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s». Jahrgang
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U-. 194.
«erlags^erusprecher No. ASS.
Motttag» de« 27. April.
RedaktiouS-Fernsprecher No. 52. 1903»
Abend-Ausgabe.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 25. April.
Das Haus ist ganz schwach besetzt. Entsprechend einem Antragsteller der Geschäftsorönnngs-Kommisston, verweigert das Haus die Genehmigung zur Einleitung eines Privatklage-Verfahrens wegen Beleidigung gegen den Abg. Beck-Aichach während der gegenwärtigen Sitzungsperiode. — Weiter werden einige Rechnungssachen erledigt und dann die zweite Beratung der Krankenversicherungs-Novelle fortgesetzt. — Beim 8 7, der von der Überführung des Kranken in eine Heilanstalt handelt, verlangt ein sozialdemokratischer Antrag, daß den von dem Erkrankten unterhaltenen Angehörigen drei Viertel des Krankengeldes statt nur die Hälfte gewährt werden. Habe der Kranke keine Angehörige, so soll ihm wenigstens ein Viertel des Krankengeldes ausgezahlt werden. — Abg. Molkenbuhr (Soz.) empfiehlt den Antrag, der alsdann ohne Debatte abgelehnt wird. — Bei § 8 befürwortet Abg. Stadthagen einen sozialistischen Antrag, den ortsüblichen Tageloyn, welcher der Berechnung des Krankengeldes zu Grunde gelegt wird, mindestens in Höhe von 2 Mk. für Erwachsene und 1 Mk. 50 Pf. für sonstige Versicherte in Anrechnung zu bringen. Redner verweist auf die unglaublichen niedrigen Tagelöhne im Osten und in Bayern. — Auch hier erfolgt die Ablehnung des sozialistischen Antrages ohne weitere Debatte, nachdem der Referent nur allgemein ersucht hatte, an dem Paragraph in der Fassung der Kommission festzuhalten.
— Bei § 111 soll das bestehende Gesetz dahin abgeänöert werden, daß die Versicherungsbeiträge auf 3 Prozent statt nur aus 2 Prozent des ortsüblicheil Tagelohnes erhöht werden können. — Ein vom Abg. Stadthagen befürworteter Antrag will diese Erhöhung auf 3 Prozent streichen und außerdem jede Beitrags-Erhöhung über l */2 Prozent hinaus von der Zustimmung der Mehrheit der Versicherten abhängig machen. — Ein Antrag Lenz- mann-Rösicke-Dessau bezweckt, den Gemeinden eine Erhöhung der Beiträge nur auf 2% Prozent des Tagelohnes zu gestatten. — Abg. H o f m a n n - Dillenburg (nat.-lib.) beantragt eine Abänderung des dritten Msatzes des 8 10 dahin, daß im Falle dauernden Überschusses der Einnahmen aus Beiträgen über die Ausgaben und nach dadurch ermöglichter Ansammlung eines Reservefonds nicht sofort eo ipso eine Herabsetzung der Beiträge bis auf höchstens ly 2 Prozent des Tagelohnes einzutreten hat, es vielmehr der Gemeinde überlassen sein soll, ob sie die Beiträge herabsetzen oder die Unterstützung erhöhen will.
— Nachdem Abg. Lenzmann ifreis. Volksp.) leinen Antrag befürwortet, bittet Staatssekretär Posa- d o w s k y dringend, es bei dem Maximum von 3 Prozent zu belassen. Werde an diesen 3 Prozent gerüttelt, so könne er nicht die Gewähr bieten für Annahme dieses Gesetzes seitens der verbündeten Regierungen. — Ge
heimrat Beckmann legt noch rechnerisch die Notwendigkeit dar, an den 8 Prozent festzuhalten. — Abg. R ö s i ck e- Dessau lfrcis. Ver.) empfiehlt den Antrag Lenzmann. Er sei überzeugt, daß auch schon 2y 2 Prozent genügen würden. — Abg. Molkenbuhr (Soz.) plädiert nochmals für die Beibehaltung des Maximums von 2 Prozent.
— Abg. Trimborn (Zentr.) stimmt dem Antrag Hof- mann-Dillenburg zu. — Ein jetzt eingehender Antrag Trimborn-Lenzmann schlägt den Zusatz vor: doch dürfen die über 2 Prozent hinausgehenden Beiträge nicht dazu benutzt werden, Zuschüsse aus weiter als zwei Jahre zurückliegender Zeit zu decken. — Abg. Trimborn (Zentr.) empfiehlt diesen Antrag. — Staatssekretär Posadowsky hält diesen Gedanken an und für sich gleichfalls für berechtigt, wenn er auch über die Fassung des Antrags Trimborn-Lenzmann sich noch das endgültige Urteil Vorbehalten müsse. — Der Antrag Trimborn- Lenzmann wird einstimmig angenommen, ebenso der Antrag Hofmann-Dillenburg. Der sozialdemokratische Antrag und der Antrag Lenzmann-Rösicke werden abgelehnt.
— § 26 enthält die Verlängerung der Unterstützungsdauer von 13 auf 26 Wochen. — Die Annahme erfolgt einstimmig. — Präsident Graf V a l l e st r e m teilt noch den Eingang einer Interpellation Graf Limburg-Nor- mann mit, ob der Reichskanzler Auskunft geben wolle, wann die bestehenden Handelsverträge gekündigt werden sollen. — Montag 11 Uhr: Zweite Lesung des Nachtrags- Etats, Rechnungssachen, Krankenversicherungs-Novelle, dritte Lesung des Phosphor-Gesetzes. — Schluß 5% Uhr.
Preußischer Karidlag.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 25. April.
Im Abgeordnetenhause stand heute zunächst die Interpellation Letocha, betreffend den Unfall auf der fiskalischen Kohlengrube Königin Luise in Oberschlesien, auf der Tagesordnung. Nach der Begründung durch den Interpellanten erklärte Handelsminister Möller: Der schwere Ung)ücksfall gehöre zu den leider unvermeidlichen elementarem Ereignissen im Bergbau. Erschwert werde die Untersuchung dadurch, daß leider alle Beteiligten dahin gegangen sind. Die Tatsache spreche dafür, daß die Explosion entstanden ist dadurch, daß ein noch nicht abgetaner Schuß mit Kohlenstaub versetzt war. Das sei durchaus instruktionswidrig, aber die Bergleute neigten leider dazu, die Schüsse mit Kohlenstaub zu versetzen. In Oberschlesien seien bisher Kohlenstaub-Explosionen seltener gewesen im Gegensatz zu Westfalen und Saarbrücken, wo solche sehr oft vorgekommen sind und sehr zerstörend gewirkt haben. In Westfalen und Saarbrücken sei auch deshalb übergegangen worden zu einer völligen Berieselung der Gruben, damit die Kohlenstaub-Erplv- sionen ein- für allemal beseitigt werden. Seitdem seien schwere Explosionen dort nicht mehr vorgekommen. Eine generelle Anordnung der Berieselung sei zweifellos in Oberschlesien nicht erforderlich und nicht zulässig, aber er habe sofort angeordnet, daß auf allen Strecken in
Am sonnigen Strande.
Bon Henryk Sienkiewicz.
Aus dem Polnischen übersetzt von L. Berner.
(8. Fortsetzung.)
Er aber näherte sich ihr um einige Schritw, indem ' die Hände nach rückwärts streckte und den Kopf fast 'ohend nach vorne schob. ^ ^
„Ich will es!" sagte er nachdrücklich und laut, ''vorerst shalb, weil ich bald auf und davon gehe, und dann ich aus anderen Gründen, von denen sie morgen wen werden."
Frau Korecka erhob sich mit zusamincngezogenen ugenbrauen, und mit der theatralischen Bewegung einer ieidigten Königin sagte sie:
„Was soll das bedeuten?" ,
Doch er kam noch näher, so daß fetu Gesicht kaum nige Zoll von dem ihren entfernt lvar und begann it großer Energie die Worte herauszustoßen: ^
„Mes bedeutet, daß ich sowohl Sie als auch ^hre mze Sphäre hätte verachten sollen und doch liebe ic i ie! Dies bedeutet, daß ich mich für Sie vor memem genen Gewissen erniedrigte, wofür ich nnr bereits eine träfe ausgesctzt habe. Aber eben deshalb habe ich nichts > verlieren und Sie müsse:: mir das Unrecht entgelten, ertn kein Unglück geschehen soll!"
Frau Korecka erschrak nicht, denn^ ßofurchtete die iänner auch nicht im geringsten. Sie fürchtete auch cht die Auszehrung des Kresowicz, denn der Arzt be- lhigte sie seiner Zeit in dieser Beziehung vollständig ufrichtig war bloß ihr Erstaunen, während Zorn imd ngst nur Schein waren. In ihrem Herzen erwachte ötzlich eine Bewunderung: „Mais o est un vrai
seau de proie, der im Stande wäre mich zer- ißen!" . . . Für diese Natur, welche mit der Verderbes so vertraut war und dabei so abenteuerlich, ha.': des Abeiitcner insbesondere jenes, das ihrer weiblichen
Eitelkeit schmeichelte, einen unaussprechlicheii Reiz. Dabei schrak ihr moralischer Sinn nicht leicht vor etwas zurück. Wenir Kresowicz sie um einen Augenblick des Glückes, um dos Recht, den Saum ihres Kleides zu küssen, mit Demut, iveineird und auf den Knieen gefleht hätte, würde sie besohlen haben, ihn zur Tür hinaus zu werfen. Doch dieser drohende, fast wahnsinnige Mensch, dieser Repräsentant einer Sekte, von deren erschrecklicher Energie man fabelhafte Dinge in ihrer Sphäre erzählte, kam ihr so dämonisch vor, so ganz von den anderen verschieden, daß sie geradezu bezaubert war. Ihre Nerven begehrteil nach etwas neuem. Auch überlegte sie, daß im Falle ihres Widerstandes das Abenteuer ganz unvorher- gesehne Dimensionen annehmen und zu einem Skandal werdeii könnte, denn dieser Tolle wäre in der Tat zu allem fähig.
Kresowicz sprach indessen weiter, ihr Gesicht niit seinem heißen Atem streifend.
„Ich liebe und habe iiichts zu verlieren! Ich verlor die Gesundheit, büßte die Zukunft ein und erniedrigte mich! ... Ich habe nichts zu verlieren! — verstehen «ie? Es ist mir einerlei, ob auf Ihr Rufen zehn oder hundert Menschen Hereinstürzen . . . Aber für Sie ist es nicht einerlei! Tann gehe ich meiner Wege und das Geheimnis wird begraben sein, ich schwöre es!"
Ter Frau Korecka war es jetzt bloß darum zu tun, den Schein zu wahren, den weibliche Heuchelei immer zu wahren beflissen ist, und um den Selbstbetrug.
Ihre Augen voll künstlicher Bestürzung seinem Gesichte zuwendend, das tatsächlich dem eines Wahnsinnigen ähnlich sah, fragte sie daher:
„Wollen Sie mich töten? . .
„Ich will eine Entlohnung und nicht in Geld!" antwortete er mit erstickter Stimme.
Und dann umfing er sie mit den Armen, während sie sich zil wehren versuchte. Aber sie tat dies so wie jemand der von einer Schwäche überfallen wird und dem die Angst die Geistesgegenwart und die Kraft geraubt hat
Oberschlesien, wo dies geboten erscheine, sofort wenigstens eine Befeuchtung der Wände stattfinöe. Dies werde einstweilen genügen. Gegen die Einführung einer allgemeinen Berieselung spräche auch der Mangel an genügenden Wassermengen. Der Minister versichert dann noch, die weitere Untersuchung werde ja noch näheres ergeben, und den Bericht darüber werde er nicht unterlassen, dem Hause bekannt zu geben. Der Vorwurf der Interpellanten, daß die Schuld vielleicht mit an der Wetterführung liege, sei unbegründet. Die Wetterführung sei tatsächlich tadellos gewesen. Was dann die Beteiligung der Bergarbeiter an der Gruben-Aufsicht anlange, so habe er dagegen an und für sich keine Bedenken. In Saarbrücken habe er damit schon einen Versuch gemacht. Wenn sich derselbe bewähre, so werde er nicht Anstand nehmen, die Arbeiter auch in anderen Revieren zur Aufsicht heranzuziehen. Alsdann werden debattelos die Vorlagen, betreffend Ablösung der Reallasten im Großherzogtum Lauenburg, ferner betreffend Bildung von Gesamtverbänden in der katholischen Kirche und betreffend Bildung kirchlicher Hilfsfonds für neue katholische Pfarrgemeinden, definitiv in dritter Lesung angenommen. — Ein weiterer Beratungsgegenstand ivar die dritte Lesung des Gesetzes, betreffend die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienste. Dabei ist diesmal ungewöhnlich scharf von hüben und drüben geschossen worden. Der Abgeordnete F r i e d b e r g beklagte sich über die Bevorzugung des adeligen Elementes bei der Übernahme von Referendarien, die 40 Prozent der Gesamtheit ausmachten. Der Minister v. Hammer st ein verwahrte sich dagegen mit einer an ihm fonst ungc- kannten Schärfe. Er gibt folgende Erklärung ab: I ch kann nicht dulden, daß den Regierungspräsidenten vorgeworfen wird, daß sie bei der Annahme von R e g i e r u n g s - referendaren die Adeligen bevorzugen. Ich mutz diesen Borwurf ganz ausdrücklich zurückweisen. Das ist nicht der Fall. (Große Unruhe.) Der Vorredner hat Statistiken aus früheren Jahren herangezogen ; er hat auch behauptet, daß gegenwärtig 40 Prozent der angenommenen Regierungsreferenöare dem Adel angehören. Meine Herren! Was beweist denn das? Das beweist doch nur, daß der Adel, und zwar wesentlich der unvermögende Adel, aus dem die großen preußischen Könige den Staat gebildet haben (Lärm links und 'in der Mitte; Rufe: Oho!), dem Dienste des Vaterlandes sich widmet und damit sich bescheidet. (Erneute
st ü r m i s ch e U n r n h e l i n k s u n d i n d e r M i t t e .
lebhafte Zurufe.) Ich muß überhaupt bestreiten, daß ein Prozentsatz von 40 etwas Besonderes wäre. I ch f r e n e mich noch i m m c r ü b e r jeden Referendar, der einer adeligen oder Beamtenfamilie angehört; dann bin ich sicher, daß die Regierung mit ihren Beamten gut fährt. (Zurufe links: Sk a n u ! große Unruhe.) Während meiner Amtszeit sind mir schon viele Fälle vorgekommcn. daß junge Beamte aus besonders wohlhabenden Kreisen, die in etwas entfernte Gegendeil versetzt werden sollten Widerspruch erhoben haben. Das ist mir bei den auS
mm
V.
Nachdem StvirZki in Bille Franche angelangt war, stieg er aus dem Wagen und begab sich zum Hafen, deiiii es kam ihm in den Sinn, mit einem Boote nach Nizza zuruckzukehren. Er fand auch gleich einen bekannten Fischer, der, über den Anblick des freigebigen Gastes er- fient,_ mit echt lygur sicher Ruhmredigkeit sich unterzog^ u)rt „selbst nach Korsika hnrirb-erzusühren, wenn auch bev Sirokko das Meer bis zum Grunde aufwühlen sollte " Einstweilen war es bloß um eine kleine Überfahrt zu tun, die mn so leichter war, als nicht das kleinste Lüftchen wel,te. Swirst: setzte sich an das Steuer und sie glitten über den Meeresspiegel hin. Nach einer Weile, nachdem sie an luxuriösen Dachten vorbeigefahren waren, näherten sie sich einigen Panzerschiffen, deren kolossale, schwarze Umrisse sich schroff und deutlich in der Mittagssonne zeichneten Das Verdeck des Formidable war schon mit ®utrlaniK>n von buntfarbigen Lampen behängen anläß- lich des morgigen Balles, zu welchem SwirSki eine Einladung erhalten sollte. An Bord sah man Matrosen, die, von unten betrachtet, im Verhältnisse zun» Schiffe wie Pygmäen erschienen. Von Zeit zu Zeit glitt ein Kriegsboot mitten durch die Panzerschiffe, das in de» Ferne einem schwarzen Käfer ähnlich sah, der regelmäßig eine Reihe voir Fußen bewegt. Hinter den Schiffen sah mau das weite Meer, dessen Oberfläche trotz der Wind- stille auf und nieder wogte, das Boot, in dem Swirski saß mit einer saiiftcn und leisen Bewegung bald hebend, bald wieder senkend.
rechten Seite der Bucht sich erhoben, längs denen sich ein grauer, staubiger Weg hinzog, noch ein wenig tiefer laa der Exerzierplatz, auf dem sich die Soldaten im Trompetenblasen übten. Endlich, nachdem sie den Vorspruna umkreist hatten, an dem sich die Wellen brachen, fuhren sie in das offene Meer hinaus. Die Sonne sank bereits zun: Untergange. Die Felsabhäsgc und das Meer waren ganz rot gefärbt. Alles ringsumher war still und
