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,co. 14*. »I Jayrgang.

Lvlesvavener TagvlattlAvenv-AuSgave». Verlag: r««,s«sse L?

SS. März ,90». Seite 5.

„euer» Ortöstatuts, betreffend die gewerbliche Fortbildungsschule, murden aus Vorschlag des Wablausschusses die Herren Doneckcr, Lilliorn, Feith, Heckcl und Schürmann gewählt. 2. Als Mitglieder die neue Armenkommission, welche nunmehr aus 4 Mitgliedern »e« Stadtverordneten^lollegiumS und 4 Angehörigen des Bürger- aandcs, darunter 2 Kranen, bestehen soll, wurden aus dem Kollegium die Herren L. Coridatz, A. Traudt, vr. Frische und Happel, aus dem Bürgerstande die Herren vr. F. Kalle und »rill Kimmel, sowie Fräulein Franziska Haardt und Fräulein 8,i,e Kirchner gewählt. 8. u. 4. Die Festsetzungen von Bauflucht- ^inien aus dem Waldstraßenbezirk, sowie fllr die Kursürstenstraße «om Rhein bis zur Frankfurterstraßc wurden an Hand der vor­liegenden Pläne genehmigt. 5. Desgleichen ein Austausch von crcltwegen im Distrikt „Untersalz" mit der Firma Kalle u. Comp. e Betreffend die Anstellung eines Assistenten als Acciserhcber an Stelle des verstorbcnen bisherigen Erhebers aus dem Waldstraßen- welcher zugleich das Melde- und Armenwesen mttversehen -oll sowie 7. die Beschlußfassung über Aushebung -er Accis- «eb'enstcllen wurde zur weiteren Prüfung an die Accisdeputatton -urückverwiesen. 8. Die neue Ordnung, betretend Gebühren für slbbolen und Vernichtung von gefallenen Tieren durch die am i April l. I. in Kraft tretende neue Kreiswascnmeisterct bet Bierstadt, wurde genehmigt. Das Abholen und die Vernichtung w Kadaver erfolgt unentgeltlich, dagegen ist bei Rückgabe zur -menen Verwendung von Teile» ein bestimmter Satz zu cnt- rlckten. 0. Die Versteigerung von zwei Bauplätzen aus dem iwifieren Borkholderhof-Terrain, belegen an der neuen Kirchgasse, ,,nd zwar ein Platz zum Preise von 8500 Mk. an Herrn Installa­teur Schön und ein Platz zum Preise von MM Mk. an die Firma Duckerboss, wurde genehmigt. 10. Das Feuerwehrstatut hat au? Einspruch des Feuerwehrkommandos eine nochmalige Abände­rung dahin erfahren, daß nicht alle hiesigen Herren Arzte Atteste »tbcr Feucrwchr-Dienstuntauglichkcit ausstellen können, sondern „,,r dem Kommunalarzt das Recht hierzu zusteht. Diese Ordnung t,„rde in der bereits früher in diesem Sinne bestehenden Fassung Mieder hergcstellt. 11. Der Realschul-Etat für die Jahre 1903/00, z,ack> welchem die Stadt einen Zuschuß von 17 080 Mk. zu tragen bat wird genehmigt. 12. Die Etatsberatung wurde auf eine iuäter hierzu cinzuberufende Versammlung verschoben. 13. Zu -«rer Anleihe von 850 000 Mk. erteilte die Versammlung die Gc- ^bmiaung und ermächtigte den Magistrat, beim Bezirksausschuß

zurückgcnommen wurde.

Gerichts saal.

g. Wiesbaden, 26. März. (Strafkammer.) Vorsitzender: Herr Landgerichtsbirektor de Niem:

Vertreter der König!. Staatsanwaltschaft: Herr Staats­anwalt vr. Beckers. — Am Nachmittag des 18. No­vember v. I. fand in der Friedrichstraße in Biebrich vor dem Haus des Metzgermeisters Marx ein Zusammen­stoß zwischen einem Karrenfuhrwerk der Wuthschen Brauerei und einem Zug der elektrischen Bahn statt. Dieser kam vom Rheinufer, der Fuhrmann S. kam mit dem Karren, auf dem ein schweres Jauchefaß lag, aus dem Hofe des Marxschen Hauses. Bevor er herausfuhr, hatte er sich noch einmal auf der Straße umgesehen, ob keine Elektrische im Wege sei. Es war nichts zu sehen. Er ging infolgedessen in den Hof zurück, nahm den Gaul heim Kopf und lenkte heraus. Nun durchfährt die elek­trische Bahn die Strecke von der nächsten Kurve bis zu der fraglichen Stelle in kaum einer halben Minute, und in diese halbe Minute fiel jetzt die Passage des Jauche­fasses aus dem Hof über das 2 Meter breite Trottoir und bas Gleis der Straßenbahn, denn in demselben Moment, , wo S. sein Pferd am Halfter nahm, mag auch der Stratzenbahnzug die Kurve passiert haben. Als der Gaul auf dem etwas geneigten Trottoir stand, sah S. den Zug, zurückhalten konnte er das infolge seiner Schwere stark schiebende Gefährt nicht, so suchte er denn sein Heil im möglichst raschen Hinüberkommen über die Fahrbahn. Der Motorwagen erwischte aber den Karren an seinem hintern Teil und warf ihn mit einem zerbrochenen Rad auf das Pflaster. Dem Fuhrmann, dem Gaul und dem Motorwagen passierte nichts, nur wurde der erstere wegen fahrlässiger Transportgefährdung angeklagt. Die Strafkammer konnte sich jedoch nicht überzeugen, daß ihn irgendwelche Schuld treffe und sprach ihn frei.

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Das Blumenmedium Anna Rothe vor Gericht.

Eine längere Zeit beanspruchte bei der gestrigen Verhand­lung, dem 2. Tage, der Zeuge Groll, der seine Aussage mit großer Bestimmtheit und mit wissenschaftlicher Färbung macht. Er ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Psyche" und hat mehreren Sitzungen mit der Rothe beigewohnt. In einer Sitzung am 9. September waren etwa 80 Personen anwesend, es wurde ein Kollektiventree an Herrn Jentsch bezahlt. Er habe die Produk­tionen der Frau Rothe niemals für Schwindel gehalten und be­streite entschieden, daß es sich um Taschenspielertricks handelte. Er kenne die antispiritistischen Experimente aus Erfahrung und müffe dabei bleiben, daß Frau Rothe Schwindel nicht betrieben habe. Anderenfalls würde er niemals in die Sitzungen gegangen sein. Er könne bezeugen, daß es sich um einen echten Trance­zustand nach der spiritistischen Theorie handelte. Dafür sprachen die drei Merkmale: Anästhesie des ganzen Körpers, Katalepsie und Verdrehen der Augen nach oben. Nach spiritistischer Theorie sei der Trancezustand der Hypnose gleich zu achten mit dem Unter­schied, daß die Hypnose von einem lebenden Menschen, der Trance­zustand von einer körperlosen Seele, einer Intelligenz, hcrvor- gcrusen wird. Die Apporte habe Frau Rothe ganz zweifellos im Trance ausgesührt. Er habe ihre Hände ganz genau beobachtet und könne bestimmt sagen, daß sie die Apporte nicht aus dem Kleid oder unter dem Tisch hervorholte. Aus reiner Hand habe sic beispielsweise ein Glasei wachsen lassen. — Präs.: Haben Sie eine theoretische Erklärung dafür, wo das Glasei her­stammen mochte? — Zeuge: Nein. — Präs.: Wissen Sie ins­besondere, ob das Glasei vorher existent gewesen ist? — Zeuge: Eristent war es zweifellos schon vorher, es fragt sich nur, wo es Sergekommen ist. Es war ein Atom, welches vorher unsichtbar war und in ihrer Hand sichtbar wurde. — Staatsanwalt: Sic sind ja wohl auch Heilmagnetiseur. Was sind Sie von Hause aus? — Zeuge- Ich habe Medizin studiert. — Rechtsanwalt vr. Schwindt: Hat der Zeuge eine Erklärung dafür, warum die Angeklagte wohl in der langen Zeit ihrer Gefängnishaft und während des Aufent­halts in der Charite nicht Apporte gebracht hat? Hatte darauf vielleicht ihre Umgebung und die Nähe antispiritistischer Menschen Einfluß? — Zeuge: Das Zustandekommen spiritistischer Phäno­mene hängt von dem physischen Befinden des Mediums und dem psychischen Zustande der Umgebung ab. Die Umgebung muß sich möglichst passiv verhalten, es wird nicht verlangt, daß sic anti­kritisch sein soll, aber sie soll sich passiv verhalten und nicht etwa ihre Gedanken daraus konzentrieren, daß die spiritistischen Experimente nicht gelingen möchten. Das wirkt psychisch depri­mierend und altcrierend auf das Medium ein. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß ein Medium, welches aus der Untersüchungs- hafr kommt, nun etwa im Gcrichtssaale eine Sitzung mit Erfolg abhält: aber ich bin fest überzeugt, daß, wenn Frau Rothe wieder in die Region sympathisierender Personen kommt, sie die Phäno­mene wieder erreichen. — Rechtsanwalt vr. Thiele: Ist es denk­bar, daß das Medium Geister sieht und sprechen hört, die andere Leute nicht sehen, so daß cs die Worte der Geister nur vermittelt. — Der Zeuge setzt des längeren auseinander, daß es visionäre und invisible Geistererscheinungen gibt. — Eine Zeugin, Frau Schmidt, bekundet u. a.. daß ihr bei einer Sitzung manches auf- gesallen sei, was sie etwas mißtrauisch gemacht habe. So habe ein Geist angekündigt, daß viele Blumen kommen würden, und

Frau Rothe habe ihr gesagt, daß es hinter ihrem Stuhle rascheln würde. Frau Rothe habe dabei mit ihrem recht«. Arm den rechten Arm der Zeugin gefaßt, ihr l nkcr Arm im- die Zeugin rascheln hörte, habe sic mit dnn freie srm

hinter den Stuhl kommen wollen, sobald sie "der wcgung machte, habe sie Frau Rothe daran nch.ndc. z gesagt: „Die Geister ziehen Ihnen den «rm «eg, ich will Sie magnetisierenI" Bet einem Blumcnrcgen, den F ,, Stuhl Wege des Apports hcrvorries, hat d - Zeu«t» hi^-r ihrem >^um gesehen und wahrgenommen, daß hinter ihrcm Sti ! / n^.r

Blumen lagen. Jentsch rief darauf: "S-tzen blcivc». -o,e Zeugin faßte hinter den Stuhl und zog einige -8 ^

wcher diese gekommen waren, weiß sie nicht. - Eine ötc.ye weiterer Zeugen trat auf, welche meist von der Wahrh gär.ge bet den Sitzungen vollkommen überzeugt war .

* ..Prim«s".Prozetz. Gestern begann vor der „^rst°n Straf­kammer des Landgerichts in Altona der Preetz siegen den «ap.t . Hermann Sachs und den ersten Steuermann «dols Wahlen von der „Hansa" wegen fahrlässiger Tötung. D - «NN klagten sind beschuldigt, den Untergang des "Prunus versau t^bestreiten infolgedessen 102 Personen ertranken. Die «> si-klagten oegre,. n die Schuld. Sachs bemerkt, er Hab-, als er etwa IM Meter vom „Primus" entfernt war, kommandiert: „»u»«JaUi xtW.VT „Primus" sei verpflichtet gewesen, »links ^""er z si Wahlen schließt sich den Ausführungen- Sachs im wesentlichen an und bemerkt, er habe nur dessen Befehle weitergegeben.

Kleine Chronik.

Infolge Nahrungssorgen hat der Kochstratze 14 in Berlin wohnhafte Kaufmann Haberland gcmenisau. mit seiner Ehefrau Selbstmord begangen. Durch Rückgang seines Geschäftes war er in finanzielle Schwie­rigkeiten geraten und da er mit der Miete rückständig blieb, hatte ihn der Hauswirt, ohne ihm mit Exmission zu drohen, aufgefordert, sich eine andere Wohnung zu suchen. Gestern morgen fanden Hausbewohner das Ehe­paar in ihrer Wohnung erhängt vor. Die Verzweiflung, einen gestern fälligen Wechsel nicht bezahlen zu können, dürfte die Eheleute zum Selbstmord veranlaßt haben.

Gestern nachmittag gegen 4 Uhr brach in der Bücherei der französischen Kirche auf dem Gendarmenmarkt in Berlin ein Brand aus, der bald lokalisiert werden konnte und keinen erheblichen Schaden verursacht hat.

Aus Magdeburg, 24. März, wird gemeldet: Der Lokomotivführer des gestern abend kurz nach 6 Uhr auf dem Vorstadtbahnhofe Neustadt von Berlin einge­troffenen Personenzuges bemerkte mehrere hundert Meter von der Station auf dem anderen Gleise große Felsstücke, die den um dieselbe Zeit vom Hauptbahnhofe abgehenden Schnellzug Magdeburg-Berlin zum Ent­gleisen bringen mutzten. Der Lokomotivführer des Personenzuges fuhr dem Schnellzug mit Volldampf ent­gegen und konnte demselben auf freier Strecke das Halte­signal geben. Nach Beseitigung des Hindernisses setzte der Schnellzug mit einiger Verspätung seine Fahrt fort.

JnMagdeburgstürztesich gestern früh 8 Uhr eine junge Dame von der Konigsbrücke in die Elbe, deren Persönlichkeit bisher nicht festgestellt wer­den konnte. Die Leiche ist noch nicht gesunden. Sie dürste infolge des starken Stromes abwärts ge­trieben sein.

Im Mannheimer Vororte K ä f e r t h a l sind gestern vormittag beim Entleeren einer Dunggrube im Hause des Schmiedemeisters Hemberger vier Personen durch Grubengase erstickt.

Der von der Reitherspitze abgestürzte Schrift­setzer Wohlfarter wurde mit gebrochenem Fuße aufge­funden und ins Hospital gebracht. Hundert Meter von der Stelle, wo Wohlfarter gefunden wurde, sind die bei­den anderen Touristen tot aus dem Schnee herausge­graben worden.

Das bekannte Alpenhotcl Fontane Fredde bei Bozen ist samt Nebengebäuden vollständig nie d er­gebrannt.

Wie aus L a n g r e s berichtet wird, wurden daselbst vorgestern abend acht Gebäude durch Feuersbrunst zerstört. Ein Bataillon Füsiliere ist an den Rettungs­arbeiten beteiligt.

Eine Feuersbrun st zerstörte in der vorletzten Nacht mehrere Nebengebäude der Guiden-Kaserne in Brüssel. Der Schaden ist sehr beträchtlich.

Letzte Nachrichten.

Kontinental-Telcgraphen-Kompagnie.

Berlin. 25. März. Me „Voss. Zig." meldet aus Rom: Die sozialistische Fraktion beschloß, ihre bisherige wohlwollende Haltung gegenüber dem Ministerium auf­zugeben. Sie wird zunächst die sofortige Beratung der Steuerverminderungsvorlagen beantragen. — Aus Bremerhaven wird gemeldet: Die Sprengung des Hasenarbeiterverbandes des Norddeutschen Lloyds wird vorläufig keine Gegenmaßregln des Verbandes nach sich ziehen. Der Lloyd hat umfangreiche Maßnahmen ge­troffen, um für einen eventuellen Kampf gerüstet zu sein. Störungen sind nicht zu befürchten.

Madrid. 24. März. Eine Depesche des „Heraldo" aus Tanger besagt, die Stadt Sale werde von Rebellen belagert. Ein großer Teil der Küstenkabylen neige dem Aufstande zu. In der Nähe von Mazagan ständen 3000 Mann, die zu der Armee des Sultans stoßen wollten. Die Kabylen von Debet und Habit gingen darauf aus, die Verbindung zwischen Tetuan, Tanger und Fez zu unter­brechen.

New-Aork. 24. März. (Reuter.) Nach einer Depesche aus Santo Domingo ist dort die Ruhe durch die im Hafen liegenden Kriegsschiffe wieder hergestellt.

Johannesburg. 25. März. Die hiesige Handels­kammer erhielt die Nachricht, daß heute die Zollkon­vention von Vertretern der fünf britischen südafrikanischen Kolonieen zu Vloemfontein unterzeichnet worden ist. Es verlautet, dieselbe werde Transvaal großen Nutzen bringen und in Transvaal, sowie der Oranjekolonie be­deutende Ersparnisse, sowie eine Besserung der materiellen Lebensverhältnisse ermöglichen.

Depeschcnbureau Herold.

Berlin. 25. März. Aus Belgrad wird dem „B. L.-A."" telegraphiert: Bei dem Dorfe Podrischa unweit Uesküeb fand ein heftiger Z u s a m m e n st o ß zwischen

türkischen Truppen und zwei bulgari-

schen Banden statt. Letztere flüchteten mit Hinter- lassung von mehreren Toten ins Gebirge. Eine große albanesische P r o t e st o e r s a m m l u n g im Torfe Zojitsch in Alt-Serbien beschloß, die StadtPrizrcnd zu überfallen und zu plündern, falls die türkischen Be­hörden zur Durchführung der beschlossenen Reformen schreiten sollten. — Aus Petersburg meldet das „B. T.": Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge nehmen die K ä m p f e d e r K u r d e n st ä m m e an der persisch­türkischen Greiize einen drohenden Umfang an. Kürzlich fand bei Dsharaja ein blutiger, zweitägiger Kampf zwi­schen mehreren Kurdenstämmen statt, wobei es auf beiden Seiten eine große Anzahl Tote und Verwundete gab. Einer Budapester Depesche zufolge erklärte Minister­präsident v. S z e l l gestern in einer Unterredung, daß er der Opposition auch ferner rul)ig zusehen werde, auch wenn sie bis zum August dauere. Er werde eventuell auch in einen ex lex-Zustand gehen und ohne Budget regieren, da die Verantwortung hierfür die Opposition treffe.

Berlin. 25. März. Aus Montreux wird dem „Berliner Tageblatt" telegraphiert: Die Verschlimme­

rung im Befinden des früheren Präsidenten des Oranje- Freistaates, Steijn, besteht in einem schweren Rückfall in seine alte Gelenklähmung. Bei den vor einigen Tagm zu früh unternommenen Gehversuchen brach er plötz­lich zusammen, doch hoffen die Ärzte in 8. Tagm den normalen Zustand wieder herzustellen. Mit dem Ex- präsidentm Krüger unterhält Steijn men regen Nach­richten-Austausch. Am Dienstag von San Remo einge­troffene Berichte stellen Krügers Zustand als ziemlich ernst da, Steijn beabsichtigt im Herbst ein Gesuch um die Erlaubnis zur Rückkehr nach Südafrika an die englische Behörde zu richtm.

München. 25. März. Auch die hiesige Polizeibehörde hat die Aufführung von Heyses Drama „Dt a r i a vw n M a g d a l a" verboten. Seitens der Direktion des Münchener Schauspielhauses wurde gegen das Verbot eine Beschwerde bei der Regierung eingereicht.

London, 25. März. Von den Barbados-Inseln wird gemeldet: 800 Mann sind nach Trinidad abgegangen, um die revo­lutionäre Bewegung zu unterdrücken. Bei den Unruhen sind 150 Personen getötet oder verwundet worden. DieBevölkerung scheint weitere Kundgebungen zu beabsichtigen. Es sind daher um­fassende Vorsichtsmaßregeln getrosten worden. — Gestern wurden interessante Versuche mit einem neuen Unterseeboot vor- geuommen im Beisein des Chess der Admiralität, sowie einer An­zahl höherer Marine-Offiziere. Das Resultat soll ein sehr be­friedigendes sein. Doch wirb dasselbe geheim gehalten.

Nom. 25. März. Nachdem der Klub der sozialistischen Abgeordneten sich ebenfalls für eine Opposition gegen die Regierung entschieden hat, verschärft sich die politische Situation derart, daß wahrscheinlich während der Oster­ferien eine partielle Umbildung des Kabinetts durch Ausscheiden Prinettis, di Broglios und Balenzanos nötig werdm wird.

Madrid. 25. März. Der „Heraldo" meldet aus Tanger: Die Stadt Sale ist von den Aufständischen belagert. Circa 3000 Rebellen kampierm in der Nähe von Mazagan. Me Einwohner der Küste unterstützen die Rebellen.

Bcrbcra. 25. März. Die abessynische Kolonne ist in Bari eingetroffen. Ter Mullah hat eine neue Stellung eingenommen. Man erwartet für die nächsten Tage den Beginn der Feindseligkeiten.

lid. Berlin. 25. März. Ein neuer Anarchisten- Prozeß wird am 27. ds. vor dem hiesigen Land­gericht I verhandelt werdm. Ter Stuccateur Rocht wird sich wegen öffentlicher Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und öffentlicher Aufforderung zum Ungehorsam zu ver­antworten haben. — Aus Kiel wird berichtet, daß Polizeipräsident v. Puttkamer dem Direktor des Schiller- Theaters die öffentliche Aufführung von Max Meyers „DasTaldesLebens" verboten hat. — Paul Heyses Trauerspiel „Der Heilige" erzielte bei der gestrigen deutschen Uraufführung im Stadttheater zu Hamburg einen mehr darstellerischen als literarischm Er­folg und blieb ohne tiefere Wirkung auf das Publikum, das der opernhaftm Ausführung des Stoffes wmig Interesse mtgegm zu bringen vermochte. — Tolstois „Auferstehun g" kam gestem in einer theatralisch sehr geschickten Bearbeitung von Bataille im deutschen Volkstheater zu Wien mit starkem Erfolge zur Aus­führung. Tolstois politische und religiöse Ideen werden in dem Stück kaum berührt, doch enthält es Semen, die ein großer Dichtergeist belebt.

hd. Berlin, 25. März. Einer Hamburger Depesche zufolge brannten bei der Feuersbrunst in Wilhelmsburg 9 Häuser nieder, wobei 51 Stück Rindvieh umkamen. In Billwärder brannten gleichzeitig gestern mittag drei Häuser ab.

hd. Pisa, 25. März. Der bekannte Graf B e r o n e s o wurde <nst der Fahrt zum Leichenbegängnis des Erzbischofs Capponi in­folge Schevens der Pferde aus dem Wagen geschleudert und blieb sofort tot. Der Kutscher wurde lebensgefährlich verletzt.

hd. Petersburg. 25. März. In Belostok fanden im Theater sozialdemokratische Demonstrationen statt, wobei es zu einem blutigen Handgemenge zwischen Arbeitern und der Polizei kam. Auf beiden Seiten sind zahlreiche Verwundungen vorgckommen. Uber 20 Personen wurden verhaftet.

PoMswirlschaftliches.

Geldmarkt. Kursbericht der Frankfurier Börse vom 25. März, mittags 12 1 /, Uhr. Kredit-Aktien 217.50, Diskonto- Kommandit 195.80, Staatsbahn 148.70, Lombarden 14.20, Laura- hüttc 222.50, Bochumer 192.50, Gelsenkirchener 180, Harpener 180.60. Tendenz: abgeschwächt.

Dir Akrrtd-A««sai»e irmfatzt 10 Seite«

und 1 Sonderbeilage.

Leitung: W. Schulte vom Brühl in Wiesbaden.

Verantwortlicher Redakteur für Politik und Feuilleton: W. Schulte vom Brühl; für den übrigen redaktionellen Teil: C- Rötherdt; für die Anzeigen und Reklamen: H. Dorn auf; sämtlich in Wiesbaden.

Druck und Verlag der L- Schellend erg schen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden.