si. Jahrgang.
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äfür die Abend-Ausgabe bis
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155. Verlags-Ferufprecher No. LS5S.
Morgen^Ausgabe
Zur Mahlbewegung.
Der Termin für die Neuwahlen zum Deutschen Reichstag ist auf den 16. Juni festgesetzt worden, und die Wahlbewegung ist allerorten in vollem Gange. Unter diesen Umständen ist ein Rückblick auf das Resultat der letzten Reichstagswahlen, die 1868 stattfanden, von Interesse, weshalb wir unseren Lesern beistehend eine Karte geben, welche die Parteiangehörigkeit der Abgeordneten jedes der 367 deutschen Wahlkreise deutlich erkennen läßt und eine Darstellung der Parteistärken nach dem Resultat von 1868 im Vergleich zu dem von 1883 enthalt.
Unsere Karte stellt die Einteilung des Deutschen Reiches in die einzelnen Reichstagswahlkrcise dar. Dre eingeschriebenen Zahlen bezeichnen die einzelnen Wahlkreise nach Maßgabe der amtlichen Reihenfolge der Staaten und Provinzen von 1 bis 387, und vermittelst dieser Bezeichnung sind die einzelnen Kreise der Provinzen bezw. Regierungsbezirke an der Hand der folgenden summarischen Übersicht in der Karte leicht aufzufinden.
Königreich Preußen, Reg.-Bez. Königsberg, umfaßt die Ziffern 1—10; in diesen Wahlkreisen sind 6 K., 2 Z.,
1 S. und 1 Wi. gewählt.
Zahl 11—17, Reg.-Bez. Gumbinnen, ist vertreten durch 6 K. und 1 Fr. ^ _
18-22, Reg.-Bez. Danzig, ist vertreten. durch 1 K.,
1 D.-R., 2 P. und 1 L.
23—30, Reg.-Bez. Marieuwerder, rst vertreten durch
2 K., 8 D.-N., 1 P. und 2 N. '
31—36, Stadt Berlin, ist vertreten durch 3 Fr. und 3 S. ' ^
37—46, Reg.-Bez. Potsdam, ist vertreten durch 6 K.,
2 R. und 2 S. t ,
47—56, Reg.-Bez. Frankfurt a. £>., ist vertreten durch
3 K., 1 R., 1 Wilden (N.-L.'?), 1 N.-L., 1 A., 1 Fr. Unö 2 S.
67— 63, Reg.-Bez. Stettin, weist ans 5 K. und 2 N.-L. 64—68, Reg.-Bez. Köslin, hat 4 K. und 1 N.-L.
68— 70, Reg.-Bez. Stralsund, ist durch 2 K. vertreten. 71—80, Neg.-Bez. Posen, weist 1 N., 1 Z. und
8 P. auf.
81—85, Reg.-Bez. Bromberg, hat 1 R., 1 N.-L. und 3 P.
86—68, Reg.-Bez. Breslau, zählt 6 K., 1 R., 3 Z. und 3 S.
86—110, Reg.-Bez. Oppeln, ist durch 1 K. und 11 Z. vertreten. „ „ n
111—120, Neg.-Bez. Liegnitz, weist auf 1 R., 1 L. and 8 Fr. Vo. „
121—128, Neg.-Bez. Magdeburg, hat 2 K., 3 L., 1 Wr. and 2 S. gewählt. t ,
128—186, Reg.-Bez. Merseburg, ist vertreten durch 3 R., 1 L., 2 Fr. und 2 S.
137—140, Reg.-Bez. Erfurt, weist je einen K., Z., L. und S. auf. , „ m
141—150, Provinz Schleswig-Holstein, ist durch 2 N., i N.-L., 1 L., 1 Fr., 2 S., 1 A. und 1 Dänen vertreten.
151—168, Provinz Hannover, entsendet in den Reichstag 2 K., 6 N.-L., 2 Z., 8 W. und 1 S.
170—173, Reg.-Bez. Münster, 4 Z.
174—178, Reg.-Bez. Minden, 1 K., 1 N. und 3 Z.
Verlag: Langgasse 27.
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Für die Aufnahme später cingereichtcr Anzeigen zur Rebaktions-FernsprcLcr No. 52. 1903.
178—186,
Reg
-Bez.
Arnsberg,
3
N.
2
Z..
2 F.
und 1 Wi.
-L,
1 Fr.
187—132,
Reg.
-Bez.
Wiesbaden,
1
N.
3
Z-,
und 1 S.
S.,
i 3.
183—200,
Reg
-Bez.
Kassel, 1 R.,
1
N.,
1
und 4 A.
201—206,
Reg.
-Bez.
Köln, 6 Z.
„Q
1 F-,
207—218,
Reg
-Bez.
Düsseldorf,
1
N
8
Z.,
1 Wi. und 1
S.
216—224,
Reg
-Bez.
Koblenz, 2
N
.-L
UNd
4 Z
273—278, Unterfranken, 6 Z.
278—284, Schwaben und Neuburg, 6 Z.
285—307, Königreich Sachsen, 5 K., 4 N.-L., 3 A. und 11 S. „ _
308—324, Königreich Württemberg, 3 K., 2 N.-L., 4 Z., 1 S. und 7 Südd. Voltsp.
325—338, Baden, 1 K., 3 N.-L., 7 Z. und 3 S. 333—347, Hessen, 3 N.-L., 2 A., 1 Fr. Vo. und 3 Z. 848—353, Mecklenburg-Schwerin, 3 K., 1 N., 1 S. und 1 L.
225—230, Reg.-Bez. Trier, 1' V., 1 N.-L. und 4 Z. 321—285, Reg.-Bez. Aachen, 5 Z.
286, Hohenzvllcrn, 1 Z.
Königreich Bayern: Nr. 237—244, Oberbayern, 6 Z.,
1 N. und IS. , t
245—250, Niederbayern, 3 Z. und 3 Bauernbund. 251—256, Pfalz, 1 K., 4 N.-L. und 1 S.
257—261, Obcrpfalz und Negensburg, 5 Z. 262—266, Oberfranken, 2 N.-L., 3 Z.
267—272, Mittelfranken, 1 K., 1 Z., 1 Südd. Volksp.,
2 S. und 1 Bauernbund.
354—356, Sachsen-Weimar, 1 N.-L., 1 Fr. Vo., 1 S. 357, Mecklenburg-Strelitz, 1 R.
358—860, Oldenburg, 1 Z. und 2 Fr. Vo 361—363, Braunschweig, 1 N.-L. und 2 S.
864—877, Thüringische Staaten, 2 N.-L., 1 A., 6 Fr. Vo., 5 S. und 2 Wi.
378, Lübeck, 1 S.
378, Bremen, 1 L.
380—882, Hamburg, 3 S.
382—337, Elsaß-Lothringen, 1 K., 1 D.-R-, 1 N.-L., 8 E., 1 Z., 1 S. und 2 Wi.
Feuilleton.
Prigs.
London, im März 1603.
Im britischen Charakter muß cs begründet liegen, lß trotz der Liberalität seiner politischen Einruhtungen, e ganz dazu angetan sind, Freiheit und Gleichheit zu iaffen. von letzterer in allen von Engländern bewohnten waten so wenig zu spüren ist. In Großbritannien lbst, in Amerika, in Australien, überall, wo dre Nach- ,mmen der Angelsachsen das herrschende Volk bilden, t die Ehrfurcht vor den „betters" eine ausgeprägtere, Is man sie sonst wo findet, und wird mit einer Art von ierachtung aus alle niedriger Stehenden herabgeschaut, iin Lord gilt nicht nur für den Bewohner Englands übst als ein höheres Wesen, in Australien, in den Ver- inigtcn Staaten wird ihm dieselbe demutrge Bewunde- una aczollt. Mit einem solchen bekannt sein, rst. für iele sonst ganz vernünftige, und was politische Dinge etrifst, durchaus liberal denkende Personen ein gerade- u erhebendes Bewußtsein, und sie ermangeln auch nicht, ieser beglückenden Tatsache die weiteste Verbreitung zu
^Nun werden natürlich aus den Mittelklassen nur die allerwenigsten dieser Vergünstigung zu teil, aber wenn s auch nicht gelingt, ernen Lord oder dessen Gemahlin - denn die Frauen erweisen sich in dieser Hinsicht natur- ich als besonders ehrgeizig — persönlich zu kennen, so ucht man doch möglichst über ihr Tun und Lassen unter- richtet zu sein und selbst sich in jeder Beziehung so zu ietragen, daß man ja nicht dagegen verstößt, was als T entlcnicinly oder ludylike gilt. Die Erziehung der
Kinder trägt vor allem diesem wichtigen Punkte Rechnung. Wie lobenswert es auch im allgemeinen erscheint, auf gute Manieren Gewicht zu legen, so gibt es doch auch darin ein Zuviel, und dies ist besonders bei den Engländern häufig bemerkbar, die die Moden und Vorschriften des Tages für ewige Wahrheiten nehmen, sie sich zum obersten Gesetz machen und alle, die ihnen nicht folgen, als inferiore Wesen betrachten.
Schon Thackeray hat in seinem Buche von den „Knvbs" sich über die in England herrschende Anbetung der Vornehmen einerseits und der Mißachtung Niedriggestellter andererseits lustig gemacht, und wie jüngst an dieser Stelle ausgeführt wurde, gedeiht diese Spezies hier in allen Schichten der Gesellschaft. Eine Abart derselben, für die die elastische englische Sprache auch bereits eine Bezeichnung gefunden hat, rekrutiert sich aber zumeist aus den Mittelklassen, und zwar ist es vor allem die schönere Hälfte derselben, auf welche das ausdrucksvolle Wort „Prifi" häufig mit großer Berechtigung Anwendung finden kann. Ein Prig unterscheidet sich vom Snob dadurch, daß letzterer sich möglichst an vornehme Personen heranzudrüngcn sucht, während der Prig schon entzückt ist, überhaupt nur von ihnen zu lesen, zu hören und vor allem sprechen zu können. Was für ein Interesse cs eigentlich für Miß Brown oder Miß Jones haben kann, ob diese oder jene Prinzeß sich da oder dort aushält, ob irgend eine Herzogin in irgend einem Winkel Englands eine neue Orgel cingeweiht oder ein „edler" Lord bei einem Essen ein paar Worte gemurmelt hat, ist nicht zu verstehen. Man könnte es begreifen, wenn irgend eine weitere Mitteilung diese wunderbare Tatsache illustrierte, doch so viel verlangen Miß Brown und Miß Jones garnicht. Ihren loyalen Herzen, die es für eine Pflicht halten, einen von Gott auf ein- höhere
Sprosse der sozialen Leiter Gestellten zu bewundern, ge
nügt es vollkommen, zu wissen, daß der Prinz Soundso zu dieser Stunde eingetrvffen, zu jener abgereist ist, daß er hier geluncht, dort diniert hat. Das amüsiert sie nun einmal. Die Hoffnung, sich diesen illustrer, Persönlichkeiten je nahen zu dürfen, hegen sie nicht, sie wollen dies auch garnicht glauben machen, aber sie kommen sich doch als eivilisierte Wesen vor, daß sie die Erziehung besitzen, sich für derartige Dinge zn interessieren, und ihr höchster Triumph ist es, darüber besser unterrichtet zu sein als die liebe gleichgesinnte Freundin.
Doch gibt cs natürlich nicht nur Gesellschafts-Prigs, ob diese gleich die Mehrzahl bilden, sondern solche verschiedenster Genres. Da ist z. B. der Frömmigkeits- Prig, der am lautesten in der Kirche mitsingt, am Feiertage dieselbe mit Blumen schmückt, den Geistlichen urit Ratschlägen und Kritiken quält, der weniger „kirchlich" ist als er. Seine Gebetmühle befindet sich stets in bestem Zustande, aber ob je ein wirkliches Gebet aus seinem Herzen anfgestiegen, ist mehr als fraglich.
Eine dritte, sehr viel vorkommende Spezies ist der literarische oder künstlerische Prig. Dieser Typus ist besonders bei wohlhabenden alten Jungfern, deren cs hier eine große Zahl gibt, zu finden. Dieselben haben gewöhnlich größere Reisen gemacht, viel gesehen, aber wenig verstanden und geben dies entweder durch eine souveräne Verachtung oder eine enthusiastische Bewunderung alles Erblickten zn erkennen. Urteil und Empfindungsfähigkeit ist bei beiden Arten gleich groß, d. h. so gut wie garnicht vorhanden. Wohnen sie einer Musik- aufftthruug bei, so hören sie nicht dem Gesänge oder dem Orchester zu, sondern verfolgen das Vorgeführte, die Partition aus den Knicen. Ob sie dieselbe genügend verstehen, bleibe dahingestellt, aber selbst wenn sie absolut
