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«Io. 149. 51. Jahrgang

29. März 190». Seit- ».

Wiesvasener T«g»l«tt(Morgen-»«Sga»ei. Verlag: r«ngg«fse 27 .

fremden Verbrecher kostet England 600 006 Mk. pro

* Rußland. In Finland sind auch 43 Geistliche verabschiedet, die sich weigerten, bei der Durchführung des neuen Wehrpflichtgesetzes mitzuwirken.

Aus Stadt und Kand.

Wiesbaden, 29. März. .

Personal-Nachrichten. Herr Regierungsrat Lindenberg in Minden ist der Königlichen Regierung in Wiesbaden zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen worden. Der Regierungsassessor V a l e n t i n e r in Hanau ist dem Landrat des Landkreises Wiesbaden zur Hilfeleistung in den landrätlichen Geschäften zugeteilt worden. Der bisherige Vorsteher der vflanzenphysiologischcn Versuchsstation der Königlichen Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim a. Rh., Prosefsor Dr W o r t m a n n, ist zum Direktor dieser Anstalt an Stelle des auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzten Landesökonomie- rats Goethe ernannt worden.

gs. Residenz-Theater. Am Sonntagnachmittag ist als Vor­stellung zu halben Preisen Blumenthal und Kaüelburgs famoses Lustspiel: »Der blinde Passagier angesetzt, das wohl an Wirkung wie an Erfolg mit demWeißen Rötzl" konkurrieren kann So manchesmal wohl wirdDer blinde Passagier" im Residenz-Theater die lustige Nordlandreise antreten und noch oft wird dieViktoria Luise" ihre Anker unter den Klängen der S-biffskapelle lichten können. Auch am Abend kommt eine 'oiece de resistance zur Darstellung: die skrupelloseLüttst, die Pariser Schöne, wird aufs neue ihre Anziehungskraft erproben. Die nächste Wiederholung vonDie stillen Stuben" ist Montag.

Reichshallen-Theater. Auf das diesmalige abwechslungs­reiche Programm im Reichshallen-Theater sei hiermit nochmals binaewiescn. Die ausgezeichneten Leistungen von Canova, Schlange der Lust", Mstr. Delbost, einbeiniger Handakrobat, Tup und Bare Cly, Jean Sora-Quartett, Humorist Tieck re. finden allseitige Anerkennung. Herr Direktor Söllner, welcher stets be­müht ist, vielseitige, dezente Familien-Programme zu bringen, hat kür April u. a. den hier bereits bekannten Humoristen Robert Nickel verpflichtet: ferner das ausgezeichnete Gesangs-DuettRaab und Edelweiß" <Herr und Dame,, sowie die Berwandlungs- tänzerin Heta Tamara, ein ehemaliges Mitglied des Ballets des hiesigen Kgl. Theaters, welche sich in verschiedenen Tanzcharakter­studien mit Transformation dem Wiesbadener Publikum zeigen wird Wie üblich finden heute Sonntag zwei Vorstellungen start.

Handarbeits-Ausstellung. Die seit vierzehn Jahren Gestehende Haushaltungsschule der Firma Dyckerhosf u. Söhne, Amöneburg bei Biebrich, welche schon Hun­derten von Arbeitertöchtern eine Ausbildung vermittelt hat, die sie im späteren Leben befähigen soll, tüchtige, spar­same Hausfrauen zu sein, veranstaltet am Palmsonntag (5. April) eine Ausstellung der von den Schülerinnen angefertigten Strick-, Flick- und Näh-Arbeiten. Zu gleicher Zeit findet eine Ausstellung der Arbeiten statt, welche im Knabenhort der Firma im Handfertigkeits- unterricht gemacht worden sind. Die Ausstellung, im Lokale der Haushaltungsschule, ganz in der Nähe der Fabrik, ist den ganzen Tag geöffnet und jedermann zu­gänglich. Der Besuch derselben kann allen, welchen die Heranbildung unserer Jugend, auf der das Volkswohl und alles häusliche Glück beruht, am Herzen liegt, nicht dringend genug empfohlen werden.

o Städtische Beamteu-Anwärter. Uber die An­nahme, Ausbildung und Prüfung von Beamten-- Anwärtern für den Bureau- und Kassendienst, der städtischen Verwaltung hat der Magistrat besondere Be­stimmungen erlassen. Die Annahme soll danach,nur naa, dem Maße des Bedürfnisses erfolgen, jedoch weder durch die Annahme und Beschäftigung, noch durch die Ab­legung der Prüfungen ein Anspruch auf Anstellung rm städtischen Dienst erwachsen. Wer als Civilanwarter angenommen sein will, muß 1. im Alter von in der Regel nicht über 20 Jahren stehen, 2. mindestens drejemge Schulbildung besitzen, welche zum einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt, 3. gesund sein, 4. sich tadellos geführt haben und 5. Nachweisen, daß er in der Lage ist, sich 8 Jahre lang aus eigenen Mitteln oder durch Unter­stützung seiner Angehörigen zu unterhalten. Der An­

wärter hat zwei Prüfungen zu bestehen. Damit wird die Befähigung zur Bekleidung von Bureaubeamtenstellen erworben, und zwar durch die erste Prüfung für Assistenten- und durch die zweite Prüfung für Sekretär- und Obersekretär - Stellen. Der Magistrat hat sich Vorbehalten, auch andere Personen zu den Prüfungen zuzulassen, und Beamte, welche sich seit mindestens fünf Jahren im städtischen Dienst befinden und sich in ihren Stellungen bewährt haben, ferner solche Personen, welche aus einem anderen Dienst in den der Stadt berufen wer­den, von den Prüfungen zu dispensieren. Diese Be­stimmungen treten am 1. April c. in Kraft.

Für Sommerfrischler «. s. w. Aus Mannheim wird uns mitgeteilt, daß sich dortselbst eine Vereinigung gebildet habe, deren Zweck ist, den Angestellten des Han­delsstandes, welchen ein Sommerurlaub gewährt wird, billigen Landaufenthalt nachzuweisen. Um den an sie herantretenden Anforderungen gerecht zu werden, bittet die Vereinigung Privat- und Gasthäuser, bet welchen geeignete Pensionen in Frage kommen 2,50, 3, 3,50 und 4 Mk. pro Tag für Unterkunft und Verpflegung er­hältlich sind, um baldgefällige nähere Mitteilungen. Alle Zuschriften sind zu richten an den Vorsitzenden der Ver­einigung, Herrn Ad. R e u t l i n g e r, U 7. 22, Mann­heim.

Schulnachrichte«. Von Donnerstag bis Samstag dieser Woche fand vor der Kgl. Prüfungskommission die Prüfung der 2. Gruppe der Aspiranten zum Einjährig-freiwilligen Dienste statt. Sämtliche Schüler dieser Abteilung bestanden, darunter einige, die das sogen. Künstlerexamen ablcgten. Die anderen gehörten demPädagogium Wiesbaden" (Direktor vr. L ech­te i t n e rj an. Herr Lehrer Pohl ist nach Bübingen, Schneider von Kaltenholzhausen nach Grenzhansen, Schmidt von Rod a. d. Weil nach Kaltenholzhausen, Lehrerin Schwarz von Eckenheim an die Stelle der Lehrerin Hagelaner nach Sossenheim, Lehrer Klöppel von Höchst mit 1. Juli nach Frankfurt, K a l k e r von Wiesbaden an die 2. Stelle in Arzbach, Cäsar von Niederroßbach nach Vielbach versetzt. Herr Schul­amtsbewerber U s i n g e r ist in Willingen angestellt. Herr Lehrer Engelbrecht von Dausenau ist nach Nicbcrlahnsteiu versetzt. Die durch die Versetzung der Lehrerin Kulemcyer von Haiger nach Frankfurt a. Nt. freigewordene Stelle an der höheren Töchterschule ist durch Fräulein Schmidt aus Obernhos bei Nassau neu besetzt worden.

Verein zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr nnd zur Förderung des Baues gesunder und billiger Wohnungen im Regierungsbczirk Wiesbaden. In den letzten Tagen fand Hierselbst eine Sitzung des großen Vorstandes statt, die auch aus den Kreisen des Regie­rungsbezirks Wiesbaden gut besucht war. Aus den ge­schäftlichen Mitteilungen, die der Vorsitzende, Herr Ver­waltungsgerichtsdirektor Linz, machte, geht hervor, daß der Verein in der kurzen Zeit des Bestehens höchst erfreuliche Fortschritte aufweist, so daß die Zahl der Mit­glieder auf 500 gestiegen ist. Namentlich durch Zuwen­dung an minderbemittelte Lungenkranke und deren Familien behufs Ermöglichung einer durchgreifenden Kur in einer Heilstätte hat der Verein schon in zahl­reichen Fällen segensreich wirken können. Auch in den für 1903 aufgestellten bezw. genehmigten Etat konnten für diesen Zweck wiederum erhebliche Mittel eingestellt werden, da dem Verein gerade in den letzten Tagen durch zwei edle Menschenfreunde große Summen zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt wurden. Als besonderer Punkt der Tagesordnung darf noch hervorgehoben wer­den, daß nach einem eingehenden Referat des Herrn Sanitätsrates Dr. Obertüschen der Vorstand des Zweigvereins Wiesbaden beschloß, an den Provinzial­verein denAntrag auf Errichtung einer Heilstätte für tuberkulöse Kinder aus der Provinz Hessen-Nassau und dem Fürstentum Waldeck" zu stellen. Der Anschluß des Vereins an das deutsche Zentralvomitä zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke und an das soziale Museum in Frankfurt a. M. wurde ebenfalls einstimmig beschlossen. An dieser Stelle mag auf den in Frankfurt am Main unter dem Namen:Soziales Museum" vor

kurzem gegründeten Verein, der das Interesse weiterer

Kreise in hohem Maße verdient, hingewiesen werden. Der Zweck des Vereins ist: 1. Der Betrieb (Einrichtung, fortwährende Ergänzung) eines sozialen Archivs und einer Abteilung für soziales Anschauungsmaterial. 2. Der Betrieb einer sozialen Auskunftstelle. 3. Der Betrieb einer Rechtsauskunftstelle. 4. Die Besorgung der Geschäfte gemeinnütziger Vereine und Institute, die ihm diese übertragen haben, sofern sie Mitglieder deS Vereins sind. Eine der Vorstandssitzung Vorausge­gangene Beratung der Sonderkommission zur Förde­rung der Gemeindekrankenpflege beschloß die Veranstal­tung einer eingehenden statistischen Erhebung zwecks ge­nauer Feststellung der aufzubringenden Mittel und Vor- bereitung der Organisation.

Nachdem das Tennis-Spielen im Freien wieder begonnen hat, macht derAllgemeine deutsche Sprach- Verein" (Zweigverein Wiesbaden) die Jugend aufmerk­sam, daß in der Buchhandlung von Moritz & Münzel, Wilhelmstratze 52, Tafeln ausgelegt sind, welche jeder­mann k o st e n l o s zur Verfügung stehen. DerSprach- Verein" mahnt die Tennis-Spieler, sich von den eng­lischen Ausdrücken ganz frei zu machen und sich der guten Verdeutschungen zu bedienen. Man kann nicht streng genug die Charakterlosigkeit der jungen Leute verurteilen, die mit den englischen höchst nachahmungswerten Be­wegungsspielen auch die fremden Worte mit herüber­nehmen. Wo nur immer DeutscheLawn Tennis' spielen, nicht etwa Deutsche mit Engländern, sondern Deutsche unter sich, da bedienen sie sich dabei in lächer- lichster Weise auch der englischen Sprache. Bei keinem anderen Volke der Erde wird man eine solche charakter­lose Schwäche und Eitelkeit beobachten. Oder hätte man gehört, daß der Franzose, wenn er Münchener Bier trinkt, seine Gläserzahl miteins, zwei, drei" angjbt? Diele pIn^-Jünglinge und vut-Fräulein sollten dem öffentlichen Spott verfallen und schon in der Schule sollte man auf das törichte Benehmen Hinweisen, durch das den ernsten Bestrebungen vieler deutscher Männer, unsere Muttersprache von Fremdwörtern zu reinigen, so sinnlos entgegengearbeitet wird. Fürchten denn diese jungen Leute nicht, daß sie sich dadurch bei den Engländern verächtlich machen und sich ihrer deutschen Ehre begeben.

Die Rückkehr der Zugvögel werden wir in diesem Jahre nun wohl bald erwarten dürfen, wenn die jetzt herrschende warme Temperatur noch etwas länger an­dauern sollte. Daß die Witterungsverhältniffe und dre Wanderungen der Zugvögel in einem engen Zusammen­hänge mit einander stehen, ist ja längst bekannt; neuer­dings sind nun aber auch wissenschaftliche Untersuchungen in dieser Richtung vorgenommen worden, die die Richtrg- keit der alten Bolksanschauung bestätigen. Der un­garische Meteorologe I. Hegyfoky hat jüngst die Ergeb­nisse zahlreicher Beobachtungen, die besonders mit der Rauchschwalbe angestellt wurden, veröffentlicht. Da hat es sich denn, wie wir einer Mitteilung derKölnischen Zeitung" entnehmen, herausgesteüt, daß in den Jahren 1890, 91, 95, 96, 97 und 98 die meisten Angaben des Wiederkommens der Rauchschwalbe auf diejenigen Tage fielen, an denen niederer Luftdruck herrschte. Eine Aus­nahme machte das Jahr 1894. Ein Temperatursturz bringt Abnahme der Ankunftsdaten mit sich; Regen scheint keinen besonderen Einfluß auszuüben. Im Jahre 1899 fiel, nach einer genauen Untersuchung der zahlreich vorliegenden Angaben des ersten Wiedererscheinens der Rauchschwalbe, dieses wiederum zusammen mitderPentade des niedrigen Luftdrucks in Ungarn. Das Wetter wirkt entschieden teils beschleunigend, teils verzögernd auf das Erscheinen der Rauchschwalbe und außerdem findet die Behauptung, daß der Vogelzug meist mit dem Winde ge­schieht, eine neue Stütze. Bezüglich des Kuckucks konnte das nämliche nachgewiesen werden. Die Vergleichung der Ankunftsdaten von 14 anderen Vogelarten im Jahre

* Eine Dickens-Ausstellung. Aus London wird berichtet: Die erste Dickens-Ausstellung, die in London veranstaltet worden ist, wurde am Mittwoch in der Memorial Hall von der neugegründeten Dickens-Gesell­schaft eröffnet. Mr. Percy Fitzgerald, der Alterspräsi­dent der Dickens-Enthusiasten, der einen Strauß hcllrosa Geranien, der Lieblingsblumen Dickens', trug, wies dar­auf hin, daß man sich auf dem Grund und Boden des alten Fleet-Gefängnisses befände, bas infolge von Dickens Schriften entfernt wurde. Der Katalog zählt 433 Num­mern. Unter den Manuskripten wurde eine Seite aus Pickwick" gezeigt, die kürzlich 2000 Mk. brachte. Auto­graphen in Büchern und Briefen sind sehr zahlreich vor­handen. Eine sehr schöne Reihe von Porträts, die sich fast über 40 Jahre erstrecken, erregte die Aufmerksamkeit, ebenso eine Sammlung von Illustrationen zu den Roma­nen. Auch eine vollständige Sammlung von Erstaus­gaben in Originalnummern war vorhanden, und unter den Raritäten einige Korrekturbogen mit der Bemer­kung:Es sind 1 y 2 Seiten zu viel", was zur Folge hatte, daß27 Zoll" der Geschichte geopfert wurden. Unter den persönlichen Reliquien befinden sich silbernes Tafelgeschirr und Leinenkragen; auch die Möbel von dem BureauAll the Year Round" sind ausgestellt. End­lich sieht man Erinnerungen an verschiedene Wirts­häuser, die Dickens unsterblich gemacht hat.

* ttbcr die gegenwärtige Lebensweise Ibsens wird derN. Fr. Pr." folgendes berichtet: Ibsen kommt zur Zeit aus seiner Wohnung nicht mehr heraus; er ist zu sehr geschwächt und wird von Tag zu Tag häuslicher. Er verkehrt mit niemandem mehr als mit seinen aller­nächsten Angehörigen und mit seinem Diener, dessen ständige Bereitschaft der Fünfundsiebzigjährige nicht mehr entbehren kann. Henrik Ibsens Diener und Mas- seur, ein jirnger Mann, spielt eine gewichtige Rolle; er ist des Dichters intimer Vertrauter geworden. Man sagt wohl kaum zu viel, wenn man annimmt, daß Ibsen in seinen alten Tagen außer diesem seinem Faktotum keinem Menschen recht eigentlich traut. Mit Hilfe zweier Stöcke bewegt sich Ibsen noch immer etwas innerhalb seiner Wände, verläßt aber, wie gesagt, die Wohnung nicht mehr. Das Lesen hat er aufgegeben, wie auch seine ganze Korrespondenz nnd natürlich jegliche dichterische Arbeit; daß er noch jemals zu neuen Arbeiten Kraft und Muße finden werde, war nie so zweifelhaft wie heute. Den orößten Teil des Tages verbringt er an seinem Fenster,

mit dem großen weißen Gesicht auf die Straße hinaus­schauend, den Gruß der Passanten kaum beachtend. Er empfängt ohne dringende Notwendigkeit niemanden.

0. K. Dem Südpol am nächsten. Uber die Reise des antarktischen ForschungsschiffesDiscovery", das einen neuen Rekord in der Südpolarforschung ausgestellt hat, enthält das Reuter-Telegramm aus Lyttletvn (Neu-See- land) vom 25. März noch folgende näheren Mitteilungen: DerMorning", das Entsatzschiff für dieDiscovery", das in Lyttletvn angekommen ist, hat dieDiscovery" am 23. Januar in der Mac Murde-Bai (Viktorialand) angetroffen. An Bord war alles wohl, nur ein Todes­fall ist, wie schon berichtet, vorgekommen. Es handelt sich um den Matrosen Vince, der bei einer Schlitten- Expedition während eines Schneesturms einen Eisabhang binab in das Meer siel. DieDiscovery" ist am 23. Dez. bei 67 Grad südlicher Breite in das Packeis gekommen. Kap Adare wurde am 9. Januar erreicht, aber ein hef­tiger Sturm und Eis hielten die Expedition auf, die Wood Bay erst am 18. Januar erreichte. Eine Landung wurde am 20. Januar in einem vorzüglichen Hafen be­werkstelligt, der 70 Grad 30 Minuten südlicher Breite liegt. Die schwere Packbildung des jungen Eises war die Ursache, daß die Expedition in Viktorsaland Winter- qnartiere suchte, und am 3. Februar fuhr dieDiscovery" in eine kleine Bucht unter dem 174. Längengrad. Ein Ballon wurde anfgcsaudt, und eine Schlittenpartic unter­suchte das Land bis 78 Grad 50 Minuten. Hütten zum Wohnen und zu magnetischen Beobachtungen wurden er­richtet, und die Expedition bereitete sich für die Überwin­terung vor. Das Wetter war rauh, aber Schlitten-Par- ticen wurden zur Rekognoszierung trotzdem ausgcschickt; bei einer derselben verlor der Matrose Vince sein Leben, und die übrige Gesellschaft entging knapp einem ähnlichen Schicksal. Das Schiff war am 24. Mürz eingefroren. Die Expedition verbrachte einen angenehmen Winter in guten Quartieren. Die niedrigste Temperatur war 62 Grad unter dem Nullpunkt. Der Kommandant Scott, Dr. Wilson, Assistenzarzt, und Leutnant Shackleton drangen 94 englische Meilen nach dem Süden vor und erreichten bei 80 Grad 17 Minuten südlicher Breite und 168 Grad westlicher Länge Land. Damit stellten sie den Rekord für die Südpolarforschung auf. Die Reise wurde unter den schwierigsten Bedingungen gemacht. Alle Hunde starben, so daß die drei Männer die Schlitten zum Schiff zurückzieyen mußten. Leutnant Shackleton wäre

fast erfroren, hat sich jetzt aber wieder ganz erholt. Die

Gesellschaft fand, baß sich hohe Bergketten durch Viktoria- Land hinziehen. Bei 82 Grad südlicher Breite sah man 10 000 bis 12 000 Fuß hohe Berge, und die Küstenlinie setzte sich wenigstens bis zu 83 Grad 20 Minuten fast ge­nau südlich fort. Eine Abteilung, die einen Gletscher auf dem Festlande bestieg, fand eine neue Bergkette. In einer Höhe von 9000 Fuß wurde ein wagerechtes Plateau er­reicht, das, so weit der Horizont reichte, ununterbrochen zum Westen fortlief. Die wissenschaftliche Arbeit der Expedition umfaßt eine reiche Sammlung der Meeres­fauna; ein großer Teil davon sind neue Arten. Maritime und magnetische Beobachtungen wurden ausgeführt, eben­so scismographische Eintragungen und Pendelbeobach­tungen. Eine große Sammlung von Fellen und Skelet­ten südlicher Robben und Seevögel wurde angelegt. Außerdem hat man vorzügliche Photographieen gemacht und sorgfältige meteorologische Beobachtungen angestellt. Vor Ankunft desMorning" hatte dieDiscovery" einige Entbehrungen auszustehen, da ein Teil der Vorräte schlecht geworden war. Infolge dessen starben alle Hunde. Jetzt hat man aber von demMorning" neuen Proviant bekommen, so daß die Forscher nun einen angenehmer» Winter verbringen werden.

Wom Siicherttl'ch.

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