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i Der Roman, i

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j.j Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts. w

Nr. 194.

Samstag. 21. Kuguft.

« 16 .

(6. Fortsetzung.!

„vas Tantchen."

<Nachdruck verboten.)

Erzählung von H»rst Bvdemer.

Als er an seiner Wohnung vorritt, stürzte Karolek sehr schnell aus der Haustür. Das kam daher, weil er Msehen durfte, wie Herr Angrabeit mit seiner Frau die von Fräulein Würmeling geschenkte Flasche Sekt tran­ken. Das heißt, er saß bei einer „Stange" Schnaps, aber nicht dem, den der Herr Leutnant bekam, wenn er die Miete mit Zubehör brachte, so eine Masurenkehle legte Wert auf eine anständige Schärfe, für „läbriges Zeug" hatte er kein Verständnis Und als Abendbrot war auch noch ein anständiges Stiick Lcberwurst abgefallen. Noch auf beiden Backen kauend, hielt er Trensenzügel und Bügel, während sich sein Herr aus dem Sattel schwang. Bis das geschehen war, hatte er das große Stück Leberwurst hinuntevgcwllrgt.

,,'rr Leitnant ise sich gnädiges Fvailain aus DiL— Düsseldorf mit 'von Oberleitnant von Rauschenberg spazieren gefahren I"

Das war j« famos I Der Rauschenberg hatte natür­lich gleich: guten Tag! gesagt, als er von Tantchens An­wesenheit erfahren hatte, der würde sie schon zum Lachen bringen. Und das war jetzt von größter Wichtigkeit . . . Heini Klevcnich ging hinauf in feine Wohnung, schloß den Schreibtisch auf. nahm aus ihm einen Umschlag, aus dam er prüfend ein Schriftstück hervorzog und steckte es ein. Dann ging er wieder fort. Hinein in das Städtchen bis zu einem Hause, an dem ein Porzellan­schild hing, aus dom stand:

Justizrat Hellermann.

Rechtsanwalt und Notar.

Er wurde gleich empfangen. Mit dem Justizrat, einem alten, unverheirateten Herrn mit langem weißen Bart, saßen die Offiziere des Regiments oft am Hono- ratiorentrsch im „König von Preußen" zusammen.

„Sie, Herr Leutnant? Ein seltener Gast in diesen Räumen. Na, was ist denn los?"

„Eine ganze Menge Hab' ich auf dem Herzen! Also erstens, wie groß ist die zweite Hypothek auf Laupisch- keim?"

Daß sich der Leutnant Klevenich für Fräulein Böhmer interessiere, war Stadtgespräch. Der Justrzrat schob die goldumränderte Brille auf die Stirn und kniff die grauen Augen klein.

„Da müssen Sie ein -bißchen deutlicher reden, Herr Leutnant. Hier herrscht nämlich -das Amtsgsheimnrs. Obgleich es eigentlich keines ist, denn es gibt für jaoen Mittel und Wege, Einsicht in das Grundbuch zu nehmen!"

Einen Augenblick runzelte Heini Klevenich die Stirn. Ach was, der Justizrat hatte soeben vom Amts­geheimnis geredet und ohne seine tätige Hilfe ließ sich -die ganze Geschichte überhaupt nicht machen.

„Ich bin eventuell nicht abgeneigt, die zweite Hypo­thek zu erstehen! Wer da muß ich doch erst wissen, wie hoch sie eigentlich ist!"

„So, so", sagte der Justizrat und trommelte mit keinem Bleistift auf einem Aktendeckel herum. ..Es

scheint mir also, als ob Sie mit Herrn Böhmer darüber noch gar nicht Rücksprache genommen hätten!"

„Nein, das hob' ich nicht und will ich vorläufig auch gar nicht, deshalb komme ich ja zu Ihnen!"

Genau so hatte sich der Justizrat die Sache gedacht. Böhmer hatte wieder einmal seinen Dickkopf aufgesetzt. Dem zu helfen, aber lohnte sich. Er hatte dessen gericht­liche Angelegenheiten alle geführt und wußte, wie sich der Mann seiner Haut immer gewehrt. Und wenn er ihm aus seiner schlimmen Lage mit herausholfen konnte, tat er es von Herzen gern.

„Also die zweite Hypothek beträgt neunzigtausend Mark zu fünf Prozent! Das heißt, sie ist am 1. April abgelausen uird nicht erneuert worden. Nun sitzt dem guten Böhmer das Messer am Halse!"

„Gott sei Dank, daß sie nicht höher ist", sagte der Heini Klevenich, atmete erleichtert auf und zog aus dem Ärmel seines Überrocks ein Schriftstück. „Das ist mein Depositenschein! Ich habe auf der Königsberger Der- einsbank ungefähr hundertdreißigtausend Mark liegen. Da könnten wir dem Inhaber des Hypothekenbriefes die Summe wohl sofort aus,zahlen!"

Der Justizrat lachte und rieb sich dabei die Knie.

„Freilich könnten wir das, Herr Leutnant! Wer da muß ein neuer Hypothekenbrief ausgestellt werden, auf den Inhaber!" x

„Meinen Namen darf Herr Böhmer keinesfalls er­fahren, wenigstens vorläufig nicht", sagte Heini Kleve- nicht mit rotem Kopfe.

„Ist auch gar nicht nötig! Ich fahre mit Ihrer Voll­macht zur Vereinsbank nach Königsberg und Sie wer­den hier nach meinem Diktate einen Brief an die Direktion schreiben, Besitzer des Hypothekenbriefes wird die Vereinsbank und die zediert ihnen das Jnstriunent, die einfachste Sache von der Welt! Eine Schiebung zu sehr löblichem Zweck — einmal ausnahmsweise, denn Herr Böhmer wird sich halten, wenn er die zweite Hypothek bekommt. Die Zinsen -hat er immer pünktlich gezahlt, ich weiß das! Ja — und -die Rückzahlung! Ich denke, Herr Leutnant, in zehn Jahren wird es -der ' Besitzer von Laupifchkeim wissen, wer der eigentliche Besitzer des Hypothekenbriefes ist!"

Der Justizrat lachte und rieb sich vergnügt die Hände, Heini Klevenich aber blieb ernst.-

„Die Sache eilt! Würden Sie -die Güte haben und mir den Brief an die Direktion diktieren und morgen früh nach Königsberg fahren?"

„Wer natürlich! Sonst treibt die Munkelei noch ganz unnützerweise üppige Blüten! Und den weiteren Schlachtplan besprechen wir auch gleich!"

Als Heini Klevenich eine Stunde später nach Hause kam, fuhren gerade Tantchen und Rauschenberg vor.

Es dämmerte schon stack, sie trauten ihren Augen nicht.

„Ja, guckt Ihr nur, ich bin's wahrhaftig! Laupisch- keim Hab' ich nämlich für heute aufgegeben. Solche Opfer bring' ich dir. Tantckenl"