtliche Formen des Exerzierens und des Gefechts geübt sind, ein Zeitpunkt, der mit dem heutigen fast übereinstimmt.

Voin halben Mai bis zum halben August sind drei volle Monate, in welchen nicht nur das Schießen beendet sein kann, sondern auch, wie in Bayern, für den größten Teil der Mannschaften ein vierwöchiger Ernte-Urlaub abfallen könnte!

Daß die Schlagsertigkeit der deutschen Wehrmacht unter solcher Zeiteinteilung leiden könnte, bestreite ich; im Gegenteil steht zu erwarten, daß der Dienst freudiger betrieben und eher mehr als weniger geschaffen wird, wenn Mensch und Vieh eine durchaus nötige Ruhe zuqe- messen erhielte.

Kein Kenner des Soldatenhandwerks wird behaupten, daß Bayerns Armee trotz der vielen Urlaubstage min- derwertig sei. Die Schieß- und Marschleistungen der­selben. sind ebenso gut wie die der preußischen Truppen, die so viele freie Tage kaum dem Namen nach kennen!

Die Ersparnisse, welche durch 30 000 Verpflegungs- tage pro Bataillon weniger bei den gesamten Fußtruppen sich ergeben würden, sind bei rund 740 Bataillonen Infanterie, Jäger, Pioniere, Fußartillerie und Eisen­bahntruppen = 22 200 000 Tage. Berechnen wir den Tag an Löhnung und Besoldung mit 60 Pf., so ergibt dies schon die schöne Summe von 13Y 2 Millionen.

Artillerie und Kavallerie würden nach demselben Prinzip 6M> Millionen weniger verbrauchen, so daß 20 Millionen Minderausgabe herauskämen.

Zu dieser Summe flössen noch die Beträge an er­sparter Kleidung, Heizung, Licht, Wäsche rc., die sich eben- falls bei über 500 000 Mann nach Millionen berechnen.

Ich gehe aber noch weiter und behaupte, daß anstatt 30-, auch 40- öden, 50 000 erübrigte Tage pro Bataillon weder die Disziplin noch die Ausbildung der Armee schädigen würden.

Bei der Gewissenhaftigkeit, mit welcher wir zu arbeiten gewohnt sind, würde ein Nachlassen in den wichtigsten Leistungen nicht stattfinden.

Man verstehe mich recht, als Ideal stelle ich solche abgekürzte Dienstzeit absolut nicht hin, nur als

Feuilleton.

Berliner Theater-Brief.

Auf den Theaterzetteln figurieren jetzt leg beanx Testes, der Kehraus fängt an und das Abgelagerte wird zum mäßigen Ereignis. Es ist selten, daß an des Theater-- jahres Neige unter Gleichgültigkeiten und Banalem noch ein künstlerischer Eindruck gedeiht.

In diesem Jahre ist er zu verzeichnen, und er kam natürlich von der Bühne, die uns in letzter Zeit die über­raschendsten und stärksten Impulse gab; von der Bühne Max Reinhards, der im „Kleinen Theater" Wildes „Salome", Frank Wedekinds „Erdgeist", Gorkis „Nacht­asyl" aufführte, neben dem literarischen Erfolg auch gro­ßen wohlverdienten äußeren Erfolg erzielte (zum „Nacht asyl" sind heute noch schwer Billets zu haben) und nn. das „Neue Theater" für seine Pläne dazu nahm.

In diesem Theater brachte er jüngst Maeterlincks „P e l l e a s n n d M e l i s a n d e" in einer Reihe von Bildern zur Erscheinung, die an suggestivem Zauber, au Magie der Farben und Lichter etwas für Berlin Un­erhörtes bedeuteten.

Zum erstenmal wurde die Dekorationsmalerei aus der Konvention erlöst, und zum erstenmal wurde das moderne Landschastsgesühl, das in den Bildern sensitiver Naturlyriker wie Leistikow, L. v. Hofmann schwingt, schöpferisch auch in den Prospekten und Coulissen zun, Ausdruck gebracht. Der Künstler, der diese neuen und lang ersehnten Wege geht, heißt Toni Impekoven, und seine Entwürfe sind nach Verdienst jetzt in einem unserer ersten Kunstsalons, bei Schulte, ausgestellt.

Die Dichtung Maeterlincks liegt vor der weltbekann­ten „Monna Vanna" und hat stillere, heimlichere Resonanzen. Sie klingt in jenen halben, andeutungs­schweren Tönen, in jenem Flüsterwehen voll Ahnung und Gegenwart, das charakteristisch für die frühen Dramen des Belgiers ist. Verwehte Träume, arme flatternde Seelen huschen durchs Grenzenlose, grüßen sich

in Sehnen und werden voneinander gerissen — und die Scene versinkt hinter Schleiern.

Die Worte — Maeterlinck führte das selbst in seinem tief und fein gefühlten Essay „Ue Silence" aus — be­deuten dabei wenig. Sie sind nur wie transparente Hüllen über den Gefühlen. Maeterlinck weiß es durch reine Stimmungskunst zu erreichen, daß wir, trotzdem die Personen nur wenig und verhalten voneinander reden, völlig in den Bann ihrer Schicksalsatmosphäre geraten, daß die Worte wie angeschlagene Saiten lange nach­zittern und Echo wecken, daß jede Bewegung, jeder Ton Beziehung weckt, daß wir in die innere Vorstellungswelt der Geschöpfe sehen.

Schicksalslied ist „Pclleas und Melisanöc", eine trau­rige Weise, an die Mär von den „zwei Königskindern" klingt sie au. Und die Tragik liegt in der Unerbittlichkeit des Geschehens, das die Menschen umstrickt, ohne daß sie sich wehren können. Melisande, die zarte, licht- schtmmernde, fröstelt's in der düsteren alten Burg, und sie bangt sich vor dem rauhen, finsteren Gatten Goland. Ihre Seele zieht es zu Pelleas, dem weichen Bruder des Gemahls. Ohne sich bewußt zu werden, nähern sie sich, schmerzlich-süßes Verlangen zieht sie.

Wie eine Wetterwolke hängt grollend Golanbs Ver­dacht über ihnen, und eines Nachts blitzt ein Schwert im Park. Goland hat den Bruder erstochen. Melisande aber erlischt, nachdem sie einem Kindlcin das Leben geschenkt. Und Goland — hier ist Vorklang von „Monna Vanna" — zerquült sich in gräßlichem Zweifel: hat Pelleas Meli­sande besessen ober nicht.

In dieser Dichtung sind die Situationen die Haupt­sache, nicht die Handlung als Zusammenhang in Ent- wicklungsctappen. Die Einzelstimmung, in der Gefühl sichtbare Erscheinung gewinnt, sie ist hier ein und alles. Und um sie darzustellen, bedarf es neben den Schau­spielern der vollen Hülfe aller Jllusionsmittel scenischer Künste.

Das hat der kluge und feine Leiter dieses neuen „Kunsttheaters" sicher erkannt und alles darauf angelegt. Eine Reihe unvergeßlicher Bilder zog vorbei.

Ein Wald, die Stämme buntgefleckt von rot und

gelbem Farbenspiel, lichtdurchflutet, purpurn ttberflammt vom Sonnenuntergang — an Lcistikowsche Landschaften ließ er denken.

Dann ein Küstenstrich, wilder Abhang zum Meer, eine ragende Klippe, unten Dünen mit tief eingewühlter Bucht voll rundgespülter Riesensteine. Ahnung unend­licher Weite: oben am Rand stehen in der Dämmerung, wie verloren im Raum, Pelleas und Melisande. Sie sprechen zögernd, wie um die Stille zu übertönen, sie sprechen scheinbar Gleichgültiges, von den Schiffen draußen im Meer, vom Sturm, aber man fühlt, wie Fluidum zwischen ihnen schwebt. Und plötzlich sagt Pclleas: „Morgen reise ich", und Melisande haucht wie ein Seufzen: „Ach, warum reisest Du?" Im Dunkel ver­hallt das Wort, in Schleiern versinkt die Scene traum­gleich.

Dann das Parkbild, von grünem Licht durchflutet mit der mächtigen Linde und dem alten Brunnen: auf dem breiten Marmorrand die weiße Melisande in Sonnenstrahlen schimmernd. Und neben dieser Mittags- viston das Nachtstück auf dem Altan des Turmes, von dem Melisande ihr langes, langes Goldhaar bis herunter zu Pelleas fluten läßt.

Einzig auch die Interieurs: die ragenden Hallen mit ihren leuchtenden Wunderfenstern, durch die man die Sonne über dem Meer untergeheu sieht und den Flug der Seevögcl. °

Immer wittert gleichsam die Unendlichkeit des Ele­ments um das Schicksal dieser Erdenkinder.

Von atterstärkstem Eindruck geriet die Verdichtung der Todesstimmung im letzten Akt. Das Huschen und Raunen der Mägde voll Beklommenheit und schwerer Ahnung: man spürt die Furcht, laut zu reden: und die Gewißheit hängt über allem, das Unheil steht vor der Tür — l'Intruse. Nach oben schreiten sie auf gewunde­ner Treppe, eine nach der anderen, wie Nonnen zu einem Requiem. Und aus Schleiern lichtet sich das Sterbe­gemach Melisandes. In ihrem Bett, das geziert ist wie ein Heiligeuschrein, liegt sie bleich neben ihrem Kinde selbst ein Kind. Plötzlich sinken die Dienerinnen in die Kniec. Es ist vollbracht. Und die Scene versinkt . ^ .