Einzelbild herunterladen
 

Beilage zum Wiesbadener Tagbiail.

Ko. 183. Morgen-Arrsgahe

Mittwoch, den 22. April.

81. Jahrgang. 1803.

t****** ***************************** * x

Wer ein Original sein will, beweist, daß er sich innerlick * als Dutzendmenschen fühlt. Dar gilt auch für Dichter und . « Künstler. Otto v. Leixner. v

*¥ ¥W¥**9**WW*W¥WW¥WSWW*WWW*W¥W¥¥¥WWW9*

- (3. Fortsetzung.)

Spate Erkenntnis.

Roman von Alexander Römer.

„Na, das fehlt noch, wie sollst du da diesen Lärm mshalteri."

Die Rkttter klagte nie — das war der Frauen Art — solch eine Frau mutzte sie auch werden. Sie half der Mutter beim Auskleiden, stopfte ihr Baumwolle in die Ohren, aber was half das gegen diese höllischen Fanfaren.

Fetzt wurde der Salamander gerieben, dann Lllite, bibite gesungen, — ja das wurde nett. Sie satz noch ein Weilchen, das Licht blendete der Mutter Augeir, sie löschte es und legte sich auch nieder, und da lag sie nun im Dunkeln mit wachen Sinnen und dachte über allerlei nach.

Das Lärmen dauerte fort, — einzelne Lieder, welche folgten, haften einen sonderbaren Text, der ihr die Röte in die Wangen trieb — die albernen Jungens — wenn sie nur nicht jedes Wort verstanden hätte.

Zuletzt siegte doch die Müdigkeit, sie schlief ein, traum- los und fest.

Als sie erivachte, schien die Sonne ins Fenster. Die Mütter rief sie. „Ellen! ich fühle mich so sehr schwach, ich kann nicht aufstehen."

Esten fuhr empor, besann sich schnell und war mit einem Satz aus dem Bette. Sie kleidete sich rasch an, sie kannte diese Zustände bei der- Witter und beute war es kein Wunder.

Da klopfte die Aufwärterin draußen. Sie öffnete und ging dann in das vordere Zinijper.

„O Himmel!" sie prallte entsetzt zurück, diese Ver­wüstung.

Sie stand unschlüssig, ganz ratlos, wa? sie beginnen sollte.

Frau Mertens war neben ihr imb schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Was war denn'hier los go- wesen? Ach so, die jungen Herrens — ja dazu gehörte etwa^hier wieder Ordnung zu schaffen. Sie ging indeß mit Sachkenntnis daran, und Ellen half unter Seufzen.

Ter Bruder ließ sich nicht blicken, der schlief natürlich, draußen schien die Frühlingssonne verlockend, sie sehnte sich hinaus, eS war der erste Ferientag, auf den sie sich gefreut. Nun gab es hier Arbeit bösester Art.

Gegen Mittag raffte sich die Mutter auf und kam totenbleich zum Vorschein, und da erschien endlich von der anderen «eite auch der Poldel, beinahe eben so blaß, und tmrf sich stöhnend auf das Sofa. Er bat kleinlaut um einen Schluck schwarzen Kaffee und später um einen touren Hering. Weiter wollte er nichts.

„„So", sagte Ellen, „das ist also der berühmte oder berüchtigte Kater, nun lerne ich den doch auch kennen. Und dies ist dann der Anfang der „neuert Laufbahn", imponiert mir ungemein."

Sie ging lachend hinaus, um den schwarzen Kaffee und den sauren Hering zu holen.

*

Der Hofmarschall, Freiherr von Rodenfels, bewohnte eine elegante, im Schloßgarlen gelegene Villa. Der große Garten hinter derselben grenzte cm den See, und war sehr schön gehalten, mit gewundenen Wegen und Blumen­beeten, auf denen zu jeder Jahreszeit Blühendes zu finden war. In der künstlichen Grotte am See, durch die das Wasser floß, lagen zwei zierliche Gondeln mit rot und weiß gestreiften Bänken und Rudern und Wimpeln.

Hier hatte Ellen Krauter manche fröhliche «tunde mit der Freundin verlebt, sie war seit Jahren Adinens ausschließliche Spielgefährtin. Nun waren sie bald aus den Kinderschuhen heraus, zählten mittlerweile ihre 16 Jahre, und kamen sich schon alt imd erwachsen vor.

Adine war noch nicht sehr gesetzt, ihr wurde es schwer, ihr Temperament zu zügeln. Sie war das einzige Kind ihrer Eltern und man hatte es bei ihrer Erziehung zuerst mit ehrbareu Gouvernanten versucht. Sie brachte es indeß fertig, eine nach der anderen von dieser Sorte zu vertreiben. Da beschloß Papa — die Mama war kränklich und ihre Sftmme galt wenig —■ das Töcbter- chen in die höhere Töchterschule zu schicken, damit sie sich unter den anderen Kindern abschleife. Er brach bei diesem Entschluß mit einem in seinen Kreisen herrschen­den Vorurteil, war aber ein vernünftiger Mann und hatte die Freude zu sehen, wie der kleine Tollkopf in dem großen Verbände eingezwängt wurde und sich schicken lernte.

Es war schtoer zu erklären, warum Adine sich vom ersten Tage an Ellen Kramer, die Musterschülerin, an­schloß. Ellens kerniges Wesen imponierte ihr, es machte ihr Eindruck, wenn diese ihr derb die Wahrheit sagte, und sie fühlte unbewußt die Überlegenheit einer viel zahmeren, aber in sich kraftvolleren Natur, als die ihrrge.

Heute, an dem sonnigen Frühlingsnachmittag in der Osterivoche, schleuderten die betbett Freundinnen Arm in Arm durch die noch recht kahle Lindenallee, die zur Grotte führte, und tauschten „Geheimnisse". Ellen mußte von Poldels Abiturientenschmaus erzählen, nachdem sie sich vorher von Adinen unverbrüchliches Schweigen hatte ge- loben lassen, und sie tat es mit einer gehörigen Dosis Humor. Adine kam nicht aus dem Lacheit heraus, und erklärte Poldel für einen famosen Jungen, der seinem Vormund, diesem Philister, eine gute Nase zu drehen verstattd.

Sie wurden unterbrochen, indem zwei junge Herrett in Uniform settwärts aus dem Garten in die Allee traten und sich ihnen näherten.

„Die Vettetm Saldern!" rief Adine halblaut, „die neugebackenen Leutnants, na, nu stehe mir Gott bei!"

Die beiden jungen Offiziere grüßten, und brachten in schnarrendem Ton allerlei galante Redm hervor. Adine behandelte sie sehr von oben herab, und gab sich als fertige Dame, Ellen stand gelangweilt daneben, von ihr nahmen die Herren wentg Nottz.

Adine verstand es gottlob herrlich, unliebsame Gesell­schaft abzuschütteln, und so bedauerte sie jetzt in höflicher Form, daß sie gerade im Begriff sei. eine Kahnfahrt zu machen, die sich durchaus nicht ausschieben lasse.

Ellen begriff rasch, obgleich vorher keine Rede davon gewesen war, und amüsierte sich über die Act, wie Adine die Herren in dem Glauben ließ, daß sie sie an der Partie teilnehmen lassen werde, bis — als das Boot losgehakt und flott gemacht war, sie» mit schadenfrohem Lächeln Abschied nahm und die Verblüfften stehen ließ.

„Aber gnädigstes Cousinchen, du willst doch nicht allein" — wagte der Ältere, der 21-jährige Waldemar von Saldern. zu bemerken, — „wirklich, das dürfte doch gefährlich und nicht passend sein —"

„Sei ohne Sorgen, meiti guter Waldemar, hier auf meinent lieben See bin ich souverän und aller Etikette ledig, die Ihr Ärmsten unter dein täglichen Drill und bei Euren prinzlichen Kumpanen respektieren müßt. Auf f Wiedersehen also ein andermal."

Sie uitd Ellen ergriffen die Ruder und brachten sich mit ein Paar kräftigen Schlägen rasch ein Stück vorwärts, Adine lachte übermütig.

„Diese zugestutzten Affen", sagte sie. „Das bißchen Grütze, das sie vielleicht in ihrem Gehirn gehabt, haben» ist ihnen gründlich herauskomplimentiert. Sie genießen die hohe Ehre, Spielgenossen der beiden jungen Prinzen zu sein, und sind hübsch zu Papageien abgerichtet. „Ja, Königliche Hoheit! Nein, Königliche Hoheit! Zu Befehl, Königliche Hoheit!" — reizend, nicht wahr? O du lieber Himntel! Wenn ich einer dieser Prinzen wäre, „wie wollte ich die Jungen tanzen lassen, die sich so hübsch dazu hergeben."

Ellen lachte. „Dn ließest sie eben schon tanzen, nach deiner Pfeife."

„Ja, ich schüttle sie ab, ivemt es irgend angeht, sie sind mir zu langweilig, und das Läckjerlichste ist — ich merke es ganz deutlich — der Älteste, der Waldemar, ist mir zum Ehegemahl bestimmt. Er ist sehr reich, besitzt ein paar Güter, und soll ja wohl sehr rasch zum General avancieren, erschwindelt sich natürlich auf seinem Wege dahin ein paar Orden, und paßt dann herrlich zu mir."

„Adine! Welch ein schrecklicher Gedarcke!"

„Hab' keine Angst, die Nürnberger hängm keinen« sie haben ihn denn zuvor."

„Adine, es mag für dich schwer sein, dir dein Leben nach deinem Sinne einzurichten", bemerkte Ellen altklug.

„Da habe ich es vielleicht noch besser. Wenn ich hier ferftg bin und mein Exameit gemacht habe, gehe ich nach England. Da kann ich das meiste Geld verdienen, und meinem Mütterchen unter die Arme greifen, ivas die Hauptsache ist. Ich gebe dann meine Stunden und bin tut übrigen ein freies Menschenkind."

Adine seufzte, sie sah plötzlich ernsthaft aus. „Ach du — ich fürchte, das Leben, wenn mailt erst über dis Blauer gucken darf, ist gar nicht so schön. Nach England gehen und verzogene englische Kinder erziehen, möchte ich nun gerade nicht, du bringst es vielleicht fertig, bist du dich einmal verheiratest. Suche dir nur keinen Philister aus, vielleicht weil er Geld hat, es heißt ja immer, arme Mädchen kriegen keinen Mann. Eine Männer be­zwingende Schönheit bist du auch nicht, armes Ding, na« ich wünsche dir das Beste!"

1 Fortsetzung folgt.)

6. Eichelslieim

Möbelfabrik

Friedrichstrasse 10

empfiehlt sein großes Lager in

Holz- und Polsfermöhein.

Permanente Ausstellung

50 kompletter Insterzimmer.

Gleichzeitig bringe ich hiermit zur Kenntnis, dafe ich neben meinem aufs reichste ausgestatteten Lager einen einfacheren Genre

gut bürgerlicher Einrichtungen

fabrizier« bezw. auf Lager halte und zeichnen sich dieselben durch geschmackvolle und äufserst solide Ausführung bei außerordentlich billigen Preisen besonders aus. ^168

Weitgehendste Garantie.

Kostenvoranseliläfe, Abbildungen u. Preisliste

stehen Jederzeit zur Verfügung.

Zur gell. Pesiohtigung meines Lagers lade ich hiermit ergebenst ein.

\?isiten~ L parier)

in jeder Ausstattung

fertigt dl«

T^o/buchdruckerci

Wiesbaden • Langgasse 27.

Heute Averrd VI* Uhr:

Vortrag

unter Vorführung von Lichtbildern über:

iotacfiwöMcialcm

von Ur, IVoirram Wnldaclimldt

In der

Aull! der Wem MWenschnle.

Eingang Mlldlgassk.

Kartenverkauf bei ». ■»Woisr, Wilbclmstratzr 80.

Cltanderdäume und FiKaenvanm z«

verknusen. NAH. im Tagvl.-Derlag. Ld

Mmtnlchung.

Alles durch Einen.

Möbel ab Fabrik, „Bielefelder" Leib- und Hauswäsche, Gardinen, Betten, Nähmaschinen, ganze Ansstattnnqen und moderne Einrichtungen für Hotels, Pensionen, Restaurants, Brautleute, Beainle n.Private aus Icistungrfäbigen renommirten Fabriken unter Garantie strengster Rcellität und denkbar günstigsten Bedingungen zu niedrigsten Fabrikpreisen bei langjäbrigem Ziel ohne Preis­erhöhung, keine Anzahlung. Offerten sind unter K. ans an den Taabl.-Perlaa zu richten.

9m Ackiter-AliM

auch für Jünglinge,

werden billig abgegeben

Sontausuertoiif MeWMjse?.

Der Konkursverwalter.

ertton v. 10 Mk. an in allen Grützen wl!ul 111)111 vorräthia. Telefon 2823.

Pitilipip Ijautii, jetzt Bismarckring 83,

Geben Sie Ihren Kindern jeden Tag

Vogeley-Pudding

zu essen. lOKelcy - 3* mldinj; Ist nnlirliaft, knoclirnl.il- dend und äussorst leicht ver­daulich. Päckchen k 20, 15 u. 10 Pk. überall erhältlich.

General "Vertretung: Handels­gesellschaft „Noris“, Kahn & Co.. Wiesbaden. 695

Der Gesamt»txÄuflagc unserer heutigen Nummer liegt ein Brospcet der Firma K»ouia

Schmidt« Arnheim a. Rh.» bet, worauf wir »nserr Leser besonder» aufmerksam machen. P161