LI Jahrgang.
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§t0« 165. Berlags-Fernfprecher Ro. 2953.
Mittwoch, den 8. April.
Redaktions-Fernsprecher No. 52. 1903.
Morgen ■Ausgabe«
Zur Fuge uns der KulKunhuLbinsel.
Die blutigen Zusammenstöße zwischen türkischen Truppen und Albanesen bei Mitrowitza, der Angriff auf den russischen Konsul daselbst und die Kämpfe bei Qchrida la sen erkennen, daß die Zustände im Innern der euro
Es ist Tatsache, daß die Türkei ihre materiellen
Streitkräfte im allgemeinen und die Kriegsbereitschaft der Truppen des zweiten und dritten Korps (Adrianopel und Saloniki) inzwischen vervollständigt hat. Diese Vorbereitungen begannen bereits im September v. I., zu welcher Zeft das Bandenunwesen in Sandschak Serres (Vilajet Salonfti) begann, zu dessen Unterdrückung der größte Test der damals einberufenen sechzehn Redif- Bataillone verwendet wurde. Als dann der mit dieser Aktion betraute Kommandant der neunten Nizam-
Balkan-Halbinsel
Gä.rn.isoJi-ffrte.
päischen Türkei sich einer ernsten Krisis nähern. Rußland hat bereits mit direktem Eingreifen gedroht, und ob dre Türkei durch die ihrerseits ergriffenen Maßregeln der Truppenverstärkung das Unhell noch beschwören kann, ist fraglich.
Wir geben deshalb unseren Lesern beistehend den Abdruck einer solchen Karte, aus der alles überflüssige der besseren Übersichtlichkeit halber fortgelassen ist, während die polittschen Territorialverhältnisse und die Lage der Garnisonorte, sowie die Eisenbahnverbindungen
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Feuilleton.
; Eine hygienische Fastenpredigl.
Von Dr. Otto Gotthilf.
I Halte Maß in Speis' und Trank,
I So wirst du alt und selten krank.
„Alle Kultur geht vom Magen aus!" Dieses Wort des „Philosophen von Sanssouci", Friedrichs des ! Großen, hat seine Richtigkeit bis in unsere Zeit bewahrt. Bei allen Versammlungen und Beratungen zur Lösung kultureller Fragen, bei politischen und fachmännischen Kongressen, bei staatlichen und wissenschaftlichen Gedenkfeiern pflegt das Festessen im Hanptteil des Programms zu stehen. Geburts- und Hochzeitsfeiern, Besuche von Bekannten oder Verwandten sind stets mit Schmausen verbunden. Und wie scheinheilig bescheiden drücken wir uns bei unserer Geselligkeitslust aus, indem wir nur „zu einem Teller Suppe" oder „zu einer Tasse Tee" entladen, während eine Fülle der pikantesten Speisen von raffiniertem Geschmacke dargeboten werden, um zu immer neuem Appetit zu reizen. Namentlich in der winterlichen Festzeit mit den vielen Einladungen, Veretns- seiern u. s. w. tut man im Essen und Trinken des Guten entschieden zu viel. Da heißt die Losung: „Esset und trinket ohne Unterlaß!" Bald ist ein Herrcndiner, bald ein Damen, kaffee: zuerst wird einer weggegeflen, dann sein Nachfolger bewillkommnet; — da dürfen wir natürlich nirgends fehlen. Das viele Essen ist Mode geworden. Wir haben uns gewöhnt, ohne Prüfung, ob wir hungrig sind oder ob's uns bekommen wird, darauf los zu essen und zu trinken, was der Augenblick bietet. Auch wenn wir keinen Appetit mehr haben, wird doch das ganze Festprogramm bis zu Ende „heruntcrgcgesscn": es ist ja einmal bezahlt. Der Volksmund drückt sich drastisch aus: Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt!
Division (Serres), Ibrahim Pascha, meldete, daß er seine Aufgabe als beendet betrachte, wurde Marschall Omer Ruschdi Pascha. (Chef des Generalstabes im Kriege gegen Griechenland 1897) an Ort und Stelle gesendet, um diese Angabe zu prüfen und gegen das Bandenunwesen geeignete Maßregeln vorzuschlagen.. Setne Anträge bezogen sich in erster Linie auf Ergänzung der Wege und Telegraphenlinien, Errichtung von Blockhäusern, sowie aus einige Änderungen, d. h. Verstärkungen der Truppenverteilung im türkisch-bulgarischen Grenzgebiete und andere Detailvorkehrungen, so zum
Bei Familien-Einladungen sind es wieder äußere Anstandsrücksichten, die uns nicht gestatten, etwa mitten im Diner mit Essen aufzuhören, auch wenn wir ganz satt sind. Da ist jener „Wilde" in Coopers Erzählung .Der Wildsteller" doch ein „besserer Mensch", der die Einladung ausländischer Eindringlinge zum Gelage mit den Worten abschlägt: „Ich habe bereits gegcflen und gehöre nicht zu den Leuten, die ihr Grab mit eigenen Zähnen graben."
Die Gesundhcitslehre hat's nun keineswegs auf erne mürrische Fastenpredigt abgesehen, sondern räumt ganz gern dem „Leben und Lebenlassen" sein Recht ein, aber sie mutz doch dem Gedanken Bahn zu brechen suchen, daß man von solchem planlosen vielen Essen und Trinken auch einmal krank werden kann, ja sogar viel häufiger als von der landesüblichen Allerwelts-Erkältnng. Schon Diogenes sagt: „Ein immer mit Speisen überladener Körper gleicht einem stets gefüllten Kornboden: an jenem nagen die Krankheiten, an diesem die Ratten." Und Celsus ruft aus: „Modi™» cibi, medicus sibi", d. h. Mäßigkeit im Essen braucht keinen Doktor. Besonders ist es das große Heer der Stoffwechselkrankheiten, welches bei einiger Mäßigung im Essen und Trinken bedeutend abnehmen würde. Vor allem Rheumatismus und Gicht würde nicht so viele sonst kräftige Personen wochcn- und monatelang aufs Schmerzenslager werfen. Auch die furchtbare Krebskrankheit wird jetzt vielfach als eine Folge namentlich des übermäßigen Fleischgenusses bei körperlich untätiger Lebensweise angesehen.
Die große Vermehrung aller Krankheiten am Ende des Winters hängt hauptsächlich mit der Überfütterung und Überheizung des Körpers zur winterlichen Festzeit zusammen, vr. Lombard in Genf hat 80 Jahre hindurch die Zahl der ärztlichen Besuche von sich und sieben befreundeten Ärzten notiert und gefunden, daß in den Monaten Februar, März, April die Zahl der ärztlichen Besuche am höchsten ist, also die Erkrankungen am zahlreichsten sind. Demnach sind wir nach Statistik und Er-
Beispiel Ergänzung der Munifton und der sonstigen
Kriegsausrüstnngs-Bestände in den Depots.
Diese Maßregeln erfuhren dann infolge der regen Propaganda und der offenen Vorbereitungen der mace- dänischen Comitds, sowie infolge der maßlosen Sprache der bulgarischen Presse verschiedene Ergänzungen. . Es wurden für drei verschiedene Eventualitäten alle nötigen! MaßregÄn bezüglich des Umfanges parfteller Mobll- machungen re. durchberaten und beschlossen. Diese Maßregeln sollen dazu dienen, die Kriegsbereitschaft der Türkei, die infolge ihrer Finanzlage und anderer interner bekannter Verhältnisse in mancher Beziehung zu wünschen läßt, zu ergänzen. Inzwischen ist es nun bereits an verschiedenen Stellen zum offenen Kampfe gekommen« so daß man das Schlimmste befürchten muß.
Südafrikanisches.
Unser Londoner u-Korrespondent schreibt unterm 4. Aprll: „Wenn wir unlängst im Namen der Civilisafton in Egypten 10- oder 20 000 Derwische mit Maximkanonen niedermähen durften, so kann es doch wirklich nicht als eine Grausamkeit bezeichnet werden, falls wir die Eingeborenen in Südafrika zwingen, während dreier Monats im Jahrs ein wenig ehrliche Arbeit zu tun. Es steht heutzutage eine kräftige Regierung an der Spitze des Reiches, aber ein großer Teil der Bevölkerung ist von einer krankhaften Senftmentalität hinsichllich der Ein- geborenenfrage befangen. Dabei benötigt aber die Regierung die Unterstützung der Majorität des Landes." — So sprach der bekannte Minenmagnat Mr. Rudd ur 1899 in öffentlicher Rede. Nicht weniger interessant aber waren in demselben Jahre die Äußerungen einer gleichfalls allbekannten Persönlichkeit, nämlich des Mw Hays Hamnwnd, der unter anderem sagte: „Die Herabsetzung der Löhne der Eingeborenen dürste sich ohne Schwierigkeiten bewirken lassen, denn es ist nachgerade eine Ungeheuerlichkeit die Leute wie gegewvärftg zu bezahlen. Ter Kaffer würde ebenso zufrieden sein, ch er würde sogar länger als bisher arbeiten, wenn man seinen Lohn auf die Hälfte herabsetzte, denn dieser steht außer allem Verhältnis zu dem, was er benötigt." — Die beiden citiertcn Herren sind würdige Vertreter der, Leiter der großen südafrikanischen Minenindustrie, und sie haben ihren Kollegen, wie man zu sagen pflegt, aus dem Herzen gesprochen. Mr. Hammonds Ratschlage wurden bekanntlich zuerst befolgt, denn nach Beendigung des Krieges setzte man die Löhne der Eingeborenen gewaltig herab, aber die Folge davon war erne uner- wartete und veranlaßte es, daß die Minen infolge deI eingetretenen Arbeitermangels ihren vollen Betrieb bis zum Augenblick noch nicht wieder aufnehmen konnten. Mr Rudd aber hat alle Aussicht, seine Wünsche ebenfalls in Erfüllung gehen zu sehen, denn Mr. ChamberlaiN erklärte ja im Unterhause, es wäre einfach lächerlich^ von der Einführung der Sklaverei in Südafrika zu!
• sprechen, nur weil die Schwarzen gezwungen würden«
fahruug jetzt noch keineswegs „über den gefährlichen
Berg" hinweg. „„ , r
Der römische Schriftsteller Gellius erzählt, daß ött Arzte int altrömischen Staate ursprünglich ein sehr schlechtes Einkommen besaßen, erst als das auf seinen Kriegslorbceren ruhende und in seinen Rerchtümern schwelgende Römervolk der Völlerei sich hingab, wurde der ärztliche Beruf ein wirklicher „Nährstand", der sogar zu großen Reichtümern führte. Das war die Zeit, wo ein gewisser Apicius, als er nur noch 300 000 Taler tn seinem Gcldschrank zählte, dem Hungertode entgegenzugehen fürchtete und sich deshalb das Leben nahm!
Sv schlimm ist es allerdings in unserer Zeit nicht, aber etwas zu viel des Guten im Esten und Trinken wird entschieden auch von uns geleistet; das muß jeder einsichtige Mensch zugeben. Und wer auch nicht gerade krank davon geworden ist, fühlt sich doch jetzt am Ende des Winters unbehaglich, schlaff, matt, leicht ermüdet.
Jedoch, was geschehen, ist nicht mehr zu andern. Aber für die Folge wollen wir etwas mehr Diät halten, namentlich in der jetzt begonnenen Frühjahrszeit. Denn daß eine Beschränkung des üppig-festlichen Lebens, bc- ,anders des vielen Fleischestens, gerade in dieser Jahres- -cit für unser Wohlergehen überaus notwendig und wirksam ist, darauf weist uns die Natur hin, welche jetzt die gesundesten und kräftigsten Kräuter (Rapunzel, Kresse, Löwenzahn und dergleichen) wachsen läßt; daran ermahnen auch verschiedene Religionen durch ihre Gesetze für die gegenwärtige Fastenzeit; daran erinnert endlich die viele Jahrhunderte alte Bvlkssittc der Frühjahrskurcn. Man hatte von jeher das ganz richtige Empfinden, datz die winterliche Stubengefangcnschaft mit der geringen Zufuhr frischer Lust, der überreichliche Genuß von Speise und Trank bei den Festen und Vergnügungen des Winters, der Mangel an Bewegung und Spazierengehen eine ungünstige Blutmischung herbciführt, sowie die schädlichen Schlacken und giftigen Stosfwechselprvdukte der „Säfte"« ungenügend auslöst und ausscheidet, überhaupt den Kör»
