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Verlag Lauggasse 21

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Samstag, 21 , Slugust 1915.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 388. «- 63. Jahrgang.

Ae SMk WM W WMell Mi!

Bielsk genommen!

Rückzug der Nüssen südlich Rowno. — Russische Stellungen bei Gudele und Sejnq erstürmt! — Die Russen über die Biala geworfen. — Rückzug der Feinde auch gegenüber der bKrmee Prinz Leopold. — Weitere Fortschritte auch bei der Armee Mackensen.

Der Tagesbericht vom 21. August.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 21. Aug. i (Amtlich.)

westlicher Nriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereigniffe.

(vestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.

Bei den Kämpfen östlich von K o w n o wurden 450 Ge- ^ fangene gemacht und 5 Geschütze erbeutet.

Südlich von K o w n o gab der Gegner auch seine Stellung { an der Iefia auf und wich nach Osten zurück.

Bei Gudele und Sejnl, wurden russische Stellungen erstürmt.

In den Kämpfen westlich von T y k o z i n verloren die ! Russen 610 Gefangene (darunter 5 Offiziere) und 4 Maschi- l vrngewrhrc.

Die Armee des Generals v. Gollwitz nahm Bielsk und warf südlich davon die Russen über die B i a l a.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls

Prinz Leopold von Bayern

Erneuter feindlicher Widerstand wurde gestern abend " 1 und während der Nacht gebrochen. Der Gegner ist seit ! heute früh im weiteren R ü ck z u g e. Es wurden über 1000 } 1 i Gekangene gemacht.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

2 | [ Nachdem der linke Flügel über den Kotcrka - Abschnitt ( und den Bug an der Pulwamündung vorgedrungen war, l setzte der Feind auch an dieser Front den Rückzug fort, s Bor Brest-Litowsk und östlich von W l o d a w a wurden wei- k tere Fortschritte gemacht.

Oberste Heeresleitung.

; , i *

Oer Einbruch in den Rigaischen Meerbusen.

r Ein russisches Torpedoboot und zwei Ranonen- boc vernichtet; andere Schiffe schwer be- r j | schäd.gt. Drei deutsche Torpedoboote durch

Minen beschädigt, eins davon gesunken.

W. T.-B. Berlin, 21. Aug. (Amtlich.) Unsere Seestreit- h | i kräfte in der Ostsee sind in den Rigaischen Meerbusen einge­drungen, nachdem sie sich durch zahlreiche geschickt gelegte , | : Minenfelder und Netzsperren unter mehrtägigen schwierigen RänmungSarbeiten Fahrstraßen gebahnt , ] hatten. Bei dem sich dabei entwickelten Vorpost eng e- i f e ch t wurde ein russisches Torpedoboot der „Emir- Bncharskij"-Klasse vernichtet. Andere Torpedoboote, darunter „Novit" und ein größeres Schiff wurden schwer be- ( schädigt.

Beim Rückzug der Rüsten am Abend des 19. August in ! den Moon-Sund wurden die russischen Kanonenboote i ,.S e i w u t s ch" und „K o r e j e tz" nach tapferen Kämpfen > durch Artilleriefeuer und Torpedoboots- an griffe versenkt. 40 Mann der Besatzung, darunter ! 2 Offiziere, konnten, teilweise schwerverwundet, durch unsere : Torpedoboote gerettet werden.

D"ri unserer Torpedoboote wurden durch M i n n b e . j schädigt. Bon ihnen ist ein Boot gesunken, eines konnte ( auf Strand gesetzt, eins in den Hafen verbracht werden.

I Unsere Berlnste an Menschenleben sind gering.

Der Stellvertreter des Chefs des Admiratsiabcs der Marine- (gez.) B e h n ck r.

Das Kesseltreiben.

Der glänsenÄe Er fotz; unserer Waffen mit der Er­oberung Kownos hat sehr schnell neue Fortschritte ge- ^ zeitigt. Die Russen erkannten nun, dgß ihre südliche Front Mischen Suwalki und Kaüvaria unhaltbar ge­worden sei und räumten sie, um nicht im Rücken gefaßt zu werden. Dies wivd ihnen sehr schwer geworden sein, 1 denn noch wenige Tage vor der Eroberung Kownos i versuchten sie hier mehrmals einen vergeblichen k Durckchruch. So hat der Fall Kownos auch die übrige ; Zcjemen-Front ms Wanken und Weichen gebracht,

verfolgt von unseren nachdrängenden Truppen. Die Befestigungen von Olita, einem kleinen Sperrfort, und die unmodernen Werke von Grodno werden den Russen ebensowenig als schützender Wall etwas nutzen, wie es Kowno getan hat und die Sumpffestnng Ossow-rez gegenwärtig tut. Letzteres Sperrfort scheint von unserer Artillerie derart nachdrücklich bearbeitet worden zu sein, daß es seine Aufgabe, zu sperren, gegen­wärtig nicht mehr erfüllen karm. Im Rücken von Ossowrez ist es Truppen von der Armee Hindenburg gelungen, den wichtigen Übergang über den Rarew bei T y k o z i n am 18. erzwingen, nachdem zwei Wochen vorher der westliche bei Wisnia von ihnen erobert war. Eine neue anerkennenswerte Leistung in einem äußerst schwierigen Gelände, von Sümpfen und Bächen durch­zogen. Dkit der Eroberung des Brückenkopfes Tykozin stehen erstens deutsche Truppen nur 15 Kilometer im Rücken der Festung Ossowiez. wodurch seine Wider­standskraft erheblich gelitten hat. Zweitens verlieren sowohl dieSuinpffestung wie auch das nahe Bialoftok ihre einzige Bahnverbindung, und endlich wird Bialoftok selbst nun auch von Westen bedroht. Der Schutz Bialostoks durch die kleine Festung ist nun gänzlich illuiorisch geworden. Beider Schicksal ist in kurzer Zeit abznsehen. Schon nähern sich Truppen des Gene­rals v. Gollwitz dieser Stadt, nachdem sie bei Bielsk Hand auf die Bahn nach Brest-Litowsk gelegt haben. Seit dem 18. August und vielleicht schon seit dom 17. wird der Bachrwerkehr zwischen den beiden großen Städten durch deutsche Artillerie revidiert. Auch die andere von Bielsk nach Wolkowysk führende Bahn kann ebenfalls nicht mehr für Rußland fahren. Was bisher von den Russen noch nicht abtransportiert worden war, jetzt kann es gewiß nicht mehr abfahren. Durch die Zer­schneidung der Bahn B r e st-B i alo stok ist der Zu­sammenhang Mischen dem nördlichen Kampfraum und dom südlichen endgültig zerrissen. Rur noch die eine Bahn Brest-Minsk ist jetzt für die russische Heeresleitung verfügbar. Ihre Leistungskraft ist nur schwach in An­betracht der gewaltigen Anforderungen. Infolge der bewunderungswürdigen Leistungen unserer Truppen und der geschickten Leitung ist dies eine große Ziel von uns erreicht worden, nachdem in wochenlangen Kämpfen der Feind ani 18. August in die Vorstellungen der Festung Brest-Litowsk zurückgeworfen war. Nicht chre Eroberung ist das Endziel unserer obersten Heeres­leitung, sondern die weitere Vernichtung des feindlichen Heeres. Mit denk Augenblick, wo Brest nicht mehr die große Ausfallspforte für die feindlichen Heere ivar, wurde seiner Eroberung nur eine sekundäre Bedeutung beigemessen und das große Hauptziel ener­gisch wcitergeführt. Die sämtlichen drei Heeresgruppen änderten bereits am 16. August ihre Marschrich­tungen von Osten nach Norden, nahnren staffelweise eine neue Front ein, sich dadurch gogenseitig deckend, und stehen am 18. August bereits auf dem nördlichen Buguser. Sah es noch vor wenigen Tagen so aus, als wollten alle drei' Heeresgruppen gegen Brest-Litowsk oorrücken — in kaum mehr als 48 Stunden hat sich das strategische Bild griindlich geändert. Immer weiter noch Norden ausholend ziehen sich die drei Heeresgrup­pen entlang der Bahn nach Bialoftok hinauf, während die große Festung selbst nur einen Teil der Armee Mackensen zu fesseln imstande war. Der Bug bil­dete kein Hindernis für die drei Armeen. Auch diese Leistung wurde vollbracht, so daß wiederum eine neue strategische Lage geschaffen wurde. Gegen Brest ist der Angriff in Vollstein Gange, und zwar anscheinend zu beiden Seiten des Bug. Der eherneRing reckt sich immer weiter nach Norden und legt sich um den großen Kessel, welcher größere oder minder große Teile des russischen Heeres umgibt. Aber der neue große Erfolg besteht für uns darin: die große Festung Brest-Litowsk tritt zurück hinter der noch größeren Aufgabe — der Vernichtung der lebendigen feindlichen Kraft. U.

*

Die Freude über den Fall von Nowogeorgijewsk in Wien.

W. T.-B. Wien, 20. Aug. (Nichtamtlich.) Sämtliche Abendblätter besprechen den Fall von Nowogeorgijewsk, der schon in den ersten Morgenstunden durch Extrablätter bekannt wurde und in der Stadt bewundernde Genugtuung hervorrics. — Das „Fremdeubleti" sagt: So lange Nowogeorgijewsk

standhielt, wurde die Hoffnung Rußlands, das Weichselgebie) wieder zu gewinnen, genährt. Nun ist die letzte Hoffnung der russischen Machthaber in Nichts zerflattert. Die tapferen Verteidiger mutzten noch tapfereren Gegnern die Waffen strecken. Nowogeorgijewsk wird wieder Modlin heißen. — Die „Rrichspost" sagt unter Hinweis auf die kurze Zeit, in der Nowogeorgijewsk genommen wurde: Jetzt erst wächst vor der Welt die Verteidigung von Przemysl mit heldenhafter Größe empor. Jene Verteidigung, welche ein halbes Jahr einem sehr aktiven Feind ftandhielt und ihm un­geheure Verluste beibcachte. Der Fall von Nowogeorgijewsk vermag an der Ostfront militärisch- nichts mehr zu ändern, abgesehen davon, daß nun die Einschließungs- truppen für die bereits weit vorn liegende Front frei werden. Der Fall der Festung ist wieder ein Beweis für die jetzige militärische Verfassung Rußlands. — Das „Neu» Wiener Abendblatt" stellt mit Genugtuung fest, daß von de« Festungsviereck, das drohend gegen die beiden Kaiserreiche er< richtet ist, Warschau, Jwangorod und Nowogeorgijewsk bereits gefallen sind. Brest-Litowsk werde den Vormarsch der sieg­reichen Verbündeten am Bug nicht mehr hemmen. Wie cm Traum ist es, daß seit der ersten Äugustwoche bis heute so gewaltige Festungen und überdies noch Befestigungen und Brückenköpfe am Narew gefallen sind. Das Blatt widmet dem General v. B e s e l e r, dessen Name mit dem Fall Antwerpens verknüpft sei, überdies einen Artikel, in dem dessen Verdienste bcrvorgehoben werden. — Das „Wiener Journal" betont: Wie so oft, beweisen die letzten Wochen, daß es für die deut­schen und österreichisch-ungarischen Stürmertruppen Festun­gen überhaupt nicht gibt.

Die strategische Bedeutung des Falles vonl Nowogeorgijewsk.

Wien, 21. Aug. (Zeus. Bin.) Aus dem Kriegspresse» quartier wird geschrieben: Die besondere militärisch« Bedeu­tung des Falles von Nowogeorgijewsk liegt nicht in der Größe des Sieges selbst, wie sie in der enormen Anzahl der Gefangenen und der erbeuteten, zum Teil sehr wertvollen schweren Geschütze zum Ausdruck kommt, sondern in dem Umstand, daß der Fall der stärksten russischen Festungen der russischen Westfront es den verbündeten Armeen ermöglicht, ihre Front ohne die geringste Schwächung der Stärke der Front bedeutend abzukürzen. Es ist wohl kaum nötig, besondere Beweise dafür vorzubringen, daß die Verkürzung der Front die Beweglichkeit der Verbün­deten bedeutend erhöht und hierdurch die allgemeine Lage des Feindes in großem Matze ungünstiger gestaltet. Um die Lage aus diesem Gesichtspunkte in ihrer ganzen Bedeutung beur­teilen zu können, muß noch bedacht werden, daß gleichzeitig der Angriff auf B r e st - L i t o w s k rüstig fortschreitek, die mit der deutschen Artillerie in strammer Kameradschaft auch bei Nowogeorgijewsk durch ganze Serien schönster Volltreffer beteiligten österreichisch-ungarischen 30ch-Zentimeter°Mörser frei wurden und im Vereine mit den anderen desselben Kali­bers und mit anderen schweren Geschützen zur weitern Aktion bereit stehen. Dabei wurde der Stützpunkt der nörd­lichen Flankendeckung des Bug, der befestigten Njemenlinie, die Festung Kowno bekanntlich schon genommen und nörd­lich Brest-Litowsk bemühen sich russische Kräftegruppen mit verzweifelter Anstrengung, die Rückzugslinie vor dem Vordringen der österreichisch-ungarischen Armeen des Erz­herzogs Joseph Ferdinand und Koeveß zu schützen. AuS all diesen Einzelheiten ergibt sich der Rahmen eines Bildes, dessen Umrisse schon aus den Ereignissen der letzten Tage klar ersichtlich find.

Russische Zugeständnisse im Generalstabsberichtj

IV. T.-B. Petersburg, 20. Aug. (Nichtamtlich.) Der Generalstab des Generalissimus teilt mit- Am 18. August zogen sich unsere 5t r-egsschiffe, dre den Eingang be3 Nrgaer Meerbusens bewachtem, nach den Kämvfen wegen der bedeutenden Übermacht der feindlichen Floti« in nähere Stellungen zurück. Auf der Gefamtfrcmk vom, Riga bis Jauow keine wesentliche Veränderung, BeL Kowno breitet der Feind energisch seine schon erzielten» Er­folge aus. Es gelang ihm, die Stadt zu besetzen und weiters vordrnigend sich im der Gegend nahe der Stadt zu behaupten^ die die Landzungen zwischen Riemen und der Wilija bildet.' Bei Ossowice wurden in der Nacht des 18. August umhi im Laufe des folgenden Tages Angriffe der Deutschen gegen unsere Stellungen durch unser Feuer zurückgeworfen. Asch der Front von Ossowice bis Brest-Litowsk und nreitep südlich dauern die Kampfe fort und nehmen auf einigen Ab­schnitten den Charakter von äußerster Zähigkeit an. DeH Feind zeigte besondere Hartnäckigkeit, indem etz am 17. und iS. August unsere Truppen am unterem Bug, iq der Gegend von Vielst mmL> längs der Eisenbahn pqH

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