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s». Jahrga«-.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiS: durch den Verlag 5» Pfg. monatlich, durch die Post s Mk. S« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

10,000 Abonnenten.

Anzeigen-Preis:

Die einspaltige Pctitzeile für lokale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

Adrige«-Annahme

für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags, für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr nachmittag». — Für die Aufnahme später cingcreichter Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

169. BerlagS-Fernsprecher R«. 2958.

Freitag» den 10. April.

Redaklions-Fernsprecker No. 52. 1803 .

Morgen - Ausgabe.

ffT Wege« de» Karfreitags erscheint die nächste Ansgabe Kamstag nachmittag.

Ein deutsches Neichsarbeitsblatt.

Der vor einem Jahre vom Kaiserlichen Statistischen Amte neu begründeten Abteilung für Arbeiterstatistik ist als wichtigste Aufgabe „die Sammlung, Zusammen­stellung und periodische Veröffentlichung arbeits­statistischer Daten und sonstiger für die Arbeitsverhält- msse bedeutsamer Mitteilungen" zugefallen. Für die Durchführung dieser Aufgabe wurde die Herausgabe einer monatlich erscheinenden Zeitschrift seitens der Ab­teilung in Aussicht genommen. Die hierzu erforderlichen umfangreichen Vorarbeiten sind nun so weit gefördert, daß für den 21. ö. M. das Erscheinen der geplanten Zeit­schrift des „Deutschen Reichsarbeitsblattes" angekündigt wird.

Das Deutsche Reich tritt damit in die Reihe der­jenigen Staaten ein, die, wie zuerst England, später Frankreich, Belgien, Österreich re. monatlich in Form eines selbständigen Organs eine Zusammenstellung der wichtigsten arbeitsstatistischen Daten veröffentlichen und diese Publikation auf Verlangen an jedermann zu einem sehr mäßigen Preise verabfolgen. (So kostet die Einzel­nummer der englischen „Labour Gazette" 1' Penny, die des französischen „Bulletin de l'Ofsice du Travail" 20 Centimes.) So sehr aber auch diese ausländischen Publikationen für die Ausgestaltung des „Deutschen Reichsarbeitsblattes" in mancher Hinsicht als empfehlens­werte Vorgänge angesehen werden dürften — beispiels­weise wird auch die Einzelnummer der „Deutschen Arbeiterzeitung" zu dem mäßigen Preise von 10 Pfennig erhältlich sein —, so wird diese nach gewissen Richtungen hin doch auch wieder im wesentlichen selbständige Wege zu gehen haben. Es gilt dies namentlich für solche Ge­biete, auf denen, wie bezüglich der Gestaltung der Ar­beitsnachweise der gewerblichen Organisationen der Ar­beiterversicherung rc., die deutschen Verhältnisse von denen des Auslandes abweichen, außerdem aber auch hinsichtlich der Quellen, aus denen das statistische Mate­rial zu schöpfen ist. Was sodann das für die deutsche Zeitschrift in Aussicht genommene Stoffgebiet und dessen Gliederung betrifft, so sollen nach einem vorläufigen Plane hauptsächlich die folgenden Gegenstände, und zwar m nachstehender Anordnung, berücksichtigt werden:

1. Arbeitsmarkt-Statisttk. (Statistik der Arbetts- vermittelung, Statistik der Krankenkassen, Statistik des Verkaufs von Versicherunqsmarken für die Invaliden­versicherung. »

2. Arbeitsvermittel ung und Arbeitslosen- st a t i st i k. (Entwickelung der Arbeitsnachweise im Jn- unü Auslände, Mitteilungen über Organisation und Tätigkeit einzelner Arbeitsnachweis- und Arbeitsämter, Arbcitslosen-Statistik, NotstanöSarbciten.»

Feuilleton.

MMelmeer-Briefe.

Von Wilh. F. Brand.

II.

Marokko.

Wie jedes Ding seine zwei Seiten hat, so trifft das jedenfalls auch auf eine Straße zu und sei es auch eine Meeresstraße. In zweistündiger Fahrt von Gibraltar streichen wir schon die afrikanische Küste und landen in Tanger.

Marokko hat in letzter Zeit wegen seiner blutigen Empörungen wieder in besonderem Matze die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Freilich die europäische Diplomatie hat schon seit langem ihre Blicke — recht lüsterne Blicke — auf das begehrliche Land gerichtet; und diese allgemeine Lüsternheit ist seine Rettung üewesen, hat ihm seine Unabhängigkeit gewahrt, der einzelne Staaten, hätten sie nicht die Eifersucht der andern gefürchtet, längst ein Ende bereitet hätten. Mit seiner Unabhängigkeit hat das Land denn auch seine nationale Eigenart auch viel reiner beibehalten als etwa Algier, Tunis und selbst Egypten, insonderheit auch, weil cs hoch nicht in gleichem Maße von europäischen Touristen überschwemmt worden. Und doch ist Marokko in vieler Hinsicht sehenswerter als alle jene Lande. Ich kenne äußer jenen Gebieten auch Palästina und Syrien und andere Stätten morgenländischen Lebens, aber nirgends ist dasselbe typischer, nirgends fesselnder, nirgends rÄner orientalisch — freilich auch nirgends rauher — als in Marokko, wenn dieses streng genommen auch nicht eben im Orient liegt.

Freilich rauher geht's hier zu. Das gilt sowohl von der Kultur der Bevölkerung, wie von dem, was der Reisende burchzumachen hat. Ist das Innere des Landes im Augenblick für europäische Reisende völlig verschlossen, so können sie selbst in Friedenszeitcn dort nicht ohne Begleitung der Truppen des Sultans und ohne Zelte

3. Arbeitsbedingungen und Arbeiterschutz. (Arbeitsvertrag, Arbeitslöhne, Arbeitszeit für Kinder, junge Leute, Arbeiterinnen, Erwachsene, Arbeitsord­nungen, Arbeiter-Ausschüsse, Hausindustrie, Gewerbe­inspektion, Arbeiterschutz im Auslände, Gewinnbeteiligung.f

4. Arbeitshygiene, insbesondere Berufskrankheiten und die damit im Zusammenhang stehenden Fragen.

5. Arbeiter - Versicherung. Sparkassenwesen. (Krankenversicherung, Unfallversicherung, Unfallverhütung, Unfallstatistik, Invalidenversicherung, Witwen- und Waisen- versicherung, Arbeitslosenversicherung, Sparkassen.»

6. Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter.

7. Arbeiter-Streitigkeiten. »Streiks und Aus­sperrungen, EtnigungSämter, Ausländische Verhältnisse.»

8. Arbeiterhaushalt. (Arbeiter - Wohnungswesen, Kleinhandelspreise wichtiger Lebensmittel.»

9. K o n s n m v c r c i n e und Genossenschaften. Statistik, Ausländische Verhältnisse.

10. A r b e i t s b i l d n n g s w e s c n , Fortbildungsschulen, Fachschulen, Volkstümliche Hochschulkurse, Volksbiblio­theken, Lesehallen re.

11. Verschiedenes. Auswanderung, Außenhandel Deutschlands u. a.

12. Gesetzgebung und Rechtsprechung. Gesetze und Verordnungen sozialpolitischen Inhalts »Inland und Ausland», Rechtsprechung der Gewerbegcrichte, Recht­sprechung in Versicherungssachen, in Stras- und Zivilsachen.

Nach den „Bemerkungen" zn schließen, die diesem, dem Betrat bei seiner ersten Sitzung im Oktober vorigen Jahres vorgelegten Plane beigegeben waren, wird die arbeiterstatistische Abteilung besonderes Gewicht auf die Herstellung einer regelmäßigen amtlichen Bericht­erstattung über den Arbcitsmarkt im deutschen Reiche legen. Eine Statistik über die Bewegung des deutschen Arbeitsmarktes war bisher in der von vr. Jastrow herausgegebenen Zeitschrift „Der Arbeitsmarkt" auf­gestellt und für diese im besonderen nutzbar gemacht wor­den: 1. das Verhältnis der offenen Stellen zu den bei Arbeitsnachweisen eingegangenen Stellengesuchen, 2. die Veränderungen im Mitgliedsbestande der Krankenkassen, 3. die Summen der monatlich verkauften Beitragsmarken zur Invalidenversicherung. In diesen Richtungen soll sich nun im wesentlichen auch die aintliche Arbeitsmarkt­statistik bewegen, freilich unter erheblicher Verbesserung der bisher angewandten Methoden. Diese Verbesserung wird sowohl in quantitativer, wie in qualitativer Be­ziehung angestrebt. Inwieweit die Bemühungen der arbeiterstatistischen Abteilung in letzterer Hinsicht von Erfolg begleitet sein werden, läßt sich heute natürlich noch nicht sagen, umsomehr, als die Abteilung auch auf die Unterstützung dürch nicht arntliche Faktoren angewiesen ist. Dagegen dürfte sich bezüglich der quantitativen Ver­besserung der bisherigen Methode schon heute ein nicht geringer Erfolg insofern feststellen lassen, als nach den Mitteilungen, die Graf Posadowsky in der Reichstags­sitzung vom 21. Februar d. I. gemacht hat, das Kaiser­liche Statistische Amt sich im ganzen etwa an die fünffache Zahl von Stellen gewandt hat, wie der Jastrowfche „Arbeitsmarkt". Während letzterem das Material näm­lich nur die Monatsübersichten aus 59 Städten, und zwar aus 45 von sämtlichen und aus 14 von einzelnen Kassen zu Gebote stand, hat sich das Kaiserliche Statistische Amt an etwa 250 Städte, sowie an verschiedene Betriebs­leitungen, Oberpostdirektionen rc. gewandt.

reisen. Indessen in mehreren Küstenstädten gibt es doch iinmerhin schon einige europäische Gasthöfe, in denen man ganz leidlich untergebracht ist. Das gilt vornehmlich von Tanger, wo die Vertreter der europäischen Mächte und auch eine Anzahl europäischer Kaufleute ansässig sind und das außerordentlich schön in einer malerischen Bucht gelegen ist. Geradezu zauberhaft ist der Blick vor dem deutschen Konsulat auf das bunte Gewoge des vor uns sich ausbreitenden Marktplatzes. Dahinter die alte, halbverfallene hohe Stadtmauer. Nun die eigentliche Stadt in ihrer uns so fremden Bauart. Im Hinter­gründe das hellblaue, leuchtende Meer und gar nicht so weit von uns in der afrikanischen Sonne glitzernd die schneeige Kuppe eines der Ausläufer des Atlas. Zu beiden Seiten europäische Villen, aber — ach nur zu europäisch. Warum konnte man nicht den maurischen Baustyl, nicht den landesüblichen weißen Anstrich der Häuser allgemeiner befolgen. Man hat es doch in Algier getan. Darin — aber auch nur darin — macht Algier, das ja auch wunderschön gelegen ist, einen bestechenderen Eindruck.

Betreten wir nun einmal den Marktplatz selbst — ganz unbesorgt, hier tut uns niernand etwas. Ja, man schenkt uns nicht einmal sonderlich Beachtung. Es ist gewiß nicht sowohl, um uns Verachtung anszudrücken, als weil das Gefühl der Unschicklichkeit des dreisten Anstarrcns bei den „ungesitteten" Orientalen überall so tief Wurzel geschlagen hat. Da werden unsere Blicke zunächst durch ein paar anmutige Fraueugestalten ge­fesselt, wie sie schlank, graziös, natürlich tief verschleiert und lautlos dahinschreiten. Ihre Kleidung erscheint ihren niedlichen Figürchen, dem Klima, der ganzen Um­gebung so ganz und gar angemessen. Sie könnten wohl vielfach etwas sauberer sein, ihre Kleidung ist aber im allgemeinen keineswegs so schmutzig wie etwa die der Frauen in Egypten oder Palästina. Wir wollen uns doch aber mit dem bloßen Anblick begnügen und auch da sollten wir beherzigen, was man von einem rücksichts­losen Anstieren im Orient hält. Was mögen sie selbst aber wohl von der Kleidung unserer eingepanzerten Damen in ihren tailor lliacke-Kostümen halten, ganz

Nächst der ArbeitSmarktstatistik war in den oben er­wähnten „Bemerkungen" zu einem vorläufigen Plane der von der arbeiterstatistischcn Abteilung herauszu­gebenden Zeitschrift besonders noch der Arbeitsvermitte- lung, wie der Arbeitslosigkeit Erwähnung getan. Da­nach ist zu erwarten, daß die Zeitschrift auch die Entwicke­lung sowohl der Facharbeiternachweise, wie der beson­ders seit Mitte der 90er Jahre entstandenen öffentlichen und gemeinnützigen, paritätisch geleiteten Arbeitsnach­weise genau verfolgen wird. Hinsichtlich der Arbeits­losigkeit wird gesagt, daß das Statistische Amt in Aus­sicht genommen habe, die Stadtverwaltungen, svivie die Zentralstellen der Fachverbändc zu ersuchen, soweit Zählungen von ihrer Seite vorgenommen werden, die Zahlungsmetyoden, sowie die Ergebnisse der Zahlungen mitzuteilen. Es ist jedenfalls sehr zn wünschen, daß diesem Ersuchen nach beiden Richtungen bin möglichst Rechnung getragen wird, denn mit bloßem Ziffern­material ist dem Statistiker wenig gedient. Vielmehr kommt es für ihn vor allem darauf an, auch näheres über die zur Gewinnung dieses Materials angewandte Methode zu erfahren, um unter Berücksichtigung etwaiger Fehlerquellen abschätzen zu können, welcher Wert den Ergebnissen der jeweiligen Aufnahme beizumessen ist. Dieser Gesichtspunkt verdient aber umsomehr hervor­gehoben zu werden, als auch amtliche Publikationen, ins­besondere des Auslandes, eine genaue Angabe der an­gewandten arbeitsstatistischen Methode nur zu häufig vermissen lassen.

Deutsches Deich.

Sozialpolitisches Finale des Reichstages.

Am 24. vorigen Monats ist der Reichstag in die Ferien _ gegangen. Sein Wiederzusammentreten am 21. April wird voraussichtlich nur wenige Sitzungen um­fassen, um das Phosphorgesetz, hoffentlich auch die Novelle zum Krankcnversicherungsgesetz zu verabschieden und der Abänderung des Wahlreglements seine Zu­stimmung zu erteilen. Die letzten Sitzungen vor den Osterferien haben gewissermaßen das Facit der sozial­politischen Etatsdebatten in» Januar und Februar ge­bracht. Das Kinderschutzgesetz wurde mit einer geringen Abänderung über die Beschäftigung eigener Kinder in Gast- und Schankwirtschaften, die ausnahmsweise zuge­lassen werden kann, in dritter Lesung unverändert an­genommen. Zu dein Gesetzentwurf über die Kaufmanns­gerichte mußte Graf Posadowsky auf Interpellation des Abgeordneten Bassermann erklären, daß an eine Verab­schiedung in der gegenwärtigen Session nicht mehr zu denken sei, da im Bundesrat sich starke Widerstände gegen die Schafftmg selbständiger Berufsgerichte geltend gemacht hätten und Strömungen für die Anlehnung an die Amts­gerichte vorhanden seien. Eine besondere Würdigung in der Debatte fand die Konkurrenzklausel, die der Ver­treter der Regierung den ordentlichen Gerichten zur Ent­scheidung überwiesen wissen wollte, »venngleich er rück-

abgesehen davon, daß diese sich nicht entblöden, ihr Antlitz rückhaltlos den Blicken der Männer preis- zugeben!

Ich sah einmal eine Anzahl marokkanischer Frauen durch eine sumpfige Stelle schreiten. Wie sie sich auf­schürzten! Ach „aufschürzen" ist schon nicht mehr das Wort. So etwas von Rock- und alles Andere aufheben hatte ich nie gesehen. Indessen das Gesicht blieb keusch verhüllt. Sie wußten, daß Männer in der Nähe waren; aber ich bin mir nicht sicher, ob es nicht auch dieses Be­wußtsein war, das sic veranlaßte, den Aufschürzungs- prozetz viel gründlicher vorzunehmen, als der Sumpf an sich es erheischte. Denn es ist mit der Keuschheit der Schönen dieses Landes, abgesehen von dem Gesichtsver­hüllen, eine eigene Sache.

Und wenn nicht die strenge Abgeschlossenheit der Frauen herrschte — die ja aber imnierhin nicht überall und zn allen Zeiten so unbedingt sich durchführen läßt —, es passierten gewiß unendlich viel mehr Skandälchen, als ohnehin sich ereignen sollen. Übrigens möchte ich in keiner Weise angcdeutct haben, daß jene Gruppe anfgeschürzter Frauen gerade zn den Edelfrauen des Landes gehört hätte. Aber cs bleibt dennoch bezeichnend, daß bei voller Entblößung der Betuchen — bis oben hin — das Gesicht verhüllt blieb.

Hier zeigt ein schmutziger Schlangenbändiger scinr widerwärtigen Künste, indem er sich von seinen unheim­lichen Lieblingen liebkosen läßt. Dort kauert eine andäch- tige Schar lautlos am Boden und hört einem Geschichten­erzähler zu. Der Mann hat unleugbar dramatisches Talent. Mit Würde, mit Ruhe und wieder mit gesteiger- tem Effekt trägt er seine Geschichte vor. Ich weiß nicht, wovor» er spricht. Aber die Scene selbst, er und seine andächtigen Zuhörer, bieten ein Bild wie aus Tausend und eine Nacht. Sind das die wilden Söhne Marokkos, die da so spannungsvoll stellenweise mit geradezu ver­klärten Zügen auf ein Märchen lauschen!

Und dort, sind das nicht A ladin selbst und der leib­haftige Großvczier! Und ivciterhin Ali Baba und die vierzig Räuber. Namentlich die Räuber sind so sprechend ähnlich. Aber auch der Großvczier, wie er da voll Würde