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51. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe». — Lezngs-PreiS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post » Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
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SmsonKeginn in Makedonien.
Mt derselben Regelmäßigkeit wie in dem bekannten Sckiillerschen Gedicht das Mädchen aus der Fremde imt jedem jungen Jahr in einem Tal bei armen Hirten er- cheint, bricht in Makedonien, diesem europäischen Hexen- Ml, in jedem jungen Jahr jene bekannte Aufstands- bewegung aus. welche den Politikern wre der Presse reich- sichen Beschäftigungsstoff in Form der macedomschen firaae" bietet. Der Beginn dieser „Saison, fallt rn Macedonien regelmäßig und aus Gründen, die ut der Natur der Sache liegen, mit dem Frichlmg zusamnlen. Wenn die wärmende Sonne auf den Bergen und m den Tälern des noch arg romantischen Balkans die letzten Spuren des ungastlichen Winters vertilgt, dann ubt m der Brust der buntgemischten macedonisa-en Votter- stämme der Mut seine Spannkraft, und sie benutzen die größere Bewegungsfähigkeit, welche ihnen die wärmere Jahreszeit gewährt, zur Eröffnung der macedomschen Saison des Plünderns und Hälseabschneidens. .
In diesem Jahre hat die Saison m Macedonien früher als sonst begonnen, denn emmal hat sich der Frühling, das heißt der wirkliche, nicht nur der KaleMer- frühling, früher als sonst eingestellt, und andererseits hat die Gärung in Macedonien diesmal den ganzen Winter hindurch nicht völlig aufgehort. >stt doch die macedonische Bewegung so stark geworden, daß die Mächte sich gezwungen gesehen haben, bei der Pforte ernstlich auf die Durchführung der rm Artikel 23 des Berliner Vertrages vorgesehenen Reformen zu dringen, und die Pforte sich veranlaßt sah, diese Reformen Nicht nur zu versprechen, sondern sogar einen bescheidenen Anlang damit zu machen. _ ,
Inwieweit es der Pforte Ernst mit der Durchführung des Reformprogramms ist, wird erst die Zu- kunft lehren können. Daß aber die Durchführung dieser Reformen bei einem großen Teil der Bevölkerung Mace- I domens auf Widerstand stößt, kann weiter nicht Wunder ! nehmen, denn insbesondere die bulgarischen und albcmesi- Aschen Elemente wollen keine Reform, londern ll)r Pro- stramm lautet: Los von der Türkei! Dazu komntt, daß ein Teil der Stämme die Besorgnis hegt, nnt der ^urch- führung bn Reformen könnten demnächst dw schonen Tage in Macedonien zu Ende sein, wo das Plündern Wb Viehstehlen noch ein Handwerk war, das goldenen
Boden hatte. . „ ... ..
Die ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen die Türkei lei dem Versuch, geordnetere Zustände zu schaffen, rn Macedonien zu rechnen hat, beruhen m erster auf dem bunten Bevölkerungsgemisch des Landes. Dre Ge- samtbevölkerung wird auf über 2% Millionen geschätzt, don denen nah ezu die Hälfte Bulgaren find, wahrend^an
Der Preis ist Magdeburg!
Roman von Max Dorniug.
(15. Fortsetzung.)
Wieder schüttelte der Vicomte den, Kopf.
„Sie kennen den Kaiser nicht, mein Fraulmn! selbst wenn Ihre Voraussetzung zuträfe und er dem König Wröme einm Wink zukomemn lassen konnte, was \a freilich wohl möglich wäre — so wird er es doch Niemals tun! Er selbst ist es gewesen, der die schärfsten Gesetze und Bestimmungen gegen alle die erlassen hat, , die sich irgendwie gegen die Ordnung, und die Sicherheit seiner Staaten vergehen! Und darin ist er unerbrttlrch. ©t Muß es sein— er kann gar nicht anders,, wenn er Nicht den Bestand seiner gesamten Schöpfungen m Frage stellen will!" . „ . ..,
„O welch ein trauriges Muß, keine Gnade ubeii zu dürfen !"
„Ja, es ist ein trauriges Muß! Aber es ist eine politische Notwendigkeit! Es gärt allerorten gegen uns, in Spanien, in Tirol, in Italien brechen Aufstande los - wir müssen unnachsichtlich streng sein, wenn wir unsere eigene Existenz nicht aufs Spiel setzen wollen, ^ede Nach- stiebiqkeit jedes Schwanken in diesem Prinzip wäre eine Schwäche, die der erste Schritt zu unserem Untergang sein müßte! Und ich, mein Fräulein — ich konnte es nicht über mich bringen, dem Kaiser zu sagen, er möge Milde walten lassen, wo nach meiner Überzeugung rede Milde schädlich sein würde!"
„Auch keinen Versuch dazu wurden Sre wagend
Der Vicomte erhob sich. . .. .
„Keinen Versuch?" sprach er. „O. mein Fraulem, Sie greifen mir ans Herz mit Jhern Worten, und der Ton Ihrer Stimme dringt wie ein Schwert durch meine Seele! Wenn Sie wüßten, wenn gerade Sie ahnten,, wie unsagbar schwer es mir wird, Ihnen so antworten, Ihre Hoffnimgen zerstören, Ihre Wünsche vernemen zu Müssen! Es ist mein einziger Stolz gewesen, treu meinem
zweiter Stelle die Türken nebst den Pomaken und dann die Albanesen, Serben, Rumänen und Griechen konmien. Die beiden Hauptwetterwinkel Macedoniens sind der tvest- liche Grenzstreifen an der Drina bis Prizrend, der von den Albanesen bewohnt ist und in dem das zur Zeit im Vordergrund der Ereignisse stehende Mitrowitza liegt, und der Osten und das Zentrum Macedoniens, wo die mit rumänischen Zinzaren (Zigeunern) vermischte bulgarische Bevölkerung sitzt. Im Norden sitzen die mit Arnauten durchsetzten Serben, im Vilajet Monastir und im Bereiche des Pindus die Rumänen, ml den Küstenstädten die Griechen nebst den Juden, während die Türken nebst den Pomaken sich über weite Gebiete verteilen.
In diesem Völkergemisch sind die gefährlichsten Eie- mente die Albanesen und die Bulgaren. Die ersteren streben die Begründung eines selbständigen albanesischeii Gemeinwesens, die zweiten den Anschluß an Bulgarien an, welches diese Bestrebungen zu alleii Zeiten unterstützt hat Die Unruhen in Albanien haben bereits zu regelrechten Schlachten bet Mitrowitza geführt, fo daß die Türkei sich zu einem starken Heeresaufgebot veranlaßt gesehen hat. Nicht minder bedrohlich aber ist die Lage unter deii Bulgaren Macedoniens, bei denen die jahrelange Agitation des von Sofia aus unterstützten mace- donischen Revolutionscomitäs ihre Früchte zu tragen be-
^ Wer wie alarmierend auch die Nachrichten aus Macedonien klingen, so ist doch kein Grund zu der Besorgnis vorhanden, daß diese Vorgänge dem Frieden Europas gefährlich werden können. Eine gewisse Garantie hierfür bietet die erfreuliche Tatsache, daß zwischen Österreich-Ungarn und Rußland eine volle Einigung über die Behandlung der macedomschen Frage erzielt worden ist und daß auch die meisten anderen, an dieser Frage nicht direkt interessierten Mächte auf dem Boden des österreichisch-russischen Programms stehen. Dieser Regel gegenüber will die eine Ausnahme, Frankreich, inchts besagen, denn die russische Kundgebung gegen dm hinterhältige französische Orientpolitik zeigt, daß mangn Rußland entschlossen ist, etwaige französische Winkelzuge ebenso wenig zu dulden, wie das Petersburger Kabinett die bulgarischen Winkelzüge geduldet hat
Die Türket kann bei ihren militärischen Maßnahmen gegen die Aufstandsbewegung in Macedonien mindestens auf die moralische Unterstützung der Mächte rechnen, wie dies der nach Bulgarien entsandte kalte Wasserfttahl Rußlands gezeigt hat. Freilich wird es nach der Nieder- Wertung des Aufstandes nicht minder Sache der Machte sein, auf die loyale Durchführung der der Pforte auf-
erlegten Reformen in Macedonien zu dringen.
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hatte, diesen zu unterstützen und sich der Insurrektion anzuschließen, tötete auch den Mühlknecht und schlachtete auch die schwangere Gattin des Müllers barbarisch ab. In der ganzen Gegend herrscht unter der Bevölkerung Panik und Furcht vor der Bande. — In dem Bezirk Totowo plünderten die Albanesen mehrere serbische Dörfer und steckten zwei serbische Kirchen in Brand.
M Wien, 2. April. Ein Telegramm des russischen Konsuls in Ueskueb bestätigt, daß der russische Konsul in Mitrovitza verwundet wurde, und zwar als er in Begleitung seiner Kawaffen das Haus verließ. Ein Soldat albanesischer Herkunft namens Ibrahim trat ihm entgegen, anscheinend, um ihn zu grüßen. Der Soldat richtete sein Gewehr auf den Konsul und verwundete ihn an der linken Seite. Nachdem er noch auf die Kawassen geschossen hatte, wurde der Soldat von der Begleitmannschaft des Konsuls entwaffnet. Ibrahim behauptet, deshalb geschossen zu haben, um sich für die am Samstag erfolgte Verwundung eines seiner Verwandten zu rächen. Der Militär-Kommandant von Mitrovitza eilte sofort in Begleitung eines Arztes herbei und brachte den Konsul nach dem Konsulat. Der General-Inspektor Hilmi-Pascha sprach unverzüglich telegraphisch sein Beileid aus. Nach Ansicht der Arzte befindet sich der Konsul außer Gefahr.
tick. Konstantinopel, 2. April. Der Ministerrat beschloß die schärssten Maßregeln gegen die Albanesen und den energischen Divisions-General Schemsi-Pascha nnt der Ausführung derselben zu betrauen.
Kaiser zu dienen, meine Pflicht zu tun und meiner Über zeugung zu folgen! Und nun sollte ich all diesem un treu werden? Und nun wollen Sre mich m diesem Gefühle schwankend machen, wollen mrr, dem gluck- und friedlosen Manne das letzte Glück nehmen, das er noch besaß: die Gewißheit, unwandelbar seiner Aberzeugung
3 Gertrud sah regungslos vor sich nieder, und ihre Stimme hatte eine eigentümliche Klangfarbe, als sre setzt
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„Und wenn ich nun gekommen wäre, Herr Vicomte, nicht, um Ihnen das Glück zu nehmen, sondern um^hnen ein Glück zu bringen, das Sie,wie ich weiß, ernst begehrt
haben?" .. „
„Sie — mir — ein Glück?"
Hastig, fast atemlos stieß er drese Worte hervor.
Da hob sie ihr Auge zu ihm auf, ruhrg und sicher war der Blick und ruhig war wieder ihre Stimme:
„Könnte ich es nicht, Herr Vicomte?"
Wie vom Blitz getroffen blreb er stehen. Ernen Augenblick schien es, als wolle er rhr zu Fußen stürzen. Aber er hielt sich zurück . .. . ^
„Ob Sie es könnten, mern Frmrlern? sagte er. „O, Sie werden es längst gemerkt haben — die Frauen sind scharfsichtig in solchen Dingen —, daß nur Sie. Sre allem nach glücklich machen könnten! Air Ihrer Seite wurde ick, die Ruhe finden, nach der ich mrch sehne und nach der ick> doch immer vergeblich jage!"
Da vermochte Gertrud mcht mehr an sich zu halten. Die innere Erregung brach nach außen.
Im nächsten Augenblick lag sie vor dem Vicomte auf ihreir Knieeu, umklammerte ihn und rief in leidenschaft-
^^ch°will, ich will Ihren Wunsch erfüllen! Retten Sie ihn, und ich will Ihnen ein treues Weib sein!"
Erschüttert in tiefster Seele von diesem Ausbruch elementarer Leidenschaft, zog der Vicomte die Knieende sanft empor. Aber auch in ihm gärte und tobte cs; cr fühlte, daß cr die Herrschaft über sich selbst verliere
MmWes ms Dem AtzmdmIeihMse
(Nach dem stenographischen Bericht-!
Abgeordneter Dr. Müller: Meine Herren, ich befinde mich nicht „in der angenehmen Lage", der Königlichen Staatsregrerung irgend welche Dankbarkeit bezeigen zu können. Ich muß vielmehr eine Bitte wr^er- holen. welche ich schon in der vorigen Session zum Vortrag gebracht habe. Ich habe damals des näheren dargelegt, wie dringend notwendig es ser, eine Bahnstrecke zu bauen von Id st ein nach Hahn-Wehen, erne Verbindungsbahn zwischen den beiden Strecken, welche von Norden nach Süden das Taunusgebret durchschnerden. Ich will heute nicht alle die vielen Gründe wiederholen, die ich damals für dieses Projekt geltend gemacht habe; ich will nur daran erinnern, daß hier noch ein fruchtbares Gebiet für die Betätigung des Herrn Eisenbahnministers vorhanden ist. Ich möchte dann aber heute auch weiter noch darauf Hinweisen, daß die naffaursche Bevölkerung, welche sich für den Bau der Strecke Jdstein- Hahn-Wehen interessiert, ein mindestens ebenso dringendes Bedürfnis empfindet bezüglich des Ausbaues der Bahnstrecke Jdstein-Usingen-Butzbach. Dieses Bahnprojekt ist ja, wie ich höre, schon im einzelnen von dem hessischen Landtagsabgeordneten Herrn Joutz bearbeitet und mit detaillierten Plänen rc. dem Herrn Minister unterbreitet worden. Ich habe diese Pläne und Berechnungen noch nicht zu sehen kriegen können; mir ist aber
„Retten Sie ihn, Herr Vicomte!" rief Gertrud nochmals, und eine Welt voll Weh und Schmerz lag in diesem Ton, „retten Sie ihn, den Gefährten meiner Jugend, den einzigen Sohn eines alternden Vaters, und ich will Ihnen ein treues Weib sein!"
Leise, ganz leise zog er die Zitternde an sich.
„Bei Gott, Mädchen", murmelte er, „Du machst mich weich!"
„O das will ich! Deshalb kam ich her! Sre sind der Einzige, Vicomte, der helfen kann! Sie können es, wenn Sie wollen! Ist es denn nicht ein hoher Preis, der Ihnen geboten wird?"
„Ja, es ist der höchste, der edelste! Mer kann, darf ich ihn annehmen? Darf ich das?"
„Sie dürfen es, denn mein Wort darauf: was ich tt:e, tue ich aus eigenstem Entschluß! Niemand weiß bis jetzt darum!"
„Sie ttauen mir viel zu, Gertrud! Wer wenn Sie mir nun zu viel zutrauten, wenn meine Kräfte doch zu schwach wären-"
„Sie sind es nicht! Wer will, der kann! O, zaudern, zögern Sie nicht! Jede Stunde Verzug bringt uns einem offenen Grabe näher! In Ihrer Hand liegt es, Glück und Sonnenschein für uns Alle zu schaffen!"
In tiefe Gedanken verloren, schritt der Vicomte im Zimmer auf und nieder. Eine große Pause entstand; keines von Beiden sprach ein Wort. Atemlose Stille herrschte im Zimmer. Vom nahen Wall her hörte man deutlich den Schritt des dort befindlichen Wachtpostens, und es wollte Gertrud scheinen, als höre sie in diesem schweren, wuchtigen Schritte ihr eigenes Schicksal heran-
schrettm. dn: Vicomte dicht vor ihr stehen.
„In meiner Familie", sagte er, noch immer tief sinnend, „ist von alten Zeiten her etwas Geheimnisvolles heimisch etwas, das Ähnlichkeit hat mit dem, was maii > das zweite Gesicht nennt. Auch mir scheint diese Gabe
