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die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
||{), 161. Lerlags.Fernsprecher No. 2968.
Sonntag» den 3. April.
Nedaktions-Fernsprecher No. 52.
1903.
Morgen »Ausgabe.
Der Mangel an OWer>Ersatz.
(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)
„Deutschlands Zukunft liegt auf dem Meere", mit Liesen kaiserlichen Worten ist der deutschen Jugend, die sich dem Waffenhanüwerk widmen will, der Weg gewiesen.
Noch vor 15 Jahren vermochten die Kadettenhäuser nicht den Andrang zu fassen, der sich alljährlich um Aufnahme bewarb,- heute ist mancher Platz in diesen Häusern unbesetzt. Trotzdem auch der Weg zur Marine durch das Kadettenkorps möglich ist, und obgleich außer den Be- russoffizieren noch weiteren Ständen der Eintritt ihrer Söhne in diese Anstalt erleichtert wurde, fehlt es an dem nötigen Nachschub.
„Der Beruf des Offiziers ist ein unsicherer", hört man oft als Ursache des mangelnden Nachwuchses erwähnen. Das ist nichts Neues, die Ungewißheit der Laufbahn war aber früher ebenfalls vorhanden. In der schlechten, pekuniären Lage der jung Verabschiedeten glaubt mancher den Grund zu erblicken, baß die Lust, auf Avancement zu dienen, so gering geworden ist. Dagegen läßt sich sagen, daß die Gehälter und Pensionen schon mehrfach erhöht sind und die auf Ruhegehalt Gesetzten früherer Zeiten noch viel schlimmer daran waren, als ihre inaktiven Kameraden von heute.
Wieder andere suchen die Unlust der heutigen Jugend, Berufssoldaten zu werden, in der Schwere des Dienstes. So weit es die Infanterie betrifft, hat diese Ansicht ihre Berechtigung, und sehen wir denn auch, daß die berittenen Waffen, besonders die Artillerie, viel mehr Zuzug haben als die Fußtruppen. Schade nur, daß die dort Abgewiesenen nicht zur Infanterie gehen! Aber, wie « gesagt, die geforderten Anstrengungen erscheinen meisten zu groß, man wählt lieber einen anderen «L«»u'o dürsten die Kosten der Erziehung und die nötige langjährige Zulage nicht in dem Maße abschreckend wirken, daß sich das Manko daraus erklären ließe) andere Stände erfordern noch größere Geldopfer, bis der Sohn so weit vorgerückt ist, daß er von seinem Gehalte leben kann.
In diesen Ursachen liegt also nicht der wahre Grund, daß der Offizierberuf seine Anziehungskraft verloren hat, „die Ungleichheit des Matzes, mit welchem gemessen wird", ist es, die abschreckt!
Unser jetziges Avancementssystem läßt 75 Prozent der Offiziere mit unumstößlicher Sicherheit im voraus berechnen, daß sie cs höchstens bis zum Major bringen. Diese Stellung, so schön sie ist, befriedigt aber den Ehrgeiz der großen Masse nicht, und man zieht das bürgerliche Gewand dem bunten Waffenrock vor.
Ich werde meine Behauptung beweisen:
Die höheren und hohen Stellen in der Armee sind fast nur von Leuten besetzt, die durch Adjutantur, Kommandos als Lehrer, Generalstab re. einen Vorteil im Avancement vor der großen Masse von so und so viel Jahren haben.
Wem es nicht gelingt, einige hundert Kameraden zu überspringen, der mag der tüchtigste und gebildetste Offizier sein, er wird in der „Ochsentour" zu alt und sucht im besten Falle als Bezirkskommandeur ein Unterkommen.
Diese Nvrmalkarriere läßt sich leicht berechnen. Durchschnittlich zählt der junge Mann, besonders wenn er sein Abitur gemacht hat, 20 Maimonate, ehe er die Epaulettes erhält. Die Leutnantszeit dauert 15 bis 16, die des Kompagniechefs 10 bis 11, des Majors 6 bis 7 Jahre, macht in Summa 31 bis 33 Jahre, und wird mithin der bei weitem größte Teil unserer Offiziere volle 62, ehe er zum Oberstleutnant heranrückt. Natürlich heißt es alsdann „zu alt", gibt keine Chance, noch nach weiteren 2 Jahren mit Frische ein Regiment zu kommandieren!
Der Nichtmilitär wird sagen: „Warum ging er nicht zur Akademie und machte eine bessere Laufbahn- Es geschieht ihm recht, daß er nicht mehr geworden ist!" Diesem „Sachverständigen" diene folgendes zur Erklärung:
Pro Jahr beziehen etwa 110 Leutnants die Alma Mater der Kriegswissenschaften, genannt Kriegsakademie, die 4-fache Zahl, also über 400, machen die Aufnahmeprüfung, und vielleicht nochmal 400 meldeten sich zu diesem Examen, wurden aber von ihrem Generalkommando abgewiesen, resp. auf spätere Zeiten vertröstet.
Von den an den Brüsten der Weisheit Vollgesogenen, die jährlich unsere Militär-Universität verlaßen, haben etwa 40 bis 50 einen Vorteil ihres Strebens, die anderen kehren verärgert in die Front zurück und leiden noch viele Jahre lang an versetztem Generalstabe!
Da schon bei der Zulassung zum Examen gewichtige Bedingungen erwogen werden, unter welchen Vermögen und des Vaters Segen, der bekanntlich den Kindern Häuser baut, eine hervorragende Rolle spielen, sinken natürlich die Aussichten bei vielen fast auf Null. Wie zu jedem Geschäft, welches einträglich sein soll, ein entsprechendes Kapital notwendig ist, so verlangt auch heutzutage eine glückliche Militärlaufbahn nicht unbedeutende Kapitalien oder des Vaters Segen. Um zur Akademie einberufen zu werden, ist der Nachweis reichen Wissens, besonders in fremden Sprachen zu führen. Diese letzteren sich anzueignen, muß sich der Zukunftsakademiker meist ins Ausland begeben, um dort aus seiner Tasche zu leben und teure Lehrer zu bezahlen, da die deutschen Sprachdozenten die resp. ausländische Sprache meist selbst nicht so reden können, wie sie in dem betreffenden Lande gesprochen wird. Auch der 3-jährige Aufenthalt in der
teuren Reichshauptstaüt während der Studienzeit ersori dert ein gefülltes Portemonnaie, das leider nur wenige aufzuweisen haben, und muß mancher sehr begabte Offizier wegen Mangels an Mitteln seinem Ehrgeiz Zügel anlegen.
So kommt es, daß nur ein sehr geringer Teil des gesamten Offizierkorps nach dem heutigen System Aussichten auf ein gutes Avancement hat, obgleich die Leistungen in den verschiedenen Stellungen der Armee „vollständig paritätisch sind und auch so betrachtet und belohnt werden sollten!"
Der für das Vaterland wichtigste, schwierigste und aufreibendste Dienst ist die Heranbildung unserer wehrhaften Jugend znm Soldaten, also: „der Frontdien st".
Das schlechteste Avancement aber machen gerade die Leute, von deren Tätigkeit in allererster Linie die Tüch- tigkeit der Armee abhängt.
Das demokratische Prinzip, welches in der allgemeinen Wehrpflicht liegt, reicht nicht bis an das Offizierkorps heran; hier wird scharf gesondert, und obgleich die Intelligenz durchaus kein alleiniges Gut der Springer ist, sondern verhältnismäßig in gleicher Quantität in derselben Anzahl von Frontoffizieren steckt, hat man, ohne es laut zu sagen, zwei Kategorieen geschaffen.
Den, welchem es glückt, Adjutant bei einer Division' oder einem Armeekorps zu werden, in den Generalstab oder das Kriegsministerium zu kommen, befördert man 5 bis 7 Jahre früher zum Major, als seine Alterskollegeu.
Für den Brigade-Adjutanten und Kriegsschullehrer fallen ca. 2 Jahre ab und selbst der Eintritt bei der Garde bringt noch 1 Jahr.
Ist, frage ich, das Verdienst genannter Offiziere so groß, daß sie einen solchen Vorzug verdienen?
„Nein!" Diese Herren bringen im Verhältnis zum Frontoffizier ihre Jahre in so angenehmer Stellung zu, daß darin schon genug Belohnung liegen sollte.
Wie vorerwähnt, sind es gerade die Frontoffiziere, von deren Gewissenhaftigkeit die Tüchtigkeit der Armee abhängt, und scheint es hohe Zeit, wie der Offiziermangel beweist, daß deren Dienst nicht geringer geachtet werde, als die sehr viel leichtere und die Gesundheit nicht so gefährdende Beschäftigung der Leute, die jetzt die Sahne abschöpfen!
„Dann kommen wir auf den Standpunkt von 1806, wo jedem General vor Altersschwäche schon der Kopf wackelte!" wird mancher sagen.
Gemach, mein Freund, so ängstlich ist das nicht, die Durchforstung, wie jetzt üblich, darf nur nicht ruhen und muß beseitigen, was leistungsunfähig oder zu alt wird.
„Das geschieht ja aber doch heute auch nur," erwidert der Zweifelsüchtige.
Gewiß, mein Gönner, nur wird jetzt bloß die eine Sorte zu alt und abgesägt, während die Männer mit der
Feuilleton.
Die Dögrl in unseren Kuranlagen.
l Es wird allgemein darüber Klage geführt, daß die Zahl der Vögel in Wald und Feld, besonders aber in der Nähe der Städte fortdauernd in Abnahme begriffen ist. Dis Ursachen dieser Erscheinungen sind bekanntlich nicht f kur der Vogelfang im Süden und bei uns, oder das ; llberhandnehmen der wildernden Katzen und anderer f Feinde der Vögel, dieselbe ist vielmehr in erster Linie auf die menschliche Kultur zurückzuführen, welche in Land- ünd Forstwirtschaft alle absterbenden Bäume entfernt, das Dorngestrüpp, wie auch die lebenden Hecken ausrodet l Und überhaupt iedeu Fleck urbar macht. Und in Garten ! Und Park ist es wiederum die immer feiner sich gestaltende l Kultur derselben, welche den Vögeln, und besonders den : vornehmsten Sängern unter ihnen, Nahrung und Nist- ^legenheit raubt und sie zur Auswanderung zwingt.
§' So war früher auch in unseren Kuranlagen die Nachtigall heimisch und mancher Vogelfreund wird jich noch gern jener Zeit erinnern, wo sie in mondhellen : : Frühlingsnächten dieselben mit ihrem herrlichen Gesang knüll w. Jetzt ist sie schon lange dort verschwunden; zwar Art sie auf ihrer Frühlingswanderung noch jedes Jahr M uns ein, schlägt einige Tage bald hier, bald da, zieht dann aber iveiter. Me Nachtigall ernährt ihre Jungen ausschließlich mit Larven von kriechenden Kerbtieren,
. Welche sie unter dem alten Laub^ welches den Boden deckt, ^ findet. Wo von diesem nichts vorhanden ist, da nistet sie uicht. Sodann bevorzugt sie als Aufenthaltsort dichtes, ' Weniges Gebüsch, Heckenrosen, Weißdorn- und besonders ^ Schwarzdorngesträuch sagen ihr zu. Von diesem allen ! aber ist in unseren Anlagen fast nichts mehr vorhanden kud deshalb meidet sie dieselben. Könnten wir dort größere Anpflanzungen von solchein Gesträuch machen Md in ihnen jahrein, jahraus das Laub am Boden liegen Ichssen, dann würde die Nachtigall sich aucli wieder bei uns .eiubürgern. Allerdings müßte ein äußerst kräftiger Schutz derselben damit Hand in Hand gehen.
Ist die Nachtigall, diese Fürstin unter den Singvögeln, duck) nickt mehr bei uns heimisch/ so sind unsere Anlagen
doch von vielen anderen Vögeln, und darunter ganz hervorragenden Sängern, bevölkert, und es ist wohl der Mühe wert, sich das kleine Gefieder- einmal näher' anzufeherr, das sich dort seines Daseins freut. __
Wer ein Freund der Vögel ist und ihr Leben im Kurpark beobachtet, dem wird eS reicht entgangen seirr, dag dasselbe irr derr letzten Jahren manche Veränderung erfahren hat. Gewisse Arten, die Grasmücken, Rotschwänzchen rc., haben an Zahl bedeutend Angenommen, während die S p e ch t e auf dem Aussterbeetat zu stehen sckpinen. Es hängt dies mit der großen Ausholzu,rg zusarnrnen, die vor mehreren Jahren im Park vorgenonrmcn wurde. Das Gesträuch, welches ehemals unter dem Baumschatten nur kümmerlich sein Dasein fristete, hat unter der Einwirkung von Luft uird Sonne sich üppig entfaltet, neues ist angepflanzt worden und je mehr Gesträuch, desto mehr Singvögel, so lautet eine alte Regel. Die Klettervögel aber und besonders die Spechte haben mit den alten, zum Teil hohlen Bäumen ihre Niststätten und Nahrung verloren und verschwinden mit ihnen.
Die Kurverwaltung hat vor Jahresfrist eine große Anzahl Nistkasten iin Park anbringen lassen. Dieser Maßregel werden wir binnen kurzem eine abermalige Zunahme der Vögel zu dairkerr haben, welche in solchen Kasten ihre Nester bauen. Es sind dies Kleiber, Baum, läufer, Rotschwänzchen, Meisen ec.
Unsere hervorragendste Sängerin des Vorfrühlings ist die wohl jedermann bekannte Schwarzdrossel oder Amsel. Sie ist in den Anlagen besonders zahlreich vertreten. Wenn in der zweiten Hälfte des Februar die Erde schneefrei ist rind gegen Abend jener eigentünilich herbe Duft die Luft erfüllt, den wir Erdgeruch nennen und der ein sicheres Anzeichen ist, daß im Boden sich das Leben zu regen beginnt, jenes geheimnisvolle Leben, welches Gras und Kraut, Blätter und Blüten hervorbringt, dann begirrnt mit der Dämmerung die Amsel ihren Gesang. Ganz leise, leise, in kurzen, weichen Strophen, als sänge sie im Traume, so klingt es, kaum hörbar, aus den Baumkronen hernieder. Wenn dann aber mit der höher steigenden Sonne die Luft immer milder wird, so gewinnt ihr Lied mit jedem 'Tage an Wohllaut und Kraft, lind NUN singt sie auch früh morgens. Laut und jnbi-
lierend erschallt ihre Weise in der Stille des anbrechenden Tages durch den Park. Die Amsel singt am herrlichsten in der Morgendämmerung. Wer um diese Zeit im März oder April, wenn die Lust gelinde ist, einen Gang durch den Park ruacht. der wird entzückt sein über das Konzert, welches ihn auf dem ganzen Wege begleitet. Die Amsel ist bei uns Standvogel, d. h. sie bleibt auck) während des Winters hier. Sie nährt sich von Gewürm, Kerbtieren rc. und frißt rm Sommer mit Vorliebe allerlei Obst und Beeren, wodurch sie in den Gärten manchmal sehr lästig wird. Ihr Nest baut sie schon früh. Bereits im März und zu Anfang April findet man dasselbe auf den unteren Ästen der Bäume, in hohem Gesträuch, ja zuweilen sogar in Manrtshöhe irn lautesten Verkehr. Im Juni —> Juli brütet sie zum zweiten Male.
Um die Zeit, wo die Amsel bereits im vollen Gesang ist, im März — April, kehrt aus dem Süden eine andere Drossel bei uns ein, um ihr Nest zu bauen, die Singdrossel. Dann können wir sie gegen Abend beobachten, wie sie hinter dem reservierten Garten des Kur- Parks auf der höchsten Spitze eines alten Baumes sitzt und, das Köpfchen der sinkenden Sonne zugekehrt, ihren abwechselungsreichen, lauten Gesang hören läßt, der stets Beachtung findet. Sie ist sofort erkennbar an dem lauten, pfeifenden Ruf, den sie in ihr Lied verwebt. Derselbe klingt wie „davit, davit". Ten Ton legt sie bald auf die erste, bald auf die zweite Silbe.
Schon seit Jahren nisten in den Kuranlagen zwei Paar Singdrosseln, das eine hinter dem Kurhause, das andere auf der Blumenwiese oder vor der Dietenrnühle. Das Lied der Singdrossel ist sehr melodisch, aber weit stärker als das der Amsel und weithin hörbar. _ Besonders anhaltend singt sie gegen Abend und nach einem warmen Regen. Tie «Singdrossel ist etwas kleiner als die Amsel. Der Rücken ist dunkelgrau, die Unterseite des Körpers gelbweiß mit vielen dunklen Flecken gezeichnet. Gleich der Amsel ernährt sie sich von Gewürm, Kerb- tiercn und Beeren. Im Oktober zieht sie nach Südeuropa in ihr Winterquartier.
In der zweiten Hälfte des Mai. wenn die Natur im schönsten Schmucke prangt, weint alles grünt und blüht, dann läßt sich in unseren Anlagen ein hier recht seltener
