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1. SeÜage Mm Wiesbaümer Tagklntt.

Uo. Msrgerr-Ausgabe.

Freitag, den 17. April.

81. Jahrgang. 1903.

j| . Der Kampf gegen die Ideen der Frauenbewegung ist i*> 2 kin TodeSkampf. Die Geister in der Luft kämpfen mit, aber * A — für die Frauen. Hedwig Dohm

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(Schluß.)

Der Mallheser.

Roman von O. v. Kis-KiLay.

W. „Ich komme mit einem Vorschlag", sagte er, sich neben sie setzend. „Ich will um einen Urlaub von zwei Monaten nachsuchen, und zu den späten Herbstmanövern bin ich wieder da. Sollen wir uns nicht in die Alpen begeben, vielleicht an den Vierwaldstättersee? Du hast eine Er- holung nötig."

Ein brennendes Rot übergoß Käthens Wangen.

H »Um Gottes willen, Werner", erwiderte sie gepreßt, wu wirst dich doch nicht um meinetwillen in Ausgaben stürzen? Jch werde auch so wieder gesund werden, wenn trft die Hitze vorüber ist."

... "Das laß meine Sorge sein", sagte Werner freund- Nch und reichte ihr die Hand, zum erstenmal nach jenem • «* n . ,s ^ en ^opf hoch, als er hinaustrat, und ein Gefühl, wie er es noch nie empfuiiden, schwellte ihm die Brust, — das Bewußtsein, mit Guten vergolten zu haben, wo chm Böses widerfahren war.

Trotz Käthens wiederholter Einsprache betrieb er bic^ Sieisevorberertungen mit Eifer, und eine Woche später reisten sie ab.

Vor zwo: Stunden waren sie in Seelisberg ange- tommen.. Käthe stand am Neuster ihres Zimmers und hinaus. Die Koffer standen um sie herum, ge- offtiet, cwer noch nicht ausgepackt. Es war ihr so wunder­lich zu Mute, als sei sie aus tiefer Betäubung erwacht. Die war rneinem langsamen Wsterben begrikfm gewesen Mit dem Lairffbruch ihrer Liebe, ihrer Hoffnungen war ihr auch der Glaube uiid das Vertrauen zu sich und UE Menschen verloren gegangen. Sic hatte weder rie Kraft, noch dm Wunsch zum Lchen mehr gehabt. Nun

T CbCr an r fie ^ eran riß sie gewaltsam aus ihrer Eiitarrung heraus. Ter kleine Kreis ihrer Emp- nndimgen war ihr ein Weltall gewesen, da§ plötzlich zn- Vnnengestnrzt war, und nichts als eine bodenlose Leew dar nmhgeblieben. Nun sah sie sich einer anderen West gegenüber, so ungeahnt groß, einer Welt, in der sie wie herumtrieb. Statt sie zu bedrücken, erhob sie dieser Eiedanke m ihrem Bewußtsein. Um sie ^nn. wogten die Menschen, die Lebensschicksale, und alle ob glücklich oder unglücklich, eilten demselben Ziele der Vollendung zu.

Die Sonne sank unter uiid in ihren letzten Strahlen begannen sich die Berge zu röten. In immer tieferein Purpur erglühten die nrachtigenFelsnmssen derFrohnalp, nn Funkem und Leuchten, als pulsiere warmes, feurige? Mut in den Adern des toteii Gesteins.

Käthe regte sich nicht, bis auch der letzte Farbenglanz erlosch. Sw fiihlte sich so andächtig gestimmt, sie hatte

das Wehen des Weltgeistes verspürt. O, sich verlieren zu können in dein großen, unerrdlichen All ...! Das war aber nicht der Endpunkt des Dasein, hatte Karolus ge sagt, sondern die individuelle Vollendung . . . Dazu war aber Kämpfen und Ringen nötig, und sie fühlte sich so schwach.

Sie trat vom Fenster zurück und ließ sich in einen Lehnstuhl nieder. Karolus lvar stark, setzte sie ihren Ge­dankengang fort, er hatte sich aus tiefstem Falle empor­gerungen . . . Sonderbar! Warum spracht sie es nach und^ nannte das einen tiefsten Fall, was sie doch an sich selbst entschuldigt hatte? Ihre eigene Geschichte war ja nur eine Wiederholung jener. Ter einzige Unterschied war der, daß Werner sie anders aufgefaßt hatte, als jener arme Träumer. Sie hatte sich so vollständig in ihrem Aechte gefühlt, als sie der Stimme ihres Herzens folgte. An den angetrauten Gatten fesselten sie keine anderen Bande als die, welche der mit Geld erkaufte firdiltc£)e' Gegen knüpft, und die Einregistrierung im Standesamt. Ihre eheliche Gemeinschaft, eine rein äußerliche und nur infolge zufälliger Verhältnisse fortbestehend, war nicht geheiligter als jede andere flüchtige Verbindung. Sie hatte es sich alles so klar gemacht und war ruhig gewesen. In letzter Zeit jedoch, seit Werner so um sie bemüht war, so selbswergessen für sie sorgte, hatten sich leise Zweifel in ihrer Brust zu regen begonnen. War sie im Recht ge­wesen? Nicht im Recht vor dem bürgerlichen und morali- scheu Gesetze, welches je nach den Kulturanschauungen der Menschheit wechselt, sondern im Recht vor dem einen einigen Gesetze, dem Gesetze der Liebe? Jener großen allgemeinen, welche höher ist als jede andere Liebe, und die uns gebietet, unseren Bruder zu lieben wie uns selbst . . .

Es war dunkel gewordern Werner trat leise ans dein Nebenzimmer herein.

„Schläfst du, Käthe? Wenn du nicht unten zu Abend speisen willst, so lasse ich dir das Essen heraufholen. Ich gehe hinunter. Ist es nicht schön hier?"

„Es ist wuilderbar schön", wiederholte Käthe träume- risch. „Wenn irgendwo, kann ich hier wieder gesund werden . . . ."

Wochen waren vergangen. Werners Urlaub ging zu Ende. Wunderbare Sommer- und Herbsttage waren ihnen zu teil geworden, leuchtende Tage, an welchen See und Berge in einem einzigen glühenden Farbenspiel ver­schmolzen schienen. Werner hatte viele Fußtouren ge­macht, bald allein, bald in Gesellschaft einiger Herren., mit denen er im Hotel bekannt geworden war. Käthe war anfangs viel sich selbst überlassen gewesen, da sie sich geflissentlich von jeder Bekanntschaft zurückzog. Stunden- lang Pflegte sie an einem geschützten Plätzchen auf der Terrasse zu sitzen, ein Buch in der Hand. Sie las aber nicht, sondern schaute nur mit träumenden Augen in die Ferne. Ihre Gedanken waren so träge, sie wollte nichts als ein Naturwesen sein und sich unbewußt von der Schön- heit durchdringen lassen.

Als sie kräftiger geworden war, unternahm sie kleine Streifereien, und brachte Sträuße der wunderbarsten Alpenblumen heim, die sie dann trocknete. Sie wollte

Erinnerungen sammeln, schöne, reine Erinnerungen, an denen sie sich später in ihrem einsamen Lebm erquicken würde.

In den zwei letzten Wochen hatten sie öfters gemein- schaftliche Ausflüge, Dampfschiffahrten auf dem See ge­macht. Dann stiegen sie wohl hie und da ans Land und unternahmen Käthens Kräften angemessene Fußtouren. Es war ihr, als mache sie jetzt erst die Bekanntschaft ihres Mannes. Jetzt, wo sie nicht mehr in ihm den Gebieter sah, verkehrte sie viel zwangloser mit ihm. Sie gab sich wie sie war und hielt nicht wie früher mit ihrer innersten Meinung zurück. Und wunderbarerweise wies er dieselbe, wenn sie nicht mit der seinigen übereinstimmte, nicht ohne weiteres zurück, er hörte sie an. Er war rücksichtsvoller gegen sie geworden, er sah nicht mehr die Gattin in ihr, sondern ein Wesen, das ein Recht besaß, seine eigenen Gedanken zu haben. —

Ter letzte Abend war gekommen! morgen früh sollte die Rückreise angetreten werden. Der Vollmond strahlte arn Himmel, doch vermochte sein leuchtender Schein nicht den Glanz der ringsum flammenden Lichter zu dämpfen. Es war das Jahresfest des Älplervereins, zu bem Hun­derte herbeigeströmt waren. Unten lag Brunnen, ein ein- ziges, farbiges Flammenmeer. Feurige Kähne durch­furchten den See, Raketen stiegen auf und verpufften in der Lust. Hoch oben in dm Bergm loderten Freudenfeuer und knatterten Gewehrsalvm. Und auf dem höchsten Gipfel der Mythen ragte, von todeskühner Hand aufge­pflanzt, das riesengroße öidgenössische Kreuz in Flammen­konturen zum Himmel einpor, dem bloßen Auge nur als kleiner glimmender Stem erkenntlich.

Auf der Terrasse wogte die Menschenmasse bunt durch­einander: Gäste, Touristen, das Hotelpersonal und Land- Karte, welche aus den umliegenden Fleckm herauf­gekommen waren. In dm verschiedensten Sprachen wur- dm Ausrufe der Bewunderung laut. Käthe stand etwas abseits an dem Arme ihres Mannes und nahm sprachlos die feenhaften Eindrücke auf. Ihr Blick hing an dem einsamen Sterne. Wie mochte es dem Manne da oben zu Mute sein, dem geringen Älpler, der gleich einem Herr­scher über der Welt da unten stand? Sie hätte sich in jene Höhe hinaufschwingen, und an dem Kreuze noch hoher klimmen mögen, immer höher, über die Welt des Materiellen hinaus, in das große Geheimnisvolle, wohin ihr Sehnm ging . . .

Sie fühlte einer: leisen Druck ihres Armes, Ihr Mann hatte sich zu ihr herabgebeugt und sah ihr ms Gesicht. Sein Blick senkte sich forschend in dm ihrigm.

„Käthe", sagte er flüsternd, „ich habe das Gefühl, als sei heute unser eigentlicher Hochzeitstag, und als sei dieser Jubel mrr uns zu Ehren . . . Habe ich nach ge- tauscht, du meine Einzige?"

„Ich bin noch nicht ganz mit mir fertig", antwortete Käthe traurig. „Gieb mir Zeit, Werner."

Werner stieß einm schwerm Seufzer aus.

„Ich will wartm", sagte er leise, und führte ihre Hand an seine Lippen.

Niemand gab acht ans sie, denn in diesem Augenblick stieg eine glänzende Rakete auf und versprühte in einem Strahlmbouqet.

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* D°n«'rsta den ^ 1908> flll8

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Die letzten Anmeldungen zur Aufnahme in die städtische höhere Mädchenschule (Schloßplatz) nimmt der Unterzeichnete Sümstag, den 18. April, vormittags von 12—1 Uhr, in seinem Dienstzimmer entgegen. Für Kl. VII (4. Schuljahr) können jedoch Anmeldungen nicht mehr angenommen werden. F293

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