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201,
WZ-M
Serlags-Fernsprecher Ro. 2983.
iorgen.flu3gabe
is dcilllhr Polt! föhtz, M ous eigemr ßoitntaift z>> erhiM»?
r Kern- unb Grundgedanke der agrarischen Wirt- Politik ist das Streben nach wirtschaftlicher Setbst- s^keit des „nationalen Staates" und die Furcht vor Hlchaftttcher Abhängigkeit vom Auslande". Diesein ( cken gab in besonders krasser Form der bekannte Mewe des Bundes der Landwirte für Westpreutzen, von Oldenburg-Januschau, in der Generalver- ZKlung des Bundes der Landwirte im Circus Busch „JiM Ausdruck in den Worten: „Wir müssen dahin
Wmmen, das; wir außer Rosinen und Knackmandeln alles rin eigenen Lande erzeugen." Demgegenüber ineist ein ft Artikel im Aprrlheft der „Deutschen Wirtschaftspolltik" W an der Hand des neuesten Werkes von Professor Sombart- ' Breslau („Tie deutsche Volkswirtschaft arn Ende des Jahrhunderts") darauf hin, wie verkehrt die agrarische Auffassung ist. als ob es sich nur um die Deckung des inländischen Konsums an Getreide und Vieh durch die deutsche Produktion handele. Mit Recht fragt Sombart: Woher .beschaffen wir die übrigen Erzeugnisse der Landwirtschaft, wie Häute und Felle, Spinnstoffe u. dgl. m.? Wir führen jährlich z. B. die Häute von etwa 1 Million Pferden ein, ferner an Kalbfellen und Rindshäuten 80 000 Doppelzentner (das sind die Häute von nahezu 8 Millionen Stück Rindvieh, während knapp 2(4 Mill. jährlich in Deutschland geschlachtet inerden). Es müßte also, voir den Bedürfnissen der Fleischgeivinnung völlig abgesehen, der deutsche Pferdcbestand vervierfacht, der Rindviehbestand verdreifacht werden, nur um den Häute- , isedarf zu decken. Weiter: die etwa 10 Millionen deutscher WMchafe geben hochgerechnet jährlich 20 000 Tonnen Wolle; :Wnc Mehreinfuhr an Wolle betrug im Jahresdurchschnitt Jp.898/1900 aber etwa 160 000 Tonnen. Der heimische 'Ä,Schafbestand müßte also neunmal so groß, oder vielmehr,
- Ado man doch auch die Baumwolle durch Wolle ersetzen V-'müßte, etwa 27-mal so groß werden, wie er heute ist. fiC „Nun ist aber das ganz besonders Mißliche, daß die v Landwirtschaft diesen und vielen andereir Verpflichtungen i... — Borsten, Klaiien, Hönrer -c. zu liefern — nur schlver Nachkommen könnte, ohne andere zu vernachlässigen: das Fleischschwein hat gar keine Borsten, das Fleischschaf v,el schlechtere Wolle, die Sh orthornrinder liefern keine Hörner ec. Ob all das Federvieh, das in geradezu ltn- alcnMcken Mengen nach Deutschland hineinströmt, ob d,e 2 bis 2(4 Millionen Zentner Eier, ob die vier Millionen Zentner Obst nebenbei gewonnen werden köunteii", wenn ruau den Viehbestand auf die erwähnte Höhe brächte, müßte bezweifelt werden. . _
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Feuilleton.
MUtrlmrer^ Briese.
Von Wilh. F. Brand.
III.
Algier.
Wie man sich in Norwegen immer wieder an die Schweiz erinnert fühlt, so fordert Algerien fortwährend zu Vergleichen mit einem anderen Lande heraus, -vas ist natürlich Egypten. Und insbesondere bestehen zwischen den beiden Städten Algier und Kairo große Ähnlichkeiten, aber auch wieder die größten Verschiedenheiten. Beide im Norden Afrikas gelegen und vorwiegend von Araber-Elementen bewohnt, sind beide doch auch uneder erlesene Winterausenthaltsorte der vornehmen Weck Europas geworden, der Gesunden wie auch wohl einzelner Kranker. Doch ist die Zahl der letzteren hier wie ln Egypten nicht einmal so groß wie an der Revier«. Jn- dküen Alaier liegt an einer Meeresbucht in emer wunderbar^^fckwnen Uu g bung. Kairo hat dagegen den Nil und d?e Pyramiden: Algier dafür aber di- Ausläufer des , Atlas-Gebirges und eine so üppige Vegetation anfzu- M vreiien wie sie Egypten jedenfalls nicht besitzt. Auch die 1.| einheimische Bevölkerung Algiers scheint interessanter M und ist jedenfalls nicht ganz so schmutzig und zerlumpt AM Mje hie Untertanen des Khedive.
WU Obschon also Algerien in mancher Hinsicht Egypten Mzist es doch kaum in dem Grade Mode geworden, Land der Pharaonen. So gibt es auch selbst in c: K auf der imposanten Höhe gelegenen Vorstadt Algiers, in Mustapha Superieur, nicht ganz so großartige Hotel- % Paläste - und nicht ganz solch unerhörte Preise!- ime f* Kairo, ohne daß deshalb aber die besieren Gasthose ,>M iraend etwas zu wünschen übrig ließen, die, wie beinahe h - überall in der Welt, fast ausschließlich in deutschen oder steutsch-schweizerischen Händen sich befinden; und deutsch Mist tu den besten Häusern auch überall die gesamte Be- -EdicnunL.
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Freitag, >en 1. Mai.
Außerdem müßte nirn aber der Waldbestand auf das Doppelte seiner jetzigen Fläche ausgedehnt werden, uni deii deickschen Mehrbedarf an Bau- und Nutzholz zu decken; vom Eichcnsck;älwald ganz zu schweigen! „Ver- doppelt man aber die Waldfläche, so nimmt maii die Hälfte des Ackerlandes weg; die andere Hälfte würde reichlich gebraucht werden, irm Futter für den vergrößerten Viehbestand zu beschaffen. Dann bliebe für Eststreide- produktiou überhaupt kein Land übrig."
Dazu kämen nun noch „etwa 200 000 Touncii Pflau- zeilspinitstoffe (außer Baumwolle), 250 000 Tonnen' Leinsaat, 120 000 Tonnen Raps, Rübsaat rc.", für deren ilüändische Herstellung „mindestens noch einmal 200 bis 250 000 ha erforderlich" wären, d. i. die Hälfte des gesamter: Areals, das heute mit Zuckerrüben bestellt ist; Seide, Wein oder tropische Erzeugnisse hier gar nicht in Betracht gezogen. „In Summa: man wird nicht übertreiben, wenn man sagt, daß die deutsche Volkswirtschaft heute schon auf einer zwei- bis dreimal so großen Bodenfläche ruht, als sie das deutsche.Volk mit seinen Grenzen umspannt" und daß es „eine geradezu abenteuerliche Vorstellung ist, zu glauben, c-in Volk wie das deutsche sei noch der Erhaltung aus eigener Bodenkraft fähig".
Redaktüm»Her»Iprech«r R«. 82.
1903.
Ansland.
Fraucncrziehung in Egypten
Die Anfänge eines Fortschrittes in der Bildung und Befreiung der Frauen machen sich in Egypten bemerkbar. Der soeben dem englischen Parlament überreichte Bericht Lord Cromers über die Lage Egyptens, der seh-r rosig gefärbt ist, weist auf den schnellen Fortschritt des Landes unter britischer Leitung und auf die wunderbare Schnell'gkeit hi», mit der sich der Wohlstand gehoben hat. Tro^ .. *ühlt man aber, daß eine Renaissance des Volksgelstes notwendig ist, und vielen Egyptern, Muhammedanern und Christen dämmert die Erkenntnis, daß der erste notwendige Schritt zur Besserung die Befreiung der Frauen von Schleier und Abgeschlossenheit sein mutz, daß sie zur besseren Erfüllung ihrer sozialen und häuslichen Pflichten und nicht nur dazu, den Männern zu gefallen, erzogen werden müssen, damit sie eine tätige Krast im Leben ihres Landes werden. Vis jetzt haben auch die egyptischen Christen (Kopten) wie die Moslemin ihre Frauen abgesperrt und sie schon als Kinder verheiratet. Ein Heim in unserem Sinne kennt der Orientale nicht, was sich dadurch erklärt, daß Mann und Frau sich vor der Hochzeit garnicht sehen. Dieser Mangel jeder Wahl wird bei den Muhammedanern dadurch in etwas ausgewogen, daß der Mann in jedem Augenblick ohne Formalität und Grund das Rechr hat, sich von seiner Frau gegen Auszahlung eines bestimmten Teils ihrer Mitgift zu scheiden. Diese schändliche Macht, ihre Frauen loszuwerden, ist mehr als die Vielweiberei
ein schwerer Schaden des cgyptischen Familienlebens. Da die Anzahl der Männer und Frauen fast gleich ist, wäre ohne dies die Vielweiberei so sehr beschränkt, daß sie tatsächlich unbedeutend wäre. Aber sie ist gesetzlich, und selbst Männer der ärmsten K lasse nehmen eine zweite, dritte und vierte Frau, ohne Mittel, ihre Familien zu erhalten, während bei den Ressergcstellten die Vielweiberei Bitterkeit, Eifersucht und Uneinigkeit im Gefolge hat. Dazu kommt, daß die Mädchen mit zehn und zwölf Jahren verheiratet werden. In der Türkei ist der Schleier und die Abgeschlossenheit der Muhammedanc- rinnen der besseren Stände zum großen Teil schon ausgegeben, und die Erziehung hat bedeutende Fortschritte unter'ihnen gemacht. In Egypten zeigt sich in der Er- ziehung bis jetzt nur ein vielversprechender Anfang. Die egyptische Regierung hat in vielen bedeutenderen Städten Mädchenschulen gegründet oder Beihilfen dazu gegeben, und in diesen werden jetzt etwa 4000 Mädchen unterrichtet. Die Mehrzahl davon sind Kopten, aber auch die Moslemin fangen an, ihre Mädchen in die Schule zu schicken. Die Zählung vom Jahre 1897 zeigte, daß 91 %' Männer und 99 % Frauen in Egypten weder lesen noch schreiben konnten. Aber die schnelle Zunahme der Zahl der Mädchen, die seitdem Elementarunterricht genießen, berechtigt zu der Erwartung, daß cs jetzt anders wird. In den letzten beiden Jahren hat sich ihre Zahl sogar verdoppelt, denn während man 1900 erst 2050 Mädchen in Regierungsschulen zählte, waren es 1902 schon 4213. Lange vor dem Bestehen dieser neuen Regierungsschulcn haben Amerikaner der Vereinigten Staaten bereits etwas für die egyptischcn Frauen getan. In den meisten ägyptischen Hauptzentrcn sind männliche und weibliche Missro. nare erzieberisch und ärztlich tätig, und das Geld zu ihrer Arbeit wird in den Kirchen Amerikas und durch Spenden amerikanischer Reisenden aufgebracht. In den amerikanischen Missionsschulen sind über 13 000 Schüler, darunter 3500 Mädchen. Davon stammen 600 Mädchen aus muhammcdanischen Familien; die übrigen sind Kopten. «
* Somaliland. Der Feldzug im Somali- lande, der durch die beiden jüngsten Niederlagen der Engländer das allgemeine Interesse wieder in Anspruch nimmt, hat eine Vorgeschichte, die etwa vier Jahre znrück- reicht. Die „Magdeb. Ztg." schreibt darüber: Am 12. April 1899 meldete der englische Generalkonsul in Berbera, daß ein Mullah von sich reden mache, der offenbar eine nicht im Interesse der Regierung liegende religiöse Bewegung ins Leben zu rufen bemüht sei. Dieser Mann lebte in dem Dorfe Kob Fardod, etwa 170 Meilen von Berbera. Der Generalkonsul beschrieb den Mann folgendermaßen: „Er steht im besten Lebensalter, ist von dunkler Hautfarbe, groß und dünn, mit einem kleinen Ziegenbart. Er hat verschiedene Pilgerfahrten nach Mekka gemacht und sich dort der Sekte des Mahommed Salih ange- schlossen, dessen Vertreter im Somalilande er zu sein behauptet." Die englische Regierung tat auf diese Meldung hin nichts. Man glaubte, daß die Bewegung nicht von
Was es aber an diesen Sammelstätten der vornehmeren Welt in dieser französischen Kolonie unter den Gästen nicht gibt, das sind die Franzosen. Drei Viertel der Gäste sind hier Engländer und der Rest ungefähr zu gleichen Teilen Amerikaner und Deutsche. Der Franzose reist ja überbaupt nicht gern, wenn er es nicht unbedingt nötig hat. Und nun sollte er so weit gehen und über das Meer — und sei es auch nur das mittelländische! Nichtsdestoweniger ist er aber sehr stolz auf seine schöne Kolonie, die seit ihrer Begründung im Jahre 1830 bereits 3700 Millionen Francs gekostet und noch jetzt jährlich ihre 20 Millionen verschlingt, da sich die staatlichen Einnahmen auf 55 Millionen, die Ausgaben aber auf 75 Millionen belaufen. Das schließt aber auch die Unkosten für die militärische Besatzung ein. Und da die Einfuhr sich bereits auf 260 Millionen und die Ausfuhr auf 245 Millio- nen beläuft, viele Tausende von Franzosen als Beamte und Militärs, insonderheit aber als Kaufleutc und Industrielle hier ihren Lebensunterhalt finden, so darf man von den gegenwärtigen staatlichen Zuschüssen auch nicht zu viel Aufhebens machen. Die eigentliche Stadt macht denn auch in mancher Beziehung einen durchaus französischen Eindruck, abgesehen auf der einen Seite, eben von dem Quartier, das die vornehmen Gasthöfe ausweist und auf der anderen Seite natürlich von dem Quartier der Eingeborenen.
Nach der letzten Volkszählung gab es in ganz Algerien 271101 Franzosen, 151850 Spanier, 30 161 Italiener, 14 677 Engländer, 8189 Deutsche, 9415 Personen aus dem übrigen Europa, 47 664 Juden und 8 572 624 Muhammedaner. Die Deutschen sind also vollends in Anbetracht der ihnen eigenen „Wanderlust" nur wenig vertreten. Tie Juden sollen stch schon bald nach der Zerstörung Jerusalems hier angesiedelt haben. Wahrscheinlich ist dies aber erst nach ihrer Verbannung aus Italien im Jahre 1342 geschehen. Von den Arabern in früheren Zetten fortwährend beraubt, geknechtet und gedemütigt. sind sie, zumal seit 1871, wo sie zu voll- berellitigten französischen Bürgern gemacyt, eine groye Macht im Lande geworben. Ihnen gehören jetzt vollem, zwei Drittel allen Besitztums der Kolonie, was wieder
zu heftigen Aufwiegelungen und in den letzten Jahren zu blutigen Krawallen führte, in denen der vielgenannte damalige Bürgermeister von Algier, Max Regis, eine hervorragende Rolle spielte. Er weilt auch jetzt wieder hier und ist die Seele der Bewegung gegen die Juden.
Die Muhammedaner sind durch zwei Haupt-Völkerschaften vertreten, die Kobylen, Nachkommen der alten Berber, die vornehmlich in dem Departement Constantine ansässig und einigermaßen arbeitsam, aber recht schmutzig sind, und die eigentlichen Araber, die allerdings berufsmäßig Faulenzer sind, aber sich doch noch ziemlich sauber halten. Die Mauren sind Mischlinge, und als solche sind noch verschiedene andere Völkerschaften zu bezeichnen, die hier vertreten sind. Selbst Neger und Halbncger, die Nachkommen von Sklaven, sind hier vielfach anzutrefsen. Und alle verschieden an Gesichtsbildung, an Körperbau, wie auch in ihrer Kleidung, gewähren sie schon dadurch ein gar ergötzliches Studium, zumal wenn wir sie in ihrem eigenen Quartier aufsucheu. Trägt der Neger einen dürftigen Umhang von blau- und weihkaricrtenr Baumwollstoff, der Maure Helle Farben, Weste-und Jacke mit n>ancherlei Besatz und darüber den losen Umhang, den „Burnus" von rötlicher Farbe und auf dem Haupt den roten Fez, so sehen wir den Araber stets in weißem Burnus mit dem Turban auf dem geschorenen Kopf. Nur ein Zopf Haare ist stehen geblieben, an dem er hofft, eines Tages in das Paradies htneingezogcn zu werden. Die Frauen tragen weite, bauschige Beinkleider und habe» den ganzen Oberkörper bis auf die Augen verhüllt.
„Ja, Muhammed wußte wohl, wie er dran war", er. klärte mir mein arabischer Führer, „als er uns seine Verordnungen gaG Er wußte wohl, daß wir Araber zwei Dingen nicht widerstehen können: das sind der Wein und die Weiber. Deshalb verbot er den einen und warf den Schleier über das andere". Auf der anderen Seite wird uns berichtet, daß der Prophet auf seine junge, hübsche Frau. Aisha, eifersüchtig gewesen, und lediglich um sie den Blicken anderer Männer zu entziehen, die Beiordnung der Verschleierung gegeben, der so viele Millionen von Frauen seither sich zu fügen gehabt. Wie dem aber auch sei, immcrlnn würde das Gesetz uichr so
