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2. Beilage zürn Mesbaüener Tagblatt.

*U-7145. Morgen-Ansgade.

Freitag» den 27. März.

51. Jahrgang. 1903,

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Ein Album ist der Menschen inn're« Leben, *>

DaS ausbewahrt in Gotte« Hände» bleibt:

Ein leere« Blatt wird jeglichem gegeben,

Und jeder ist nur, was er darauf schreibt.

Rückert.

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13. Fortsetzung.)

Der Maltheser.

Roman von O. v. Kis-Killay.

Nach dem DUttagessen zogen sie sich m Werners Arbeitszimmer zurück . Käthe erzählte von dm Vor- ^änaen im Elternhause. Werner hörte ihr aufmerksam Md teilnahmvoll zu. Als sie ihren Bericht gemdigt, be- aann sie stockend: , ,

ü Und dann, Werner, habe ich noch eine Reisebekannt- l-basi gemacht: Wir sind von Insterburg bis Berlin zu-

1 _-ifi. CCp in Sni-t Sit f rVTHtif

fanuueu gereist. Es ist jemand, den du kmnst J „So, — lver denn?"

"Ein gewisser Freiherr von Gossar. — Er erzählte, tu hättest ihm einmal das Lebm gerettet. Du hast mir nie etwas davon gesagt."

Dummes Zeug! Die Sache ist gar nicht des Auf wert. Ich badete ganz in seiner Nähe, und da Mir es natürlich, daß ich zugriff. als er unter dem Wasser verschwand. Schon damals machte er o viel Wesen daraus, daß ich Mühe hatte, ihn abzuschiitteln."

„Er schien mir so nett und angenehm, — mochtest du

ihn denn nicht?" , . .

Ganz und gar nicht. — er gehorre zu jenen ver- -oaenm Kindern des Glücks, die mit ihrem Gelde und ibrm Kräften nichts anzufangen wissen. Ein toller Kerl, der manches Mwll gehabt hat, — em sogenannter liebenswürdiger Schwerenöter . , .

„Davon habe ich nichts gemerkt, — rm Gegenteil, er ,'vrach so ernst und schien tief gedacht zu haben."

„Mag sein. In zehn Jahren kann man sich schon ver

^ Und, Werner", fuhr Käthe dringend fort, „nicht Mchr, du erwiderst fetzt seinen Besuch. Gr war auch bei

Ur in Braunschweig." , , , . .

Fällt mir nicht ein! Was hätten wir beieinander zu suchen? Er dient im reichstm Garderegiment Berlins und wir leben still irnd zurückgezogen. Dmu hast du jetzt Trauer . Falls er verheiratet ist, — ist er es?

Ich glaube nicht", antwortete Käthe, während eme leichte Röte ihre Wangm färbte. „Er sagte, er käme von seinem Gute, wo er seine Muter besucht Hat, und dag es ihm jedesmal schwer fiele, sich wieder an seine Ein-

scmikeü^zu ^in brillanter Junggeselle hat

5 un"vollmds nichts in unserem Hause zu suchen; außer wenn er den Wunsch hegte, meiner Frau den Hof zu chachen. Und da habe ich auch ein Wörtchen drein

Werner, was du für Gedanken aussprichst!" rief Käthe mit zitternder Stimme. „Er jab gar nicht so aus, wie du ihn darstellen willst. Und wirilich ich finde, her Anstand fordert es, daß du ihin seinen Besuch er­

widerst. Er schien bcstimint darauf zu rechnen be dauere jetzt sehr, ihn nicht selbst aufgefmdert z . ' ^

„Solch ein eigenmächtiges Verfahren ha <4 mir verbeten", sagte Werner ststrnrnnzelnd, „>;ch g auoe, me Forderungen des Anstandes nicht mmder E ö kennen als du, und finde den Verkehr Mit deni runter

^"^Käthe steckten die Tränen im Halse, sie Muckte sie aber tapfer herunter. Es lohnte sich nicht, mit Werner zu streiten: sie kmnen doch zu keinem Echver tm dnw Und während er sprach und ihr einige dienstlicr B fälle mittellte, die sich während ihrer Abwesenheit zug tragen hatten, betrachtete sie ihn, und m hrem Herren regte sich der alte Antagonismus wieder ^eme nervöse, etwas überhastete Sprechweise peinigte sie, und was^r ihr so weitläufig und eingehend erzählte, war h g iveilig. Sie hätte schreien mögen: »Und »mter hast

du mir nichts zu bieten, und diese armsÄlgen vMwiesiei sind das einzigeBand. daS uns anemandmcknrchft? Warum gibst du mir nicht das Beste, das du hast? Oder hast du nichts Besseres? Warum gönnst du mir aber dann nicht den Labetrunk an der frischen Quelle?

Sie saß da und hörte ihm zu und fühlte ihr Herz kühl und hart werden. Werner brachsemen Mitteilun- en ab. Sie hörte ihm mit so gleichgültigem Gesicht zu

aen ad. L>re dorre ujni mu yAtriujy****»^*** — > > das ärgerte ihn. Freilich mußte dem Schmerze um dre

Eltern Rechnung getragen werden.

sie mit ihin hätte darüber

Der Oktober war bis zu Ende naßkalt und unfreund lich. Käthe beschränkte ihre Ausgänge auf die notwendig

^"Ädem^ihre pflichtschuldigen Besuche bei den Reqimentsdamen gemacht hatte, lehnte pe unter dem Vorwände der Trauer alle wmteren Einladungen ab Sie hatte zu nichts Lust. Nach jenem fluchtigen Aufflackern einer gewissen Lebensfreude und Energie war sie wieder in ihre alte, gelangweilte Passivität verfallen und fühlte sich darin wohl. In der größten Emwnmgker: flössen ihre Tage dahin. Sie besorgte ihren kleinen Haushalt, zeichnete und musizierte und^ pflegte ihre Blumen Werner hatte ihr ein ganzes Treibhaus angelegt,- trotz ibrer Erklärung, daß sie die Blumenpflege nicht leiden könne. „Es gehört sich, daß eine Frau dm Blumen liebe , hatte er erwidert und jede weitere Erörterung abge-

s^las auch viel, aber nur Belletristik. Als junges Mädchen hatte sie wohl ernste Lektüre getrieben, m dem dunklen Gefühle, dem einen, der ihr dereinst beschreden werden sollte, dadurch näher zu treten. Auch m der ersten Zeit ihrer Ehe hatte sie eI fortgesetzt. Als sich aber Werner mißfällig darüber aussprach, und sie auch sonst jn ihrem Kreise kein Verständnis dafür fand, ließ sie davon ab Wozu auch aus seinem Kreise hmauswachsen? Es konnte sie nur noch einsamer und unbefriedigter machen Beim Lesen von Romanen brauchte sie sich nicht anuitrenaen Mühelos versenkte sie sich m fremden SS in eine fremde Gefühlswelt und wurde nicht in ihrer trägeii Ruhe gestört. Gossar hatte sie auf einige moderne philosophische Schriften aufmerksam gemacht und sie ihr als eine Quelle reichster geistiger .Kräfte emp­fohlen Sie hatte sich die Bricher auch anschaffeii wollen, dann aber es immer aufgeschoben und endlich den Ge

danken fallen lassen. Ja, weiiii reden können!

Tie Erinnerung an Gossar war nach und nach * blaßt. Nur einmal hatte sie ihn, etwa zwei Wochen nach ihrer Heimkehr, gesehen. Sie fuhr durch eure Straßen, da trat er aus einem Hause heraus und leg grüßend die Hand an die Mütze. Sm erkannte rhu mch osort in der Offizierskleiduug, dann aber gab e» iy einen Stich ins Herz. Doch jetzt hatte sie Co verwunde:.

Werner ging ebenfalls selten des Abends aus un las ihr gewöhnlich die Zeitung vor. Er las nicht eben gut, sehr monoton, aber das umr gerade recht, ,es luum ihre Denkkraft ein. Es war besser, daß sie mcht wach

to!r ein paannal hatte sie ihre Ansichten über das Ge- lesene aussprechen wollen. Das hatte aber Werner t -

drossen. Er mochte nicht im Lesenunterbrocheni^den

und dann waren sie m ihren Politischen .Anschauungen aneinander geraten. So saß sie denn strll mrt rhrer Han ' arbeit und hörte ihm zu. Und sie träumte, jw seien alte, alte Leute, und hätten das Leben schon lnnter sich ' • • < Im Grrinde war es mit dem Altwerden nicht so schlimm. Es war das leidenschaftslose Behagen an kleinen Drngen, au. denen die Jugend achtlos vorbeigeht. trauliche

Wärme des Zimmers, welche das Toben des Unwetters draußen fast gemütlich erscheinen ließ, die friedliche Be­trachtung der kaum um ein Haar breit täglich vorrucken­den Politik — ein kaum bewußtes Hmdammern — und hinterher schlief es sich so schön! .

Eines Tages wurde aber Käthe doch aus ihrer Apathie geweckt Beim Durchsetzen der Familiennachrichten stieß Werner einen Ruf der Überraschung aus und las:

„Als Vermählte empfehlen sich

Oberst Ferdinand von Rehsan und

Frau Dora von Rehsan ,

geb. von Grmdstugk.

Käthe schnellte förmlich von ihrem Sitze auf.

".Also^deshalb hat sich unser Herr Oberst jetzt dm Urlaub genommen, über den wir uns alle so wunderten , sagte Werner schmunzelnd. „Nun, eme üble ^dee ist e2 nicht, Fräulein Dora war ein nettes Mädchen und

ftaune!" rief Käthe lebhaft. „Als ich sie kennen lernte, interessierte sie sich stark für einen anderen. Daß Oberst von Rehsan schon damals Gefallen cm Dora. fand, wußte ich. Seine Frau lebte aber noch iind da blreb das Gefühl in den Grenzen des Wohlgefallens. Warum ihn aber Dora genommen hat? Er ist so sehr viel alter als sie "

Nun nun", meinte Werner, „der Oberst ist immer­hin "eine 'Partie und ein stattlicher Mann trotz seiner

,4 von meinem Alter, und die Anschaunn- gm "einer fünfundzwanzigjährigen jungen Frau können doch nicht mit denen eines doppelt so alten Mannes über-

einstimmen ..." . . ....

So paßt sie sich den sermgerr an, und dann Horen

die Anschauungen auf, verschieden zu stm. Me Haupt- fache ist, nicht viel grübeln." (Fortsetzung folgt.)

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