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Verlag Langgasse 21

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Donnerstag» 26. August 1915.

Kbend-5lusgabe.

Nr. 396. ^ 63. Jahrgang.

Vrest-Litowst gefallen!

Die Bestürmung durch deutsche und österreichisch-ungarische Truppen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 26. Slug.

,(Amtlich.) Die Festung Brest-Litowsk ist ge­fallen. Deutsche und österreichisch-uuga- rische Truppen stürmten die Werke der West- und Nordwestfront und drangen in der Nacht in das Kernwerk ein. Der Feind gab darauf die Festung frei.

Oberste Heeresleitung.

Brest-Litowsk.

Ein-e neue Siegeskulide durchdringt die deutschen Lande: Brest-Litowsk, die letzte russische Festung, ist nach kaum fünftägigem Ansturm gefallen.

, Brest-Litowsk ist durch die kriegerischen Ereig­nisse der letzten Wochen auf dem östlichen Kriegsschau­platz stark in den Vordergrund getreten. Es ist Kreis­stadt im russiickfen Gouvernement Grodno, liegt am Einfluß des Muchaviec in den Bug und ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Hier kreuzen sich -die Bahn­linien von Bielostok, Lukow, Siedlce, Cholm und Kowel. Von Osten her hat Brest-Litowsk auch noch Anschluß an drei parallel lausende doppelgleisige Eisenbahnlinien: die nördliche über Grodno, die mittlere über Wolkowitz, die südliche über Minsk. Dieses ausgedehnte Bahn netz verbindet Brest-Litowsk mit den vier großen Städten: Warschau, Kielv, Moskau und Königsberg. Es hat etwa 50 000 Einwohner, nur unbedeutenden Handel und In­dustrie, ist im Frieden Sitz des 19. Armeekorpskomiman- dos und wird zum erstenmal 1831 als Festung genannt, nachdem es 1795 russisch geworden war.

Brest-Litowsk ist der östlichste Pfeiler des großen russischen Festungsvierecks: Warschau-Nowageorgijewsk, Iwangorod-Brest. Mit ihnen ist es zu einer erstklassi­gen Festung ausgebaut worden und ebenso wie Jwan- gorod und Nowogeorgisewsk eine reine Militär- -s e st u n g. Die Befestigungen bestehen aus neun Forts, die sich folgendermaßen verteilen: 2 auf dem westlichen Bug-User, 4 zwischen Muchaviec und Bug/ de. größten Sektor, und 3 .zwischen Bug und Muchaviec. Diese Werke stammen aus dem Jahre 1882, wurden nach der großen Heeresorganisation 1910 auch teils um-, teils neugsbaut, können aber sicherlich in bezug auf Armierung und Anlage nicht als völlig >modern angesprochen werden. Gerade über diese Festung ist so gut wie nichts in die Öffentlichkeit gedrungen, ent­schieden mit Rücksicht darauf, daß Brest-Litowsk für die russische Heeresleitung eine besonders wichtige Rolle spielt. Während nämlich alle anderen polnischen Festun­gen infolge ihres sperrfortsartigen Charakters jeder Tiefengliederung entbehren, weil eben die einmal ver­sammelten und aufmarschierten Streitkräfte zum An­griff Vorgehen sollten, bildet Brest-Litowsk gewisser­maßen ein Zentralreduit fiir die Weichsel-, Rarem-, Bobr-Besestigungen. Zu dieser Slufgabe wird die Bug- festung durch drei wichtige Umstände befähigt: erstens dirrch ihre geographische Lage auf der Mitte der Grund­linie eines fast gleichseitigen Dreieckes, dessen Spitze bei Warschau, dessen Nordecke bei Grodno und dessen Süd­ecke bei Cholm liegt. Zweitens durch sein weitverzweig­tes Bahnnetz mit den nahen Slnschlußknotenpunkten Bielostok und Gholm. Und endlich drittens durch die eigenartigen hydrographischen Verhältnisse im Vorfeld der Festung: durch Sumpf und Bruch, Seen und mehrere Flüsse. Unter den zahlreichen Sümpfen spielen die Pripet-Sümpfe, im Gebiet dieses Flusses, sowie des Tnjepr-Bug-Kanals die größte Rolle. Man hat .zwar vor einigen Jahrzehnten im Interesse der Landeskultur begonnen, diese Sümpfe auszutrocknen und urbar zu machen. Bes ihrer gewaltigen Ausdehnung

bis zum Dnjepr — kann aber ein solches Unter­nehmen nur langsam fortschreiten, so daß noch manches Mcnschenalter vergehen dürfte, bis diese Pripet-Sümpfe weg- und operationsfähig genannt werden können. Wenn auch ein in Polen von Westen oder Süden ein- geörochenes Heer für alle späteren Operationen, in welcher Form sie auch sein mögen, allein auf die Lanö- gebiete nördlich der Sümpfe angewiesen ist, so darf es doch nicht Brest-Litowsk unbeobachtet lassen. Daß dies nicht der Fall ist, beweisen uns die bisherigen Operationen der Armeen Mackensen «und des Prinzen von Bagern, Ll.

von den östlichen Kriegsschauplätzen« Oie deutschen Truppen suchen eine grotze Schlacht

Rotterdam, 26. Aug. (Zenf. Bin.) Wie die „Times" aus Petersburg berichten, sind die deutschen Streitkräfte bemüht, die Loslösung der russi- schen Nachhuten an der Front Bialostok-Ossowiece zu verhindern. Die Deutschen versuchten, die Russen hier fe st zuhalten, um ihren östlichen Streitkräften, die von Kowno aus vorrücktcn, eine große Schlacht zu ermöglichen.

Vorkehrungen in Petersburg.

Die Möglichkeit eines deutschen Luftangriffes.

Sr. Stockholm, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bin.) Der Berichterstatter der Telegraphen-Union erfährt aus Petersburg: Seit dem 13. August neuen Stils werden in Petersburg Vorkehrungen getroffen, die den Eindruck er­wecken, als erwarte eine Festung den Feind. Der baltische Bahnhof, der dicht neben ihm liegende Warschauer Bahn­hof sind militärisch besetzt und für den privaten Per­sonen- und Güterverkehr geschlossen. Der Schiffahrts­verkehr in der Kronstädter Bucht ruht vollkommen. Die Möglichkeit eines Luftangriffes durch deutsche Flieger erregt grotze Besorgnis. Die mächtigen Scheinwerfer der Peter- / Paulfesturig sind die ganze Nacht ununterbrochen in Tätig­keit; alle Laternen sind nach oben hin abgeblendet. Die Schutzmannschaft soll in diesen Tagen neuartige Rauch­masken zum Schutze gegen etwaige StickgaSbombem erhalten haben. ,

Tag- und Nachtarbeit sollen bem Nlunitions- mangel abhelfen.

Petersburg, 26. Aug. (Zenf. Bln.) Das neue Munitionsgesetz ist in letzter Lesung von der Duma angenommen worden. Das Haus beschloß eine Eingabe an den Synod, um die Abschaffung der Festtage zu befürworten, durch welche die Ar­beiter an der Munitionsherstellung ungemein gehindert würden. Die Gouverneure der einzelnen Regie­rungsbezirke wurden aufgefordert, die Erlaubnis zu erteilen. Tag und Nacht arbeiten zu lassen, um der Munirionskrisis zu steuern.

Gedrückte Stimmung in der Duma.

überaus ernste Ansfassung der militärischen Lage.

Sr. Petersburg, 26. Aug. (Eig. Trahtber-chk. Zens. Mn.) Die deutsch-österreichischen militärischen Erfolge der jüngsten Tage bilden das einzige Tagesgespräch der Neichsduma, wo man sich selbst mit den brennendsten Fragen, wie Duma- auflösnng, Mmistcrpräsidemcnwechsel, Orgarüs ction der Kriegsindustrie, zu kümmern «ufgehort hat. In allen Parteien wird die militärische Lage als überaus ernst ausgc- fatzt, und die Slnnmnng rst sehr gedrückt. Ter Zontrums- fühvev Godlew erklärte noch gestern, daß, wenn er noch einige Hoffnung hege, so lediglich aus dem Gründe, daß der Mensch schließlich noch lcks lebend zu betrachten sei. so lange er nicht völlig tot sei. Unsere Lage — so meinte er wörtlich — ist prekär, wenn nicht geradezu verzweifelt.

Der Krieg gegen England.

Unsere H-voote an der Arbeit.

W. T.-B. London, 26. Aug. (Nichtamtlich. Drähtberichi.) Reuter.) Der Fischdampfcr „I o u n g f r a a l" wurde ver­senkt. — Der Fischdampfcr „Intrgrit y" wurde versenkt. Die Besatzung wurde gerettet.

Ein 10000-Tonnendampfer versenkt.

Sr. Christiania, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Zeitungen melden aus Christiansund, daß der norwegische Dampfer „I b e i s", der vorgestern von Narvik (Nord- vorwegen) angekomnien sei, um 9 Uhr gesehen habe, wie ein großer Dampfer von 10 000 Tonnen unterging. Ein Unter­seeboot habe neben dem Schiff gelegen. Drei Torpedojager, angeblich englische, seien in voller Fahrt gegen den Dampfer gefahren. Die „Jbcis" rettete zwei Boote davon.

Das Seegefecht an der jütischen Uüfte.

W. T.-B. Berlin, 26. Aug. (Nichtamtlich.) Auf ausdrück­liche Veranlassung des englischen Gesandten in Bukarest erklärten dortige offizielle Blätter die amtliche deutsche Bekanntmachung vom 18. August über den erfolg­reichen Angriff deutscher Torpedoboote bei Horns Riff Feuer­schiff ain 17. August,, wobei ein englischer kleiner Kreuzer und ein Zcrstöver vernichtet wurden, für frei erfunden. An­gesichts dieses dreisten Ableugnunysversuckes einer amtlichen englischen Stelle werden von zuständiger Seite zu der amt- lichrn deutschem Bekanntmachung noch fölgende Einzelheiten milgeteilt:

Die englischen Streitkräfte wurden, durch beit Angriff der deutschen Torpedoboote völlig überrascht. Ein Kreuzer, der dem neuesten Typ der englischem „Turora"- 'Klasse angehörte, sank innerhalb 4 Minuten, der Zerstörer un­mittelbar -nach einem Torpedotreffer.

Das Verfahren der englischen amtlichen Stellen, di- Vec. lüste: der englischen Flotte einfach abz ul?ug nen, ist nicht neu. Beachtenswert ist, daß die englische Admiralität sich in dem vorliegenden Falle gegenüber der amtlichen derrt- schen Bekanntmachung a us schweigt und eine andere amtliche Stelle versucht, den Verlust ctv.f diesem Umwege zu bestreiten.

Die Arbciterschwierigkeiten in Südwales eine ernste Sorge.

W. T.-B. London, 26. Aug. (Nichtamtlich. Drcchtbenicht.) „Dailv News" meldet aus Cardiff, daß der geschäftsfühvende Ausschuß von Südwales beschloß, das vorgeschlcgene Lohn­ab kommen in der morgigen Sitzung nicht zu unter­zeichnen und daß eine Abordnung gewählt werde, welche mir Llo:;d George, Runcirnan und Henderson verhandeln soll. Im Kohlenrevier herrsche große Unzufriedenheit über die tzferzögerung der Entscheidung. Die Lage sei schwierig. Bon der morgigen Sitzung des EinigungSamtrS und ldem Erfolg der Abordnung bei dem Ministerium hänge viel ab.

Verhandlung gegen den „Labour Leader" in geheimer Sitzung.

W. T.-B. London, 26. Aug. (Nichtamtlich. Dvahwericht.) „Daily News" kritisiert in einem Leitartikel, daß das Ver­fuhren gegen den „Labour Leoder" unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindem soll. mri» weist daraus hin, daß die Nor th el i f fpr esse inonatclang Dinge veröffentlicht habe, di- Englands Beziehmvgen zu fremdem Mächten schädigten und (bi e Relruiierüng sehr ungünstig beeimftusttsn. Nichts anders sei es aber, was die Anklage dem „Labour Leader' zur Last lege. „Daily News" betrachtet in einem anderen Leitartikel die MeigeruMg der Waliser Bergleute, Nuncimans Sckiedsspruch anzunehmen, mit ernster Sorge. Die Haltung der Bergleute sei unentschuldbar, außer, wenn man den Grundsatz aufstellen wolle, daß der Schiedsspruch nur bindend fern >clle, wenn er günstig ausfalle.

Ein deutsches Luftschiff über holländischem Gebiet.

Durch widrige Winde vom Kurs abgetrieben.

W. T.-B. Haag, 26. Aug. (Nichtamtlich Drahtbericht.) Das Korrespondenzburcau teilt mit: Am 18. August wurde gemeldet, daß ein Luftschiff über ni e der ländisch es Gebiet gefahren sei. Der deutsche Gesandte teilte am 20. August im Auftrag seiner Regierung der holländischen Regierung mit, daß an jenem Tage ein deutsches Luftschiff durch hefrige Nordwinde uud böiges Wetter über niederländisches Gebiet abgetrieben wurde. Sobald das Schiff sich zu orientieren vennachte, bemerkte es die Ab­weichung vom Kurs- und schlug die Richtung nach der See ein, die zwischen Blieland und Terschelling wieder erreicht wurdg. Die deutsche Negierung bebt hervor, 'daß der bedauerns­werte Vorfall ausschließlich eine Folge bLsonderer atmosphärischer Verhältnisse sei, die den Führer des Schiffe) irrcführten, und fügte hinzu, daß feil Beginn der Feindselig­keiten den Führern der deutschen Luftschiffe strenge Befehle erteilt wurden, niemals über das Gebiet neutraler Staaten zu fahren.

Oer „5lrabie"-3wischenfa?l.

Vorläufig laufen noch die widersprechendsten Mel­dungen über die Torpedierung der „Aradie" um. Wir wissen nicht, ab die Vernichtung des englischen Passaglevdampfers ohne Warnung und Anruf geschah, do der Kapitän des Schiffes nicht versucht hatte, das Unterseeboot zu rammen oder ob nicht die Besatzung des Dampfers sonst in irgendeiner Weise versucht hat, das in Sicht gekommene Unterseeboot zu vernichten. Vor allem wissen wir überhaupt noch nicht, ob gerade ein deutsches Unterseeboot in Frage kommt, obwohl dies mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. Denn alles, was wir bisher über die Torpedierung der „Arabic" erfahren konnten, stammt ^ aus englischer Quelle, die bekanntlich bei jeder ähnlichen Gelegenheit die Situation mit deutlichsteni Nachdruck zuungunsten der deutschen Kriegführung auszunutzen destreht war.

Aber etliches wissen wir doch: der neue Vorfall hat auf beiden Seiten des Ozeans fast ebenso großes A u f- sehen erregt wie die Vernichtung der „Lusitania" im Mai. Wir wissen auch, daß die „Arabic" ähnlich wie die „Lusitania" bei Hren wiÄevholten Überfahrten von New Jork einem schwimmende n Arsenal vollep