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151. «erlagS-Fernsprecher Ro. 295S.

Dienstag» den 31. War;.

Redaktions-Fernsprecher No. SS. 1903.

HI o rgen-Ausgabe.

gfüv öcrs 2. gmarfaC 1903

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Die Lage der deutschen Arbeit.

— Ende März. —

Zn ihren Lebenserinnerungen werden viele Arbeiter Len letzten Winter mit einem schwarzen Strich versehen. An Tausende ist die Not wohl niemals so hart heran­getreten als in den vergangenen Monaten. Die Zeit ist auch heute noch schwer, aber eine geringe Besserung unserer wirtschaftlichen Zustände macht sich doch bemerk­bar, und wer ein besonders hofsnungsfreudiges Gemüt besitzt, der träumt bereits wieder von den selten Jahren geschäftlicher Hochflut. Die Enttäuschung wird zwar nicht ausbleiben, doch immerhin kann man vielleicht annehmen, daß es sich bei der gegenwärtigen günstigeren Gestaltung des Geschäftslebens um ein Zeichen leise einsetzender wirt­schaftlicher Gesundung und nicht nur um die regelmäßige Belebung des Arbeitsmarktes zu Beginn des Frühlings handelt. Allein man soll dieses Zeichen nicht überschätzen. Unsere wirtschaftliche Gesundung wird ganz sicher schr langsam fortschreiten und Rückfälle sind leicht möglich. So wird die Beschaffenheit der Handelsverträge stark auf unser gesamtes gewerbliches Leben zurückwirken und leider ist die Hoffnung, daß sie für die deutsche Industrie günsüg ausfallen werden, nur schwach. Wenn also einige große Erwerbszweige heute besser beschäftigt sind, so ist damit nicht gesagt, daß nun die Zeit der reichen Ernten bereits wieder anbreche.

Bon dieser Zeit sind wir noch sehr weit entfernt und auch die Besserung des deutschen Marktes für unsere Eisenindustrie berechtigt nicht zu einer anderen Auf­fassung. Denn ohne die noch immer außerordentlich starke Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten würde es mit dieser Industrie sehr übel stehen; sie würde, trotz ihrer Kapitalkraft, eine schwere Katastrophe erlitten haben, wäre ein Abfluß ihrer Produktion nach dem Auslande unmöglich gewesen. Immerhin ist die Besserung auf dem deutschen Markte stark genug, um eine wohltätige soziale Wirkung auszuüben. Diele Eisensteingruben konnten

früher entlassene Arbeiter wieder einstellen, auch einige seit längerer Zeit tote Hochöfen sind wieder angeblasen. Manche bestehende Betriebsbeschränkungen sind entweder bereits oder sie sollen am 1. April ausgehoben werden. Die Verschleuderung der Produktion in das Ausland hat stark nachgelassen. Aber trotzdem kaufen besonders die Vereinigten Staaten noch stark; sie haben^in den letzten Wochen abermals gewaltige Mengen von Schienen, Eisen und Stahl verschiedenen deutschen Werken in Auftrag gegeben; eine Folge des noch immer hochgespannten Geschäftslebens in der Union.

Die Nachrichten Der die Beschäftigung im Bergbau widersprechen sich wieder einmal. Während von der einen Seite gemeldet wird, die Nachfrage sei so groß, daß Wagenmangel herrsche, lauten andere Nachrichten, daß der Kohlenmarkt still liege und Feierschichten notwendig seien. Im allgemeinen kann man jedoch sagen, daß der vor mehreren Jahren herrschenden Kohlennot ein Über­fluß gefolgt ist, der den Preis der Kohle auch heute noch weit mehr drückte, würde dieser nicht mit einer außer­ordentlichen Zähigkest künstlich hochgehalten. Was den Verbrauchern der Kohle nicht gelang, siel, dank der ge­ringen Widerstandsfähigkeit der deutschen Arbeiter in Krisenzeiten, den Werksverwaltungen bei den Arbeits­löhnen leicht. Sie wurden in vielen Gruben sehr erheb­lich herabgesetzt und man kann wohl sagen, daß dieser Lohnrückgang für den Arbeiter 50—100 Mk. im Jahre beträgt. Werke, die an der alten Bezahlung festhielten, sahen sich doch genötigt, bei dem schlechten Absatz wie ge­sagt Feierschichten einzulegen, die znm Beginn des Winters zwar vielfach aufgehoben wurden, jetzt jedoch notgedrungen wieder eingeführt werden. So ist die wirtschaftliche Lage der Kohlenbergleute heuter sicher er­heblich schlechter, als vor einigen Jahren. Aber trotzdem leiden sie weniger unter der Krise, als die Maschinen- und Metallarbeiter aller Zweige, die noch immer schwer Be­schäftigung finden, wenn sie arbeitslos wurden. Zwar sind manche große Maschinenbauanstalten, durch aus­ländische Aufträge über den drückendsten Mangel hinaus, aber diese Beschäftigung bleibt doch meistens weit hinter der Leistungsfähigkeit dieser Werke zurück. Volle Arbeit ist noch immer eine Ausnahme und selbst solche Fabriken können sich deren nicht rühmen, die für gut gehende Zweige der Textilindustrie tätig sind, da mich diese in der Aufstellung neuer Maschinen meistens sehr Zurück­halten.

Eine Ausnahme macht die sächsische Spitzen- und Stickerei-Industrie. Der anhaltende günstige Geschäfts­gang drängt zu einer überaus schnellen Verbreitung dieses großen Erwerbszweiges, der im Vogtlande längst von dem Mittelpunkt Plauen auf entlegene Dörfer ge­wandert ist. Die Anzahl der Stickmaschinen hat sich in der letzten Zeit ganz außerordentlich gesteigert. Immer mehr werden früher vorwiegend landwirtschaftliche Ort­schaften von dem Schicksal dieser Industrie abhängig, die ein Emporschnellen der Bevölkerungszrffer herbeiführt und den Charakter vieler Dörfer durchaus verändert. Der

starke Zulaus, den diese Industrie heute hat, muß ihr ver­hängnisvoll werden, sobald die Mode ihren prächtigen Erzeugnissen nicht mehr so günstig ist wie heute. Sie hat in dieser Beziehung bereits eine reiche Erfahrung hinter sich und es könnte ihr nur von Vorteil sein, wenn sie die Lehren derselben auch in den Zeiteir der Rosen nicht vergessen wollte. Ein Mangel an Vorsicht hat sich auch irt dieser Beziehung noch immer gerächt und besonders aus Sachsen lassen sich hierfür mit leichter Mühe zahl­reiche Beispiele anführen. Die bösesten Zeiten hat die sächsische Wirkindustrie ihrem eigenen Mangel cm kluger Voraussicht und weiser Zurückhaltung zuzuschreiben und selbst die Jahre geschäftlicher Gunst haben die hieraus entstandenen Schäden nicht ganz zu beseitigen vermocht. Im Vergleich zu anderen Jndustrieen befindet sich heute jedoch die gesamte sächsische Wirkerei in keiner üblen Lage. In einer Zeit größter allgemeiner Arbeitslosigkeit konnte sie sich an einem schr lebhaften Geschäftsgänge kräftigen und während so mancher Zweig unserer Volkswirtschaft schwer erkrankte, konnte sie alte Gebrechen der Heftung zuführen. Dieser glückliche Zustand besteht auch noch heute und- er wird sich nicht wesentlich ändern, so lange die Erwerbsverhältnisse in den Vereinigten Staaten außer­ordentlich günsüg sind, die bekanntlich das wichtigste Absatzgebiet deutscher Strumpfwaren bilden. .

In den Webereien zeigt sich seit kurzer Zeit eine bessere Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes. In den ver­schiedensten Zweigen ist man lebhafter beschäsügt. Hier und da werden mehr Arbeiter eingestellt und vereinzelt sind auch die Löhne gestiegen. Doch gibt es auch zahl­reiche Betriebe, wo das Gegenteil der Fall ist und es ist durchaus keine Berechtigung vorbanden, wegen der ge­ringen Belebung des deutschen Marktes in der Weberei sich überschwenglichen Hoffnungen hinzugeben. In d" Baumwollspinnereien hat der seit einigen Wochen steigende Preis des Rohstoffes auf die Beschäftigung günstig gewirkt. Die Weber fürchten ein weiteres Steigen und die Rückwirkung auf den Preis der Garne; sie suchen ihren voraussichtlichen Bedarf daher zu decken und überhäufen die Spinnereien mit Aufträgen. Mit den Garnen ist auch der Preis vieler Baumwollwaren in die Höhe gegangen. Doch lange wird diese Steigerung nicht dauern, da es sich nicht um eine durchgehende Besserung der Konjunktur mit einer allgemeinen kräftigen Er­höhung des Verbrauches, sondern nur um einen augen­blicklichen Bedarf handelt, der bald gedeckt sein wird. Das Gleiche gilt von der hier und da sich findenden Besse­rung in der Wollindustrie. Selbst in den Zeiten der schwersten Krise fällt auf diesen oder jenen Crwerbszweig einmal ein wärmender Sonnenstrahl; aber nicht von der- artigen vereinzelten Glücksfällen, sondern von den ge­samten Bedingungen; der Weltwirtschaft hängt heute das Erwerbsleben eines großen Jndustrievolkes ab.

Das beweist so recht auch die Lage der deutschen elektrischen Industrie, die noch immer große Not leidet, nicht nur da es Deutschland an Unternehmungslust fehlt, sondern weft auch das Ausland seit einiger Zeit kein ge-

Feuilleton.

AjlmmW itfWniingen ii April 1903.

Von dem traumumfangenen Dornröschen kann der Königssohn seine Augen nicht verwenden. Er beugt sich über das Antlitz der Prinzessin, die bei seiner Berührung in seligem Entzücken erwacht und sich erhebt. Im gleichen Augenblick werden Eltern, Gefolge und Dienerschaft von dem tiefen Schlaf erlöst. Neues Leben in der ganzen Hofburg. — Der Glutball des Himmels beugt sich zur Erde. Mit warmem Hauch berührt und erweckt er sie aus ihrem Schlummer. Auf Feldern, tu Wäldern, auf Wiesen, in Gärten, auf Höhen, in Tälern, — neues Leben in der ganzen Natur, die, vom Baun des Winters erlöst, ihr Auferstehungsfest feiert.—Die Sonne, heute 10 060 000 Meilen entfernt, gelangt am 21. ins Zeichen des Stters.

: Ihr Abstand vom Südpunkt um Mittag wird immer grö­ßer und beträgt am 1. für Wiesbaden 44° 10' 30", für den nördlichsten Punkt Deutschlands 38° 23', für den südlichsten 46° 50'. Die Zeitgleichung beträgt am 1. + 4 Min. 16 Sek., am 11. + 1 Min. 22 Sek., am 21.

1—1 Milt 6 Sek. und am 30. —2 Min. 43 Sek. — Der Mond ist Vollmond am frühesten Morgen des 12., Neu­mond am 27. Er befindet sich in Erdnähe am 5., in Erd­ferne am 10. Am höchsten steht er den 8., am ttefsten den 17. Eine bei uns sichtbare Mondfinsternis ereignet sich in der Nacht zum 12. Näheres darüber später. ,

Sämtliche Planeten sind im diesjährigen Ostcr- monat sichtbar. Venus leuchtet nahezu 3 Stunden lang als Abendstern. Im Fernrohr zeigt sie sich als Sichel. Vom 23. an kann bald nach Untergang der Sonne auch Merkur bemerkt werden. Er steht tiefer als Venus. Die Sichtbarkeit hält zu Ende des Monats 30 Minuten an. Am 28. steht die Mondsichel in seiner Nähe, so daß der Planet leicht zu finden ist. Der rötliche M ars steht

bei Beginn der Abenddämmerung hoch am Osthimmel und kann bis zum Morgen beobachtet werden. Zur Zeit wendet er der Erde den Nordpol zu und befindet sich am 8. in Erdnähe. Der nur im Fernrohr sichtbare Neptun hat seinen Stand im Krebs und steht um 0 Uhr hoch am westlichen Himmel. Bald nach 2 Uhr geht er zur Rüste. Die drei Planeten Saturn, Jupiter und Uranus befin­den sich des Morgens tief unten im Südosten. Saturn kann jetzt 30, nach vier Wochen 75 Minuten lang gesehen werden. Die große Achse seines Ringsystems erscheint gegenwärtig 2,727-mal so groß als die kleine. Etwas später erhebt sich Jupiter, dessen Sichtbarkeitsdauer sich zur Zeit auf einige Minuten beschränkt. Um 4 Uhr endlich erbebt sich rechts vom Jupiter der grünlich schimmernde Uranus. Er hat die geringe Lichtstärke eines Sternchens 6. Größe und kann ohne Benutzung des Glases nur von sehr scharfen Augen bemerkt werden. — In Mondnähe verweilen Mars am 10., Saturn am 20., Merkur am 28. und Venus am 80.

Mit Beginn der kürzeren Nächte betrachten mir den Fixstern Himmel später als sonst. Dieser entfaltet am 1. um 10, am 15. um 0 und am 30. um 8 Uhr zunächst auf der westlichen Hälfte folgendes Bild: Stier, Orion und Gr. Hund sind im Begriff nnterzngehen. Der Glanz des Siebengestirns, des Regengestirns und des goldigen Aldebaran erbleicht; vom Orion sind nur noch Beteigeuze, Bellatrix, allenfalls auch die drei Gürtelsterne sichtbar; Sirius endlich, der hellste Fix­stern, verabschiedet sich im Südwesten nach wenigen Minu­ten. Im Nordnordwestcn erkennen wir das Zickzack der Kassiopeja. Östlich vom Aldebaran funkelt in allen Farben des Regenbogens die herrliche Kapella im Fuhr­mann, von der aus weiter östlich der Polarstern Kyno- sura uns sein Licht zusendet. Er, Kapella und Bellatrix bilden so ziemlich eine Gerade. Südlich von der Kapella begegnen mir den Zwillingen Kastor und Pollux und südsüdwestlich hiervon dem gelblichen Prokyon im Kl. Hund. Etwas rechts von der Mittagslinie begrüßen wir im Löwen den blänlichweißen Regulus. Der dem

gleichen Bild angehörige Stern Denebola steht östlich von jenem. Zwischen dem Löwen und den Zwillingen ist das Bild des Krebses gelegen. Unter Anwendung eines Opernglases, oder besser eines Feldstechers, erblickt man hier unzählige Sternchen, die wie Diamantenstaub fun­keln. Man wolle sich doch einmal die Mühe geben, an einem monöfreien Abend, etwa um 11 Uhr, nach diesem Sternhaufen, der die „Krippe des Krebses" genannt wird, emporzublicken! — Auf der Osthälfte des Himmels erfreuen uns die sieben .hellen Sterne des Gr. Himmels­wagens, der eine westliche Richtung annimmt. Die Deichsel weist auf den Bootes mit dem orangefarbigen A r k t u r u s. Südlich hiervon flammt im Bild der Jungfrau die S p i k a in weißlichem Licht. Nordöstlich vom Bootes tritt das hübsche Bild der Nördlichen Krone hervor, deren hellster Stern Gemma, d. h. Edelstein, ge. nannt wird. Nördlich von dieser flackert in der Leier des Orpheus die saphirfarbige Wega. Zwischen ihr und der Krone breitet sich das Bild des Herkules ans, dem unsere Sonne mit allen ihren Planeten und deren Monden zu­steuert. Nordöstlich von der Wega endlich, dort, wo sich die Milchstraße verzweigt, schimmert im Schwan der D e n e b. Hiernach sind an Sternen 1. Größe gleichzeitig elf sichtbar: Aldebaran, Arkturus, Beteigeuze, Deneb,

Kapella, Pollux, Prokyon, Regulus, Sirius, Spika und Wega.

Der Durchgang durch die obere Mittagslinie findet statt in der Nacht des 1 bei Regulus 0 Uhr 26 Min. abends, Spika 12 Uhr 42 Min., Arkturus 1 Uhr 88 Min. und Antares 3 Uhr 45 Min. früh. Durch die untere Mittagslinie ziehen in derselben Nacht der Polarstern 12 Uhr 46 Min und Kapella 4 Uhr 30 Min. Auf- und Untergang der Fixsterne, sowie deren Kreuzung der Mittagslinic erfolgen in jeder nächsten Nacht um 4, ge­nau 3,03 Minuten früher.

Sternschnuppen pflegen im April scheinbar auSzngehen vom 12. bis 24. vom Bild der Jungfrau, am 18 und 19. vom Bootes, am 10. von der Wage, am 20. vnd 25. vom Herkules und am 80. vom Drachen, vr. R.