febaihwr iagblatt
51. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag 5» Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
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Abend-Ausgabe.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 24. März.
Die dritte Lesung des Rcichshaushalts-Etats wird knrtaesetzt beim Etat der Reichsjustizverwaltung. - Abg. ß 'cimann (nat.-lib.) verbreitet sich über die Frage Schutzes der Bauhandwerker und Sicherung der i .fnThfruitacn — Staatssekretär Nreberding bezeichne? dies? Frage als ungemein schwierig. Deshalb Mich auch die Angelegenheit so lange hm. Mangel ^ Interesse sei bei den verbündeten Regierungen nicht ßI VEttf>en Nur gingen die Meinungen über die beste 7.? der Lösung der Frage auseinander. - Abg.
? Dziembomsky (Pole) empfiehlt eine Resolution, ^treffend Eintragung polnischer Frauennamen ,» die Standesamts-Register mit der Endung ka, sofern der Name des Mannes beziehungsweise Vaters auf kr endet. ^ Staatssekretär N i e b e r d i n g halt die Resolution lür gegenstandslos, denn Anordnungen der behaupteten ?lrt welch- mit den hier bei Beratung des bürgerlichen Gesetzbuches abgegebenen Erklärungen m Wider,pruch stünden, seien nicht ergangen. — Abg. Thiele (Soz.) beleuchtet den Strafvollzug gegen Redakteure. — Abg. ffrüacr (freis. Volksp.) plädiert für Berufung in
Strafsachen, Regelung des öffentlichen Sparkassenwesens, und berührt dabei das Vorgehen des Hamburger Senats. ?>« Privat-Sparkassen verboten habe, sich des Ausdruckes Sparkasse zu bedienen. — Staatssekretär Nieber- d i n g kann den Standpunkt des Vorredners zu dem be treffenden Verordnungs-Entwurf des HamburgerSenats llckst teilen — Abg. S ch mi d t-Marburg lZentr.) stimmt dem Verlangen nach Berufung in Strafsachen zu und kommt dann auf die Überlastung des Reichsgerichte -u sprechen. Eine Herabsetzung der Revisionssumme könne er nicht für richtig halten. — Abg. Stadthaßen tSvz 1 greift die Zusammensetzung der Kommission zur Vorberatung einer Reform von Strafverfahren und Strafrecht an, dann verlangt er bessere Rechtsgarantieen für das Vorverfahren beim Strafprozeß, besonders auch Einschränkung der Befugnisse des Staatsanwalts. Redner verbreitet sich dann über eine Anzahl Polizei-Spitzeleien und gedenkt dabei Normann-Schnmanns. Ferner erwähnt er die 60 Mark-Affäre, das heißt den mißglückten Versuch Berliner Polizei-Organe, einen Sozialdemokraten zu Spitzeldiensten zu veranlassen. Er fordert den Staatssekretär auf, exekutorisch gegen den preußischen Polizeiminister vorzugehen, damit dieser seine Pflicht tue Der Polizeiminister habe Verbrechen begünstigt. (Unruhe rechts.) — Vizepräsident Graf Stolberg ruft den Redner wegen dieser letzteren Bemerkung zur Ordnung. — Abg. Stadthagen (Soz.) erwidert, hier lügen objektiv alle Merkmale eines Verbrechens vor, ob cs nun ein Minister begangen habe oder ein anderer.
— Vizepräsident Graf S t o l b e r g ruft den Redner «um zweiten Male zur Ordnung. - Abg. Stadthagen (Soz.) fordert in schreiendem Tone den Staatssekretär auf, gegen den Verbrecher vorzugehen, oder vielmeh gegen die verschiedenen Personen, die gleichzeitige- brecher seien. - Abg. Beckh (freis. Volksp.) plädiert für Berufung in Strafsachen. — Staatssekretär Rieverding erklärt bezüglich der Resolution v. Dzfembowsky, es sei unmöglich, namens des preußischen Ministers oes Innern die Erklärung abzugeben, daß letzterer die Standesbeamten durch Vermittelung der Pr"mnziat- behörden angewiesen habe, überall da, wo nachweisnai der Ursprung des Namens ein polnischer sei, die weibliche Änderung „ka" einzutragen. Wenn die Standesbeamten von dieser Anweisung abwichen, so könne er das nur bedauern. Das Recht zu prüfen, ob nicht ein deutscher Name wohl poIonisiert werde, ließe sich keine Regierung nehmen. — Abg. v. Tie d ent an n (Rerchsp. erinnert an die Polonisierung deutscher Namen, wie Schulze, Wollschläger rc., durch polnische Schreibweise Wo der Name wirklich polnischen Ursprungs sei, ser das Verlangen, die Tendenz der Resolution zu billigen, berechtigt. Die Resolution lehne er aber ab. — Abg- Dziembowski (Pole) beharrt auf der Resolution. Nicht um Agitation handle es sich, sondern um ein wohl- verstandens Bedürfnis der Bürger polnischer Nationalität. — Staatssekretär Nieberding bittet um Ablehnung der Resolution. — Abg. Schmidt- Frankfurt (Soz.) klagt wieder über die Behandlung von Preß- sündern. Die Resolution v. Dziembowski wird hierauf angenommen. - Beim Etat des Reichsschatzamte? bemängelt Abg. Hermes (freis. Volksp.) die Einführungsbestimmungen zum Saccharin-Gesetz. — Schatzsekretär Thielmann erklärt ausdrücklich, nur sutz- stoffhaltige Nahrungsmittel würden durch jene Bestim- mung getroffen, andere Waren, z. B. kosmetische, da- gegen nicht. — Beim Etat der elsatz-lothrtngischen Reichs-Eisenbahnen wird auf Antrag des Abg. D e l s o r die bei der zweiten Lesung abgelehnte dritte Rate von 100 000 Mk. zur Erweiterung des Bahnhofes Luxemburg wieder hergestellt. — Beim Post-Etat wurden nur verschiedene Wünsche von durchweg lokaler Bedeutung geäußert. Eine weitere Debatte entsteht nicht mehr. — Schließlich wird der Etat nebst Etat-Gesetz in definitiver Abstimmung angenommen. Die darnach genehmigte Anleihe beträgt 159 % Millionen Mark. Von den noch unerledigten Resolutionen wird u. a. die über den 10-stündigen Marimal-Arbeitstag abgelehnt, dagegen die Resolution Rösicke-Pachnicke wegen des Rechts der Berufs-Vereinigungen, ihre Bestrebungen auch auf Änderung der Gesetzgebung zu richten, angenommen. — Nächste Sitzung Dienstag, den 21. April, 2 Uhr. Tagesordnung: Beamtengesetz-Novelle, Bekanntmachung wegen Verände rung des Wahl-Reglements und zweite Beratung des Phosphorgesetzes. Der Präsident bittet noch die Kranken- Versicherungs-Kommission, in ihren Arbeiten fortzufahren, damit dieses Gesetz nach Ostern erledigt werden könne. — Schluß nach 6 Uhr.
Berlin, 24. März. Die K r a n k e n v c r s i ch e - rungs-KomMission des Reichstags setzte heute ihre Beratungen fort. Staatssekretär Gras Posadowsky erklärte, die Vorlage müsse unbedingt vor den Ferren in der Kommission fertiggcstellt werden, sonst werde sie nicht mehr erledigt, da die Tagung nach den Ferien nur kurz sein wird. Die Kommission wird am Donnerstag und Freitag noch tagen.
Preußischer KandLag.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 24. März.
Dritte Beratung des Berg-Etats. — Auf Anregung des Abg. O st r o p (Zentr.) erklärt Minister Möller, eö sei nicht möglich gewesen, über den Ort der neuen Bergwerksdirektion endgültig zu entscheiden. Er könne aber die Versicherung abgeben, daß er nach rmevor die Auffassung habe, daß sachliche Grunde in hohem Maße dafür sprechen, die Direktion nach Recklinghausen zu legen. — Abg. Dasbach (Zentr.) beschwert sich über die Wahl- beeinflussung bei der letzten Rcichstagswahl sertenv der Bergbehörde in Saarbrücken. - Minister Mo l l e r erwidert, die vorgebrachten Fälle bezögen sich auf 1898. Der beschuldigte Bergrat wurde schon 1899 nach Königsberg versetzt.. Der Minister habe den Untergebenen keinen Zweifel gelassen, daß er jede Wahlbeeinflussurig mißbillige. — Abg. Bopelius (freikons.) erklärt, im Saar-Revier werde die schlimmste Wahlbeeinflussung von der katholischen Geistlichkeit getrieben, von der Kanzel und im Beichtstuhl. Man habe sogar den katholischen Besuchern nationalliberaler Versammlungen »nt der Verweigerung der Absolution gedroht. Er rufe Dasbach zu: Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Seinen werfen. -- Abg. H e i s i g (Zentr.) beschwert sich, daß in Oberschlesien polnischen Vereinen angehöreiidc Bergleute von der Bergbehörde bedrückt werden. Sodann wird der Etat bewilligt. — Beim Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung ersucht Abg. Dr. Müller - Sagau (freis. Volksp.) den Minister, daß den Bedürfnissen der nassauischen Fortbildungsschulen mög- lichst bald Genüge geschehe. Ernste große Interessen stehen auf dem Spiel, wenn nicht bald dem Gewerbe- und Fortbildungsschulwesen Hülfe gebracht wird Man hat alles zu vermeiden, um das nassauische Fortbildungsschulwesen aus das Prokrustesbett des Bureaukratismus zn spannen. — Ein R e g i c r u n g s k o m mi s s a r er- widert: Ich habe zu erklären, daß der Handelsminister die Absicht hat. Anträge des Zentralgewerbeverems zn Nassau mit allem Wohlwollen zu prüfen. Die Anträge sind erst in den letzten Tagen uns zugegangen, daher hat die Entscheidung noch nicht getroffen werden können. Die Bedingung, die der Minister stellt, hat den Zweck, die Entwickelung der Fortbildungsschulen in Nassau sa zu fördern, daß sie den übrigen Fortbildungsschulen gleich sind Ich bitte, das Ergebnis abzuwarten. — Abg.
Der Preis ist Magdeburg!
Roman von Max Dorumg.
(7. Fortsetzung.)
Ein verächtliches Lächeln spielte um die Lippen Herrn
Friedrich Wilhelms. ,
„Ich für meine Person", antwortete er kühl, „habe 'tets sehr genau gewußt, wie ich mit unbegründeten Beschuldigungen umzugehen hatte, wenn wirklich lemand den Mut gehabt, eine solche gegen mich auszuspielen. >?m übrigen, mein Herr Kommandant, will ich niemandes Eewissensruhe stören — mein Haus ist kein Gefängnis, dessen Pforten für die darin Befindlichen etwa gefchlossen kvären, daß sie es nicht wieder verlassen konnten —
„Sie fassen alles zu ernst auf, Herr Fahrenbach! entgegnete der Offizier leichthin. „Wir Franzosen haben in dieser Beziehung ein glücklicheres Temperament! Wer
— --- ich komme ganz von meinem Thema ab. ^ch
wollte mir nur den unmaßgeblichen Rat erlauben, in Ihrem eigenen Interesse einen Schritt zu tun, der ^zhnen über kurz oder lang doch nicht erspart bleiben wird und
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„Ich verstehe Sie nicht, Herr Kommandant!" fiel .Herr Friedrich Wilhelm ein, und seine Stimme klang
^ Eii?schneller, prüfender Blick fiel aus den Augen des Offiziers auf den Kaufmann, etwa wie einer emen anderen mustert, dem er rn aller Ruhe einen ^.olch ms Herz zu stoßen beabsichtigt. ... <
„Ich werde kurz sein, Herr Fahrenbach! Und er leuben Sie mir. daß ich dabei als Vertreter der höchsten inUitärischen Behörde der Stadt spreche! — — —
„Ich wüßte nicht", unterbrach Herr Friedrich Wilhelm kühl, „was mir das Vergnügen verschafft hatte, amtlich mit Ihnen verkehren zu müssen —"
Noch ist diese Notwendigkeit nicht vorhanden, Herr Fahrenbach!" entgegnete der Kommandant mit bedeut- iamer Betonung. „Aber sie kann eintreten, und ich
möchte einem Freunde gegenüber, als den ich Sie be
trachte, nicht gern ^amtlich verhandeln."
„So sprechen Sie!" t „ ... .
„Wohl! Ich halte es für geboten, daß Sie sich m entschiedener Form öffentlich durch eine Erklärung oder dergleichen von Ihrem hochverräterischen Sohne lossagen!
Ich meine —" _ „ .
Er brach jäh ab. Fast erschrak er. Die Wirkung
seiner Worte war eine ungeahnte.
Als habe ihm Jemand hinterrücks einen Schlag gegeben, so fuhr Herr Friedrich Wilhelm zusammen. Der kühle, ruhige Mann verlor einen Augenblick die Herrschaft
über sich selber. ..... ...
„Ich-ich-sollte-" stieß er zwischen
den Zähnen hervor.
Aber nur einen kurzen Moment wahrte die Erregung, und schon war er wieder ebenso ruhig und kühl wie stets.
„Ich danke Ihnen für Ihren Rat, Herr Komman- dant", sagte er kalt, „aber ich bedaure, keinen Gebrauch davon machen zu können!"
„Ihr Interesse würde es erfordern-'
„Meine Interessen werde ich selbst wahrnehmen,, mit Ihrer Erlaubnis, Herr Kommandant! Zwischen meinem Sohn und mir klafft ein Riß, der sich kaum wieder schließen wird — das weiß er so gut wie ich. Aber was wir miteinander haben, haben wir unter uns abzumachen — die Öffentlichkeit ist nicht das Forum, vor welches Familienangelegenheiten gehören. In meinem Hause bin ich Herr, und ich bedarf für die Gültigkeit meiner Handlungen darin weder einer Kundgebung an die Öffentlichkeit, noch deren Billigung. Vor der Außenwelt hat mein Familienleben Halt zu machen! Das ist meine
Meinung!" .
Er schwieg und erhob sich zum Zeichen, daß er das Gespräch für beendet ansehe.
Auch der Kommandant hatte sich erhoben.
„Ich hoffe", sagte er, „Sie werden mir meinen in guter Wsicht erteilten Rat nicht als eine Zudringlichkeit auslegen —"
„Nein!" entgegnete Herr Friedrich Wilhelm.
Die beiden Herren begaben sich zurück in die Gesell.
Zu derselben Zeit, als diese Unterredung im Gange war) führte der Vicomte Raoul de Charillon seine Tan- zerin vom Tanz zu einem Sitzplatz zurück. Es war Gertrud Mit Bewunderung folgte so mancher Blich den: schönen Paare, das wie für einander geschaffen er. schien Beide sahen ernst aus; in Gertruds Augen lag der Ausdruck einer stillen Refignatton und verschwiegenen Leids, und auch aus den Zügen des jungen Offiziers sprach ein stummer Schmerz, der nicht offenbar werden
ein abgelegenes kleines Zimmer hatte der Vicomte seine Begleiterin geführt.
„Hier ist's still!" sagte er. „Der rechte Ort zur Er-
h°luKe werdeii bald iu den tobenden Lärm des Krieges hinaustreten, Herr Vicomte", antwortete Gertrud. „Ist ein Dermin für Ihre Abreise schon festgesetzt?"
„Noch nicht, mein Fräulein! Es wird noch einige Wochen dauent. Das Hauptquartier des Kaisers dürft? in diesen Tagen mehr und wichtigeres zu tun haben, als sich um die Versetzung eines unbedeutenden Kapitäns zu
kümmern!" ^ r
Er winkte den Diener mit Wern und einer Schals Fruchteis herbei. Gertrud nahm das letztere. Aber sitz rührte es kaum an. , T ..
„Der Krieg wird sehr blutig werden!" sagte sie leise, „Mir graut, wenn ich an ein Schlachtfeld denke!"
„Der Engel des Gerichts schreitet über sie", sprach Charillon, „und seine Fußstapsen rauchen von Blut!"
„O, weshalb muß Ihr Kaiser immer Krieg fuhren?«
Er sah sehr ernst vor sich nieder.
„Das ist eine Frage, mein Fräulein, die sich manch einer schon vorgelegt und doch die Antwort darauf nicht gesunden hat."
Sie blickte ihn erstaunt an.
So sprechen Sie? Der französische Offizier? Der Günstling und Verehrer des Kaisers? Der Gefährte seiner Siege?"
