1. Beilage jutn Wiesbadener TagblaN.
Do. 157. Morge«-Attsgabe.
Freitag, den 3. April.
51. Jahrgang. 1903.
Jede soziale Setire, die die Familie zu untergrabe» sucht, ist schlecht. Wenn ihr eine Gesellschaft zersetzet, so ist da» letzte Residuum, da» ihr findet, nicht da» Individuum, sondern die Familie. Sie ist der Kristall der Gesellschaft.
Viktor Hugo.
fr fr fr fr fr
fr fr fr
tf?W¥******WWW9W¥¥WWWWW*WW*¥WWW¥*¥¥?*
(19. Fortsetzung.)
Der Maltheser.
Roman von O. v. Kis-Killay.
Meder ein sonniger, warmer Frühlingstag. Käthe ging mit gesenktem Kopf durch die bezeichnte Straße dem verabredeten Lokale zm Eine lähmende Empfindung hatte sich ihrer bemächtigt. Es war ihr, als trügen sie picht ihre eigenen, sondern fremde Füße zum Stelldichein! Sie schämte sich aber nicht, sie fühlte nur, daß eine fremde Knast sie trieb.
Plötzlich wurde sie am Anne gefaßt. Die Majorin Tummler stand vor ihr.
„Brennt's wo, Frau Hauptmann? Sie laufen ja wie mit sechzig Pferdekraft und sehen weder rechts noch links. Wohin denn? Ich habe gerade ein freies Stündchen Zeit, ich will Sie begleiten, wohin gehen Sie?"
»Ich . . . ich . . ." stotterte Käthe, „ich will nur einige Einsätze kaufen ..."
Die Majorin sah sich verwundert um.
„Hier? In dieser Straße gibt es, so viel ich weiß, kein solches Geschäft. Wie kommen Sie darauf, es hier zu suchen?"
„Frau Leutnant Bremer hat mir eins hier empfohlen", entgegnete Käthe angstvoll. „Ich habe neulich sehr hübsche Einsätze bei ihr gesehen, und sehr billige.
»Ja, was die Billigkeit betrifft, das kennt schon die Bremer! Sie muß auch darauf sehen, daß sie mit dem Mertel davon auskommt, was andere aufwcnden können. Da ist Schmalhans Küchenmeister im Hause, und ich will Ihnen sagen warum: er spielt. — Ich will Ihnen erzählen, wie ich es herausgekriegt habe ..."
Es war nichts zu ändern. Käthe mußte sich bequemen, gleichen Schritt mit der redseligen Dame zu holten.
In der Tat war auf dieser Straße kein Weitz- warenladen zu finden. Käthe erklärte, sie habe sich wohl derhört und wolle den Einkauf bis zu einem anderen Male lassen.
„Warum zu einem anderen Male?" bestand die Majorin. „Als ob die Bremer allein praktischen Rat zu geben wüßte! Die Tümmler ist auch nicht auf den Kopf gefallen, — und Sie täten gut, Frau Rauenberg, in ollen Ihren Angelegenheiten, — ich sage allen", sie betonte es scharf, „sich an meinen mütterlichen Rat zu wenden. Nun und für heute will ich Sie in ein Geschäft bringen, wo Sie um zwei Pfennige teurer zu zahlen haben werden, aber dafür halten die Einsätze und gehen nicht bei der ersten Wäsche auseinander. Ich möchte ein- nial die Bremer auskleiden dürfen, um mir ihre Wäsche anzusehen!"
Ein Entrinnen war unmöglich . Ihren Grimm herunterwürgend, ließ sich Käthe weiter führen. Jede
Mnute war so kostbar, und um sechs Uhr /mußte sie wieder zu Hause sein, damit Werner keinen Argwohn schöpfe!
Mechanisch kaufte sie einige Kleinigkeiten in dem Laden, in welchen die Majorin sie brachte, nnd sah mit prickelnder Ungeduld zu, wie diese sich einen Gegenstand nach dein anderen zeigen ließ, ihn prüfte und betrachtete und dann mit den Worten „ein anderes Mal!" wieder zurückstellte.
Endlich waren sie fertig und traten auf die Straße hinaus.
„So erwirbt man praksische Kenntnisse", sagte die Majorin vergnügt. „Wenn ich spazieren gehe, verbinde ich damit immer einen Streifzug durch die Läden. Ich glaube, balo wird mir jedes Geschäft in Berlin bekannt sein. Ich habe noch ein halbes Stündcksen Zeit", sie zog die Uhr hervor, „Henriette ist in der Musikstunde. — sollen wir noch einen kleinen Gang unternehmen?"
„Nein, nein, gnädige Frau", rief Küthe außer sich, „nächstens stehe ich Ihnen gern zu Diensten, dieses Mal habe ich mich aber ohnehin fürchterlich verspätet, — ich muß fort. Auf Wiedersehen, gnädige Frau!"
„Warten Sie, warten Sie!" entgegnete die energische Dame. „Ich begleite Sie bis zur Trambahn, Sie nehmen natürlich keine Droschke! Es wäre ja pure Geldverschwendung."
„Doch, doch", sagte Käthe innerlich bebend, „sonst komme ich nicht rechtzeitig nach Hause. Leben Sie wohl, gnädige Frau."
„Nun, nun, so arge Folgen wird die Verspätung nicht nach sich ziehen", meinte die Majorin, behäbig neben der mühsam ihre Wut niederkämpfenden Käthe einher- schreitend. „Ich kenne meinen guten Herrn Rauenberg noch von der Zeit her, wo er unverheiratet war. Ein so solider, netter Mensch ! Sie können sich glücklich schätzen, Frau Rauenberg! Wenn ich Ihren Mann mit Herrn von Gossar z. B. vergleiche ..."
Käthe rief eine vorbeifahrende Droschke an.
„EntschuldigenSie, gnädige Frau, ich muß aber fort", rief sie, sich hmeinschwingend.
Sie gab dem Kutscher die Adresse ihrer Wohnung an, und die Droschke rollte fort. Nachdem sie eine Strecke gefahren war, ließ sie halten und ssieg aus.
Eiligen Schrittes, aber dennochZvorsichtig um sich spähend, gelangte sie wieder in die Straße, wo sie abgefaßt worden war. Sie hatte anderthalb Stunden verloren! Fast wünschte sie, ihn nicht mehr vorzufinüen. Ihr Atem flog, ihre Wangen brannten vor Ärger und Verdruß. Nichts war von der erwartzrngsvollen und trotz ihrer Bangigkeit so seligen Stimmung mehr da. Sicher war auch er verstimmt, daß er jo lange hatte warten müssen. Es war ein banales, verhaftetes Zu- sammentreffen, in welchem sie beide den rechten Ton nicht finden würden. Sie hatte sogar die Worte vergessen, die fte- zu ihm hatte sprechen wollen. Am liebsten hätte sie aeweint, laut auf der Straße geschluchzt.
Da war sie schon am Ziele. In dem länglichen, tiefen Vorderraum, dem. Büffettzimmer, herrschie trotz des Tageslichtes eine halbe Dämmerung. Die Verkaufs- mamsell saß hinter dem Ladentische und gäbnte.
Bei Käthens Eintritt erhob sich eine Gestalt, welche hinter einem großen Zeitungsblatte verborgen gesessen
hatte, und kam auf sie zu. Mit festem Drucke umfaßte er ihre Hand.
„Also, Fräulein", wandte er sich an die Laden mamsell, „Sie schicken uns sofort den Kaffee hinauf."
Mit einem neuen Umschwung der Gefühle folgte ihm Käthe beklommen und zaghaft durch das anstoßend« größere Zimmer, in welchem mehrere unbesetzte Tische standeii und ein alter Herr friedlich am Fenster bei einer Tasse Kaffee seine Zeitung las. Dann eine Wendeltreppe hinauf, in ein anderes Zimmer, das mit einigen Ansprüchen an Eleganz ausgestattet war.
Mit einem Blick überflog Käthe die ganze Einrichtung, die trotz ihrer Banalität sich unauslöschlich in ihrem Gedächtnis eingraben sollte. Ein rotes Plüschsofa mit. eben solchen Fauteuils, darüber ein Spiegel, auf dem Tische eine bunte Decke und auf dem. Kamingesimse eine bronzen« Stehuhr mit einem dicken, auf einer Tonne reitenden Bacchus. Das Zimmer hatte nur ein Fensier nach dem Hofe; ttotz des gedämpften Tageslichtes aber gewahrte Käthe, daß Gossar bleich war und sein Gesicht einen leidenden Ausdruck trug.
„Wollen Sie nicht ablegen?" fragte er. Seine Sttmme klang verschleiert.
„Ach nein, ich werde wohl keine Zeit haben, — ich bin so lange aufgehalten worden", stammelte Käthe. „Es war die Frau Majorin ..."
„Vielleicht doch", entgegnete er mtt melancholischem Lächeln. „Da wir einmal hier sind, wollen wir doch eins Tasse Kaffee miteinander trinken, nicht wahr?"
Sein freundlicher Ton, der bloße Klang seiner Stimme, die Art, wie die Worte gesprochen wurden, gaben Käthe die Fassung wieder. Es war die große Ruhe, die Kraft, welche von ihm ausging . . .
Sie blickte ihn dankbar an und ließ sich von ihm beim Ablegen von Hut und Jackett helfen.
„Also die Frau Majorin ist es, die ihrer Eigenschaft als Störenfried treu geblieben ist!" begann er, nachdem sie sich niedergelassen hatten, sie auf das Sofa, er auf dem Fauteuil neben ihr.
„Ja, denken Sie sich", antwortete Käthe munter wer- dend, „meine Geduld war aus eine harte Probe gestellt« Ich dachte auchj ich würde Sie nicht mehr antteffen."
Ein ttefer Blick Gossars antwortete ihr.
„Ich hätte auf meinem Posten bis Mitternacht aus. geharrt", sagte er dann ruhig.
„Ich fürchte, mein Schritt wird Ihnen recht abenteuerlich vorgekommen sein", fuhr Küche fort. „Vielleicht bin ich dadurch in Ihrer guten Meinung gesunken . . ."
Gossar hob warnend die Hand. Die Schritte der Kellnerin hatten sich vernehmen lassen. Sie trat ein und stellte ein Tablett mit Kaffee und Kuchen auf den Tisch.
„Wir werden Sie rufen, wenn wir Ihrer bedürfen. Fräulein", sagte Gossar, nachdem sie die Tassen geordnet hatte, und sich zum Gehen wandte.
Die Tür schloß sich hinter ihr wieder zu.
„Denken Sie wirklich so gering von mir?" fragt« Gossar in warmem Tone. „Dann wäre ich des großen Vertrauens, das Sie mir erweisen, ganz unwert .... Ich weiß, an wen ich glaube. Ich grübele nicht über das ' Warum, — Sie hatten mich nöttg. Sie riefen mich, und da bin ich."
(Fortsetzung folgt.)
F>. JP.
Unserer sehr geehrten Kundschaft, Freunden und Gönnern zur Nachricht, dass wir am 1 . April er. unsere "Wohnung und "Werkstätte von Nerostrasse 18 nach
12 Saalgasse 12
verlegt haben.
Um allen Wünschen gerecht werden zu können, haben wir unserem
Schuh - Maass - Geschäft
ein ln Jeder Welse gut asaortlrtea
Lager fertiger Schuhwaaren
feinster Ausführung angetügt, welches wir hiermit bestens empfehlen. Wir sehen gilt. Abnahme gerne entgegen und zeichnen
Hochachtend
JE 3 . Dornauf & Sohn,
Schuhgeschäft, Saalgasse 18 .
Achtung!!
schwere Capaunen. . . .' . . 8.
„ Poularden.8.—
„ Hähne.1.80
Fricasieehühncr.... 2.—
Offerire prima frische? Wild und Geflügel:
Frische» Rennlhier . . Frischer Hirschbraten .
Dammbirsch . Frische Haselhübner
Telefon 2871. Emil Petri, 28 Nero strotze 28. Telefon 2871.
Pfd. 1.- » 1 - .. 1 - St. 1.50
I Gustav Sei
Tot. 151.
39 Te
I Möbel ui
WDMWWDMDMW2
Schupp Nachfolger,
39 Taunusstrasse 39.
Möbel und Decorationen.
Wegrilndet IW?I.
Neu eingetroffene
Schuhwaaren für die jetzige Jahreszeit.
Damen Lasting-Morgcnschuhe, Fleck.I« 1 ®
Bessere Lasting-Morgcnschuhe mit Absatz.I« 95
Damen Mchslcder-Spangenschuhe.3*°°
Kinder ächte Ziegenlcdcr-Stiefel.l* 05
Kinder beste Kalblcdcr-Stiefel.2» ^
Kinder hochelegante Cbevreaux-Knopf- und Schnürstiefel für . . 3fr B °
Große Gelegenheit in feinen Herren-Stiefeln.
Hochelegante ächte Chevreaux-Hakcnstiefel, modernste Hcrrenforni, A 75 Ausnahmepreis . . .**♦
Bitte unsere neuesten Formen für ältere Herren in unserem mittleren Schaufenster zu beachten.
Fett & Co.'s Schuhwimrruhans 33 Snipfje 33, IffttAtt 33 SmiWsse 33,
Ecke Goldgaffe. Goldgaffe.
