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*<• Jahrgang.

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U0. 206. verlags.Fernsprecher No. 298». Wotttng, de« 4. Mai.

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Redaktions.Fernsprecher Ro. 82.

Mbend-Ausgabe.

Der preußische Landtag.

Das Parlament ist zu End'! Dem deutschen Reichs rag ist nunmehr auch der preußische Landtag in das Stadium des „a. D." gefolgt. Am Freitag hat der preußische Landtag seine Session geschlossen, die ebenso wie die des Reichstags die letzte der Legislaturperiode war. Aber während die Neuwahlen zuin Reichstag schon am 16. Juni stattfinden, werden die Neuwahlen zun, preußischen Abgeordnetenhause voraussichtlich erst Ende Oktober vor sich gehm.

Tie soeben zu Ende gegangene Session des Landtags wurde am 13. Januar eröffnet und hat also nur 3 1 /> Monate gedauert. Trotzdem muß die Arbeitsleistung des Landtags als ein auch im Verhältnis zur Sessionsdauer ganz besonders dürftige bezeichnet werden. Obwohl das Programm der Landtagsarbeit außerordentlich knapp be- messen war, ist doch ein wesentlicher Teil des Programms unerledigt geblieben. Den größten Teil feiner Zeit hat der Landtag auf den Etat verwandt, und auch dieser ist nicht einmal rechtzeitig zu stände gebracht worden.

Die positiven Leistungen der Landtagssession sind bald aufgezählt. Außer der üblichen Eisenbahnvorlage sind noch die Eisenbahnverftaatlichungsgesetze, das Gesetz über die Regelung der Verhältnisse zwischen den allgemeinen Staatsfinanzen und dem Extraordinarium der Eisen­bahn-Verwaltung und die Abänderung der Bestimmun­gen über die Landestrauer zu nennen. Die übrigen Ge­setze, die im Landtag zu stände gebracht worden sind, sind von tertiärer Bedeutung, während drei der wichtigsten Vorlagen, mit denen sich das preußisclje Parlament zu fassen hatte, gescheitert sind.

Während der in der vorigen Session unerledigt ge- vliebene Gesetzentwurf über die Abänderung des juristi­schen Studiums dem Landtag in der jetzigen Session überhaupt nicht mehr unterbreitet wurde, hat die Regie­rung die gleichfalls unerledigt gebliebene Vorlage über die Vorbereitung zum höheren Verwaltungsdienst in dieser Session aufs neue eingebracht. Der Gesetzentwurf scheiterte jedoch noch vor Toresschicksalsschluß, nämlich ain letzten Tage, infolge einer Differenz zwischen dem Abge­ordneten und dem Herrenhause. Die Vorlage hatte die Ernennung der Regierungsreferendare den Regierungs­präsidenten zugeschoben, während die Mehrheit des Ab­geordnetenhauses, um den vielfach beklagten Mißständen bei der einseitigen Auswahl der Regierungsreferendare nach Möglichkeit abzuhelfen, jene Befugnis den: Minister übertragen wollte. Das Herrenhaus verwarf jedoch diese Abänderung, gegen die sich merkwürdigerweise auch

die Regierung sträubte, und dainit fiel die Vorlage unter den Tisch.

Außerdem sind noch zwei loeitere Gesetzentwürfe ge scheitert, und zwar ebenfalls infolge der dagegen geltend gemachten Opposition. An dein Gesetzentwurf zur.Aus­führung des Reichsgesetzes, betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten, wurde von allen Seiten eine so scharfe Kritik geübt, daß er erst gar nicht aus der Kommission Herausgelasien wurde, sondern bereits in dieser begraben wurde, lind endlich ist das Gesetz über die Regelung des kommunalen Feuerlöschwesens, welches diese Regelung den Polizeiverordnungen überlassen will, noch ani letzten Tage infolge des Widerspruchs ge­scheitert, welcher hiergegen im Herrenhause insbesondere von den Vertretern der Städte erhoben wurde.

Ist somit die Tätigkeit der letzten Session des Land­tags eine besonders dürftige und unergiebige gewesen, jo läßt sich auch über die ganze Legislaturperiode des Land­tags ein nicht viel günstigeres Urteil fällen. Außer den verschiedenen Eisenbahnvorlagen hat der Landtag in der fünfjährigen Legislaturperiode an größeren gesetz­geberischen Leisstlngen nur das Provinzialdotationsgefetz und die /stmarkenvorlagen aufzuweisen. Dazu kommen von gesetzgeberischen Leistungen zweiten Ranges die grundsätzlich wenig bedeutsame Abänderung des Ge­meindewahlrechts, die Volksschullehrer-Relikten-Ver- sorgung, die Wohnungsfürsorge für die unteren Staats­beamten, das Rentengüterkreditgesetz, die Warenhaus­steuer und die sogenannte lex Adickes.

Tie einzige gesetzgeberische Leistung allerersten Ranges, welche man' von dein preußischen Landtag hätte erwarten sollen, die große Känalvorlage, ist an der Opposition der konservativen Parteien und des Zentrums gescheitert. Als die Legislaturperiode arg 16. Januar 1899 eröffnet wurde, wurde in der Thronrede der Mittel­landkanal als die Hauptaufgabe der Session angekündigt, aber das auch vom Kaiser mit ganz besonderem Eifer be­fürwortete Kulturwerk wurde von der kouservativ- klerikalen Mehrheit des Abgeordnetenhauses zu Fall ge­bracht. In der Session 1901 machte die Regierung einen erneuten Versuch, die zur „wasserwirtschaftlichen Vor­lage" erweiterte Kanalvorlage durchzusetzen, aber ailch dieser Versuch scheiterte an der konservativ-klerikalen Opposition. Ob die vorn Grafen Bülow bei der Er- öffnung der vorigenLandtagssession, am 8. Januar 1902, abgegebene Erklärung, daß die Kanalvmlage „seiner Zeit wiederkommen werde, sich in dem neuen Lairdtag er­füllen wird, bleibt abzuwarten. Groß ist die Wahrschein­lichkeit jedenfalls nicht, daß der dritte Versuch besser aus­fällt als die ersten beiden, denn auf eine wesentliche Änderung in der Zusaminensetzrmg des Äbgeordneten- hauses ist wohl kaum zu rechnen.

Der Kaiser in Kam.

, lid. Berlin, 2. Mai. Nach einer römischen Depesche »es „B. L.-A." sind zum Empfang in der deutschen Rot. schaft die Leiter der amtlichen Institute und des deutschen Künstlervereins eingeladen. An dem morgen stattfinden- den Gottesdienst in der Botschafts-Kapelle, welchem der Kaiser und die Prinzen beiwohnen, dürfen nur Mit­glieder der evangelischen Gemeinde teilnehmen. — Nach den jetzt getroffenen Bestimmungen werden an dem Frühstück zu Ehren Kaiser Wilhelms in der preußischen Gesandtschaft beim Vatikan die Kardinüle Rampvlla und Gotti teilnehmen, die rechts und links vom Kaiser sitzen werden. Man legt dieser Anordnung um so mehr Be­deutung bei, als Gotti, der Präfekt der Propaganda und als solcher Leiter der katholischen Missionen ist, als der wahrscheinliche Nachfolger des Papstes betrachtet wird. — Nach dem „B. T." regnet es in Rom seit gestern un­unterbrochen in Strömen, so daß man an vielen Orten förmlich im Wasser und Schmutz watet. Die Trnppeu- Revue am Montag wird, da der große Exerzierplatz in einen See verwandelt ist, voraussichtlich ausfallen. Die Blätter feiern Kaiser Wilhelm in warmen Artikeln. Alle öffentlichen Gebäude und die meisten Privatgebäude tragen glänzenden Schmuck. Die Menge staut sich vor den Maueranschlägen des Bürgermeisters, worin dieser die Bürgerschaft mit schwungvollen Worten auf die hohe Bedeutung des Besuches Kaiser Wilhelms aufmerksam macht. Die Via Nazionale, welche der Kaiser passiert, gleicht mit ihrer Fülle von Gnirlanden und Fahnen einer Triumphstraße.

M. Berlin, 3. Mai. Nach Meldungen aus Rom gestaltete sich der gestrige Empfang des Kaisers und der kaiserlichen Prinzen zu einer großartigen Kundgebung nicht nur für die Persönlichkeit der hohen Gäste, son­dern auch für ganz Deutschland. Die Begrüßung durch den König im Bahnhofe war äußerst herzlich. Bei der Bewillkommnung durch den Magistrat auf der Piazza dclle Terme riefen die freundliche Aufmerksamkeit, das Mienenspiel und die lebhaften Handbewegungen des Kaisers ebenso lebhaften Beifall der Menge hervor, wie zuvor bei dem Erscheinen ans dem Bahnhofsplatz. Ter Jubel setzte sich fort bis vor den Ouirinal, wo eine ge­waltige Menge händeklatschend und hochrufend sich an- sämmelte. Der Himmel begann sich aufzuklären, als die Wagen in den Ouirinal einsuhren. Der Kranz, den Kaiser Wilhelm an König Humberts Grab im Pantheon niederlegte, enthielt die Worte: Dem ritterlichen König, seinem treuen Verbündeten und geliebten Freunde in dankbarer Erinnerung.

rvb. Rom, 2. Mai. Auf dem Wege nach dem Pantheon wurde der Kaiser von einer großen Menschenmenge be­geistert begrüßt. Am Eingänge des Pantheons wurde der Kaiser vom Chef der Veteranen, General Desonnaz, vom Hofkaplan Monsignor Lanza und vom Senator

Am sonnigen Klrnnöe.

Von Henryk Sicnkiewicz.

Aus dem Polnischen übersetzt von L. Berner.

(Schluß.)

Des Abends ließ er folgendes Selbstgespräch hören: „Die Sinne sind stark in Mitleidenschaft gezogen, doch anders, als vordem, denn jetzt ging auch die Seele mit ihnen durch, und sie tat dies deshalb, weil es sich hier um ein Kind handelt, das in diesenr verderbten Nizza engel­rein geblieb«: ist. Dies ist nicht einmal der schönen Märte als Verdienst anzurechnen, dies ist ihre Natur, aber wo eine ähnliche finden? Diesmal täusche ich mich eicht und bilde mir nichts ein, da die Tatsachen sprechen."

Und es kam ihm vor, daß ihn ein süßer Traum um­fange. Zum Unglück folgt nach jedem Trannr ein Er­wachen. Für L-wirski erfolgte dasselbe schon nach zwei Tagen in Gestalt einer zweiten Depesche, welche durch die zu Briefen und Zeitungen bestimmte Türöffnung in Gegenlvart der beiden Damen zur Erde fiel.

Marie Cervi, welche eben mit dem Auflösen der Haare beschäftigt war, erblickte dieselbe zuerst, hob sie vom Boden auf und reichte sie Swirski.

Dieser öffnete die Depesche unwillig, warf einen Blick darauf und eine Verwirrung malte sich in seinem Gesicht.

„Die Damen werden entschuldigen", sagte er hasüg, „ich erhielt eine Nachricht, die mich zwingt, mich sofort auf den Weg zu machen."

„Ist es nur nichts Schlimmes?" fragte Fräulein Cervi mit Besorgnis.

„Nein, nein! Doch ist es möglich, daß ich zur Nach­mittagssitzung nicht werde zurück sein können. In jedem Falle wird die Angelegenheit heute ein Ende nehmen, und ich werde inorgen nicht mehr gestört sein."

Nachdem er dies gesagt, verabschiedete er sich ein wenig fieberhaft, doch mit fast zu großer Herzlichkeit und nach einer Weile saß er bereits in einem Wagen, in dem er sich nach Monte Carlo fahren ließ.

Als er an „Jetäe-Promenade" vorübergefahren war, nahm er das Telegramm aus der Brusttasche und las es nochmals durch. Es lautete wie folgt: „Ich erwarte Sie

heute Nachmittags, Wenn Sie bis vier llhr nicht konnncn sollten, dann weiß ich, was ich zn denken und zu tun habe. Morph ine."

Swirski erschrak schlechtweg vor der Unterschrift, be sonders, da er noch unter dem Eindruck des unglücklichen Vorfalls mit Kresowicz war. „Wer weiß", sagte er zu sich selbst, „wozu eine Frau, wenn auch nicht durch ge- kränkte Liebe, so doch durch gekränkte Eigenliebe gebracht werden kann. Ich hätte nicht so handeln sollen, wie ich j gehandelt. Es wäre ein Leichtes gewesen, auf den ersten Brief zu antworten und zu brechen. Es ist nicht billig, mit den: Nächsten zu spielen, gleichviel ob er gut oder böse ist. Ich werde unbedingt brechen, doch fahren muß ich, ohne erst auf den Nachmittagszug zu warten."

Und er befahl, die Pferde zu schnellerem Schritt an- zutceibcn. Von Zeit zu Zeit tröstete er sich mit dem Ge­danken, daß Frau Korecka in keinem Falle sich das Leben nehmen würde. Es kan: ihm dies als etwas ihrer Natur ganz Unähnliches vor. Doch manchmal ergriffen ihn Zweifel, ob nicht eben dieser grenzenlose Egoismus, der sich gegenwärtig in gekränkte Eitelkeit verwandelt, sie zu einer wahnsinnigen Tat verleiten könnte. Es fiel ihm ein, daß in ihren: Charakter Groll, Mut und Ent­schiedenheit steckten. Tie Rücksicht auf die Kinder sollte sie zwar von einem solchen Schritte abhalten, aber wird , es auch geschehen? ist es ihr denn um diese Kinder überhaupt zu tun? Und bei dem Gedanken, daß ein Unglück sich er­eignen könnte, standen ihm die Haare zu Berge. Das Gewissen erwachte in ihm und es entstand abermals ein tiefer Zwiespalt in seiner Seele. Das Bild von Fräulein Cervi erschien unaufhörlich vor seinen Augen und erweckte bitteres Herzeleid in seinem Innern. Er wiederholte es sich zwar oft, daß er zu dem Zwecke fahre, um zu brechen und daß er es auch ganz bestimmt tun werde, und trotz­dem konnte er sich einer peinlichen Unruhe nicht er­wehren. Was könnte er, gesetzt den Fall, tun, wenn dieses böse, eitle und aufgebrachte Weib zu ihm sagte: „Du,

oder Morphium!", Und zu der Angst und Ungewißheit, die er einpfand, gesellte sich noch ein gewisses Mißbehagen, denn es kam ihn: vor, daß solch eine Alternative nur eine falsche Heldin stellen könnte, die der „schlechten Literatur" angehört.

Doch was wird er tun, wenn sie gleichwohl eine solche stellen sollte? In der Welt, besonders in Nizza, gibt es viele Frauen, die der „schlechten Literatur" angehören.

llnter solchen Gedanken und unter dichten' Staub- wölken langte er endlich in Monte Carlo an und befahl dem Kutscher, vor den: „Hotel de Paris" zu halte::. Doch ehe er noch Zeit gehabt, an das Aussteigen zn deirken, erblickte er auf dem nahen Rasen Romulus und Reinus, d:e unter der Aufsicht eines in der polnischen Landes- tracht gekleideten Dieners Ball spielten.

Auch diese bemerkten ihn aüsogleich und kamen schnellen Schrfttes herbei: „Guter: Mohgen!" Guten Mohgen!"

„Guten Morgen! Ist die Mama zu Hause?"

„Nein. Mama ist mit Herrn de Sinten ausgeritten "

Für euren Moment lang trat Stillschweigen'ein.

„Ach! Mama ist mit Herrn de Sinten ausgeritten'" wredcrholte Swirski. „Gut!" Und nach einer Weile setzte er hinzu: „Selbstverständlich! sie erwartete mich ja erst um vier Uhr."

Plötzlich brach er in ein schallendes Gelächter ans „Das Drama endet mit einer Posse . . . Mer dies ist ja die Riviera! Was bin ich doch für ein Esel!"

„Werden Sie auf die Mama warten?" fragte Romulus.

„Nein. Hört ihr Knaben: Sagt der Mutter, daß ich gekommen b:n, von ihr Abschied zn nehmen und daß ich sehr bedauert habe, sie nicht getroffen zu haben, denn ich refte noch heute ab."

Nachdem er dies gesagt hatte, ließ er nach Nizza um- kehren. Des Abends jedoch erhielt er noch eine Depesche und in derselben das einzige Wort: Niederträchtiger"

Nichtsdestoweniger war er guter Dinge, denn das Telegramm war nicht mehr mit „Morphine" unter- zeichnet.

X.

Zwei Wochen später war das Bild, welches den „Schlaf" und den „Tod" vorstellte, bereits beendigt Swirski begann eii: zweites, welches er „Euterpe" be­titeln wollte. Die Arbeit ging jedoch nicht recht von statten. Er behauptete, daß das Licht zu scharf wäre — und blickte, statt zu malen, unverwandt in das Helle