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No. 1»« SL. Jayrgang. Lviesd«dener Togblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: La«sgasseA7. S«. März LSv». Seite «.

Entdeckung neuer Formen betrifft, fo mutz man schon zu ben Reisen von Welwitsch und Schweinfurth, sowie zu der ersten Ausschließung unserer tropisch-afrikanischen Schutzgebiete zurückgreifcn, will man einen ähnlichen Reichtum an Neuheiten für die Wissenschaft konstatieren. Der von dem Experten des Comit6s und von hervor­ragenden Kennern der pflanzengeographischcn und wirt­schaftsbotanischen Verhältnisse Afrikas bearbeitete Gene­ralbericht wird demnächst durch das Kolonial-Wirtschaft­liche Comits, Berlin, der Öffentlichkeit übergeben.

Ausland.

* Italien. Die Meldung des Mailänder „Seccolo", daß die in Neapel erfolgte Verhaftung mit einem Kom­plott gegen das Leben des Zaren in Zusammenhang steht, entbehrt jeder Begründung. Diese Nachricht wurde lediglich von russischen Geheimagenten verbreitet. — Dem „Seccolo" zufolge wird das italienische Königspaar im Herbst nach Cettinje reisen, um in der Umgebung von Podzorice am Skutarisee der Jagd obzuliegen.

* Rußland. Das Zarenpaar begibt sich am 9. April nach Moskau, wo es 14 Tage verbleiben und das Oster­fest feiern wird. Der Minister des Innern begleitet das­selbe, weil der Zar in Moskau Bauern-Deputationen empfangen will, um ihnen mündlich Erklärungen über den Charakter der bevorstehenden Bauern-Reformen zu geben.

* Marokko. Das gesamte Gebiet zwischen Fez und der algerischen Grenze ist gegen den Sultan aufständisch. Die größten Kabylenstümme im Küstengebiete halten in Mazuea Beratungen ab, um sich über ihr Verhalten schlüssig zu machen. Die Mehrheit ist dem Prätendenten günstig. Nach den letzten Nachrichten soll der Onkel des Sultans Hainza von den Anhängern des Prätendenten eingeschlossen gefunden haben.

* Mittelamerika. Im Departement Chontales in Nicaragua ist eine Revolution ansgebrochen. Die Auf­ständischen haben die beiden Dampfer auf dem Nicara- gua-See genommen, die Verbindung mit dem Atlantischen Ozean abgeschnitten und sind in das Departement Granada eingedrungen. Die Lage ist ernst. Die Revo­lution wird von auswärts unterstützt. Die Verbindung nach dem Stillen Ozean erscheint durch den drohenden Einfall nach Leon gefährdet. Die Regierung hebt starke Truppenmassen aus und hat eine Zwangsanleihe von einer Million verfügt.

Ans Stadl und Kand.

W i c s b a d e n ,' SO. März.

— Vom „Gestrigen". Der liebe Frühling scheint es in diesem Jahre wirklich gut mit der Menschheit und mit der Natur zu meinen. Schon volle vierzehn Tage erfreut er uns mit seinem fröhlichen Sonnenschein und dem lachenden, klarblauen Himmel und weckt die Natur auf zur Wiederauferstehung in frischer, bunter Pracht, und winkt den Menschen zu, all die Sorgen, die die ver­gangenen trüben Wochen gebracht haben, zu vergessen und nun froh und heiter zu sein wie der Lenz selbst. So ein herrlicher, herzerfreuender Märzentag war auch der gestrige Sonntag wieder, und wenn's am Sonntag schön ist, dann soll man sich gleich doppelt freuen. Denn es ist nun einmal leider für die Mehrzahl der geplagten Menschenkinder bloß ein Sonntag in der Woche, ein Tag, wo man sich erholen will und soll von dem ermüden­den Alltagsleben und sich stärken für die kommenden Tage. Und dieser eine Sonntag dürfte daher eigentlich nie mißraten. Also freuen wir uns, daß er gestern wie­der mal nicht mißraten ist, sondern so schön war, daß man sich's kaum hübscher hätte wünschen können. Den Leuten, die da gestern aus der Stadt hinauszogen, viel­fach mit Kind und Kegel, oder auch paarweise, Männ­lein und Weiblein hübsch zusammen, wie cs sich zur Früh­

lingszeit gehört, oder auch als vereinzelte Spaziergänger, hinaus in die frische, reine Leuzluft, in den erquickenden Sonnenschein — den Leuten sah man cs an, wie sehr sie sich freuten, daß sie der Stadt für ein paar schöne Stun­den entfliehen konnten. Und es war auch wirklich zu mollig draußen. Am Waldrand und drunten im Wiesen­grunde blühten schon die ersten Anemonen und Schlüssel­blumen, und blaue Veilchen guckten schüchtern aus dem Grün hervor, und überall begann es zu knospen und zu grünen an Baum und Strauch. Allenthalben frohes Leben, auf Weg und Steg vergnügte Menschen, die Körper, Geist und Gemüt erquickten in der Natur. Und wenn man eine Anhöhe erstieg, wo der Blick frei in die Lande schweifte, wie herrlich war da die Aussicht bei der klaren Märzluft1 Wie prächtig lag da unsere Bäderstadt mit ihren Türmen und Dächern in dem Talkessel, und weiterhin der Main- und der Rheingau und drüben über dem majestätischen Strome das goldene Mainz und die dörferreiche hessische Ebene bis zum Donnersberg und zum Odenwald: und im Taunus reihte sich Berg­kuppe an Bergkuppe in malerischem Wechsel. Fürwahr, einen solchen Frühlingssonntag sollte man nicht vorüber­gehen lassen, ohne hinauszupilgern durch Wald und Flur, um sich zu erfreuen an den Schönheiten der Natur und an ihrem neu erwachenden Leben.

o. Todesfall. Herr Graf Julius v. Jngenheim, welcher seit einer Reihe von Jahren hier wohnte, ist am Samstag im 76. Lebensjahre gestorben. Die Beisetzung erfolgt in der Heimat des Verstorbenen in Schlesien.

gs. Residenz-Theater. Heute findet die erste Wiederholung von „Die stillen Stuben" statt. Morgen Dienstag wird „Monna Vanna" gegeben, welches Stück in feiner neuen Besetzung noch größeren Eindruck gemacht hat als in den ersten. In Vorbe­reitung befindet sich „Neukunst", Lustspiel von Georg Wilhelmi, welches seine Ur-Aufführung hier erleben wird.

— Deutsche Kolonialgeseüschaft. Die Abteilung Wiesbaden der Deutschen Kolonialgesellschaft konnte am Samstag auf ein zwanzigjähriges Wirken zurückschauen. Der Vortrag der Schwester Wittum am Freitag bildete gewissermaßen die Vorfeier, der vorgestern ein Bericht des Herrn Vorsitzenden, I>r. W i b e l, und ein Festessen im Kasino mit Theateraufführung folgte, I)r. Wibel gab zunächst eine Übersicht über die Entwicklung Deutschlands als Kolonialmacht, die fast mit der zwanzigjährigen Ge­schichte der Kolonialgesellschaft zusammenfällt. Hier seien vor allem die Schwierigkeiten immer wieder zu betonen, die sich einem so späten Eintreten Deutschlands in die Kolonialbestrebungcn der europäischen Mächte entgegen- stcllten. Vor allem England mußte bei der großen Über­legenheit seiner Flotte zu jedem deutschen Besitzergrcifen seine Zustimmung geben, ja, es konnte nur in diplomati­schen Unterhandlungen selbst seine Duldsamkeit errungen werden. Der Redner las einen Aufsatz der „Times" aus dem Jahre 1883 vor, der zu dem ersten deutschen Versuch Deutschlands Stellung nimmt, bei der „Teilung der Erde" nicht wie der Künstler leer auszugehen. Man gönnte uns eben vorerst noch jene Gebiete, von denen sich die anderen wenig Nutzen versprachen. Wenn das mit der Zeit anders geworden ist, hat die Deutsche Kolonial- gescllschaft einen wesentlichen Anteil daran. Gegenwärtig ist man, so weiß jeder aus den Ereignissen der letzten Zeit, über die ersten Kinderjahre deutscher Kolonialge­schichte hinaus, und die Gesellschaft kann mit Recht ihr zwanzigstes Stiftungsfest wie einen Sieg feiern. Die Arbeit aber, welche noch, und vielleicht gerade jetzt, in der Ausbildung und Organisierung der kolonisierenden Elemente der Gesellschaft bevorstehe, werde ihre Opfer­bereitschaft und ihren Ernst vollauf bestätigen. Der Red­ner führte alle die zahlreichen Einrichtungen und Reso­lutionen an, welche die Erfolge bis heute kennzeichnen. Er erwähnte die deutsche Kolonialschule zu Witzenhausen a. d. Werra, die eine immer größere Bedeutung als Pflanzschule echter, deutscher Art im fernen Ausland er­halte. Was nun die Abteilung Wiesbaden selbst anbe-

1 trifft, so begleiten wiederum ihre Schicksale die große

deutsche Gesellschaft von Beginn an. Nächst Mannheim

war Wiesbaden schon bei den ersten Zählungen der Zen tralgesellschaft 1883 in Frankfurt a. M. die stärkste Sek­tion in Deutschland. Nach der Verlegung der Zentrale nach Berlin hatte Wiesbaden ebenfalls ein gewichtiges Wort an allen Beschlüssen mitznreden. Besonders ver­danke es dies dem ersten Vorsitzenden, Prof. Grimm. Schon 1884 konnte man keinen Geringeren als Stanley im Wiesbadener Verein begrüßen, der von Frankfurt a. M. einen Abstecher nach hier gemacht hatte. Nach eini­gen Krisen hat I)r. Wibel dann den Vorsitz über­nommen und er kann in den letzten Jahren wieder ein stetes Zunehmen der Mitgliederzahl feststellen, die sich gegenwärtig auf 354 beläuft. So darf man mit mehr Zuversicht heute als je in die Zukunft schauen. Es kann daher nicht am Erfolg fehlen, wenn der gute Eifer für die Sache sich im gleichen Maße wie bisher auch im Volke bemerkbar macht. Die Ausführungen fanden großen Beifall. In gehobener Stimmung ging man jetzt auch den Freuden des Abends huldigen, nachdem noch eine kurze Nachbesichtignng der großen Wiesbadener Kolonial- Ausstellung des Jahres 1899 an der Hand von Photo- graphieen und einige exotische Leckerbissen Zuspruch ge- sunden hatten. Herr Admiral v. Linker brachte nach dem Fisch den Trinkspruch auf den Kaiser aus, dessen weitem Blick die Kolonialsache fast alles zu danken habe, was sie bisher erreichte. Der beiden Präsidenten der Kolonialgesellschaft, des Gründers Fürsten Hohen- lohe-Langenburg und des gegenwärtigen Schutz­patrons Herzogs Johann Albrecht von Meck­lenburg, gedachte in warmen Worten Herr General v. B a r t e n w e r f f e r. Telegramme übermittelten ihnen den Dank der Wiesbadener Abteilung für ihre huldvollen Bemühungen. Rechtsanwalt Heintzmann ließ sodann Schwester Wittum als tätige Vorkämpfe­rin der deutschen Sache im Ausland leben. Auf die Damen toastete Herr Hofrat Westberg in Versen. Seine Liebe zum Pegasus wurde auch noch weiter' durch einen Schwank zum Ausdruck gebracht, „Die Heirats- lustigen", der in launiger Weise die Heiratsnöte der afri­kanischen Ansiedler schildert. Erste Schauspieler vom Hof- und Residenz-Theater brachten das Stück zur Darstellung, und eS erregte einen lang anhaltenden Beifall, der uns noch einmal in einem gereimten Dank des Autors mit seiner VerSkunst bekannt machte. Der Lorbeer des Künst­lers wurde dem würdigen Herrn darauf von den Mit­gliedern der Gesellschaft auS schwarzer Hand, der eines Negerknaben, überreicht. Noch lange hielt Freude und Geselligkeit die Teilnehmer beisammen. LI.

— Kostümfest. Morgen Dienstag, den 81. März, zwischen 6 und 9 Uhr abends, werden Anmeldungen von Mitwirkenden (Damen und Herren) zu dem Kostüm­fest der Äünstlerklause in deren Lokal, „Promenade- Hotel", Wilhelmstraße 24, entgegengenommen.

— Vortrag. Auf Einladung des Vereins Frauen- bildung-Frauenstudium wird am Donnerstag, den 2. April, abends 8 U„., im Saale der „Loge Plato" Herr v. G e r l a ch aus Berlin einen Vortrag halten über: „Die Frau im öffentlichen Leben". Der bekannte Politi­ker, der als Kandidat der national-sozialen Partei jetzt vielfach genannt wird, hält sich augenblicklich behufs Vor­arbeit für die Reichstagswahlen in Hessen auf. In seinem hiesigen Vortrag wird er auf die Notwendigkeit der Be­tätigung der Frauen auf politischem Gebiet Hinweisen. Der Ruf eines glänzenden Redners geht ihm voraus, es dürfte daher in mehrfacher Beziehung interessant sein. Näheres über seinen Standpunkt, speziell der Frauen­frage gegenüber, zu erfahren. Der Vortrag findet bei freiem Eintritt für jedermann statt.

— Genoffenschaft «nd Handel" lautet bas Thema, über welchcs'Hcrr Justizrat Dr. Alberti auf Veranlassung des Kaufmännischen Vereins Wiesbaden" am Mittwoch, den 1. April, abends fli/i Uhr. im Gartensaal des „Friedrichshof" einen Vor- trag halten wird. Die Materie ist von besonderer Wichtigkeit, zu­mal die Genossenschaften im Geschäftsleben heute einen wichtigen rroklnv bilden und in erster Linie die Kreditgenossenschaften, über

FerriUrton.

Königliche Schauspiele.

Samstag, den 28. März: „Carmen". Oper in vier Akten von G. B i z e t.

Dies reizende Meisterwerk neu-französischer Opern­kunst bewahrt noch immer seine ungeschwächte An­ziehungskraft. Seit einem Dezennium kannten wir hier die Titelpartic in der Wiedergabe dnrch — cs will mir noch garnicht recht in die Feder: durch Frau Professor Schlar. Frau Professor Schlar also zeichnete die Carmen als ein von Leben und Liebe strahlendes Wesen, wider dessen holde Verführungskünste gar kein Auflchnen mög­lich schien. Aber daß diese Ausfassung nicht die einzige ist, lehrte uns Gemma Bellincionis Carmen: eine ver­wilderte Zigeunerin, die in zügelloser Ausgelassenheit und glühender Sinnlichkeit ihrer Opfer zu spotten weiß: lehren uns auch wieder andere Bühnenkünstlerinnen, welche der Gestalt mehr nur durch schelmische Soubretten­grazie beizukommen suchen, und somit von dem dämoni­schen Charakter der Merrtmäschen Ortginalgestalt ab- schen und sich ganz von der Bizetschen Musik leiten laffen, die alle Züge jenes Originals in sehr verfeinerten Linien wiederspiegelt. Solcher Auffassung neigt auch Fräulein Triebet zu, welche an, Samstag hier zum erstenmal die Carmen gab: sie muß ihr zuneigen, denn ihrer ganzen Persönlichkeit, ihrer Erscheinung, ihrer Stimme, ihrem Talente nach ist Fräulein Triebe! zwar wohl ge­eignet, einen Typus der Grazie — nicht aber der Leiden­schaft hinzustellen. Grazie und Leidenschaft vereint, würden einer Carmen freilich wohl am besten kleiden: doch auch jene eine Seite genügt, wenn sie mit über­zeugender Wahrheit betont wird. Dies gelang Fräulein Triebe! im ersten Akt in überraschender Weise. Mochte auch die kleine, zierliche Gestalt wenig zu dem Bilde einer heißblütigen Spanierin stimmen, — man sah sich doch in diese Carmen hinein: sic reizte die Phantasie: man wünschte das Geheimnis ihres seltsamen Wesens zu er­gründen: ist's wirklich nur ein leichtfertiges Spiel, wel­ches Carmen mit ihren Liebhabern treibt'? Berechnung? Flatterhafte Gefallsucht? Oder ist sic im innersten Kern doch einer tieferen, wahren Empfindung fähig? Kurz,

Fräulein Triebe! wußte in diesem ersten Akt, der ja ganz auf leidenschaftlose Koketterie gestellt ist, in jeder Hinsicht zu interessieren: ihre Wiedergabe atmete Lust und Leben und war außerordentlich raffiniert: jeder Ton, jede

Silbe, jeder Blick — traf. Im weiteren Verlauf ver­mochte sich aber die Darbietung, so viel Anziehendes ihr auch im einzelnen anhaftete, nicht auf gleicher Höhe zu halten, noch weniger — sich zu steigern. Es gelang Fräu­lein Triebe! nicht immer, die schwierigen Übergänge in der Rolle ganz ohne Künstelei ungezwungen und unab­sichtlich durchzuführen. Die Leidenschaft für Jos6, die Carmens ganzes Wesen verschönen soll, ebenso der Um­schwung in der Liebe zu Escamillo hätten sich durch ein- sacherere Mittel, impulsiver und natürlicher ausprägen müssen. Gesanglich blieb der erste Akt ebenfalls der Höhe­punkt der Leistung: die Stimme gab zum Teil sehr schön aus: der Ton erhielt durch volle und reine Vokalisation genügend intensiven Gehalt, der Vortrag durch fein pointierte Pikanterie eine ganz eigene Anziehungskraft. Allein, für die verführerischen Mclodicen im Duett des zweiten Aktes mangelte eS dem Organ an sinnlicher Wärme, und wiederholt stahl sich auch weiterhin, in den stärkeren dramatischen Momenten, der Sprechton durch den Gesangston hindurch: ein Zeichen, daß die Stimme der anspruchsvollen Aufgabe doch nicht durchweg gewach­sen war. Recht wirkungsreiche Töne fand Fräulein Triebe! für den Ausdruck des Schreckens vor dem Schick­sal, das die Karten weissagen: und entschiedener hob sich die Leistung noch einmal im letzten Akt, wo diese Carmen so recht als eine Beute des Schauers vor dem Unver­meidlichen dahinzusterben schien. — Das Publikum spendete der begabten Künstlerin reichen Beifall: derselbe klang nach dem ersten Akt wie die Unterschrift „Dein dich herzlich liebendes" — nach den nächsten Akten mehr wie „Ihr achtungsvoll ergebenes" Publikum.

Alle die um die Hauptperson gruppierten bunten Ge­stalten des wechsclrcichen Dramas wurden von unseren Darstellern wirksam verlebendigt. Neben Herrn Krauß als stattlichem Jos6 stand Herr W i n k e l als Escamillo. dem allerdings diese Partie zu tief liegt, um mit durch­greifendem Erfolg von ihm beherrscht zu werden, doch an mnsikalischem Geschick und Energie fehlte es nicht. Fräulein Robinson gab mit inniger Beseelung die Micatzla, und Fräulein Sedlmater und Fräulein

Cordes waren allerliebste Vertreterinnen der beiden Zigeunermäöchen. Auch die kleineren Rollen fanden glückliche Besetzung, so daß namentlich auch das Schmugg­ler-Quintett im 2. Akt — die Glanznummer der Partitur — vortrefflich gelang: Orchester, Chor, Ballett und Scenerie — wie gewöhnlich auf der Höhe. 0.D.

Aus Kunst und Leben.

ܰ Cäcilicn-Vercins-Konzert. In der am Freitag, den 8. April, in der Marktkirche stattfiudenden Auf­führung der „Johannis-Passion" durch den „käcilicn- Vercin" wird die Partie des „Christus" von Herrn Anton Sistermanns gesungen werben, der Evangelist durch Herrn Robert Kaufmann aus Zürich, der diese Partie bereits in der letzten Aufführung der Passion sang. Die Sopran- und Altsoli werden durch Fräulein Anna Münch, Konzertsängerin aus Gera, eine für öaS Wiesbadener Publikum neue Erscheinung, und Fräulein Martha Stapelfcldt aus Frankfurt a. M., welche im vorigen Winter im „Paradies und Peri" gesungen hat, vertreten sein. Die mit Unrecht sogenannten kleinen Baßsoli (Pilatus, Petrus re.), welche gerade in der Johannispassion an Umfang und Bedeutung, ebenso auch an Schwierigkeit kaum hinter dem „Christus" zurück­stehen, hat Herr Jean H c m s i n g von hier übernommen. An der Orgel wird Herr Wald seines Amtes walten, und Herr Deutsch die Reeitative am Klavier begleiten.

h. Frankfurter Schauspielhaus, 29. März. Das Sven Lan g esche Schauspiel „Die stillen Stuben", dessen erste deutsche Aufführung uns in Frankfurt zwar versprochen war, das aber zwei Tage zuvor schon am Wiesbadener „Residenz-Theater" in Scene ging, ist gestern auch hier gegeben worden und hat eine Aufnahme gefunden, die sich zwischen Beifall und Zischen teilte. Wer Gefallen an dem Stück fand, aner­kannte wohl mit Recht die interessante psychologische Cha­rakterschilderung der einzelnen Personen: aber auch die Ablehnenden im Publikum hatten ein gutes Recht zu ihrer Stellung, denn ein gutes Theaterstück ist die Novität sicherlich nicht. Dazu ist cs viel zu breit angelegt, eine Breite, die durch das gedehnte Spiel unserer Darsteller noch unlieb gehoben wurde. Auch kam zum Schaden der Dichtung hinzu, daß unsere Hörer bei der schlechten Aku-