1. Beilage 511111 Miestlaüener Tagklalt.
Ko. 167. Morgen-Ausgabe.
Donnerstags den 8». April.
61. Jahrgang. 1903.
****£ # $.*•*#£***&*# ***z*&*&*#**4 **•**•** &% H " <►
Die Liebe wird für da» echte Weib immer da? höchste *[ bleiben: ste soll nur für kein Weib dar einzige sein.
- Eunl Marriot.
Uw
» »
Je
W¥WWW%
(24. Fortsetzung.)
Der Maltheser.
Roman von O. v. Kis-Killay.
Und sie würde es Gossar erst sagen, wenn die Sache schon eingeleitet war. Er hatte so seine eigenen Anschauungen.
Käthe arbeitete den Plan in ihrem Kopfe vollständig aus. Oft war sie im Begriff, den Mund zur Aus- emandersetzung zu öffnen, stockte aber dann wieder. Bald war ihr Werner zu arglos, zu vertrauensvoll, und sie mochte nicht den Streich unvorbereitet auf ihn herab- follen lassen. Bald war er mürrisch und verdrießlich, und dann wußte sie, würde es zu yeftigerr Austritten führen, und sie wollte in Frieden scheiden.
Es war Sormner geworden und eine drückende Hitze lagerte über der Stadt. Schon seit einigen Wochen hatte es nicht geregnet und das noch vor kurzem so frische Grün des Rasens^ in den Gärten nahm eine gelbe Färbung an. Wer es möglich nmchen konnte, benutzte nur die Kühle der- Abendstunden zum Ausgehen. Auch Käthe hielt sich merst in ihrer Wohnung, bei verhängten Fenstern auf. Eine Ruhepause war in ihrem Gefühlsleben eingetreten. Doras five o’clock’s hatten aufgehört und sie tras Gossar nicht mehr. Vielleicht war's gut so. Sie konnte mit besserer Muße und Klarhest die Ausführung ihres Vorsatzes erwägen.
Eines Morgens saß sie im Halbdunkel ihres Zimmers, mechanisch an einer Spitze häkelnd. Ihr Mann war auf drei Tage abkoimnandiert worden. So waren denn alle Einflüsse, die bestimmend in ihr Denken eingrcifeu -konnten, fort, und sie war allein ihren eigenen Gefühlen überlassen. Sie hatte ihren Entschluß gefaßt. Wenn Werner heimkehrte, wollte sie ihm alles sagen . . .
„Du steckst fa wie ein Maulwurf in deiner finsteren
S e", lachte Dora, in ihrer eleganten Sommertoilette nraufchend.
Sie warf sich in einen Lehnsessel.
„Dafür ist es aber hübsch kühl hier! Rein, die Hihe dc, draußen!" Sie fächelte sich mit ihreni Taschentuche l-uft zu. „Ich bin ganz erhitzt! Meine Pferde, die armen Trerr, warfen mir bitterböse Blicke zu. Sie sind eS nicht gewohnt, daß ich sie am Vormittage störe. Ich bringe aber eine große Neuigkeit mit und dm gekommen, drr mein Herz auszuschütten. Denke dir, Ferdinand will sich don mir trennen!"
„Mache keine dumm.en Späße, Dora ..."
»Nun ja", fuhr Dora mit kläglicher Stimme fort, Aas ist es denn anders, wenn er mich aufs Land fort- Mckt? Wir h aben uns vierundzwanzig Stunden darüber Dritten, bis ich klein beigab. Ich wollte nicht von ihm °rt und ich begreife nicht, wie ich zwei lange Monate ohne hn leben soll! Er meint aber, die Hitze sei mir nicht zu- raglich und besteht darauf, daß ich Landlust und Lange
weile schöpfe. Zuletzt brach er meinen Widerstand damit, daß er sagte, ich solle es des Kindes wegen tun. Als ob es dem fürs erste nicht egal wäre! Und überdies, noch reicht meine Mutterliebe nicht an meine Gattenliebe heran. Ich glaube auch nicht, daß je ein kleiner Ferdinand oder eine kleine Ferdinande meinen großen Ferdinand aufwiegen werden!"
„Du gehst fort?" sagte Käthe bedauernd. „An den Rhein, zu deinen Eltern wohl?"
„Nein, und das ist die zweite Neuigkeit. Meine Eltern sitzen im Bade. Ich habe eine Einladung nach Günchersglöhnen, zu Tante Gossar erhalten. Karolus begleitet mich."
Käthe senkte den Kopf, um ihre Röte zu verbergen.
„Nun folgt die dritte Neuigkeit, und die ist die packendste. Karolus zieht sich auf vier Wochen aufs Land zurück, um seine Geschäfte zu ordnen. Dann, — staune, — er tritt aus dem Garderegiment heraus, um sich nach — nach — rate! — nach Kiau—tschou versetzen zu lassen. Freilich avanciert er, aber Europa und er haben dann die gegenseitige Fühlung verloren."
Käthe wurde bleich und starrt« die Freundin mit weit- geöffneten Augen an.
„Unmöglich!" stammelte sie.
„Doch, doch! Ich habe auch Karolus wahnsinnig und verrückt gescholten. Er hat aber nur die eine Erwide- rimg gehabt: Wanderlust! Schöne Wanderlust, das! Warum geht er denn nicht auf Reisen, wenn ihn die Wanderlust gepackt hat Er hat ja das Geld dazu. Aber nach Kiau—tschou! Cherchez la femrne ist sicher auch hier angebracht. Weißt du, eine Zeitlang glaubte ich, du stecktest dahinter, anderseits sstmmt es aber nicht. Weder vermeidet er dich, noch sucht er dich auf . . ."
„Wann reiset ihr?" fragt« Käthe mit Anstrengung.
„In einer Woche oder zehn Tagen. Er wollte sofort gehen, ich habe mir aber die Frist ausbedungen. Ich schützte Toilettenfragen vor, und vor deren Mysterien beugen sich alle Männer."
Käthe hörte nur mit halbem Ohr dem weiteren Geplauder der Freundin zu. Ihre Selbstbeherrschung war auf eine harte Probe gestellt. Mit Ungeduld erwartete sie Doras Fortgehen, um sich ungestört von dem be- täubenden Eindruck der erhaltenen Nachricht zu erholen.
Endlich ging sie und Käthe blieb allein. Sie mußte erst zu sich kommen. Der Schlag traf sie unvorbereitet. Er ging, er zog fort, in weite Fernen, vielleicht auf Nimmerwiedersehen! Es war wohl ein verzweifelter Entschluß, — sie durfte es nicht zulassen, sie wollte Gossar beschwören, davon zurückzutreten . . . Wie aber, wenn es wirklich die Wanderlust war, die ihn forttrieb? Sie hatten sich schon so lange nicht aesehen. — Er konnte auch der hoffnungslosen Qual müde geworden sein. -Hoff- nungslos! Sie wollte ihm ja dre Hoffnung bringen. Vielleicht kam sie aber zu spät und stieß chn durch diesen Schritt nur ab . . .
Von peinlichen Zweifeln gefoltert, konnte Käthe zu keiner Klarheit gelangen. Doch ein Gedanke überwog alle anderen, sie sollte ihn verlieren! Und das Sehnen nach ihm, nach dem geliebten Manne, schwoll an, so mächstg, daß sie es endlich nicht mehr ertrug.
Sie sprang auf. Nein, sie mußte ihn sehen, heute noch sehen! Es war vier Uhr, — zwischen Vier und Fünf
pflegte er gespeist zu haben und zu Hause zu sein. Sie wollte ihm einige Worte schreiben und den Brief selbst dem Portier übergeben. Er sollte chr sofort eine Zusammenkunft gewahren. Am besten in einem Garten» dann war der Schein gewahrt, der Zufall konnte sie zusammengeführt haben. Im Schloßpark zu Charlottew- lurg war man am ungestörtesten.
Sie warf hasstg einige Worte hin, zog sich eilig cm und ttat hinaus. Ter Tranrwagen, der soeben vorbei- suhr, nahm sie auf, und nach wenigen Minuten hatte sie Gossars Wohnung erreicht.
Der Portier stand im Torweg und musterte die Vorübergehenden. Als Käthe zögernd an chn herantrach fragte er nachlässig, die Hand an die Mütze legend:
„Was wünscht die Dame?"
„Ich bitte Sie, diesen Zettel Leutnant von Gossar ab- zugcben", antwortete Käthe, ihm den Brief samt einen: Markstück in die Hand drückend. „Vergessen Sie es aber ja nicht, es bettifst eine Einladung zu heute abend."
„Verlassen Sie sich auf niich, Madame", grirkste der Mann, die Mütze lüftend. „Der Herr Leutnant ist noch nicht heimgekehrt, ich will aber hier Posto fassen, um chn nicht zu verfehlen."
Die Würfel waren gefallen! Erleichtert setzte sich Käthe wieder in die Pferdebahn und fuhr zum Schlosse.
Hier stieg sie aus und schritt über den heißen, sand- bestteuten Hofraum. Die Sonne brannte, kein Lufthauch regte sich.
Sie ließ sich auf einer Bank nieder und blickte besorgt zuni Himmel auf. Da hinten sah es so dunstig aus uird es hatten sich einige kleine schwefelgelbe Wölkchen t gebildet. Wenn nur kein Gewitter kam, nur jetzt nicht! Bald mußte er übrigens erscheinen, er würde sie nicht warten lassen. Wie sollte sie es ihm sagen? Es fiel ihr nichts ein. Die Eingebung würde ihr kommen, wenn sie in seine Auge blickte. Niemand war zu sehen. Alles ringsumher schien in bleiernem Schlafe zu ruhen. Die schnurgerade Allee, die Bäume, der Rasen, der gelbe Sand.
Eine halbe Stunde verstrich, — eine ganze Stunde. Käthe begann unruhig zu werden. Der dunstige Hintergrund wurde dunkler, die Wolke_ breitete sich aus. Nahende Schritte und Stimmen ließen sich vernehmen. Zwei Herren gingen an Käthe vorüber und musterten sie mit prüfendem Blick. Einer derselben, ein Offizier, war ihr bekannt. Er mußte in chrer Nähe wohnen. Sie begegnete ihm öfters auf der Sttatze und sein fiecheS Anstarren hatte sie stets verdrossen. Auch jetzt wandte er sich um und flüsterte seinen: Begleiter einige Worte zu.
Käthe war die Röte in die Wangen gestiegen. Wenn er sie jetzt anredete.
Die Herren kehrten zurück. Sie hätte weinen mögen. Wenn sie zum drittenmal vorübergingen, wollte fle hinaus und Gossar im Schloßhofe erwarten. In der Tat, das Wetter zog sich zusammen, imnier öngsüicher rmd beklommener wurde die Stille.
Da, gottlob, war er es nicht, der jetzt eilig hevan- geschritten kam? Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. erhob sich und ging ihm entgegen. Schweigend reichte» sie sich die Hand und schlugen einen Seitenweg ein, , (Fortsetzung folgt.)
assauische Kleiderfärberei und chem. Waschanstalt
Färben und Reinigen von Herren- und Damen-Garderoben, Möbelstoffen, Teppichen, Gardinen, Handschuhen etc. 94a
Eilige Wäsche und Trauersachen auf Wunsch In 8 Ms 4 Tagen.
Annahme: Berliner Confections-Haus, Marktstrasse 10 , „Hotel grüner Wald“.
in-
Zur bevorstehenden Confirmationszeit bringe meine Specialitäten
und ausländischer Schmuck- und feiner Leder waren
in bekannter Güte und billigsten Preisen in empfehlende Erinnerung.
Als Kestgesohenke besonders empfehle:
Gold grstemprlte Hinge, Bro.rlicn, Ariubünder. Metten, Colliers, Ohrringe, Nadeln, MLnüpfe, Inliünger etc.
•Uber gestempelte Besteck., Scrviet« bämier, Berber, Bonbonnieren, Note*. Crayons. JWesser. '-türke. Cäararett-E tnls etc.
Wlnste Wiener und OtTenbacker Lcdertraren mit und ohne Beschlägen.
sonaüer'nor. ferlHnLNl! Mackeldey,
Bitte Ausladen and Preise zu beacliten
Eingang
Williel-ostrassc 48.
PI 741
Luftkurhaus Qu
Taunus.
usisana
Station Aurlngen-Medenhäck.
Neu eröffnet.
Selten ichBn gelegen, Ist dasselbe für Erholungsbedürftige und Genesende ein besonders
geeigneter Aufenthalt.
• i Von 'Wiesbaden aus ist dasselbe ja n «
Restaurant. Ausflugsort.
Lang-nese Cakes
gesetzliok geschützt
hervorragende Neuheit! pr. pm. 1,**
A. H. Langnese W*?; L {> Biscuit-Fabrik Hamburg.
65«
Deutsche Lebens - Versieherungshank
„Arminia“, A.-G., in München.
Garantiemitlel: ca. 20 Millionen Mark.
Versioherungsbestand: ca. 80 Millionen Mark.
Lebens-, Renten-, Aussteuer- und Militiirdienstkosten-Versichernngen
in den verschiedensten zweckmässigsten Formen.
Auskunft, Prospekte eto. stets gratis.
Genoral-Agentur und Inkasso-Stelle in Wiesbaden: Heinr. Jane, Wellritzstrmsr (,
