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No. 150, 51. Jahrgang.

Wiesbadener TagblattsAbend-Ausgaber. Verlag: «an„«sse 27.

30. März 1803. Seile 5.

jsterichtiaungcn in durchaus loyaler Weise ausgenommen habe und sübrte aus, daß bei den parlamentarischen Berichterstattungen Rebler nicht zu vermeiden seien. Die in dem Reichstag von morgens bis abends beschäftigten Vertreter der Presse hätten stundenlange Verhandlungen in einem kurzen Bericht wicderzu- «eben und da sei es nicht zu vermeiden, daß Unrichtigkeiten unter­liefen, deren jedesmalige Richtigstellung ganz unmöglich sei. Herr sn,. Jung von Lorch verbreitete sich noch über die Handwerker­srage. Er mar mit Herrn Dr. Erüger einverstanden, daß die iberalen Ideen kräftig zu fördern seien und erblickte mit rhm die schwerste Gefahr für dieselben in den Bestrebungen des Bundes der Landwirte. Herr Dr. Alberti-Wiesbaden erörterte noch kurz die Stellung der Parteien im bevorstehenden Wahlkampfe und das Bündnis zwischen der nationalltberalen und loniervativen Partei und dem Bund der Landwirte. Er führte aus, wie sich der Bund zn der nationalliberalen Partei bisher gestellt habe und lcat dar daß ein vom Bunde unterstützter Kandidat vor allem anderen die Interessen des Bundes zu fördern habe. Auch seinen Ausführungen zollte die Versammlung lebhaften Beifall.

* Saiger, 29. März. Heute morgen um 19 Uhr entgleiste der «ug der Kleinbahn der Gewerkschaft Konstanze in Langenaubach. Dem Betriebsführer Dörr aus Haiger wurden beide Berne abgefahren. Bereits um ^-11 Uhr vormittags wurde er in die chirurgische Klinik nach «Gießen verbracht, wo er kurz nach Ankunft seinen Verletzungen erlegen ist. Die Eisen- Sahnstrecke wurde polizeilich gesperrt.

* Mainz, 3». März. R h c i n p e g e l: 44 cm gegen 46 cm am gestrigen Vormittag.

Gerichtssaal.

<3. Wiesbaden, 30. März. (Strafkammer.) Vor­sitzender: Herr Landgerichtsdirektor de Niems Ver­treter der König!. Staatsanwaltschaft: Herr Staatsan­walt I)r. Mülle r. — Wegen schwerer K n p p e l e i hatte sich heute die 4804 in Hülbingen in Württemberg geborene Franziska Hoffmann von hier und wegen einfacher Kuppelei der 1860 in Essen geborene Geschäfts­reisende Moritz H e y m a n n , ebenfalls von hier, vor der Strafkammer zu verantworten. Die Angeklagte Hoffmann nennt sich Masseuse; sie ist von ihrem Mann geschieden und hat einen recht schlüpfrigen Lebensweg hinter sich. Früher hat sie selbst unter sitteupolizeilicher Kontrolle gestanden, daun hat sie im Jahre 1888 und früher ihre zwei damals kaum 16 Jahre alten Töchter an hiesige reiche Lebemänner verkuppelt — der Fall, der einiges Aufsehen erregte, dürfte ja noch erinnerlich sein — und war dafür im Januar 1889 mit 3 Jahren Zucht­haus bestraft worden. Als sie 1802 diese Strafe verbüßt hatte, zog sie wieder mit einer ihrer, übrigens außer­ehelich geborenen Töchter, der Minna Schäffner, hier zusammen und nun soll sie dieselbe, die inzwischen statt­lich herausgewachsen ist und in der Kirchgasse ein Ab­steigequartier eingerichtet hatte, wiederum der Lebewclt zugeführt haben. Was der Angeklagte Heymann, der einmal wegen Beihilfe zur Kuppelei vorbestraft ist, da­mit zu tun hat, ist uns, da die Verhandlung hinter ver­schlossenen Türen vor sich ging, nicht recht klar geworden, wahrscheinlich soll er die Hoffmann bei dem schmutzigen Geschäft des Verkuppelns der eigenen Tochter unterstützt haben. Unter den 14 Zeugen befanden sich Inhaber ver­schiedener hiesiger kaufmännischer Geschäfte, Handwerker, ein bekannter Herr aus den Reihen der obersten Zehn­tausend und die Verkuppelte. Der Herr Staatsanwalt beantragte gegen die Hoffmann 3 Jahre Zuchthaus, den Heymann, bat er, freizusprechen, da bezüglich dieses An­geklagten die Verhandlung kein genügendes Belastungs­material ergeben habe. Das Gericht verurteilte die Hoffmann, die sich nach dem Antrag des Herrn Staats­anwalts heulend auf der Anklagebank herumwälzte, zu 1 Jahre Gefängnis. Was die Strafausmessung augeht, so erkannte das Gericht an, daß die Sache diesmal doch wesentlich milder liege als vor vier Jahren, denn jetzt sei an der Tochter nichts mehr zu verderben gewesen. Der Angeklagte Heymann wurde freigesprochen. Der Hoffmann wurde noch 1 Monat Untersuchungshaft auf die Strafe ungerechnet.

M Cassel, 29. März. Die Liebcstragödie am

ft u I & a uf c r , über die wiederholt kurz berichtet wurde, bildete am gestrigen Samstag den Gegenstand einer umfangreichen Ver­handlung vor dem Kriegsgericht der 22. Division Cassel. Es handelt sich um den in der Nacht vom 8. znm 0. Februar d. I. auf der Renthossbastion am Fnldauler «dicht am Justizgebande) von Unteroffizier Fritz Degen (geboren 18i7 zu Wettlage in | Hannover gegen seine Braut, die Elise Hemel aus Oberaula l Zuletzt in Hannover als Dienstmüdcheni verübten Mordveriuch. Deaeu ist imHerbst 4894 bei hiesigem Husarenregiment eingetreten, . bat sich aut geführt, war ein tüchtiger, schneidiger Kavallerist und ist bereits 1899 zum Unteroffizier avanciert. Der Heine , mit der­er zwei Kinder hatte, suchte er sich, als sic nach Casie neulich znrückkehrte und aus Heirat drängte, zn entledigen., umso mehr, als er eine andere Braut, die ihm beffer gefiel, ge,linden hatte. An lenem Abende holte er sic ab, sie machten einsame Spazier- öänae kehrten in Lokale ein, wo sie noch niemals gewesen uns naMbe'm D vergeblich versucht, der Braut den Verlobungsring rieben'kehrten sie durch Vorauc und am Fuldauser entlang in dunkler' Nacht um 12 Uhr einsam nach Hanse. Schon ans der chwankende» Drahtbrücke - so bezeugt die Hemel - wollte D. sic"in die Fnlda werfen, denn er wollte sie mit Gewalt dazu bririacn sich einmal ans die Oucrstangcn der Brüstung zu stellen und hinab in die damals sehr starke Strömung zu schauen. Sie i-i & ft di von ihm los, lief fort, D. holte sic an der Renthofsmauc- am 'ftustizpalast wieder ein, machte dieselbe unsittliche Annäherung n e an der Drahtbrücke und während sie nun sich gegen die niedriac Mauer der Renthossbastion zurücklegtc und sträubte, packte sie der Bräutigam plötzlich am Kopf und Beinen und warf Ne hinab in den Fluß. Trotz der 13 Dieter Höhe ertrank wie drrck, ein Wunder das Mädchen nicht — weil die Rocke sich sall- ictitrmartia aufgebläht hatten — sie erlitt durch den Sturz in den ftlust zwar schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen, sie blieb bei Besinnung, rief laut um Hilfe und wurde durch den in der Nähe befindlichen Musikanten Flöthcr und ander- Leute ge­rettet Sofort hat sic diesen Leuten mitgcteilt, daß ihr Bräutigam sie in den Fluß geworfen habe. Die Behauptungen der Hemel werden durch eine Reihe Zeugen bestätigt, insbesondere bekundet ftlötber l der 20 Schritte von der Mordstellc hinter einem Banme stand, um zu belauschen, wie die beiden sich liebkosen würden», daß Bräutigam und Braut an ihm vorbeigingen »ach dem Halbkreis der Renthossbastion, eö kam dann zu einem kurzen Wortwechsel, wobei das Mädchen wiederholt abivehrend äußerte: „Nein ich tue cs nicht mehr, laß mich rc." Daun hörte er ein Geräusch, sah, wie der graue Mantel des Unterossizierö sich bewegte, plötzlich ein gellender Angstschrei und kurz darauf hörte er einen „Plumps" im Wasser wültrend der Unteroffizier allein von der Rcnthossmaner stch entfernte und eiligst nach der Stadt zulief. Flöther sprang dann hinab an den Fluß und rettete das Mädchen. Ter Untcr- osiizier war inzwischen — als ob er von den Vorgängen am Fuldauser nichts wisse — in die Wohnung seiner Braut gelaufen und hatte, jedensallS in der Absicht, sich ein Alibi zu schassen, dort gefragt, ob die Elise noch nicht znrückgckchrt sei. Dabei fing cr gleich, ohne gefragt zu sein, zu erzählen an, dieselbe habe sich ge- wist ein Leids angetan und sei in die Fnlda gegangen, ste liatten sich unterwegs gezankt wegen der Kinder und der Heirat, daraus sei sic von ihm fvrtgclauscn re. Hierin gipfelt auch die Ber teidigung dcS Angeklagten vor dem Kriegsgericht,' die ganze Be­

schuldigung der Hemel sei unwahr, sic sei vielmehr nt selbst­mörderischer Absicht in den Fluß gesprungen. Der Hemel, welche 29 Jahre alt ist, wird allerdings von den verschiedenen Herr­schaften, bei denen sie diente, kein günstiges Zeugnis gegeben, sie log, war unehrlich rc. Auch Krankenhaus-Direktor Israel tit Hersfeld bekundet als Sachverständiger, , daß das Mädchen hysterisch war, Visionen hatte, an Verstandesschwächc litt und da­mals vor Jahren nicht ganz normal war: auch hält er sie für un­glaubwürdig. — Daraufhin vereidigte das Gericht die Hemel nicht und endigte die Verhandlung mit der Freisprechung Degens, gegen den der Anklagevertreter, Kricgsgerichtsrat vr. Wöllnng, aus voller Ilberzeugung das Schuldig und 6 Jahre Zuchthaus, Degradation rc. beantragt hatte.

* Der Prozeß des Blnmenmedinms Anna Rothe. Das Ge­richt verurteilte, wie schon gemeldet, das Blumenmcdium Rothe wegen Betrugs in 48 Fällen und versuchten Betrugs in 12 Fällen zn einem Jahre und sechs Monaten Gefängnis. Acht Monate wurden auf die erlittene Untersuchungshait angerechnet. — Das Urteil wird folgendermaßen begründet: Das Gericht ist der An­sicht, daß der größte Teil der Teilnehmer sich in der Annahme be­fand, Vorführungen aus der Geisterwelt zu fehen. Diese Per­sonen seien in ihrem Vermögen geschädigt, für Taschenspielerkunst­stücke hätte niemand so hohe Summen gezahlt. Das Gericht ist überzeugt, daß die Angeklagte bei den Trancereden bei vollem Bewußtsein war: wenn sie auch hysterisch veranlagt ist, so hat sie doch nicht unter einem die Strafbarkeit ausschlietzendcn Zivange gehandelt. Berücksichtigt wurde, daß die Angeklagte sich mit einem verhältnismäßig bescheidenen Gewinne begnügt hatte und daß sie vielleicht auch geglaubt hat, ein gutes Werk zu tun, indem sie den vielfach von ihrer Religion abgefallcnen Spiritisten durch eine Verbindung mit der Geisterwelt wieder den Glauben an Gott und das Jenseits beibringen könne. Das sei ja auch in vielen Fällen gelungen, anderseits war strafschärfend, daß sic m t t d e r Religion frivol Mißbrauch getrieben und dafj sic noch nach der Festnahme Dinge, die nicht zu leugnen waren, hartnäckig a b l c u g n e t c. Die Angeklagte behielt sich thrc Er­klärung über den Strafantritt vor: bei ihrer Abführung wurde sie teilnahmsvoll von den sich wie fanatisiert gebärdenden Spiri­tisten umdrängt.

Kleine Chronik.

In der chemischen Fabrik vorm. Bernhardt n. Co., Mühlheim a. Rh., ist gestern nachmittag Grvtz- f e u c r ausgebrochen, durch welches das Farbmahl- gebäude mit Materialien und Maschinen zerstört wurde. Der Schaden wird ans eine halbe Million geschätzt. Der Betrieb erleidet keine Störung.

Eine in .Königsberg lebende Oberleutnants­witwe hat in einem Anfalle von Schwermut ihren beiden Töchtern im Alter von 10 und 7 Jahren und sich mit einem Messer die Kehlen durch­schnitten.

Der „Grotzherzogliche Acker- und Gartenbau-Berern in Luxemburg wird gelegentlich seiner fünfzig­jährigen Jubelfeier im Monat August 1908 eine Inte r- nationale Acker- und Gartcnbau-Aus- st e l l u » g veranstalten.

Ans Rennes, 29. März, wird gemeldet: Ein sehr bekannter Bankier stellte seine Zahlungen ein und ist unter Hinterlassung bedeutender Passiven geflüchtet. Wie es heißt, sind besonders Kongregationen an dem Verlust stark beteiligt.

Aus Cherbourg, 29. März, wird gemeldet: Das Unterseeboot „Narval" stieß mit dem Schlepper der Marincbauverwaltung „Navette" zusammen. Der Schlepper sank, die Mannschaft wurde gerettet.

Ein heftiger W i r b e l st u r m verwüstete mehrere am Meere gelegene Städte auf Mada­gaskar. Der angerichtete Schaden ist erheblich. Menschen sind nicht nmgckommen.

Aus Buenos Aires, 28. März, wird gemeldet: Stürme, begleitet von heftigen Regengüssen, sind auf die furchtbare Hitze der letzten Tage gefolgt. Mehrere Stadtviertel stehen unter Wasser. In der Nachbarschaft ist viel Vieh umgekommen.

Achte Nachrichten.

Konti n ent al-Telegrapyen'-Kompagnie.

Paris, 39. März. Ministerpräsident C o m b c s richtete an den Kriegsminister anläßlich des Übertritts desselben zur Reserve ein Schreiben, in welchem er demselben den Dank der Regierung und der Republik für die langen ausgezeichneten Dienste aus­spricht. Combes fügt hinzu, er freue sich bei dem Gedanken, daß der Diensteifer und die Hingebung, von denen der General während seiner militärischen Laufbahn stets Beweise ablegte, dem Lande durch weiteres Verbleiben an der Spitze der Armee als Kriegsminister erhalten bleibe.

Petersburg, 29. März. Das Tifliser Amtsblatt „Kawkas" meldet: Unruhen kamen am 22. d. M. in B a t u m vor. Bei der Abreise der Anwälte, welche die wegen Ausschreitungen ver­urteilten Arbeiter verteidigt hatten, sammelte sich am Bahnhofe eine große huldigende Volksmenge mit einer roten Fahne an. Als der Zug abfuhr, ging der Volkshaufe mit. Der Zug wurde : angehalten und das Bahngleisc mußte, um Unglücksfälle zu ver­hüten, geräumt werden, worauf der Zug wciterfuhr. Vom Bahn­höfe zog die Arbeitermenge, weitere Fahnen mit regicrungssetnd- ! ljchcii Aufschrifteit entfaltend, den Maricnprospckt entlang und gab Revolverschüsse ab, wodurch aber niemand verletzt wurde.

; Beim Herannahen des Militärs verlies sich die Menge. Auch iu > Baku fanden kürzlich Unruhen statt. Beim Marienplatze sammelte sich ein Bolkshaufc an, der regierungsfeindliche Prokla­mationen verteilte. Ein Teil der Ruhestörer wurde von der Polizei und Kosaken zerstreut, ein anderer erhielt Zuzug, rottete sich nochmals zusammen und bewarf die Polizei und die Kosaken mit Steinen. ES gelang schließlich, die Menge zu vertreiben. Abends war die Ruhe wieder hcrgcstcllt. Der Bize-Gouverneur , wurde am Kopfe und einer Hand leicht verwundet, auch wurde ein Kosak verivnndet. 21 Ruhestörer wurden verhaftet, davon er­hielten 18 Arreststrafe von 1 bis 4 Monaten.

; Depesche nbureauHcrol».

Berlin, 30. März. Für morgen steht eine M a s s e n ! Aussperrung von 12 000 Arbeitern der Berliner ! Holz-Industrie in Aussicht.

Berlin, 30. März. Nach dem „B. T." ist der drohende ! Iserlohner Arbeiter-Aiisstand gestern mittag ausgeglichen j worden.

Berlin, 30. März. Einer Budapester Depesche des „B. T." zufolge fand gestern abermals eine von Sozial Demokraten einberufene Volksversammlung am Frei heitsplatze statt, um gegen die von den Klerikalen im Parlament erhobenen Beschnldigungen, daß die Sozial­demokratie an die Polizei verkauft sei, zir protestierm. Tie Dersannnlung, der über 20 000 Teilnehmer bei- wohnten, verlief vollständig ruhig und schloß mir dein Gelöbnis, beim Andenken an die auf dem Freiheilsplatze im Jahre 1848 verbluteten Märtyrer nicht zu ruhen, bis die geistlichen Güter säkularisiert sein werden. —- Am Sänistägäbend fand eine von der UniversitätS-Jügend zu

Ehren der Kossuth-Partei veranstaltete ..^ampwn-

serenade statt. Ein mehrere Tausend Köpfe starker Zug bewegte sich von der Universität aus durch die Haupt­straßen patriotische Lieder singend, bis zum Lokale der Unabhängigkeits-Partei, wo Präsident Kossuth und andere Abgeordnete der Jugend für den Ausdruck der Begeisterung dankten. Nach einem Ilmzuge durch die Stadt löste sich der Zug ruhig auf. — Auch in Agram erfolgten am Samstag wieder ernste Ansammlungen, doch wurde die Ruhe nicht gestört, da alle Straßen von Militär und Gendarmerie besetzt waren.

Berlin, 30. März. Aus Madrid wird dem „B. T." telegraphiert: Seit den letzten Stndenten-Kundgebungcn herrscht zwischen dem Gouverneur und der Studenten­schaft Valencias, für welche die ganze Stadt Partei er­griffen hat, ein gespanntes Verhältnis, das sich in täg­lichen Tumulten äußert. Am Samstag sollen diese einen ernsten Charakter angenommen haben. Da die Regie- rimg ans Seiten des Gouverneurs steht, werden wertere Unruhen befürchtet.

Berlin, 30. März. Nach einer New-Yorker Depesche des „Berliner Tageblattes" ist Admiral Tewey von« Präsidenten Roosevelt persönlich wegen seiner Äußerung über die deutsche Flotte zur Rede gestellt worden. Der Admiral erklärte, seine arglosen Bemerkungen seien keineswegs für die Öffentlichkeit besümmt gewesen, wo­von der'deutsche Gesandte Baron Speck von Sternburg sofort Nachricht erhielt. Letzterer berichtete nach Berlin, Admiral Teweys Renommisterei biete zu einer diploma­tischen Aktion keinen Anlaß, da derselbe schon lange nicht mehr ernst genommen werde.

Prag, 30. März. Die landwirtschaftliche Zcntral- Gesellschast für Böhmen hat in ihrer gestrigen Volksver­sammlung beschlossen, die Regierung aufznsordern, eine rationelle Kultur der Gerste einzuführen, und ber Er­neuerung der Zoll- und Handels-Verträge die böhmische und mährische Gerste gegenüber den durch den neuen deutschen Zolltarif drohenden Gefahren in Schutz zu nehmen.

Orleans, 30. März. In einer Versammlung hervor­ragender katholischer Persönlichkeiten hielt der Bischof von Orleans eine Ansprache, welche wahrscheinlich seine Maßregelung durch die Regierung zur Folge haben wird. Von den kongreaanistischen Schulen sprechend, erklärte der Bischof deren Schließung für einen Rechtsbruch. Die Mönche wären von der Regierung in einen Hinterhalt ge­lockt worden, weil die Negierung, obgleich sie die kon- greganistischen Schulen veranlaßt hätte, die gesetzliche Erlaubnis zum Unterricht nachzusuchen, doch fest ent­schlossen gewesen sei, die Unterrichtstätigkeit zu ver- hindern.

L»«don 39. März. König Eduard verläßt heute nachmittag 3 Uhr 15 Minuten London und bcgiebt sich nach Portsmouth, wo er abends an Bord der königlichen Yacht „Viktoria and Albert" sich nach Lissabon einschiffen wird.

London. 39. März. Wie die Morgenblättcr berichten, beläuft sich der Wert der Kohlen, welche für die englische Marine pro 1994 notwendig sind, auf 2 Millionen Pfund Sterling, 399 909 Pfund mehr als im Vorjahre. Mehrere Blätter messen den Ver­suchen der Admiralität zwecks Einführung von flüssigem Heiz- material großen Wert bei.

Rom, 30. März. Beim nächsten Konsistorium am ^. Mai werden keinerlei französische Ernennungen er­folgen. Der Papst hat eine Cirkularnote an'die franzö­sischen Mönche gerichtet, worin er sie von dem Armuts- gclübde entbindet und sie ermächtigt, das Kleid der welt­lichen Geistlichen zu tragen. — Nach den neuesten Mel­dungen aus Sorrent wird Prinetti in den nächsten Tagen daselbst eintressen und mit dem Grafen Bülow zu- sammentreffen. — Graf Bülow traf gestern in Neapel ein und reiste alsbald nach Sorrent weiter.

Ncw-Uork. 30. März. Der Senator Hanna erklärte sich in Arbeiterfragen als Gegner eines jeden obligatorischen Schiedsspruches. Er will die Konflikte zwischen Arbeitern und Arbeitgebern auf friedlichem Wege erledigt wissen.

sick. Berlin, 39. März. Nach einem Telegramm ans K ö n i g s- Hütte verunglückten auf der Lanra-Grnbe drei Bergleute durch Kohlenfall. Einer wurde getötet, die beiden anderen schwer­verletzt.

hä. Berlin. 80. März. Unter den Berliner Spiritisten hat die Bernrteilung des Blnmenmedinms Anna Rothe große Aufregung üervorgerufen. Am nächsten Freitag soll eine große S p t ri­tt st en-Bersammlnng zur Besprechung des Urteils statt- sindcn. — In der vorletzten Nacht erfolgte ans dem Knrfürstcn- damm ein Z u s a m m e n st o tz zwischen einer Droschke und einem Wagen der elektrischen Straßenbahn, wobei der Insasse der Droschke so schwer verletzt wurde, daß er bald darauf verstarb.

sick. Wie«, 39. März. Der 42-jährige Diener der Bodcnkredit- Anstalt, Franz Kopetsky, hat seine Frau wegen Ehebruchs durch einen Gewehrschuß getötet und sich damr selbst der Polize i gestellt. _

Volkswirtschaftliches.

Geldmarkt. Kursbericht der Frankfurrer Börse vom 39. März, mittags lB/. Uhr. Kredit-Aktien 217.89, Diskonto- ^ommandit 196.10, Staatsbahn 148.99, Lombarden 14.79, Laura­bütte 225, Bochumer 194.89, Gelscnkirchcner 185.39, Harpcncr 184.70. Tendenz: fest.__

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