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si. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch di« Post S Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Artei gen - A^UNalMe iiächsterschcinenden Ausgabe wird reine Gewähr übernommen. ledoch nach Mögl ichkeit iS g g—8_

. 144. «erlags.Fer»fprecher No. 2853. DoNNerstttg» b 0N 26. Mälj

Berlags-Fernsprecher No. 2853.

Abend-Ausgabe.

Was dem Reichstag noch odtiegl.

u. Berlin, 25. März.

Der Reichstag ist gestern in die Osterferien gegangen, am 21. April iwch einmal zur Erledigung des Restes i^ner Arbeit auf wenige Tage zusammenzutreten. Man 2net mit Sicherheit darauf, daß der Schluß des Rerchs- aas und damit der Legislaturperiode noch im April er- \clam wird, so daß den Parieren alsdann noch,6 Wochen W für ihre Wahlvorbereitungen blerbt, die za frerlrch ickion jetzt mit regstem Eifer betrieben werdeir.

Wie der erste Mfchnitt des Reichstags vom 14 Oktober c? bis zu den Weihnachtsserien im Zeichen des Zoll- ^rits stand so stand der zweite Abschnitt vom 13,. Januar fS S eingetretenen Osterferien im Zeichen des (5tats Die erste Lesung, die am,19. Januar begann, ZA/' fünf Tage in Anspruch. Die zweite Lesung, die am 3 Februar begann, zog sich über I 1 /» Monate hin. Und auch bei ber dritten Lesung war dre ungebandigte Redelust etlicher Volksvertreter noch nicht ganz erschöpft,. Im ganzen hat die Fertigstellung des Etats über zwei Monate in Anspruch genommen

Im übrigen hat sich der Reichstag diesmal beim Etat nicht nur redend, sondern aktiv betätigt, und zwar curch umfangreiche Streichungen. Im ganzen stnd voii dem Etat 24 942 505 Mark gestrichen, und zwar von dein ordentlichen Etat VA Millionen, vom außerordentlichen Etat circa 17% Millioneii. Die Abstriche verteilen stch »ui die einzelnm Etats wie folgt: Militäretat 8 065 <10 Mark- Marineetat 12 873 938 Mark; Postetat 70 000 Mark: Reichseisenbahnen 580 OOO Mark: Auswärtige^ Amt 15 000 Mark; Expedition nach Ostasten 3 000 000 Mark; Kiautschou 67 857 Mark; Ostafrlta 2o0 000 Mark' zugesetzt wirrdeir rnr Marirreetat a90 000 Mark.' Durch diese Abstriche, durch die Hoheransetzuiig der Einnahmeii aus, den Zuckersteuern mi lo Mark und durch die Absetzung eines, Restbeträge!- au- den früher bewilligten Chinakrediten m Hohe von rund og PUllionen Mark von dem Atleihebedars ist dieser Änleihebedarf für das Etatsjahr 1903, das am 1. Apnl beginnt, von 220 Mllionen, welche die Regierungs- oorlaae forderte, auf 159 888 325 Mark herabgemindert worden. Trotzdem erreichen die Rnchsschulden Mit dieser neuen Anleihe für 1903 bereits die dritte Milliarde!^ Außer dem Zolltarif und dem Etat hat der Reichs taa nur eine größere Gesetzesvorlage zu stände gebracht, das Gesetz über den Schutz der Kinderarbeit in gewerb- Men Betrieben. Dieses Gesetz, welches einen hoch er­freulichen sozialpolitischen Fortschritt bedeutet, wird mit dem O Januar 1904 in Kraft trÄen. Daneben har .der Reichstag noch einige kleinere Gesetzentwürfe erledigt, nänllich die Korrektur eines Irrtums tn der Seemanns-

RedaktionS-Fernsprecher No. 52.

1903 .

ordnuiig, den Vertrag zwischeii dem Relche pnd Luxein bürg, über den Betrieb der LuxerAurger WüheliwErsen bahn und die Novelle zu dem mst Jtalreu und der schwmz geschlossenen Übereinkommen betreffs des Schutzes oe- gewerblicheii Eigentums.

In denr letzten Rest der Tagung hat der Reich-tag neben einigen kleineren Vorlagen "ach eure sehr um­fassende und ebenfalls sozialpolitisch höchst bedeutsame Gesetzesvorlage zu erledigen, nanllich die Novelle zum Krankenversicherilngsgesetz, deren Hauptbedeutung in Ausdehiiiliig der Krankeuveriichening für die Z«t von der 13. bis zur 26. Woche besteht. Die Vorlage steckt zur Zeit noch in der Kommission, welche sie noch m^dieser Woche zil erledigen gedenkt. Im Plenum hat also der Gesetzentwurf noch die zweite und dritte ^e^ung z passieren. An seine Gesetzwerdung ist mithin nur daun zu denken, wenn, was wohl im.Interne der diirch die Novelle gebotenen Vorteile für die Arbeiter zu erwarten ist alle Parteien von weltergehenden Wünschen Abstand nehmen und sich mit dem durch die Vorlage Gebotenen

^Arßer der Krankengesetznovelle hat der Reichstag vor allem iroch den Phosphorziindwareiigesetzentwurf, welcher die Verwendung des weißen Phosphors zur Herstellung von Streichhölzern verbietet, in zweiter und dritter Lesung zu erledigen, und ferner die Vorlage über das Wahlversahren, die nur emer Lesung bedcn,. Uber dre letztere Vorlage dürsten sich rm. Reichstag , noch lebhafte Debatten entspiimen, denn der Mehrheit rm Reichstag, welche seiner Zeit deii Aiitrag Rickert, betreffend den Schutz des Wahlverfahrens, angmommcn hat, geht die Vorlage der Regierung noch ilicht weit genug, wahrend die konservativen Parteien aus denr eiitgegengesetztcn Grmide gegeii dieselbe sind. Trotzdern, rechnet inan, da die Reichstagsmehrheit alles daraiisetzen wird, wenigsten- die Regierungsvorlage, die ja dem bisherigen Zustande oeqeiiüber unleugbar und weseirtliche^ Vorteile bietet, unter Dach u,id Fach zu bringen, Mit Sicherheit auf ciiie

Annahme derselben. . . „ „

.Hierzu und mich zuiii Zustaiidebruigen der Novelle zum Krankenversicherungsgesch ist es freilich erforderlich, daß der Reichstag in seinem letzteii, Abjchilstt wenigsten- noch ous einige Tage beschlußfähig ist. Wie dies in dem diätenlosen Reichstag nach Ostern und so kurz vor den Wählen zu ermöglichen sein wird, das verursacht den Parteiführern schon heute arges Kopfzerbrechen.

Dr. Mlkenverg über die politlfdic int

Kreuznach, 24. März.

Der Abg. vr. Hackenberg hielt gestern abend im nationalliberalen Verein eine bedeutungsvolle politische Bede Er beklagte zunächst den Mangel an politischem Leben im deutschen Vaterlande, das durch wirtschaftliche Kämpfe zerrüttet werde. Die alten politischen Gegensätze seien fast ganz verloren gegangen. Alle heutigen politi-

schcn Parteien hätten schwer darunter zu leiden, daß ste die anseinandergehcnden wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder in Einklang zu bringen versuchen müßten. Nur das Zentrum werde davon weniger berührt, da seine Führer cs verständen, die wirtschaftlichen Meinungsver­schiedenheiten durch katholisch-kirchliche Interessen zuruck- zudrängen. Den anderen Parteien, die aus politischen, nicht kirchlichen Ursachen heraus entstanden seien, falle es bedeutend schwerer, die wirtschaftlichen Gegensätze durch Hervorkehrung der idealen Prinzipien ur den Hintergrund zu stellen. Ein Staat, der gesund bleiben wolle, verlange denkende Bürger, die im stände seien, ßch an den Gedanken zu gewöhnen, daß sie nicht nur von dem Gemeinwesen etwas zu fordern hätten, sondern sich auch in den Dienst desselben stellen müßten, daß sie das eigene Interesse so lange zurückzustellen hätten, als es das Ge­samtinteresse erfordere. Durch den Niedergang der idea­len Faktoren des politischen Lebens sei auch die Gefahr einer Reaktion herangerückt. Die Zerrissenheit der Par­teien habe dahin geführt, daß heute diejenige Partei eine ausschlaggebende Stellung einnehme, die an der Wieder­aufrichtung des Deutschen Reiches einen nur mäßigen Anteil genommen und an seinem Zustandekommen eine nur geringe Herzensfreude gehabt habe. Auch bas ser ein Beweis für den Tiefstand des politischen Lebens, daß ein Fünftel aller deutschen Reichstagswähler einer Partei ihre Stimme gäbe, die auf den Ruin des ^htrgen politi­schen Lebens hinarbeite. Dank der wirtschaftlichen Kämpfe habe die konservative Partei in gewissem Sinne überhaupt aufgehört, konservativ zu sein,^ und sie sei n manchen Punkten so demagogisch geworden, daß sie m t der sozialdemokratischen Partei fast auf gleicher Stufe stehe. Hackenberg glaubt nicht an eine Reaktion von oben. Das allgemeine gleiche Wahlrecht sei eine dem deutsch n Volke in der Stunde der Aufrichtung vertrauensvoll dar- gcrcichte Mvrgengabe gewesen. Der deutsche Michel werde schon in den Rock, der heute noch zu weit sei, hlnenl- wachscn. Auch an eine Reaktion von unten glaubt der Redner nicht. Im Abgeordnctenhanse sei in den letzten Wochen viel mit dem Brustton der Überzeugung von dem bevorstehenden Kampfe zwischen Glauben undUnglaubcn gesprochen worden. Das halte er für verfehlt, denn mit Schlagworten finde man sich nicht mit einem über Jahr­hunderte reichenden Geisteskampse ab. Mit dreien Schlagworten wollten die im Grunde reaktionären Par­teien nur die Geister grauen und bei den urteilslosen Massen Stimmung machen. Auch vor der Sozialdemo­kratie kann sich der Redner nicht fürchten. Sie sei heute noch keine politische, sondern eine Klassen-Parte. Wie die Entstehung der Sozialdemokratie im Nahmen der wirtschaftlichen Kämpfe begreiflich sei, so liege in ihrem Anwachsen kein Grund zu Besorgnissen. Man müsse die Entwicklung der Sozialdemokratie als eine naturgemäße zu verstehen suchen, um die Furcht vor ihr zu verlieren. Leider werde viel zu sehr mit dem Schreckgespenst der Sozialdemokratie gespielt und zum Throne und zu den Regierungen hinaufgerufen, um reaktionäre Ziele zu er­reichen. Man müsse in der sozialpolitischen Gesetzgebung

Der Preis ist Magdeburg!

Roman von Max Dorumg.

(8. Fortsetzung.)

Prüfend glitt das Auge Bellas über den Freund Komm", sagte er dann. „Wir müssen fort! Es ist gekommen, wie ich voraussah: wir tonnen m diefem Hause nicht mehr verkehren. Ter Kommandant hat vor- hin eine Depesche erhalten, die ihm hierher Ebrach wurde. Er hatte sie kaum gelesen, als er mrt Geräusch sind Ostentation aufbrach; er wünschte, daß sämtliche Offiziere folgten. Du kannst dir denken, wo- das zu be­deuten hat. Was in der Depesche steht, weiß rch noch nicht — komm, wir wollen zur Kommandantm, dort können wir Einsicht davon nehmen. „ Es — — es — —joUtt mir leid tun" — setzte er zögernd hinzu — „wenn ich dich zu ungelegener Stunde ^gestört hätte, lieber Freund.

Wie konnte ich ahnen-"

Hastig unterbrach ihn der Mcomte:

„Du irrst! Es ist nichts vorgefallen, gar Nichts! Der Dienst ruft, laß uns brave Offiziers sein! —- — Im Dienstzimmer des Vicomte, der die rechte Hand des Kommandanteii war, brannte die ganze Nacht hin­durch Licht. Eharillon arbeitete, entwarf Befehle und

^°Vo^ihm'lag die Depesche, welche der Kommandant erhalten hatte. Es war ein Schreiben des französischen Gesandten in Berlin, des Grasen St. Mnrsan. Nur

wenige Worte enthielt es: .

„Vorsicht! Es wird ein Streich aus Ihre Festung geplant. Der Magdeburger Ernst Fahrenbach ist tief in die Angelegenheit verwickelt. Näh>eres ist bei dem undurchdringlichen Geheimnis, mit dem die sache um­geben wird, nicht zu erfahren. Seien Sie auf >?hrer Hut. Kommandant; es steht viel auf dem Spiel: der

Preis ist Magdeburg!" , __ „

Graf St. Marian,"

- Endlich war der Vicomte fertig. Ties aufatmend er hob er sich: „So komm heran, du dunkles Etwas, das ich eit Jahren vor mir sehe! Ich fühle es, du nahst! Roll an! Du sollst mich gewappnet und gerüstet finden — ich will dich erwarten!"

VI.

Tie dumpfe Stimmung, die über dem Hause Fahren- bach lag, und der man es anmerkte, daß sie bei dem ge­ringsten Anlaß einmal zu einer Entladung unter Sturm und Donner führen könne, war nicht besser iind freier ge­worden, seitdem Qit jenem Abend der französische Kommandant, gefolgt von seinen OffiziMN mitten tnt Glanz des zil ihren Ehren veranstalteten Festes dw gast­lichen Räumlichketteii, in denen sie so häufig verkehrt, de­monstrativ verlassen hatte

Die ganze Stadt sprach von dem Ereignis. E- war ja längst kein Geheimnis mehr, daß Ernst Fahrenbach das väterliche Haus verlassen hatte, um irgeiidwo gegen die Franzosen zu kämpfen, und die letzten amtlichen Ver­kündigungen, die einen Prms von 6000 Francs auf den Kopf des Hochverräters ausschrieben, hatten auch dem Blindesten die Binde von den Augen genonimen. Wenn aber die Behörden geglaubt hatteii, durch ihr Vorgehen gegeii deii jungen Fahrenbach aus die Vevölkerung eiii- schuchteriid zu wirken und ihr ein- für allemal die Lust zu irgend welchen Auflehnungen gegeii die Staatsordnung zu benehmen, so mußten sie sehr bald einsehen, daß ihre Rechnung sie gründlich getäuscht hatte. Mit finsteren Mienen sah maii die Bürger auf den Straßeii emher- gehen, Verwünschungen uiid kräftige Flüche wurden den französischen Truppen nachgesandt, und da und dort kam es sogar zu offenen Widerschlichkeiten, die, wenn sie auch jedesmal sofort unterdrückt wurden, doch deutlich die ge­witterschwüle Atmosphäre erkennen ließen, welche in der Stadt verbreitet war. Das Haus Fahrenbach war ein hoch­angesehenes iind beliebtes, und ein Schlag, den man gegen dieses führte, wurde fast von der gesamten Ein­wohnerschaft mitempfunden, „und der Ernst" — w

raisonnierte maii in deii Häusern und deii Wirtschaften — „habe ganz recht getan, daß er gegeii die fremden Schelme kämpfen wolle, und wenn sie alle nur m solch iiiigebuiideiier Stellung wäreii wie jener, so sollte man schon sehen, was es gäbe". , ^ . r r

Herrn Friedrich Wilhelm tat eine solche Teilnahme wohsi, aber dennoch ärgerte er sich darüber, oder vielmehr über die Stimminig, die sie offenbarte. Tenn das war ihm klar: diese Stlniiimng der Bürger war durchaus feindselig gegen die Fremden— wer war ihm Bürge, daß sie nicht auch eines Tages feindselig aufträte gegen dre, welche den Franzosen freimdlich gesinnt waren?

Wenii solche Gedanken über ihir kamen, uiid das war jetzt oft der Fall, so ging Herr Friedrich Wilhelm stets enlsthaft mit sich und seinem Gewissen zu Rate. Er war kein Mann, der etwas leicht nahm uiid Rer seine Ge- stnnungen mit der auf- und untergehendeiiSonne änderte. Aber — so fragte er sich jetzt fast täglich — biil ich mit meiner Sympallsie für deii Kaiser im Rechte oder ftiid die anderen es mit ihrer Antipathie?

Und dann versank er wohl in stundenlanges Griweln.

Aber noch jedesmal war er endlich befriedigt aus solchem Gedankenkampse anfgestaiidm, hatte einen langen Blick auf das Bild des Kaisers über seinem Schreibtisch acworfeii, aus dessen Gesicht ntrgeiids, selbst auf den cleiidesten Klecksereieii nicht, die er gesehen, der macht- volle, imperatorische Zug zu vertilgen war, und hatte dann wohl vor sich hingemurmelt:

.Nein, du bist kein Tyrann! Du hast aus einet Welt voll Moder und Staub einen großartigen Staatsbau aufgerichtet, du hast iieues Leben auch m die verrottetsteii Verhältnisse gebracht, — du wirst auch sort- sahren auf dem Wege, den du bisher zum Heile der Menschheit gegangen bist! Und was auch die Toren und Schwärmer gegen dich sagen mögen: Tu bleibst ein großer Mann, an deiner Größe werden alle ihre Phrasen kein Tüpfelchen wegdenteln können! Mein Herz gehört dir, der die Ordnung und Sicherheit wiedergeschaffen hasU"