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J*i- Jahrgang.

srscheirrr in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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Po* 186* Verlags.Fernsprccher Ro. 2953.

Abend'Ausgabe.

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Berlin, 21. April.

Präsident Graf Ba l l e st r e m begrüßt die Kollegen nach der Osterpause auf das herzlichste und gedenkt sodann des Hinscheidens der Abgg. Knörcke und Munckel, deren Andenken das Haus in der üblichen Weise ehrt. — Das Haus ist anfänglich nur mäßig besucht. — Auf der Tages­ordnung steht zunächst die Novelle zum Reichsbeamten­gesetz. Darnach sollen die Vorschriften über doppelte An­rechnung der Dienstzeit in Ost- und Mittel-Asien, Mittel- unö Süd-Amerika auch auf die deutschen Postbeamten in Asien Anwendung finden. — Die Vorlage wird in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen. — Es folgt die Beratung der Vorlage, betreffend Abänderung des Wahl-Reglements, behufs Sicherung des Wahlgeheim­nisses. — Auf Anregung des Abg. Gröber (Zentr.) erklärt Staatssekretär Posadowsky, der Bundesrat sei damit einverstanden, daß die Beratung der Vorlage nur eine einmalige sein soll. — Abg. Gamp (Reichsp.) bittet den Abg. Gröber, seinen Antrag einstweilen zurück- zuuehmen. — Gegen die Stimmen der Reichsparteiler Wird beschlossen, daß die Beratung nur eine einmalige sein soll. — Abg. Gröber (Zentr.) tritt für die Gut­heißung der vom Bundesrat beschlossenen Bekannt­machung, betreffend Abänderung des Wahl-Reglements, ein und streift dabei kurz besonders die Vorgänge bei der Wahl des Abg. Prietze im Wahlkreise Saarbrücken. Seine Freunde wünschten zwar noch Verbesserungen der Vor­lage nach manchen Richtungen hin, aber diese Verbesse­rungen seien nicht so wichtig, daß sie deshalb das Zu­standekommen der Vorlage aufhalten möchten. Er bitte daher das Haus, die Vorlage unverändert zu genehmi­gen. (Bravo!) — Abg. Himburg (kons.) erklärt, seine Freunde hätten gegen den Zweck der Vorlage nichts ein- Wwenden, aber sie meinten, daß dieser Zweck durch die Borlage nicht erreicht wird. (Heiterkeit.) — Abg. Nassermann (nat.-lib.) erklärt namens seiner Partei, baß dieselbe die Vorlage unverändert gntheitze und aus verschiedene Änderungen, welche sie eigentlich für er­wünscht halte, verzichte. — Abg. B l o s (Soz.) erklärt, auch seine Freunde hätten noch bessere Vorschriften ge­wünscht, acceptierte indes die Vorlage so wie sie ist. — Abg. Gamp (Reichsp.) bedauert, daß durch Annahme des Antrags Gröber eine eingehende Beratung der Vor­lage unmöglich gemacht sei. Auch sei die Kostenfrage ganz ungenügend geregelt. Diese Mängel der Vorlage wären groß genug gewesen, sie in einer Kommission durch- iuberaten. — Abg. Richter (freist Volksp.) erklärt, daß seine Freunde der Vorlage rückhaltlos zustimmten. Sie hegten allerdings weitergehenöe Wünsche, stellten sie aber zurück, denn durch Anträge würden nur Weiterungen

Am sonnigen Strande.

Von Henryk Sienkiewicz.

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Aus dem Polnischen übersetzt von L. Berner.

(4. Fortsetzung.)

Wiadrowski hatte recht, als er sagte, daß Romulus »üd Remus zu Klowns erzogen würden. Es war eine Allgemein bekannte Sache, daß der Vater von Frau lorecka zwar schon einen Titel besaß, aber daß der Größ­ter noch Ökonom war, und Swirski, welcher einen lohen ausgeprägten Sinn sür das Komische hatte, kam Eß geradezu lächerlich vor, daß die Urenkel eines Ökonomen nicht nur ihre Muttersprache nicht gut ver­gehen, sondern daß sie obendrein dm Buchstaben „r" wie Hte Pariser aussprechen. Erst ein längerer Verkehr mit Mütter und Kindern schwächte nach und nach alle diese «indrücke bei Swirski ab.

Frau Korecka begann gleich im Anfang der Bekannt- Saft ihn auszuzeichnen und unwiderstehlich anzuziehen, «r war mehr wert, als ihre anderen Bekannten; er trug knien guten Namen, besaß ein bedeutendes Vermögen ünd einen großen Ruhm. Es fehlte _ ihm zwar die äugend, aber Frau Korecka war ja auch schon 35 Jahre E, und außerdem konnte seine herkulische Gestalt die fugend ersetzen. Seinen Namen tragen, war für eine Mn, von der man mit Geringschätzung sprach, gleich­bedeutend nüt der Wiedererlangung der Ehre_ und 8 ,i. Stellung. Sie wußte zwar, daß ihre beiderseitigen 2 . April Daturen sehr weit von einander abwichen, daß sie sich ^wnach in vielen Beziehungen ganz fremd gegenüber Ren würden, aber sie rechnete auch auf die Güte, die in ^nem ganzen Wesen ausgeprägt war und war innerlich ^erzeugt, daß es ihr gelingen werde, ihn nach ihrer Denen Form umzumodeln. Übrigens handelte sie nicht i&S bloßer Berechnung, denn in dem Maße, als er sich zu fF hingezogen fühlte, wurde auch sie angezogen. Am !«ude fing sie an, sich einzureden, daß sie ihn liebe, bis sie schließlich glaubte.

Verlag: Langgasse 27.

10 , 00 © Abonnenten.

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Mittwoch, de« 22. April.

Redaktions-Fernsprecher No. 52.

1903.

entstehen, die bei der jetzigen Situation zu vermeiden seien. Redner fragt dann die Regierungsvertrcter, wie sie über die Frage einer Beseitigung der allzu kleinen Wahlbezirke dächten. — Staatssekretär Posadowsky führt zunächst aus, das Haus könne diese Bunöesrats- Verordnung nur entweder im ganzen annehmen oder ablehnen. Ein Widerspruch zwischen der Vorlage und den Motiven bestehe nicht. Der Wahlvorstand solle aller­dings kontrollieren können, wie lange der Wähler im Jsolierraum bleibe, aber er solle nicht beobachten können, ivelchen Stimmzettel er in das Couvert lege. Die Frage der Große der Abstimmungsbezirke sei seitens der Ressorts eingehend erörtert worden. Die Regierung sei aber da­bei zu der Ansicht gekommen, daß sich durch Gesetz eine derartige Bestimmung nicht treffen lasse. Was die Ab­schriften der Wählerlisten anlange, so halte er es für un­bedenklich, daß die Erlaubnis zu solchen Abschriften er­teilt werde, aber in kleinen Gemeinden würden da zu oft die Kanzleikräfte fehlen, und daß die Behörden die Originallisten nicht aus den Händen geben können, sei selbstverständlich. Auf die Feststellung des Stichwahl­tages habe der Reichskanzler keinen Einfluß. In der Presse sei er dem Vorwurf begegnet, daß die Vorlage das Wahlgeheimnis verschärfe. Darauf könne er nur erwidern: Entweder sei die Wahl eine geheime, oder sie sei keine geheime. — (Rufe: Sehr richtig!) — Abg. P a ch nicke (freist Ver.) bestreitet zunächst die Richtig­keit der Auffassung des Staatssekretärs, daß der Reichs­tag die Vorlage nur entweder unverändert annehmen oder ablehnen könne. Der Staatssekretär habe die dritte Möglichkeit übersehen, daß nämlich der Reichstag die Vorlage abändere, die dann natürlich an den Bundesrat zurückgehen müßte, der sie dann seinerseits acceptieren oder ablehncn könne. Redner fährt dann fort, auch seine Partei verzichte darauf, Abänderungen zu beantragen, und zwar aus taktischen Gründen. Wünschenswert sei, daß das Haus daran festhalte, daß jeder Versuch, das Wahlgeheimnis zu vereiteln, zur Kassation der Wahl führen müsse. In Bezug auf die Vorschriften über die Größe der Stimmzettel sei die engste Auslegung am Platze. Es dürften nur geringe Abweichungen gelitten werden. Wesentliche Abweichungen dagegen müßten un­erlaubt sein. — Abg. Haußmann (sübd. Volksp.) tritt für die Vorlage ein. — Abg. v. Hodenberg (Welfe) beantragt eine Resolution, betreffend Erlaß von Anord­nungen, wonach die Wahlgefäße mit einem Deckel ver­sehen sein müssen. Die Umschläge seien durch eine Spalte im Deckel in das Wahlgcsüß zu stecken und der Deckel soll bis zum Schluß der Wahlhandlung nicht von dem Wahl- gcfüß entfernt werden dürfen. — Abg. v. Schele- W u n st o r p (Welfe) erklärt u. a. auch die Wiederher­stellung des Königreichs Hannover als eine sittliche Pflicht des Reiches. — Präsident Graf B a l l e st r e m erwidert dem Vorredner, dies habe doch nichts mit der Sicherung des Wahlgeheimnisses zu tun. Die Wiederherstellung des Königreichs Hannover sei mit den gegenwärtigen Zu­

ständen im Reiche unvereinbar und dürfte im deutschen Reichstage nicht als erstrebenswert bezeichnet werden. (Beifall.) — Staatssekretär Posadowsky bemerkt, der Abg. v. Schele diene mit solchen Äußerungen nicht dem Frieden seiner Provinz. Wenn er eine solche Äußerung außerhalb des Hauses machen würde, könnte sie ihm sehr gefährlich werden. — Die Vorlage wird hierauf mit gro­ßer Mehrheit angenommen. — Morgen 1 Uhr: Phosphor- Zündwaren-Vorlage und Kranken-Bersicherungs-Novelle. — Schluß 5% Uhr.

Preußischer zandtag.

Abgeordnetenhaus.

Berlin, 21. April.

Der böse Nachwinter, den die letzten Tage auch der Reichshauptstadt brachten, spukt sogar durch die Be­ratungen unserer Laudesboten, die sich heute noch einmal zu einer letzten kurzen Tagung zusammenfanden, um mit den Resten zu räumen. — Die erste Beratung über den Gesetzentwurf über einen Nachtragsetat gibt dem Eisenbahnminister Budde Gelegenheit, dem Hause eine Übersicht zu geben über die wirtschaftliche Lage unserer Eisenbahnen. Der Minister erklärte, daß sich die Ver- tehrs-Einnahmen weiter gesteigert haben, und daß ins­gesamt die Mehr-Einnahmen pro 1902 im Vergleich zu der vorjährigen Ist-Einnahme 40 Millionen Mark be­tragen. Der Rein-Ertrag der Staatsbahnen belaufe sich gegenüber dem Etats-Voranschlag pro 1902 auf rund 8 Millionen. Unter anderem ging der Minister auch auf die Witterungsverhältnisse im laufenden Monat und auf die Schneeverwehungen, sowie die dadurch bedingte Beeinträchtigung des Güterverkehrs, Schmälerung der Einnahmen und Erhöhung der Unkosten näher ein. So­dann ging die Vorlage an die Budget-Kommission. — Hierauf wurde in die Beratung des Antrags Weihe, be­treffend Errichtung von Rentengütern kleinsten Um­fanges, eingetreten. Der Antragsteller befürwortete seinen Antrag. — Minister v. Rheinbaben erklärte cs für nicht angängig, eine Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse mit Hülfe des Renlengüter-Gesetzes erreichen zu wollen. Empfchlensrvert sei dagegen ein Weg, wie er in der Rhcinprovinz eingeschlagen werde, wo gemein­nützige Baugenossenschaften mit Hülfe von Kapitalien von Landes - Versicherungsanstalten Arbeiter - Wohnungen bauen, und wo die Kommunen sich für die Baugenossen­schaften gegenüber den Versicherungs-Anstalten ver­bürgen. übrigens sei ein Wohnungsg'esetz bereits aus­gearbeitet. Der Antrag wird schließlich mit einer kleinen Abänderung angenommen. — Es folgt die Beratung des Antrags Kindler (freis. Volksp.), die Regierung wolle für Errichtung von Kur-Hospitälern und Genesungs­heimen für Eisenbahnbeamte die erforderlichen Summen in den Etat einstellen. Der Antrag geht an die Budget- Kommission. — Morgen 1 Uhr: Sekundärbahn-Vorlage, kleine Gesetzentwürfe und Jnitiativ-Anträge.

Mit ihm geschah jedoch das, was vielen selbst ganz intelligenten Menschen oft begegnet. Sein Verstand ging nämlich im Augenblick durch, als seine Sinne erwachten, oder vielmehr, was noch schlimmer ist, er trat in deren Dienste und statt dieselben zu bekämpfen, mußte er ihnen noch Argumente liefern. Auf diese Weise begann Swirski, der alles wußte und begriff, alles zu recht- fertigen, zu ihren Gunsten zu wenden, zu mildern und zu erklären. „Es ist wahr", sprach er zu sich selbst, „daß weder ihre Natur, noch ihr bisheriges Benehmen eine Bürgschaft zu leisten im stände sind, aber wer wird es mir beweisen, daß sie eines solchen Lebens nicht müde ist, und daß sie sich nicht mit ganzer Seele nach einem anderen sehnt. In ihrem Benehmen liegt unzweifelhaft viel Koketterie, aber wer kann bürgen, daß sie nicht deshalb diese Koketterie entwickelt, weil sie mich aufrichtig liebt! Sich einzureden, daß ein Mensch, wenn auch voller Fehler und Gebrechen, gar keine gute Seite besitze, ist eine Kin­derei. Ach, welch ein Gemisch ist die menschliche Seele! Und es sind nur entsprechende Umstände erforderlich, daß jene guten Seiten sich entwickeln und die schlimmen dann gänzlich verschwinden. Frau Korecka hat die erste Jugend ebenfalls hinter sich. Welch eine Torheit wäre es daher anzunehmen, daß nicht auch in ihr eine Stimme nach einem stillen, erristen Leben, nach Ruhe und Frieden rufe. Und aus diesen Gründen kann eine solche Frau eben eher als irgend eine andere einen rechtschaffene:: Mann schätzen, der ihr dies alles bietet." Die letzte Be­merkung kam ihm besonders zutreffend und tief vor. Vorher sagte ihm der gesunde Verstand, daß Frau Korecka ihn zu fangen beabsichtige, jetzt hingegen flüsterte ihm derselbe zu: „Sie hat eben recht, denn von jeder und sei es der idealsten Frau, die mit dem geliebten Manne sich zu verbinden strebt, kann man getrost sagen, daß sie ihn fangen will!" Auch beruhigte ihn.in Bezug auf die Zrikunft die Hoffnung auf Kinder. Der Gedanke daran machte ihn glücklich, denn er freute sich darauf, daß er dann mehr geliebte Wesen sein eigen nennen wird, während sie mit dem seichten gesellschaftlichen Leben brechen muß, denn es wird ihr hierzu die nötige Zeit

fehlm — und bis die Kinder der mütterlichen Obhut weniger bedürfen werden, wird sie die Jugend bereits hinter sich haben, und das eigene Heim wird sie dann mehr anziehen, als die Außenwelt. Zum Schlüsse sagte er sich noch: „Es wird sich schon machen! Das Leben muß sich von selbst in eine gehörige Bahn lenken — ehe jedoch das Alter anklopfen wird, werde ich einige Jahre mit einer schönen und interessanten Frau verlebt haben, an deren Seite jeder Wochentag mir als Feiertag er­scheinen wird."

Und diese „einige Jahre" bildeten für chn den Aus- schlag gebenden Reiz. Es war zwar etwas Demütigendes für Frau Korecka darin, daß er nur deshalb keine außer­gewöhnlichen Vorfälle fürchtete, weil ihre Jugend und mit derselben die Möglichkeit solcher Vorfälle bald ver­schwinden sollte. Doch er gestand es sich nicht ein, daß eben dieser Gedanke die Grundlage seiner Zuversicht ge­worden sei — und er täuschte sich weiter, wie es in der Regel Menschen zu tun pflegen, bei denm die Vernunft von den Sinnen beherrscht wird.

Doch jetzt, nach den Ereignissen des gestrigen Abends, erwachte er voller Unruhe und Mißbehagen. Er konnte sich des Grübelns über zwei Dinge um keinen Preis er- wehren: zuvörderst daß, wenn ihm jemand vor einem Monat gesagt hätte, er werde um die Hand der Frau Korecka anhalten, würde er ihn als Narren betrachtet haben, und dann, daß jener Reiz des Verhältnisses mit ihr, der in der Ungewißheit, in dem gegenseitigen Er- raten der Blicke und Gedanken, in den nicht ganz aus- gesprochenen Worten und in der gegenseitigen Anziehung lag, größer war, als der, welchen der jetzige Stand der Dinge zur Folge hatte. Es war angenehmer für Swirski, den Brautstand vorzubereiten, als Bräutigam zu sein — und er dachte, sobald es ihm in demselben Maße unan- genehmer sein wird, Ehegatte zu sein, so möge der Teufel ein solches Los holen. Oft war ihm das Gefühl, daß er schon gebunden, daß kein Ausweg für ihn verhandelt sei und daß er in sein Lebensschifs, ob er will oder nicht, Frau Korecka samt Romulus und Remus aufnehmen müsse — ganz unerträglich. Und da er als loyaler Mensch Frau