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Beilage
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Ko. 175. Morgen-Ausgabe.
Donnerstags den 16. April.
§1. Jahrgang. 1903.
£ . , ? u f °^? n ^ibietcn des Meinen» giebt c» zwei Haupt- £ *3 kotericen: die eine verehrt alte Vorurteile, die andere neue. L
P. N. Coßmann. 4»
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<28. Fortsetzung.)
Der Maltheser.
Roman von O. v. Kis-Killay.
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»Das - das sagst du mir? Warum habe ich dich dann geheiratet?"
"3$ giaube wohl, daß du mich lieb gehabt hast. Das l,t langst zu Ende."
Werner sah Käthe wie versteinert an.
_ hat dir solche Gedankerr in den Kopf gesetzt? Worin habe ich gegen dich gefehlt?"
L 28cnter, es soll ja kein Vorwurf sein, du bist vielleicht viel zu gut gegen mich gewesen. Wir paßten d>er nicht zueinander und da war es natürlich, daß du mich nicht mehr lieben konntest."
»Zch — ich begreife es nicht — es macht mich wirr!" ra hervor, die Hände an die Schläfen pressend.
»Mü, wenn wir also nicht zueinander paßten", sein Ton wurde streng, „warum hast du dich mir nicht angepaßt? Es ist ?a Sache der Frau, meine ich, sich nach dem Manne zu richten.
, "di^sterlich habe ich mich ja deinen Wünschen unter- Ebener, dieses Zeugnis nmßt du mir geben", erwiderte Käthe mit derselben klanglosen Stimme. Der innere Mensch läßt sich aber nicht zwingen, und darnach hast du nie gefragt."
,,O Gott, 0 Gott!" stöhnte Werner — er konnte keine Worte finden — „was soll ich dir aus solche Beschul- antworten? Ich weiß nur eins, daß ich dich geehrt und geliebt habe, und das hättest du verstehen mupen, auch wenn ich es dir nicht mit Worten sagte."
dich nie verstanden, ebensowenig wie du Mch verstanden hast. Wir sind ruhig und friedlich nebeneinander hergegangen — es war aber die Ruhe und S, -/neben der Gleichgültigkeit. Es war nicht unsere «schuld, es war unser Verhängnis. Ich habe mich sehr
bwoTichLo^. 0 “ 3U verkümmern noch lange,
. .Dw Nennimg dieses Namens löste die Eisrinde, W.5,s'ch um ihr Herz gelegt hatte. Fast wie ein vhyftscher Schmerz durchzuckte sie zum erstenmal das Be- er ihr f ur immer verloren war. Mt emeni ,Aufschrei schlug sie die Hände vors Gesicht und brach in ein erschütterndes Schluchzen aus. —
Werner hielt in seiner Wanderung inne. Die Em- poning raubw ihm den Atem. Hatte dieses Weib so temg Schamgefühl, daß sie sich hier, in seiner Gegen- Kngab? Unkundig dem Kummer um den Geliebten
jm® c kwt dicht qn die Weinende heran und sagte rauh: wf™ ^ Verneu Buhlen weinen willst, so erspare ^nem Gatten wenigstens de,: Anblick dieser Tränen. Mh! Er wies nach der Tür.
imr !stand Käthe auf, und ohne den Blick zu dem Erzuniten zu erheben, verließ sie das Zimmer.
allein Es war ihm zu M,te wie uJ" Menschen, der unter den Trümmern seines Hauses fr mtt Verwunderung bewußt wird, daß
kr noch lebt. Ja, er hatte alles verloren, so gräßlich un-
UnnUm mv “ Ie - bod) ^rt, und was ihm jetzt so Unnatürlich schien, wurde ganz natürlich werden. Auch
s haste ev für selbstverständlich angesehen. Sie paßten
ent änll^vd^' { at L e sst gesagt, und damit war alles lea vukdsgt. Sie hatte gar keine Reue an den Tag ge-
Der-eik»^. J etne f umklammern und ihn um Ezeihung anflehen ollen. Vielleicht hätte er sie ibr -Mak gewährt . . Sie hatte ja nichts mit L da § wie ste sagte. Eme platonische Liebe ... Er der- ^höhnisch den Mund. — Vielleicht log sie aber? Er
blickte ihm mißtrauisch nach. Vielleicht wußte dieser es auch bereits? Man sprach wohl schon allgemein davon?
Diese Nacht wälzte sich Werner schlaflos auf seineni Lager umher, sein Kopfkissen mit ungewohnten Tränen benetzend. Die Empörung hatte einem tiefen Jammer Platz gemacht. Woniit hatte er sein Unglück verdient? Er, der nie vom schnurgeraden Wege abgewichen war, der stets seine Pflicht getan! Er hatte auch seiner Frau eine Existenz gewährt,-welche jede andere befriedigt hätte. Er war ein musterhafter Ehemann gewesen, der nie nach anderen Weibern blickte. Und sie hatte sich einsam gefühlt! Freilich, er war nicht immer zum Sprechen aufgelegt gewesen, undJnteresse für ihre Gefühlsträumereien hatte er nie gehabt. Von einem Manne war es auch zu viel verlangt, an solchen Lappalien Anteil zu nehmen. Und doch -— er warf sich unruhig herum. Von ihr hatte er stets ein offenes Ohr für seine Mitteilungen verlangt, für^ seine Sorgen und Hoffnungen. Aber ist es nicht Pflicht jeder Frau, die Interessen ihres Gatten zu teilen? Ist das nicht selbstverständlich, wenn man liebt . . .
Er stockte betroffen in seinem Gedankengang. Sprach er sich nicht selbst das Urteil? Käthe hatte recht, sie war ihm das Liebste und doch hatte er nie nach ihrem inneren Menschen gefragt. Er hatte sich eingeredet, sie habe alles, was sie brauche. Warum hat sie geschwiegen, wenn sie nicht i befriedigt war? Und doch, eine dämmernde Erinnerung j stieg in ihm auf. In den ersten Jahren ihrer Ehe war j Käthe manchmal zu ihm gekommen und hatte Fragen auf- ! geworfen, die er als unnütz und unbequem abgewiesen.
- Er hatte sie ausgelacht und sie eine Phaittastin genannt.
; Machten eS andere Ehemänner etwa anders? Freilich,
in den Flitterwochen fand man Gefallen an jedem Tand. Später aber mußte der Mann darauf bedacht sein, die . Frau zum Ernst des Lebens heranzuziehen und nicht
- hinabzusteigen zum kindischen Tun. Und weil er das nicht getan, war er gesttaft worden. Sie hatte sich einsam gefühlt, und das trieb sie einem anderen in die Arme. Und dieser andere war seiner Rache mtronnen! Er schluchzte auf.
Werner sah bleich und verwacht aus, als er am folgenden Morgen, ohne vorher anzuklopfen, die Tür zum Zimmer seiner Frau öffnete. Sie saß am Schreibtische und schrieb.
Bei seinem Erscheinen fuhr sie erschrocken auf. Wie bleich waren auch ihre Wangen, wie tief die Schatten unter ihren Augen! Vor seinem kummervollen Blicke schlug sie den ihrigen zu Boden.
„Ich habe mit dir zu sprechen", sagte er, „und störe dich, wie ich sehe, im Schreiben."
„Ich schreibe an Tante Donner", antwortete sie leise. „Ich frage bei ihr an, ob sie mich fürs erste aufnehmen will. Sie soll es auch dem Vater mitteilen."
Werner zuckte zusammen.
„Die Anfrage ist jedenfalls verfrüht. Wie sich auch unsere Angelegenheiten gestalten mögen, deine Gegenwart wird hier nötig sein."
Er ließ sich aus einen Sessel nieder. „Nun setze dich und gib mir Antwort."
Käthe gehorchte. Wie vor einem Richter saß sie da, mit .. niedergeschlagenen Augen; ihre Finger spielten nervös mit dem Taschentuch.
„Ich beschwöre dich, Käthe", begann Werner feierlich, „ich beschwöre dich, offen gegen mich zu sein und mir die volle Wahrheit zu gestehen. Du sagtest vorhin, daß du dich nicht mit — mit Herrn von Gossar vergangen hast? Ist das wahr?"
etwas herunter, — „dorthin zu gehen. Es kompromittiert uns beide, verstehst du?"
„Ich verspreche es", antwortete Käthe mit bleichen Lippen.
Was lag ihr auch daran? Er war fort, — und das grelle Tageslicht da draußen, die fremden Menschen und das Gedränge ivaren ihr zuwider.
„Sa." Ihr freimütiger Blick sprach überzeugender
Itmw» w Vx 7. -oieueiun u>g ie aoerf tsr muöte der Sache auf den Grund kommen. Doch wozu? gmg es ihn letzt noch an? " - - -
myr noa, anc Mochte sie gehen! Die noch auf der Seele. "«^^ndereu gewemt, brannten ihm
Und sie hatte selbst eine Scheidung
i, 'u to * r aud ’ das einzige, das'zu Hübrig 1« stn kompromittiert, ihn zum Gegenstände
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iie gemacht Man würde 'iiber''ihn"mitleid^
e Achseln zucken. Und er konnte iiicht mehr Genug- ballte die Faust. Er rief Sv befahl ihm kurz, rhm sein Bett im Arbeits- Cr - zu lassen. Der Bursche ging, ohiic
.urw eme Miene Erstaunen an den Tag zu legen. Werner
als ihre Bejahung. Es wallte etwas in ihm auf, etwas wie ein Gefühl der Freude.
„Ich glaube dir. Nun will ich aber auch die weiteren Einzelheiten wissen. Du sollst mir nichts verhehlen, Käthe, — wie ist es so weit zwischen euch gekommen?"
Seine Augen hingen gespannt an ihrem Gesicht, als sie in gelassenem Tone ohne weiteres ihre Beichte begann. Mehrmals krampfte sich sein Herz in wilder Eifersucht zusammen, während sie, wie von einer fremden Macht ge- trieben, leidenschaftslos die Geschichte ihrer Liebe erzählte. Sie verschwieg ihm nichts, von dem ersten Augenblick an, wo sie ihre Neigung erkannt, bis zum Zusammentreffen im Cafä und der letzten Begegnung im Schloßparke, wo das Verhängnis sie ereilt hatte.
Als sie zu Ende war, stand er auf. und mit einem kurzen: „Ich danke dir", ging er zur Tür. Hier wandte er sich noch einmal um, und mit einer Heftigkeit, welcher seine Worte nicht entsprachen, sagte er:
So lange du noch hier in meinem Hause weilst, habe
Tage und Wochen waren vergangen. Tic Erde hatte sich über Gossar geschlossen, und man sprach nicht mehr von ihm. Leutnant von Grahn verbüßte seine Festungshaft. Dora von Rehsan war aufs Land gezogen, ohne Käthe wiedergesehen zu haben. Das hatte Werner verdrossen. Mcht Käthens wegen, diese hatte es sehr gelassen hingenommen, und keine Bewegung hatte gezeigt, daß es ihr zu Herzen ging. Doch ihn hatte es empfindlich getroffen. Es war gleichsam eine Bestätigung dessen, daß man sie für schuldig hielt, lind so lange 'sie noch seine Frau war, konnte cs ihm nicht gleichgültig sein.
So lange sie seine Frau war! Das Verhältnis wurde unleidlich. Sie lebten dahin, jeder in seinern Zimmer eingeschlossen und sahen sich nur zu den Mahlzeiten. Käthe führte nach wie vor die Leitung des Hauswesens. Bei Tische saßen sie einander gegenüber und schwiegen, nur die notwendigsten Worte wurde gewechselt. Die unheimliche Starre in Käthens Wesen hatte sich gelegt. Wer Werners verstohlene Blicke stellten eine rasch fortschreitende Veränderung fest. Ihre Wangen wurden immer durchsichtiger, die Augen matt und verschleiert, ibr Gang ivurde schleppend. Sw ging nicht mehr aus. Grundsätzlich mochte er sich nicht hineinmischen. Sie war ja frei, zu tun, was ihr beliebte. Was sie hinter der ge- schlossenen Tür trieb, wußte er nicht, —- ob sie weinte und betete oder wieder zu den gewöhnlichen Beschäftigun- gen zurückgekehrt war.
Eines Tages erschien Käthe nicht zum Mittagessen. Auf Werners Befragen erklärte das Mädchen, die gnädige Frau habe sich schon am Morgen schwach gefühlt und sei gar nicht ausgeslanden.
Nach dem Essen zog sich Werner in sein Zimmer zurück. Es ließ ihm aber keine Ruhe: was fehlte ihr? Konnte es nicht etwas Ernsteres sein? Er mußte sich selbst überzeugen, wie cs stand.
Als er die Tür des Schlafzimmers öffnete, blieb er stehen. Wie lange war es her, daß er es nicht betteten hatte! Sein Bett war fortgeräumt worden, dadurch sah das Zimmer viel größer aus. Und da lag sie, das dunkel- blonde Haar ausgelöst, das Gesicht fast ebenso weiß wie die Kissen, an welche es sich schmiegte, so zart, so vergeisttgt, fast nur noch ein Hauch ... Me großen Augen sahen ihn verwundert und fragend an.
„Mst du krank, Käthe?" fragte er, an ihr Lager ttetend.
Ihre Hand war kühl, ihr Puls schwach und kaum fühlbar.
„Ich habe kein Fieber", antwortete sie, ibm ihre Hand verlegen entziehend. „Ich fühle mich nur sehr matt."
„Dann ist es besser, den Arzt rufen zu lassen. Ich will es gleich besorgen", versetzte Werner, sich zum Gehen wendend.
„Tue es doch nicht", bat Käthe. „ES ist gut so, sg still als wäre man tot ..."
Er ging. Der Ausdruck ihrer Augen sagte deullich, wonach sie Verlangen ttug. Das durfte aber nicht sein, —- ihm nach durfte sie nicht! Sie sollte das Leben lieb gewinnen . . .
Der Arzt wurde geholt. Nachdem er die Paiienttn sorgfältig untersucht hatte, kam er zu Werner.
„Einen organischen Fehler finde ich nickst, wohl aber eine vollständige Prostration. Es fehlt die Lebensenergie, ein Zustand, der höchst wahrscheinlich durch moralffche Depression hervorgerufen worden ist. Hat Ihre Frau Gemahlin irgend einen Kummer gehabt, der fortwrrkt? Es ist der Wille zum Leben, welcher fehlt . . ."
„Wie kann dem abgeholfen werden?" fragte Werner besorgt.
„Sie müßte in anders llmgebunq kommen. Ver- suchen Sie es nüt einem Aufenthalte in frischer, reiner Beraluft. Lassen Sie sie Menschen sehen, auf neue Gedanken komnien. Eine andere Aicdizin verschreibe ich nicht."
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dir zu befehlen. So verbiete ich dir, weder iieute.
nach ani Tage der Beerdigung zu . . ." — er schluckte
Am folgenden Morgen war Käthe wieder aufgestanden und ruhte matte in einem Sessel, als Werner ins Zimmer trat. Sein sonst düsteres, vergrämtes Gesicht tnig einen Ausdruck, den sie lange nicht mehr an ihm wahrgenominen hatte. Überrascht sah sie zu ihm empor.
(Schluß folgt.)
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hervorragende Neuheit! P r. pm. \ *®
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Wiesbaden,
Helenenstr. 14, P
A. H. Langnose Ww- L 6« Biscuit-Fabrik Hamburg.
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