Mage MM Wiestiüüener TagblM.
Po. 153. Morgen-Attsgabe.
9 A6&4! *£&&4***&&*****±*&* &**&&*** * **** » Ij ' ^ A
So manches zerstörte Frauenglück Zieht später aus« Wohltun sich zurück.
O Kälte sic damit angefangen,
Vielleicht wär' ihr Glück nicht in Trümmer gegangen!
Kory Towska.
1?f¥V*************¥WWWWWWWWW¥WWWT*¥¥?*
<18. Fortsetzung.)
Der Mallhefer.
Roman von O. v. Kis-Killay.
Sie trat zu ihm heran, und indem sie ihm das Buch überreichte, entschlüpften ihr wider Willen die Worte:
„Und Sie haben mir nichts mehr zu geben, Herr von Gossar?"
Er blickte auf.
„Nichts mehr, gnädige Frau."
Er hatte den versteckten Sinn ihrer Worte verstanden Md ihr die Antwort gegeben. Nichts mehr! Ter Ton seiner Stimme, seine Worte klangen traurig, aber unwiderruflich fest und ernst.
So war denn alles, alles aus! Alles, was sie aufrecht erhalten hatte, ihrem Leben die Weihe, einen neuen Inhalt verliehen . . . Warum hatte er sie aus dem gleichgültigen Schlummer ihrer Seele geweckt? War es nur, um seine Macht an ihr zu erproben, um die Saat seiner Gedanken in einer Fremden aufkeimen zu sehen? Melleicht war er wie der Künstler, der sich gleichgültig von dem Instrument wieder abwendet, welchem er die in seinem Innern wogenden Töne entlockt hat? Sie war vielleicht nur ein Instrument . . .
Nein, nein, sie war ihm mehr als das . . . Sie hatte es in seinenAugen gelesen, es sagte ihr eine innereStimme, die auch jetzt nicht ganz zum Schweigen zu bringen war ....
Was war es denn aber, das sich zwischen sie gedrängt hatte? Dora hatte einmal lachend geäußert: „Karolus muß verliebt sein, — er ist so verändert, so in sich gekehrt." Es hatte ihr damals einen Sttch ms Herz gegeben. nun kehrten diese Worte mit Flammenschrift in ihr Gedächtnis zurück. Wenn es wirklich dse Lösung des Geheimnisses war? — Ob er eine andere liebte? Das Recht hatte er dazu. —- ihr war er nichts schuldig. Er hatte ihr alles gegeben, was er ihr geben durfte. Sie konnte nichts anderes beanspruchen . . .
Und doch — sie raffte sich aus ihrer liegenden Stellung empor. Hatte er nicht gesagt, daß man durch ernsüiches Wollen alles erreichen könne? Und sie wollte! Uhr ganzes Sein war in dem einen heißen Wunsch konzentriert, — sie verlangte nichts Unrechtes, sie ver- langte nur nach dem, was sie einst besessen hatte. Sie verlangte nach dem warmen menschlichen Interesse, nach der starken Hand, die sie aus der armseligen Wirklichkeit hinaus in eine ideale Welt des Geistes getragen hatte. Sie liebte ihn, aber es war eine reine, geistige Liebe, von den Schranken der irdischen Leidenschaft befreit. Mochte er immerhin eine andere . . .
Ein Schauer überflog ihren Körper. Nein, nur das nicht! Er hatte ja ihr selbst einmal gesagt, er werde nie heiraten. Und es war besser so, der Maltheser durfte keinem Weibe angehören . . . Wenn er aber nun doch
Donnerstag, den 2. April.
anderen Sinnes geworden war? Ter Gedanke war ihr unerträglich. Sie wollte um jeden Preis die Wahrheit erfahren. Gerade heraus wollte sie ihn fragen, was er gegen sie habe, alle falsche Scham und Empfindlichkeit beiseite lassen, und er würde ihr Antwort geben.
Sie mußten sich unter vier Augen sprechen.
Wo aber, und wie es einrichten? Bei Tora ging es nicht, da wurde jedes Wort von den Umstehenden ver- nommen. Ihn hierher bitten? Es war schwer, mit Bestimmtheit eine Stunde festzusetzen. wo Werner nicht zu Hause war. . ■
Sie senkte in trübem Sinnen den Kopf. Vielleicht in der Kunstausstellung? . . . Nachmittags um Fünf. — da war man am ungestörtesten und vor jeder unliebsamen
Begegnung gesichert. , _
Nach gefaßtem Entschluß wurde Käthe ruhiger. 'Sie machte Licht und warf eilig einige Zeileii hin. Und nun rasch den Brief abschicken, damit er morgen rechtzeitig m seine Hände käme. Sie inußte ihii selbst fortbringen, die Aufschrift könnte den Verdacht des Mädchens erregen.
Sei kleidete sich an und trat hinaus. Ter Regen hatte aufgehört, ein lauer Nachtwind trieb ihr den Trift knospender Blätter entgegen. Ein Frühlingsahnen zog durch die Lust, so lind, so weich, so sehnsuchtsschwer . . - In der kleinen Querstraße war niemand zu sehen. Käthe schritt eilig zum nächsten Briefkasten an der Straßenecke. Der Brief fiel polternd in den Kasten. Da, — der Schreck ließ sie einen Augenblicks regungslos verharren — war es nicht ihres Mannes Stimme? Er kain mit jemand, wahrscheinlich mit Lerrtnant Bremer, der einige Schritte weiter iiber der Straße wohnte. Gleich mußte er um die Ecke biegen, und dann war sie ertappt!
Die Herren blieben stehen. — sie nahmen voneinander Abschied. Wie ein gescheuchtes Wild flog Käthe ihrem Hause zu. Ein Herr kam ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen: „Wohin so eilig, mein schönes Kind?"
Mit einer geschickten Wendung wich iie ihm aus, die Haustür war erreicht. Sie stürmte die Treppe hinauf, schlüpfte in ihre Wohnung und hatte nur eben Zeit, Hut und Mantel abzuwerfen, als auch schon Werner erschien.
Er bemerkte ihre Atemlosigkeit nicht. Käthe hatte einen kalten Imbiß für ihn bereitgestellt. Er war gesprächig und gut gelaunt. Sie hatte die Ellenbogen auf de,: Tisch gestemmt und schien ihm mit der größten Auf- nierksamkeit zuzuhören, während ihre Gedanken wett ab- schweiften. Ein unruhiges Gefühl wogte in ihrem Herzen. Wenn es nichts Böses war. was sie beging, warum hatte sie sich dann so sehr vor der Entdeckung ge- fürchtet? Warum verheimlichte sie es auch jetzt vor dem Manne ihm gegenüber, der ein Recht aus sie hatte? Etwas wie Empörung regte sich in ihr. Ja, er hatte ein Recht auf ihre Fürsorge, ihre Pflichterfüllung, ihr Ver- niögen. schließlich ihren Körper, auf alles, was ihm die bürgerlichen Gesetze für diese Lebenszeit zugesprochen hotten. Wer darf aber die Seele, die ewige, binden? Wer darf sie. die nach göttlichem Gesetze schrankenlos in ihrem Wollen ist, unter einen fremden Willen zwingen, wenn sie sich dagegen sträubt? ^
Der nächste Tag war hell und strahlend angebrochen. Der warme Regen hatte zarte, grüne Blättchen znr Entfaltung gebracht. Sonnenglanz lag über der Weltstadt
51. Jahrgang. 1903.
gebreitet und funkelte auf den Dächern, als Käthe sich mit der Stadtbahn nach der Kunstausstellung fahren ließ. Es war alles so licht und klar, als sei das Geheimnis au» der Welt verbannt, und Käthe enrpsand das ihrige doppelt schwer und drückend. Wenn nun er, oer selber so klar und offen war, ihren Schritt mißbilligte. ... <’
„Lehrter Bahnhof!" .
Sie stieg aus, und während ste die kurze Strecke ms zum Gebäude der Kunstausstellung zurücklegte,, wurde ihr immer beklommener zu Mute, sie war ja seiner nicht mehr sicher, vielleicht verursachte sie ihm große Ungelegen- heiteii durch dieses Rendezvous . . Am liebsten wäre
sie umgekehrt, doch es ging nicht mehr. , ~
Recht zaghaft stieg sie die wenigen Stufen der ^eppe hinauf. Als sie in deii ersten Saal trat, tarn er ihr eitt- gegen. Er verbeugte sich vor ihr und sagte leise .
„Gnädige Frau, ich will Sie darauf aufmerksam machen. daß die Frail Majorin Tummler sich auch hier mit ihrer Tochter befindet. Vielleicht wäre es besser, erlauben Sie mir. morgen um die Zeit, oie Sie bestimmen, bei Ihnen vorzusprecheii . . .'
Käthe faßte gequält ihren Mutt zusammen.
„Herr von Gossar, ich will Ihnen, meiner alten Devise treu, offen heraussagen . . . Ich will Sie allern ohne meinen Mann sprechen."
Goslars Wangen färbten sich dunkel. Er sann einen Augenblick nach, dann sagte er nach ernem tiefem Atem-
^ ^„'Vielleicht treffen wir uns. um Aufsehen jju ver- meiden, in einein stillen, bürgerlichen East . . ■
Er nannte die Adresse. „Ich erwarte sie morgen, von vier Uhr an. Sie werden nach doitt vorfinden.
Er reichte ihr die Hand und ging.
Wie von einem Schwindel erfaßt, blieb Käthe zuruck,
— feilte Hand hatte gezittert ... . ^
Ach, Sie sind auch hier!" sprach setzt die knarrende
Stimme der Frau Major. „Wo ist denn Herr von
bin ihm soeben begegnet", antwortete Ehe der vor Erregung die Stimme fast versagte. „Ei schien sehr
^„Fa. er entschuldigte sich wenigstens damit", sagte bi« Maiorin pikiert. „Wozu aber dann die Kunstqu»stellunT besuchen, wenn man keine Zeit hat? ^ Ich wollte, er solle die Bilder meiner Henriette erklären . sie wies auf da» langaufgeschossene semmelblonde Fräulein an ihrer^Sette, „sc ein bischen .Kiinstgeschichte treiben . . -WeSer vor- batte weiß ich nickt. Ta Sw aber gekommen sind, dachte ich, müßte die stärkere Attraktton den swg davon, tragen."
„Wie Sie sehen, gnädige Frau, ist es nicht der Fall, erwiderte Käthe leichthin. „Mmn ich aber Ihrem sMw- lein Tochter zu Dienst stehen kann, so tt>e ich es gern« Ich habe auch meinen Katalog mit." ,
Von einem Gemälde zum anderen. an jedes eine B» merknng knüpfend, durchwandelte Käthe m Beglettuna der Damen einige Säle. Wie tm Traum horte sw sich silber sprechen und börte die Lobeserhebungen über ihr« fein durchdachte Kritik. Deutlich vemahm sie allein de^ mächtige Wogen ihres Herzens, — eine schmerzlich selig« Bangigkeit vor dem, daH ifjrct harrte.
(Fortsetzung folgt.)
Gestickte Blousen
bi, ca. Mk. 80.- Appenzeller Stickerei: abgepatzt! .Preisliste mit Abbildungen um.
gebend! — sowie schwarze, weiße und sarbiqL,.Hennrbera-Aeide von 95 Ps. bt8 18. ,p. Meter,
R. 4.35
Seiden-Damaste v. Mk. 1.35—18.65
Seiden-Bastkleider p. Robe „ „ 15.80—68.50 Foulard-Seide bedruckt 95 Pf.—5.85
p. Met. Franko u. schon verzollt ins Haus. Muster umgehend, d. Schweiz.
Ball-Seide «. 95 Pf.—18.—
Braut-Seide „ 95 Pf.—18.—
Blousen-Seide „ 95 Pf.—18.—
Doppeltes Briefporto nach (7,a 2650 g) F1&9
Seidcn-Fakik Benneberg, Zürich <k. ». k- »«««mp.
Zur bevorstehenden Confirmationszeit bringe meine Specialitäten
und ausländischer Schmuck- und feiner Lcdcrwaren
in bekannter Güte und billigsten I’reisen in empfehlende Erinnerung.
Als Kpstgeschenke besonders empfehle:
Gold gestempelte Ringe, Brosrlis'is, Arsnhssiider. Iietten, Coüier«, Ofirrinse, Madeln, liniipfe, Inliilnger etc.
Silber gestempelte Hestedts,Ses-vietlbündier. Oleci er. lionlxinnieren, Mis tes- Crayons. ITtesser, stiirkc. Ciaarett-Ctssis etc.
Kleinste Wiener und OlTenbaclier Lederwaren mit und ohne Beschlägen.
VassäuerHof. ^dlNSNtl MoKkwkV, „„„eTSfse 4S.
gay lütte Auslagen sind Preise zu Renditen. 741
Lang-nese Cakes
gesetzlich geschützt
hervorragende Neuheit! m. pfd. 1.*®
A. H. Langnese & C?; Biscuit-Fabrik Hamburg.
6BS
assauische Kleiderfärberei und chem. Waschanstalt.
Färben und Reinigen von Herren'- und Damen-Garderoben,
Möbelstoffen, Teppichen, Gardinen, Handschuhen etc. 9 4 b
p fljp*» Diüge Wäsche und Trauersachen auf Wunsch in 3 bis 4 Tagen.
Annahme: Berliner Confectiosas-IIttiis«, Marktstrasse 10, „Hotel grüner Wald“.
