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5». Jahrgang.

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143« Verla,»Fernsprecher N». 2958. DoNNkrSltt0, fcfft 26. 1 11 Off

Morgen-Ausgabe.

Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme später cingereichter Anzeigen zur

RedaktionS-Fernsprecher N». 52.

1803.

öcrs 2. gmctrfaC 1908

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PicsüaUeus ©inkommendeucr -Petaulaauna

in mW WMng.

Aus dem Abgeordnetenhause, 23. März, wird uns weiter noch geschrieben: „In einer der letzten Nummern dieser Blätter ist an der Hand der dem Abgeordneteu- hause vom Finanzminister zugestellten Materialien zur Beratung des Staatshaushaltsetats für das Jahr 1903 ein kurzer Überblick darüber gegeben worden, in welcher Weise die neueste Einkommersteuer-Veraulagung, also diejenige für 1902 (1902/03), für unseren Regierungs­bezirk Wiesbaden sich gestaltet hat.

Das Interesse, mit welchem die betreffenden Dar­legungen von dem Leserkreise dieses Blattes ausgenommen worden sind, rechtfertigt es wohl, wenn diese Zeilen es unternehmen, an dieser Stelle nun auch in möglichster Kurze darzulegeu, wie sich diese Verhältnisse in unserer Stadt Wiesbaden entwickelt haben, und dabei neben der angezogenen nicht jedermann zugänglichen Quelle auch noch die amtliche Einkommenstcuerstatistik zu Grunde zu legen, welche das Königliche statistische Bureau in Berlin im Aufträge des Finanzministeriums für die Jahre 1901 und 1902 vor kurzem in einem starken Bande in Groß- (olio herausgegeben hat.

Unter den 60 Stadtkreisen, welche bei Eintritt der neuen Einkommensteuergesetzgebung, d. i. im Jahre 1882/98, im preußischen Staate vorhanden waren, nahm unser Wiesbaden mit seiner Einwohnerzahl vom 1 , Dezember 1890 (64 670) damals die 24. Stelle ein. Nach den Volkszählungsergebnissen vom Dezember 1900, welche für unsere Stadt eine Einwohnerzahl von 88111 Köpfen ergaben, stehen wir unter den heutigen 86 Stadt kreisen an 26. Stelle, also zwei Plätze tiefer, da die neu errichteten volkreicheren Stadtkreise Schöneberg und Rir- borf mittlerweile vor uns eingcschoben worden sind. Die der Einkommensteuerveranlagung für 1902 vorauf-

gegangene Aufnahme des Personenstandes aber schließlich ergab für Wiesbaden einen Kopfstand von 86 12 .!, also nicht viel mehr als die Volkszählung vorn Jahre zuvor. Auf diese Kopfzahl von 86 123 gründet sich nun die ge­samte weitere Einkommensteuerstatistik Wiesbadens. Für das Steuerjahr 1901 aber gilt dabei die PersonenstandS- ziffer 84 029.

Zur Einkommensteuer veranlagt waren von diesen beiden Kopfstandsziffern:

1901 . . . 17 327 Personen oder 20,62 %

1902 ... 18608 „ „ 21,61 „

Es wird von Interesse sein, in dieser Beziehung un­sere Stadt mit den etwa gleichgroßen preußischen Stadt­kreisen in vergleichende Zusammenstellung zu bringen, also mit denjenigen je 5 Städten, welche bei der Volks­zählung vom 1. Dezember 1900 unmittelbar vor, bezw. unmittelbar hinter uns standen. Da ergibt sich denn folgendes Bild:

Krefeld . .

Kassel . .

Schöneberg Duisburg.

Rixdorf W i e s b a d e Erfurt . .

Görlitz . .

Bochum Spandau .

Münster . . . - „

In beiden Jahren stand unser Wiesbaden mit seiner Prozentualziffer mithin an vierter Stelle, also zwei Stellen über dem Platze, den ihm seine Einwohnerzahl zuweist. Der Durchschnitt für die gesamten 86 Stadt­kreise beträgt nur 18,18 %, für die Gesamtheit der preußi­schen Städte aber nur 15,47 und für den Gesamtstaat, also Städte und plattes Land zusammengenomwen, gar nur 10,88 %. Unter den 86 Stadtkreisen aber steht Wiesbaden 1902 mit seiner Ziffer 21,61 % an 15. Stelle, also 11 Plätze höher als nach der Einwohnerzahl. Das Gesamtergeb­nis nach dieser Richtung kann uns daher nur befriedigen.

Was nun weiter die Höhe des durchschnittlich auf einen Einkommensteuerpflichtigen veranlagten Ein­kommens anbelangt, so hatte unsere Stadt aufzuweisen:

1901 .. 4390,15 Mk.

1902 ......... 4209,88 „

auf den Kopf. Das veranlagte Einkommen bewegte sich biernach von 1901 zu 1902 in unserer Stadt nicht in dem Maße vorwärts wie die Kopfzahl der zur Einkommen- steucrvcranlagung gelangten Personen. Um einen Über­blick darüber zu ermöglichen, was es mit dieser allerdings nicht angenehmen Tatsache auf sich hat, seien auch in die­ser Beziehung die Ziffern hier angegeben, welche die ge­dachten 10 Stadtkreise im Verein mit unserem Wiesbaden bieten. Dies führt zu folgendem Ergebnisse:

1901

1902

Unterschied

. 19,83 %

19,71 %

- 0,12 %

. 16,30 „

16.82 „

+ 0,52 „

. 23,80 „

24,71 „

+ 0,91 „

. 15,o5 „

16,85 „

+ 1,80 „

. 19,93 „

20,48 „

+ 0,55 „

20,62 „

21,61 „

+ 0,99 „

. 19,14 „

19,35 „

+ 0,21 „

. 14,45 „

14,49 „

+ 0,05 „

. 26,38 „

24,85 „

- 1,58 „

. 21,46 „

21,89 „

+ 0,43 „

. 14,95 „

17,76 „

+ 2,81 „

1901 1902

Krefeld .... 2484,85 Mk. 2449,54 Mk.

Kassel .... 3541,79 „ 3389,15 „

Schöneberg . . 2714,50 „ 2821,70 „

Duisburg . . . 2439,38 „ 2327,13 „

Rixdorf .... 1458,56 „ 1458,42 „

Wiesbaden . 4390,15 „ 4209,88 „

Erfurt .... 2502,07 „ 2510,63 „

Görlitz .... 2749,59 „ 2790,29 „

Bochum .... 1894,71 „ 2004,81 „

Spandau . . . 1706,29 „ 1697,87 „

Münster . . . 3420,11 „ 2951,73 „

Mit Ausnahme von Schöneberg, Erfurt, Görlitz und Bochum hatten also sämtliche angeführten Städte eine rückläufige Bewegung zu verzeichnen. Auch die Durch­schnittsziffer der gesamten 86 Stadtkreise ging zurück, und zwar von 2786,67 auf 2741,40 Mk., und der Betrag Berlins fiel von 2670,58 auf 2653,57 Mk.

Der Einkommensteuerbetrag insgesamt stellte sich in Wiesbaden:

1901 auf. 1 945 668 Mk.

1902 „ . 2 019 439 „

vnd nahm mithin um 73 771, also in recht erklecklichem Umfange, zu.

Von diesem Eiukommensteuerbetrage entfallen auf den Kopf: 1901 1902

a) der Personenstanbsausnahme

von 84 029, bezw. 86 123 . . 28,16 Mk. 112,29 Mk d) der 17 827, bezw. 18 608 zur

Einkommensteuer Veranlagten 23,45 „ 108,53 „

Also hier bei der zweiten Ziffer abermals das Er­gebnis, wie oben, nämlich verhältnismäßiges Zurück­bleiben der Zunahme des Einkommens hinter derjenigen der Ziffer der zur Eiukommensteuer veranlagten Per- svnen.

Den bis jetzt vorstehend allein in Betracht gezogenen physischen Personen treten dann weiter noch die uicht- pbysischcn Personen hinzu, also die Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Berggewerkschaften. eingetragenen Genossenschaften und Konsumvereine mit offenem Laden und den Rechten einer juristischen Person. An solchen zählte unsere Stadt:

1901 ... 11 Zensiten mit 62977 Mk. Steuersoll,

1902 ... 11 „ „ 64399 „

so daß auf diesem Gebiete also ein kleines Vorwärts im Einkommensteuersoll vorhanden war, und sich als ge­samtes Einkommensteuersoll der Stadt Wiesbaden er­geben:

1901 . 2 008 645 Mk.

1902 . 2083 838 ,,_

also im Jahre 1902 mehr . . 75 193 Mk. oder 8,74%.

Von den 86 Stadtkreisen Preußens hatten von 1901 zu 1902 nicht weniger als 36 eine Abnahme zu verzeich­nen, eine Tatsache, die den Rückgang aller einschlägigen

Feuilleton.

Die Kunst, nicht nervös zu sein.

Der Satz kann kaum oft genug wiederholt werden, daß die Gesundheitspflege dazu bestimmt ist, zu einem mindestens gleichwerten Einfluß auf den Menschen zu gelangen wie die Heilkunde. Einer Krankheit vorzu­beugen, ist wichtiger, als eine Krankheit zu heilen. Die Ärzte müssen sich aber naturgemäß mehr mit der Wreder- herstellung von Kranken, als mit der Belehrung von noch Gesunden beschäftigen, die etwa Gefahr lausen, einer Krankheit anheimzufallen. Wer gesund ist, fühlt sich leicht versucht, über die Nervosität zu spotten, und ahnt nicht, wie nah er vielleicht daran ist, selbst diesem so lange mit Verachtung betrachteten Leiden zu unterliegen. Es mutz daher für jeden Einsichtigen eine Wohltat sein, rn verständiger Art darüber aufgeklärt zu werden, worin die Gefahr der Nervosität liegt und wie man ihr am besten begegnet. , . ,

Zu diesem Zweck muß sich das Augenmerk zuerst auf die Entwickelung im Kindesalter richten, denn eine tüch­tige Grundlage für die spätere Ausgestaltung der körper­lichen und geistigen Fähigkeiten ist die unerläßliche Vor­bedingung für die Erhaltung der Gesundheit. Ber der ererbten Anlage zur Nervosität beginnt die Gefahr. Man kann vielleicht mit einiger Sicherheit sagen, daß von den Menschen, die als Erwachsene der Nervosität zum Opfer fallen, etwa drei Viertel schon eine erbliche Anlage dazu mitbekommen hatten. Trotzdem darf man deshalb nicht die Hände in den Schoß legen und an einer Bekämpfung der Nervosität verzweifeln, denn die Erziehung des Men­schen durch seine Umgebung kann vieles verbessern und ausmerzen, was die Naturanlage dem Kinde an gefähr­lichen Eigenschaften mitgegeben hat, und namentlich in der Jugend, dem eindrucksfähigsten Lebensalter. Frei­lich ist es ein Unglück, daß dieselben Eltern, von denen das Kind die nervöse Anlage mitbekommen hat, in erster Linie dazu bestimmt sind, in dessen Jugcndjahren aus seine Entwickelung einzuwirken. Da muß eben ver­ständige Überlegung und eiserne Selbstbeherrschung von

Seiten der Eltern den schädlichen Einflüssen entgegcn- arbeiten. Das Wichtigste zur Vermeidung der Nervo­sität und zur Bekämpfung einer Anlage zu diesem Leiden ist die körperliche und geistige Abhärtung des Kindes. Die leichte Ertragung von Anstrengungen, strenger Ge­horsam, die Gewöhnung an eineu gutwilligen Verzicht bei gelegentlicher Versagung kindlicher Neigungen und vor allem Hut gegenüber allen Ansprüchen des täglichen Daseins .... diese Eigenschaften bilden das Palladium gegen die Gefahren der Nervosität. Uber die schädliche Wirkung einer Elternliebe, die sich in maßloser Ver­wöhnung und Verweichlichung der Kinder ausdrückt, braucht man wohl kein Wort mehr zu verlieren. Haupt­sächlich werden zwei Fehler in der Kindererziehung ge­macht, die sich mit der späteren Erwerbung von Nervosität zu rächen pflegen, erstens in der Anleitung des Kindes zu Vergnügungen und Pflichten, die über seine Jahre hinausgehen, und zweitens in der Übertreibung seiner Wichtigkeit für die Familie und die Gesellschaft. Das Gehirn entwickelt sich allmählich, und somit kann kein Kind eine Leistung vollbringen, für die die Beschaffenheit seines Gehirns noch nicht ausreicht. Solche von ihm zu verlangen, heißt einem unreifen Organismus reife Taten abzwingen, ein täglich im Hause und in der Schule begangenes Verbrechen, das von seinen Opfern später im Krankenzimmer, im Sanatorium oder im Irrenhaus abgebüßt werden muß. Zu Anfang liegt die Ursache des Fehlers in einer Mischung von Eitelkeit und Unwissen­heit der Eltern. Sie wollen mit ihrem Kinde Staat machen und jede sich im Keim zeigende Begabung rasch pflegen und ausbilden, um ihre Nachkommenschaft von den Mitmenschen bewundern zu lassen. Damit hängt der zweite Fehler zusammen, der dem Kind eine ganz falsche Meinung von seiner Bedeutung und Begabung beibringen muß, wenn es sieht, daß seine jugendlichen Taten und Versuche sich einer großen Schätzung erfreuen, von Erwachsenen bewundert werden und über die Lei­stungen von seinesgleichen erhoben werden. Dadurch wird der junge Geist verwirrt, wie jeder es werden müßte, der durch ein Labyrinth von Zerrspiegeln gehen ' soll. Auf einen Punkt muß noch besonders hingewiesen

werden, nämlich auf die Bedeutung der Furcht im Kin­desalter, die nur zu sehr geeignet ist, die Entwickelung höherer geistiger Eigenschaften, des Urteils, des Ehr­geizes und wertvoller Gefühle, zu verhindern. Das Kindesalter sollte in jeder Beziehung furchtlos für sich und für die Zukunft sein. Es soll daher auch keine Kennt­nis von seinen Organen, von Gesundheitsregeln und von der Bedeutung des Schmerzes haben. Nichts kann ver­derblicher sein, als wenn die Eltern ihren Kindern einen Begriff von ihren eigenen Leiden und von der Unvoll­kommenheit der Welt beizubringen versuchen. Die Furcht ist in jeder Form ein Stammvater der Nervosität, die Furcht vor der Dunkelheit, vor Donner und Blitz, vor Tieren, vor Bettlern, vor Schornsteinfegern, vor dem schwarzen Mann und anderen Geistern der Sagen und Ammenmärchen. Es ist immer ein bedenkliches Zeichen, wenn ein Kind nicht allein schlafen kann, und gegen diese und andere Beweise der Furcht sollte mau mit allem Nachdruck ankämpfen, aber nicht etwa durch strenge Behandlung oder gar durch Spott, sondern durch liebevolles Eingehen und Beruhigung der erregbarer Nerven.

Für den erwachsenen Menschen, der entweder in ge­wissem Grade bereits nervös ist, oder, was wohl im Leben des heutigen Kulturmenschen auf alle zutrifft, Ge­fahr läuft, cs zu werden, gelten natürlich andere Schutz­regeln. Das wichtigste Kampfmittel gegen die Nervosität ist wohl die Arbeit. Sie mag für Adam und Eva eino Strafe gewesen sein, aber sie ist es heute nicht mehr, sondern der Brennpunkt, von dem Gesundheit und Glück ausstrahlen und in dem sie sich widerspiegeln. Einen gesunden Ehrgeiz zu haben und mit Begeisterung für dessen Befriedigung zu arbeiten, ist das wahre Elixier einer kräftigen Lebensbetätigung. Mancher kränkliche Mann, manche hysterische Frau würde munter und ge­sund werden, wenn ihnen nur eine reizvolle und loh­nende Arbeitsaufgabe gestellt würde. Nun lauert aber, wird man einwendcn, hinter diesem Segen der Arbeit das Gespenst der Überarbeitung. Das bringt uns auf das zweite Gesetz des gesunden Lebens, auf die Notwendig- ‘ fett von Spiel und Erholung. Schon lange, bevor es