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si. Jahrgang.

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Jtl>, 160. Verlags-Ferusprecher No. 2853.

12 Uhr mittags, für die Morgen -Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme später eingcrcichter Anzeigen zur

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Samstag» den 4. April. Ned-k.i-ns.F-rnspr.s-r No. 52. 1903.

Abend-Ausgabe.

Politische Peberslcht.

Es ist Frühling geworden, aber ob wir die Freu­den des Frühlings schon in umfassenderem Maße werden genießen können, steht noch dahin, beim der April ist ein launischer Monat und mit des Wetters Mächten rst kein -w'ger Bund zu flechten. Doch zunächst wollen wir froh sein, wenn dieser Bund mit den: Himmel wenigstens für die Ostertage vorhält, denn die österlichen Festfreuden, deren Jung undAlt erwartungsvoll harrt, sind von: guten Lsterwetter nur schwer zu trennen. Auch in den Parla­menten macht sich allenthalben die Ruhe der Osterzest geltend, aber es ist deshalb doch nicht still in der Politik geworden. Die Vorbereitungen zu den W ah I e n werden, seitdem die amtliche Mitteilung über den Wahltermin ergangen ist, mit verstärktem Eifer be­trieben, und in den Genriß der üblichen Sommcrruhe auf dem Gebiete der Politik werden wir der Reichstags- Wahlen wegen noch nicht in diesem, sondern erst im nächsten Quartal gelangen.

Ter Reichskanzler Graf Bülow ist, um sich vor: der hinter nns liegenden parlamentarischen Kampagne zu er­holen und sich für die vor uns liegende Wahlkanrpagne zu stärken, über die Alpen gegangen, wo er trotz der ange­strengten Beschäftigung des Nervenstärkens noch Zeit gefmideir hat, mit dem italienischen Minister des Äußeren einige Worte 31 t wechseln, die sich sicherlich nicht aus das Wetter bezogen, haben, wie schär: dieses auch unter dem „ewig lachenden" Himmel Jtalieiis zu sein Pflegt.

Eine ganz unbestrittene Politische Bedeutung ist allenthalbeii der Reise des Kaisers n a ch K 0 p c n h a g e n beigemesseir worden. Tie überaiis herzliche Aufnahme, welche der Kaiser dort, gesunden, uiid der warme Empfang, den ihm die dänische Presse be­reitet hat, siiid erfreuliche Anzeichen der allmählichen Besserung in den deutsch-dänischen Beziehungen, die oft genug getrübt warcii. In Deutschland wird inair ruck­haltslos mit dem in Dänemark geäußerten Wunsche über- einstimmen, daß der Besuch des deutschen $'crifcr§ in Kopenhagen den Wendepunkt bilden möge, der dem Auf und Ab in den Beziehungen Zwischen Deutschland und Dänemark in günstigem' Sinne ein Ende macht.

Auch die Beziehungen zwischen D eu t s ch I a n d und oen Vereinigten Staaten von Amerika hoben dadurch keine Trübung erfahren, daß der ameri­kanische Admiral Tewey, der sich immer mehr zu einer Don Quixote-Figur entwickelt, sich gemüßigt gefühlt hat, in einigen ungehörigen Redewendungen die deutsche Flotte anznrempeln. Tie Promptheit und Entschieden­heit, mit der Präsident Roosevelt den vorlauten Admiral

zur Ruhe gewiesen hat, zeigt, welchen Wert man in Amerika auf die guten Beziehungen zu Teutschland legt.

Dagegen hat sich bisher niemand gesunden, welcher den Beruf in sich gefühlt hätte, dem übermütigen Präsi­denten Castro von Venezuela eine Vorlesung über den „guten Ton in allen Lebenslagen" zu halten, obwohl Castro einer solchen Belehrung recht bedürftig wäre. Aber die Mächte sind sämtlich venezuelamüde, und sic haben keine Neigung, zu den alten Schwierigkeiten in Venezuela noch neue zu fügen. Weiß doch niemand, wann einmal das offene Konto mit Venezuela beglichen werde.: wird.

Auch den Vorgängen in Marokko wenden die Mächte kein übermäßiges Interesse zu, und es besteht nirgends die Absicht, sich ohne zwingenden Grund an dre internen Raufereien in Marokko einzumischen. Uber diese Raufercierr selbst ist man nur recht ungenügend rn- formiert. denn Marokko ist weit und die Telegraphen­drähte sind gedrlldig. Jedenfalls ist aber der Sultan Abdul Aziz nicht aus Rosen gebettet, und die Ansstmrds- bewegung scheint bisher keineswegs in der Mnahme be- griffen zu sein.

Noch weit bösarttger lauten die Nachrichten aus dem Herd der europäischen Beiinruhigungsbazillen, aus M a c e d 0 n i e n , wo sich ein Krieg aller gcgei^ alle zu entwickeln scheint. Die durch die Agitation aus Sofia in Bewegung gebrachten macedonischeir Bnlgareir be­finden sich in höchst gefährlicher Gärung: unter den

Albanesen aber lodert der Aufruhr bereits in Hellen Flammen und bei Mitrowitza ist es zu offenen Feld- ichlachten gekommen, llnter diesen Umständen wird es für die Pforte, die bereits starke Trnppcnmasscn anf- geboten hat, nicht leicht sein, der mächtigenBewegnng Herr zu werden. Aber die türkische Regierung hat einen Rück­halt an den Brächten, insbesondere an Österreich-Ungarn und Rußland, die entschlossen sind, den balkarnschen Hexensabbath nicht zur Entwickelung konunen Zrr lassen.

Tie Entschlossenheit, ans dem Balkan eine Politik des Friedens aufrecht zu erhalten, hat R u tz I a n d nicht nur Bulgarien, sondern auch Frankreich gegenüber mit Entschiedenheit bekundet. Die derbe Abkarizelung, welche in dieser Sache von Rußland aus an die Adresse Frankreichs gerichtet worden ist. hat allenthalbeii, ins­besondere aber in Frankreich selbst, überrascht, wo man zu fürchten beginnt, daß die Honigmonate des Zweibnndes teiupi xassnti sind!

Eine Rede Roosevelts.

Präsident Roosevelt hielt Donnerstagabend im Auditorium Theatrc in Chicago eine Rede, die sich haupt­sächlich mit der Monroe-Lehre beschäftigte. Der Präsi­dent sagte: Die Vereinigten Staaten halten ihre Inter­essen in der diesseitigenSphäre für größer, als diejenigen irgend einer europäischen Macht daselbst sein können

Ihre Pflicht gegenüber sich ielbst und den schwächeren Nachbarrepnblikcn verlangt von ihnen, darüber zu wachen, daß keine der großen militärischen Mächte jen­seits der Meere in die Rechte dieser Republiken eingreifen oder eine Kontrolle über dieselben erlange. Diese Politik verbietet daher nicht nur die Zustimmung zu einer Ge­bietserwerbung, sondern veranlaßt die Vereinigten Staaten auch, sich der Erlangung einer Kontrolle zu widersetzen, welche in ihrer Wirkung einer territorischen Vergrößerung gleichkommt. Dies ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten an der Meinnug sestgchalten haben, daß der Ban des Jsthmnskaiials nicht dnrch eine ausländische Nation, sondern durch die Vereinigten Staaten ausgeführt werden solle, welche sich gewissenhaft und sorgfältig enthalten haben, den in Betracht kommen­den Schwesterrepublikcn irgendwelches llnrecht zuzu­fügen. Die Vereinigten Staaten wünschen nicht, in deren Rechte auch nur im geringsten einzugreifen, sondern unter sorgfältiger Wahrung derselben den Kanal selbst nach Maßgabe von Bestimmungen zu bauen, nach denen der Kanal sowohl im Frieden, als im Kriege von den Vereinigten Staaten benutzt werden kann. Mir Bezug auf Venezuela erklärte der Präsident, Sorge der Ver­einigten Staaten sei natürlich, sich nicht ohne Not in irgend einen Streit einzumischcn, sofern derselbe ihre Interessen und ihre Ehre nicht berührt, nicht eine Hal­tung anzunehmen, welche irgend eine Macht vor dem Zwange schützt, wenn die Vereinigten Staaten nicht willens sind, die Streitsache derselben zu der ihrigen zu machen, aufmerksam Mache zu halten, daß keine Ver­letzung der Monroe-Doktrin stattfinde, keine Erwerbung tcrritorischer Rechte durch eine europäische Macht auf Kosten einer schwachen Schwesterrepublik, möge die Er­werbung nun die Form einer offenen cingestandeiicn Gebietswegnahme oder Ausübung einer Kontrolle an- nehmen, welche in ihrer Wirkung einer Besitznahme gleichkommk. Der Präsident führte weiter aus: Diese Haltung (keine Erwerbung territorialer Rechte) ist in zwei Memoranden ausgesprochen. Das erste enthält ein Schreiben des Staatssekretärs Hay an v. Holleben, das zweite eine Unterredung zwischen Staatssekretär Hay und dem englischen Botschafter Herbert. Beide Mächte versicherten in ausdrücklichen Worten, daß sie nicht die leiseste Absicht haben, die Monroe-Lehre zu verletzen. Diese Versicherung ist mit ehrenhafter Treue gehalten worden, welche volle Anerkennuiig von unserer Seite verdient. Gleichzeitig aber sind Feindseligkeiten so nahe an der Grenze unseres Landes ausgebrochen, so drohend mit der Möglichkeit künftiger Gefahren, daß es unver­kennbar Pflicht der Vereinigten Staaten ist, nicht minder gegen sich selbst, als gegen die Humanität, sich zu be­mühen, den Feindseligkeiten ein Ende zu machen. Dem­gemäß haben die Vereinigten Staaten durch Anerbieten ihrer guten Dienste im Geiste aufrichtiger Freundschaft für alle Beteiligten die Wiederherstellung des Friedens erreicht. Wir beabsichtigen nicht, eine Stellung zu be­anspruchen, welche unseren Nachbarn gerechten Anlaß zum Anstoß bieten könnte. Unser Festhalten an diesem

Der Preis ist Magdeburg!

Roman von Max Dorning.

(16. Fortsetzung.)

XI.

Kaum jemals hat der Stern des großen Schlachten­kaisers heller gestrahlt als iit jenen Frühlingstagen 1809, da Napoleon seinen österreichischen Feldzug be­gann: eine Wiederholung der glänzenden Tage des Krieges von 1796—97 schien bevorzustehen. Niemals ist aber auch ein Krieg leichtfertiger und unüberlegter geführt worden, als Österreich die erste Hälfte fernes großen Kampfes von 1809 geführt hat. Mit beispiel­losem Leichtsinn loste rnan das Heer, das den Inn über­schritten hatte und den Krieg rrach Bayern hineintragen sollte, in eine Reihe einzelner Abteilungen auf, derer: jode einzelne zu schwach war, um einem ernsteir Singruf des Gegners Stand zu halten oder gar selbständig irgend etwas Entscheidendes zu niiternehnren, mrd doch wiederum SU stark und zu schwerfällig, um sich schnell und gewandt einem Gcwaltstoß des Feindes zu entziehen.

Blitzschnell hatte Napoleon, als er auf dem Kriegs- schauplatz in Bapern eintraf, die Schwäche des Gegners erkannt; aber eben so schnell auch erkannte er, daß seine oigenen Marschalle dieselben Fehler begangen hatten -wie die Österreicher, nämlich ihre einzelnen Korps zu trennen uird weit auseinander zu schieben und zu ziehen. Mit einer Sicherheit, Ruhe und Meisterschaft, die be- ^vundernswert erscheinen müssen, stellte zunächst der große Feldherr die Bereinigung feiner Korps wieder her und rettete dadurch die einzelnen vor demselben ver­hängnisvollen Schicksal, mit dein er jetzt die Feinde zu treffen gedachte: vor der Vernichtung.

Kanin daß er seinen dnrch die Gewaltmärsche er­schöpften Truppen eine Rast vergönnte, brach er gegen die Österreicher vor, schlug ihre ob des nnerhörtm An­griffs ratlosen Korps in einem fünftägigen Feldzuge den Gefechten von Panii, Abensberg, Landshut, Eck- Wühl und Rcgcnsburg, und schon wenige Tage daraus

stand kein einziger Österreicher nichr diesseits des Inns: Bayern, das schwer bedrängte, war vom Feinde befreit.

Triumphierend aber rief der neue Cäsar aus: „In einem Monat werde ich in Wieir sein!"

Diesmal irrte der große Schlachtenmeister: er stmid in drei Wochen in Wien! —

Es konnte nicht ausbleiben, daß dieser klägliche Be­ginn des Krieges auch seine Schatten nach Norddeutsch­land, iiach Preußen hineinwarf. Man begann miß- trauisch zu werden: maii fragte sich besorgt, ob Österreich auch bis zum Äußersten Widerstand leisten oder ob es, wie 1805, nachdem der Feind unter den Toren der Hauptstadt eine Schlacht gewonnen, Hals über Kopf Frieden schließen würde.

Ilm so freier atmete man auf, als nun das Be­fürchtete nicht cintras, als der Käiserstaat trotz. seiner Niederlagen an der mittleren Donau sich zur Fort­setzung des Kampfes in seinen Erblanden _ anschickte. Und um so mehr glaubte man einem günstigen Aus­gange der Tinge cntgegensehcn zu dürfen, als niair an der Spitze der militärischen wie der bürgerlichen Ver­waltung in Österreich zwei Männer wußte, von denen man gewiß seiir konnte, daß sie kleinlichen Bedenken und Regungen nicht zugänglich fein würden: den Erzherzog Karl und den hochsinnigen Grafeir Stadion. War es doch grade in jenen Tagen, daß Graf Stadion das bedeut­same Wort ausgesprochen hatte: „Wir haben uns als

Nation konstituiert!" und Helle Köpfe ahnten und fühlten, ivelch eine unermeßliche politische Perspektive sich mit diesem Worte austai.

Und in der Tat! Diesmal schien der Kaiserstaat das Vertrauen rechtfertigen zu wollen, welches man in ihn setzte. Unter den Toren Wiens wurde der zweitägige Riesenkcjmpf ausgcsochten, den die Weltgeschichte unter dem Ramm der Schlacht von Aspern fcnnt, und — zum ersten Male ging Napolcoir nicht als Sieger mis denr Kampfe hervor. Weder Davousts eisernes Standhaltcn noch Lannes' mit seinem Leben bezahlte Tapferkeit, noch Massanss heldenmütiger Sturm ans Eßlingen hatten den Sieg an seine Fahnen heften können, und Napoleon hatte

das kühne Wagnis, im angesicht eines großen feindlichen

Heeres über einen Strom gehen zu wollen, mit deni Nimbus feiner Unbesiegbarkeit zu bezahlen.

Ein Sturm der Freude brauste durch die deutschen Gauen:

„Aspern klingt'S und Karl klinc,t's siegestrunken.

Wo nur deutsch die Lippe lallen kann,

Nein, Germanien ist nicht gesunken,

Hat noch c i » e n T a g und einen Mann!"

Aber die Blüten reiften nicht, die der Sonnenschein dieses einen Sieges überall gezeitigt hatte.

Wohl war Napoleons Lage eine verzweifelte: noch ein einziger kühner Ansturm, ein rücksichtsloses Allesanalles- setzcn, und er war auf seiner Donauinsel, wohin er sich zurückgezogen, verloren. Aber das Glück hat diesen selt­samen Mann niemals ganz verlassen; und auch hier blieb es ihm ergeben. Die unentschlossene Haltung der Öster­reicher nach der Schlacht, ihr Zaudern und Zögen: rettete ihn vor der Vernichtung; er gewann Zeit, und damit ge­wann sein unerschöpflicher Geist auch alle Hülfsmittels wieder, die für seine Lage ihni von Nöten waren.

Das aber ahnte nian zunächst in Norddentschland noch nicht: man glaubte an einen sicheren, siegreichen Ausgang «des Feldzuges für die Österreicher. Das jedoch fühlte nian allerorten: wenn jemals, so war jetzt die Zeit da, wo mail handeln inußte — handeln mit oder ohne die Eirrwilligung des Königs. —--

Durch die Elbe hiirdurch, vom rechten auf das liirke User, schwamm in einer dunklen, regenschweren Mainacht ein einzelner Schwimmer. Er inußte offenbar genau in der Gegend Bescheid wissen, denn mit sicheren, krästi- geir Stößcir strebte er einer bestiinmteii Stelle des jen­seitigen Ufers zu. Seine Falkenaugen schienen die Dunkelheit zu durchdringen und das Ziel, nach dem er suchte, deutlich zu erkennen.

Jetzt hatte cr's erreicht.

Ulster altersgrauem Weidengebüsch versteckt lag ein Kahir. Jir dieser: hinein schwang sich der Schwimmer. Er öffnete einen Kasten, der in dem Nachen zugleich als Sitz diente, und entnahm diesem einen vollständigen tiockencn Anzug. Diesen vertauschte er mit dem nassen.