Verlag Laaggaffe 21
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Mittwoch» 25. August 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 593. * 63. Jahrgang.
Die Einschließung von Brest-Litowsk.
vergeblicher verzweifelter widerstand der Nüssen.
Einzug österreichisch-ungarischer und deutscher Reiterei in Rowel. — 4 lvffiziers und 1300 Mann gefangen. — wieder mehrere italienische Angriffe blutig abgewiesen. — Line italienische Strandbatterie in Trümmer geschossen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 24. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 24. August, mittags':
Russischer Kriegsschauplatz.
Der nordwestlich Brcst-Litowsk Widerstand leistende Feind wurde gestern in der Gegend von Wicrkowice und Riasno neuerlich geworfen und zum Weichen gezwungen. Die Zahl der von der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand in den letzten Kämpfen eingcbrachtcn Gefangenen beläuft sich auf 4 Offiziere und 1360 Mann. Nordöstlich von Wlodawa haben unsere Verbündeten den Gegner abermals zurückgedrängt und Raum gewonnen. Österreichisch-ungarische und deutsche Reiterei der Armee des Feldzeugmeisters Puallo zog in der Verfolgung des Feindes in Kowel ein und rückt weiter nordwärts vor. Zn Ostgalizie» herrscht Ruhe.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Am Südflügel der küstenländischen Front kämpfte gestern unsere schwere Artillerie feindliche Geschütze an der Sdobbamünduug nieder. Weiter wurde eine italienische Strandbatterie bei Golametto in einen Trümmerhaufen verwandelt. Gegnerische Infanterie, die sich gegenüber unserer Stellung auf der Höhe östlich Mon- salcone festgesetzt hatte, räumte ihre Gräben fluchtartig vor unserem Geschützfeuer. Östlich Polazza wiesen unsere Truppen zwei schwache Vorstöße, bei San Marcino drei bis an unsere Kampffront herangetragcne Angriffe blutig ab. Ebenso scheiterte abends ein Vorstoß stärkerer feindlicher Kräfte gegen den Tolmeincr Brückenkopf. Im befestigten Raume von Flitsch und Raibl schiebt sich nun die gegnerische Infanterie stellenweise näher an unsere Linie heran. Unsere Werke auf der Hochfläche von Lasarone und Folgario standen gestern wieder unter lebhaftem Geschützseucr. Auch auf unsere Stellungen am Stilfser Joch beginnt die feindliche Artillerie zu schießen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Fcldmarschalleutnant.
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Der Kampf um Vrest-Litowskr.
Verzweifelte Anstrengungen der Russen.
Sr. Berlin, 24. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die „Boss. Ztg." meldet aus dem Kriegspresseguartier: Der Kampf um Brest-Litowsk geht mit unverminderter Hartnäckigkeit weiter. Die Russen bemühen sich mit der Kraft der B e r z w e i f l u ng, den Angriff der Verbündeten zvm Stehen zu bringen. Trotzdem geht cs vorwärts, obwohl die natürliche Lage der Festung den Verteidigern außerordentlich günstig ist. Der Einschließungs- boge» hat sich auch gestern wieder in blutigem Ringen varge s ch o b e n. Bon großer Bedeutung sind die Erfolge der Heeresgruppe Mackensen östlich des Bug. Den dort kämpfenden Verbänden hat der Gegner ganz besonders harten Widerstand entgegengestellt, um den Rücken von Brest-Litowsk frei zu halten. Immer wieder suchten starke Kräfte, dass überschreiten des Bug zu verhindern. Als die Bemühungen rcsultatlos blieben und das östliche Bugufer an mehreren Punkten genommen wurde, entwickelten sich im Seengebiet östlich Wloda schwere Kämpfe, aber auch hier gelang eS, die russische Front zurückzuwerfen. Diese siegreich vorwärts schreitenden Kräfte nähern sich der Strecke Brest-Litowsk. Kowel, der Bahnlinie nach Kiew, und bedrohen dadurch eine für die Russen außerordentlich wichtige Verbindung für den Nachschub. Wird ihnen dies gelingen, so wird die Verstopfung der Rückzugslinie, die schon jetzt große Dimensionen angenommen hat, völlig zum Chaos führen. Gegen die Kiewer Linie werden schon überdies noch von einem zweiten Frontabschnitt Fortschritt gemacht. Auch nördlich Wladimir-Wolynski wurden die Russen gezwungen, ihre Stellungen weiter zurückznnchmen.
Vie Herren der Narewlinie.
Ei« englisches Urteil.
W. T-B. London, 24. Aug. (Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiter der „Morning Post" schreibt: Durch die Einnahme von Nowogeorgijewsk haben die Deutschen die Eroberung der Weichsellinien vollendet. Einschließlich
von Ossowice, werden sie sich bald zu Herren der Narew-Bobr-Linie machen. Es wäre nutzlos zu leugnen, daß die Deutschen Herr der Lage sind.
Überall sichtbare Niedergeschlagenheit in Paris.
Sr. Genf, 24. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die Pariser Presse ist über die nunmehr hier vorliegenden Einzelheiten der deutschen Siegesbeute in Nowogeorgijewsk ganz b e st ü r z t. Die schweizerischen Zeitungsvertreter in Paris melden, daß zum ersten Male seit den Septembertagen 1014 in Paris überall sichtbare Niedergeschlagenheit herrsche und daß man in allen Volksschichten die Sorge sich äußern hört über das Schicksal des russischen Heeres.
Warschau unter den neuen Verhältnissen.
Sr. Krakau, 24. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Warschau wird hiesigen Blättern gemeldet: Das Leben in der Stadt patzt sich rasch den neuen Verhältnissen an. Die Ruhe und Ordnung wird nirgends gestört. Die Bürgermiliz versieht ihren Dienst, und auch bei den Behörden wird normal, nur statt russisch, polnisch amtiert. Die Warschau-Wiener Bahn gibt bekannt, daß vorläufig, soweit sie wieder hergestellt ist, Dienstzüge verkehren können. Es wird erhofft, daß im Laufe einer Woche der Personenverkehr von Warschau nach Czenstochau- Lodz und Jwangorod wird ausgenommen werden können.
Mißglückte serbische und französische Zlieger- angriffe.
Cfeupeft, 24. Aug. (Zens. Bln.) Am Sonntagfrüh erschien über Peter Wardein eine Flugmaschine, gegen deren Herannahen die entsprechenden Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Die zum Schutze gegen Lustangriffe ausgestellten Kanonen traten in Wirksamkeit, woraus die Flug- ni.ischinr in die Höhe stieg und Kehrt mactzre. Die Flug- maschine wurde mit crncm Hagel von Schrapnells verfolgt. Die Flieger warfen zwei Bomben ab. die jedoch keinen Schaden anrichteten. Das Flugzeug 'war ncch etwa 10 Mmu-tm ßch'lbar rmd flog dann iri großer Hohe m die Richtung nach Serbien, Auch am Geburtstag des Königs, am 18. Aug., versuchte etn französischer Flieger über Peter,varüein und Neuisatz Bomben abzuwerfen, doch mißlang auch dieser Versuch infolge der bewährten Abwchrorganisation, die die Flieger zwingt, riesige Höhen zu nehme,so daß iruch eine Ausforschung unmöglich scheint.
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Zum Tvde verurteilte Landesverräter.
W. T., I!. Wien. 24. Aug. (Nichtamtlich.^ Nach mehrwöchiger Dauer wurde der Prozeß gegeri den Reichsratsab- geordneten Dimitri Markow, den Oberlmrdesgerick-tsrat Dr. Wladimir K-urvlowcz, ferner gegen den Advokaten Dr. Christ Cz er lu n cz a kiewi cz aus Przemysl, Dr, Johann v. Drohomilczki aus Zloczow, einen GrunAbe- sitzer und einen Schlossermeister und endlich gegen den Vertreter der .Rvwoje Wrcmja", Dimttri v. Ia n tschew ecki, sämtlich Angehörige der russischen nationalen Partei, beendet. Die Angeklagter: wurden wegen Hochverrats «id Verbrechens gegen die Kriegsmacht des Staates zum Tode durch den Strang verurteilt.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Eine Konferenz zwischen poincarv, ven Königen vonvelgien undEngland sowie Zrench undIoffre.
W- T-B. Berlin, 24. Aug. (Nichtamtlich.) Wie der „Voss. Ztg." aus Kopenhagen gemeldet wird, ist am Montagmorgen PoincarH mit dem König von Belgien lind dem König von England in Chantilly zu- sammengetroffen. Später traf French ein. Zu der anschließenden Beratung traf auch I o f f r e ein.
Der internierte französische Flieger Gilbert nach Paris entkommen.
Das gebrochene Ehrenwort.
W. T.-B. Paris, 24. Aug. (Nichtamtlich. Drahibericht.) Der französische Flieger G r l b e r t, der am 27. Juni infolge einer Motorpanne in der Schweiz landen mußte, wo er interniert wurde,.ist entflohen und vergangen; Nacht nach Paris zurückgekehrt. — Die „Neue Zürcher Zig" schreibt zur Flucht des- französischen Fliegers Gilbert: GiLbert gab als Offizier sein Ehrenwort, daß c° nicht entfliehen werde. Man hielt es daher selbstredend nicht für notwendig, den Mann auf Schrite und Tritt durch eine Echildwache begleiten zu lassem
Die Aufnahme Gilberts in Frankreich.
Br. Genf, 24. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln^ Kriegsminister Millerand umarmte den zum Wiedereintritt seines Dienstes sich meldenden Aviatiker Gilbert. Die Pariser Pr-sie feiert Gilberts Verschwinden aus Hospen- thal und Andermatt, läßt aber unerwähnt, daß der dort interniert gewesene Gilbert auf Offizierswort beurlaubt wurde.
Clemenceau als Zeuge der französischen Fälschrrmethode.
Rotterdam, 24. Aug, (Zens. Mn.) Fälschungen haben von jeher zum Rüstzeug französischer Beweis- upid Kampsx,?- methodc gehört. Keni arüierer bezeugt dies als EkemencEp, ein Streiter rn diesem Kampfe selbst. In seinem , Manrw'in Kelten" berichtete er gestern, daß während der Krise, als dtp Regierung in Bordeaux tagte, das „Echo de Parts" ihn nrtt einem Briefe heftig angrifs, .den das Blatt von einem Schweizer zur Veröffentlichung erhalten zu Haben behauptete. Auf die Anfrage Clemenceaus nach Namen und Adresse des Schtzwrzers antwortete das ...Echo de Panis"> es wisse sie nicht mehr. Die angebliche Zuschrift des Schweigers hatte für den Angriff gegen Clemenceau einen ArtrHel der „Wiener Neuen Freien Presse" zuim Anlaß genommen, der seine schon damals gemachten Hinweise auf die Mündel int französischer. Sanitätswelsen wied-rgab. Eemencecm stellte fest, daß aus der am Quai d'Orsay zurückgelegten Nummrer der „Neuen Freien Presse" gerade diese Nummer v er'» schwunden war. Sie hatte offenbar ihren Flug nachher Redaktion des „Echo de Paris" genommen und war dvrk dev Schweizer geworden, der Clemeneeaus Schandtaten beanb- markte. Clemenceau deutet an, daß er sich mit dam Hollän. der, von dem jetzt der „Figaro" als ausländischen Kronzmvgenl für die Frankreich schädliche Wirkung der jetzigen Enthülliin« gen über die Mißständc im Sanitätswesen eine Zuschrift veröffentlicht, geradeso verhält, d. h. daß auch dieser Holländer gefälscht sei. Die Feststellungen Clcmcnceaus können nicht überraschen. Sie sind aber als Zeugnisse: von Wert, die an diesen Beispielen die auch jetzt wieder nriu. amtlicher Beihilfe in Frankreich betriebene Fälschunasmethode zur Bearbeitung der öffentlichen Meinung beleuchten.
Die letzten englischen Verluste.
W- T-B. London, 24. Äug. (Nichtamtlich.) Die letzte Verlustliste zählt die Namen vcm 187 Offizieren und 1363 Mann auf. -!' ff t"'
Eine italienische Stimme.
W. T-B. Rom, 24. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Popolo d'Jtalia" sagt in einer Besprechung der Reichs» kanzlerrede: Im deutschen Reichstag sitzen keine Quet» treiber. Es sei der Gipfel der Dummheit zu glauben, Deutschland könne durch eine innere Krise geschwächt werden und zum Frieden gezwungen werden» Deutschland könne nur auf dem Schlachtfelde ni ad erg erringen werden.
Der „koar I« m^rite“ für Generaloberst v. Heeringen.
Anläßlich der Wiederkehr der Schlachttage im Elsaß und Lothringen richtete der K a i s e r an den Führer der 7. Armyx, Generaloberst v. Heeringen, folgendes Telegramm:
„An A. O, K. 7. Generaloberst v. Heeringen. Vor einem Jahre führten Ew. Exzellenz die damalige 7. Armee nach dem Sieg von Mülhausen. der das Oberelsaß vom Feind befreit hatte, über die Vogesen zur glorreichen Schlacht von Lothringen. Bald darauf geboten Ihre Truppen dem Vordringen eines übermächtigen Feindes auf den Höhen von Craonne Halt. Keinen Schritt rückwärts hat der Gegner die Armee während der langen Monate seit jenen Tagen bringen können, vorwärts drang sie, wo irgend eine Gelegenheit sich Lot. So haben Sie und Ihre tapferen Leute, indem Sie durch Ihr treues Ausharren unsere Erfolge im Osten erst ermöglichten- vollen Anteil daran. Als äußeres Zeichen meines Dankes und meiner Anerkennung für solche Leistungen verleihe ich Ihnen den Orden Pour le mente, (gez.) Wilhelm. I, B.“ - ">
Der Krieg int Orient.
Die Heimreise des türkischen Botschafters " in Rom.
W. T-B. B-lingsona, 24. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der türkische Botschafter Babi-Bei kam Vormittags durch Chiasso. Er war von dem gesamten Botschafter personal begleitet, nämlich dem Botschaftsrat Mukbil-Bei und dem Sekretär Chemal-Bei, Leon Carlehiy und Sabet-Bei sowie dem Militärattache Kiazim-Bei und dem Boffchaftskanzler Inet. Außerdem befand sich die Gemahlin des Botschaftsrats im Zug. Der Zug war begleitet von hohen Polizeibearnten und mehreren Sicherheits- a g e n t e n in Zivil. .' ' ~
