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i«— ^a i Morgen-Veilage des Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 19S.

Sonntag» 22. Kugust.

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l6. Fortsetzung.^ pp Oö$ tXCHttCfjClt. < Nachdruck öerfcotenj

Erzählung von

Svorcnklirrend trat der Rittergutsbesitzer in das Wohnzimmer. Seine Frau sah ihn mit groben Augen an, er küßte sie auf den grauen Scheitel. Zusammen­gesunken saß Emnnchen aus ihrem Stichl und verbiß sich lavier die Tränen.

„Er wollte durchaus mitkommen. Wer ich hab's nicht zugelassen. Anbrüllen müssen habe ich ihn!"

Da warf Emmi den Kopf auf die gekreuzten Arme und schluchzte herzzerbrechend. Der Vater legte ihr die Hand auf die zuckende Schulter.

„Mein Löctzterchen, das mußte fein! Und es ist noch lange nicht aller Tage Abend. Ist hier reiner Tisch ge­macht und will er uns finden, dann findet er uns auch. Ich habe nichts Ehrenrühriges verbrochen. Bin dann bloß arm wie eine Kirchenmaus. Auch vor allen Leuten. Hält er dann um dich an, sage ich nicht nein!"

Do fuhr sie oilf.

„Der tut's, Papa. Der tut es!"

Böhmer glaubte es nicht. Aber warum seinem Mädel die Hoffnung nehmen?

„Warum weinst du denn, wenn du so fest überzeugt bist? Aber erst heißt es: hier wegkommen und für mich eine Stellung gesunden, als Administrator oder Güter- direkkN einer Herrschaft, gleich werde ich eine Annonce für die Zeitung auffetzen. Nur die Hände ordentlich rühren, dann könrmt man auch über die schlimmste Zeit hinweg! Emnnchen, weil man dann wenigstens das Bewußtsein !>at. seine Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben!"

Tantchen witterte keinerlei Gefahr — wenigstens nicht für die allernächste Zeit. Die Hauptsache war jetzt, den Heini zu zerstreuen. Für den nächsten Wend hatte sie an einige Herren, darunter auch Rauschenberg, Ein­ladungen ergehen lassen. In ihren Koffern und Kisten waren allerlei Genüsse noch verborgen. Und nach Königsberg hatte sie am Morgen, während ihr Nesse im Dienst war, auch noch nach Delikatessen telegraphiert. Herr Angrabeit war auf den Marsch geschickt worden, um ein Klavier auszutreiben. Tantchen spielte gern lustige Sachen, und daß die jungen Offiziere wacker mitsangen, wußte sie aus Erfahrung. Selbst die Noten zu „Puppchcn" hatte sie mitgebracht. O, Tantchen, war resolut, wenn es -daraus ankam. Nahm der Heini keine Vernunft an, dann ging sie mit der Auskunft über Böhmers einfach zum Kommandeur, und bat für ihren Neffen uni einen länaeren Urlaub. Fest hatte sie sich das vorgenommen. Mochte man das auch höchst sonder­bar finden. Die Hanvffache blieb doch, der Jung kam Wer die böse Zeit mit Anstand hinweg.

Als der vom Dienst kam, stand das Klavier bereits im Eßzimmer. Er lachte.

„Du hast wohl wieder einmal einen vergnügten Wend vor?" ,

„Ja, Heini, metne guten Freunde Hab' ich einge­laden!"

„Bist doch ein großartiger Käser, Tantchen!"

. sagte es mit dem Brustton der Überzeugung.

Horst Bodemer.

Und schmunzelte im stillen. Da konnte ihm Tantchen wenigstens nicht unter vier Augen die Hölle heiß machen. Und augenblicklich hatte sie auch absolut keine Zeit. Solche Vorbereitungen erforderten ihre -ganze Ausmerk« sanrkeit. Nichts durfte fehlen und die Angst wurde sie nicht los, ob die Königsberger Lieferanten auch alles gleich abgeschickt hatten, als Eilpakete, sonst kamen die Genüsse nicht mehr zur rechten Zeit . . . Alle halbe Stunden wurde Frau Angrabeit gerufen. Blninen wollte sie haben, Maiglöckchen und Veilchen zur Schmückung der Tafel. Und als das besorgt war, mußte sie Filetbeefsteaks vom Fleischer holen. Und dann die Gläser mit einem Tuch dreimal nachpoliereu. Ihr Ehemann hatte den Auftrag, sechs hübsche Birken herzuschassen, ein Frühlingsfest sollte gefeiert werden.

Und als die acht Herren kamen, konnte Tantchen mit einem zufriedenen Seufzer feststellen, daß alles wunderschön geraten war — wenn Frau Angrabeit unten in ihrer Küche die Filetbeefsteaks richtig behan­delte. Ost genug hatte sie ihr auseinandergesetzt, wie sie sie zu haben wünschte. Frau Angrabeit hatte immer wieder aufmerksam zugehört und versichert, das gnädige Frailainchen brauche wahrhaftig keine Angst zu haben. . . . Zwei Ordonnanzen vom Kasino waren auch zur Stelle, die hatten natürlich ebenfalls eingehende In­struktionen erhalten, denn der Karolvk war an diesem Abend doch nur dazu zu verwenden, die Rester mit zu vertilgen und die Trinkgelder cinzusteckeu: «damit war er auch ganz einverstanden. . .

Das Essen verlief zu aller Zufriedenheit, Rauscheu­berg hatte natürlich -den Ehrenplatz rechts von: Tantchen, es ging äußerst fidel zu. Der Heini aber kniff von Zeit zu Zeit die Aug§n klein, mit Eleganz sollte er über die nächste Zeit gebracht werden, und wenn cs Tantchen auch tausend Taler kostete. Und der Rauschen- berg, mit dem er bei -einer Schwadron stand, war natürlich mit im Komplott . . . Ja—a, da würden sich die Herrschaften wohl noch ein bißchen wundern. Jetzt hieß es erst einmal, den zukünftigen Herrn Schwieger- p-apa kleingekriegt. Warum -der von ihm die zweite Hypothek nicht annehmen wollte, sah er nicht ein. Die Emmi war -doch sein einziges Kind, der fiel später Lau-Pischkeim zu, cklso ihm als glücklichem Ehemann mit, was da groß aufznbegchren -war, begriff er nicht. Frei­lich, wenn einem zehn Minuten vorher der Gerichts­vollzieher das Schriftstück ins Haus brachte, das den Untergang besiegelte, da konnte man von keinem Men­schen verlangen, bei klarer Überlegung zu sein. Jetzt war die Hauptsache, daß ihm Tantchen nicht in die Ohren lag. Und wenn sie Jugend u-m sich hatte, harm­los lustig mit der sein konnte, dann wischte ihr fröh­liches rheinisches Blut alle Bedenken aus dem Kopfe. Also für die nächste Zeit ein Alleinsein mit ihr nach Möglichkeit vermieden. Lange würde die Entscheidung keinesfalls auf sich warten lassen, und stand sie erst vor einer vollendeten Tatsache, so liefen ihr ein paar Tränen die Wangen herunter — vor lauter Rührung,

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