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Wikslisdkm Tmblstt
si. Jahrgang.
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« Die«»!«,. >-« 24. Wär; * 1903.
Morgen-Ausgabe.
Aüv öcrs 2. HrrcrvtctL 1903
auf das
,Wiesbadener Tagblatt"
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dei jämmtlichen deutschen Meichspostai,statten.
Mrsmar bleibt deutsch!
*sttt schwedischen Reichstag hat die Regierung eine Vorlage eingebracht, durch welche sie um dre Ermach- tiaung nachsucht, von dem Rechte Schwedens, dre Stadt Wismar mit Unrgebung durch Erlegung der Psand- stimme wieder loszukaufen, Abstand zu nehmen. Diese lakonische Meldung wird nicht von jedem Leser verstanden worden sein, und bei manchem, der ihren Zusammenhang kennt, ein Schütteln des Kopfes Hervorgemsen haben -r-atz Wismar zu Mecklenburg gehört, wissen alle. Datz Mecklenburg WiSmar von Schweden erworben hat, wer. den viele wissen. Daß die Erwerbung Wismars, wenig
itens formell, pachtweise erfolgt ist, rnag wohl manchen bekannt sein. Datz aber die Pacht Wismars nebst Und-
ßrijunq am 26. Juni dieses Jahres, wenigstens dem Wort laut des seiner Zeit abgeschlosseneii Vertrages zufolge, abläuft oder doch ablaufcii könnte, daran wird tauin icmwid gedacht haben. IXnb dies kanii keinem verdacht werden, denn selbstverständlich kann von einem Abläufen des „Pachtvertrages" ernsthaft gar nicht die Jiede sein, und eS ist auch weder in Deutschland noch ttt Schweden jemals ernsthaft davon die Rede gewesen.
ßV'hiot. um welches es sich bei
Das Gebiet, um welches es sich bei dieser mehr historisch als politisch bedeutsamen Frage handelt, um. saßt die Seestadt Wismar mit ihrem Hafen, der stadti chen Kämmerei und deii sogenannten Hebungsguteni mit ca. 20 000 Einwohnern, das zum landesherrlichen Domanium gehörige Amt Poel mit 15 Ortschaften und über 2000 Einwohnern und das Amt Neutloster mit -0 Ortschaften und 4000 Einwohnern. . .
Besagtes Gebiet kam durch den dreißigjährigen Krieg, der ja auf die Landkarte Europas sehr einschneidend gewirkt hat. aus dem meckleiwurgischen ttt schwedischen Beim Durch deii am 24. Oktober 1648 abgeschlossenen Brieden von Osnabrück wurde Wismar nebst Poel und Reukloster von Mecklenburg abgetreniit und der Krone Schwedens als Reichslehen überwiesen. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts, im nordischen Kriege wurde das Gebiet von Dänemark erobert, jedoch im Friedensschluß von
1720 wieder an Schweden zurückgegeben. Mit dem Rück gang seiner Machtstellung verlorSchweden dann nach und nach seine übrigen Besitzungen in Pommern, Rügen n. an Preußen, so datz zu Anfang des 19. Jahrhunderts bloß noch Wismar als „eine hohe Säule" „von verschwundner
Da man sich in Schweden darüber klar war, daß man dies eine exterritoriale Gebiet auf die Dauer doch nicht halteii konnte und es früher oder später doch verlieren würde, und da man in Schweden damals, wie immer, qeldbedürftig war, so inachte man aus der Not eine Tugend und zugleich esii Geschäft und „verpfaiidete Wismar nebst Anhang für einen Geldbetrag an Mecklen burg-Schwerin. Durch deii zwischen dem Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin und dem Könige Gustav Adolf IV. von Schweden am 26. ^um 1803 zu Malmö abgeschlossenen Vertrag wurde das genannte Gebiet wieder mit Mecklenburg verewigt, jedoch mit dem Vorbehalt des Rechtes der- Wiedererrüosung durch Schweden nach 100 und gegebenenfalls nach 200 Zähren. Für diese bedingte Erwerbung zahlte der Herzog au» feiner Kasse 1 258 000 Taler. Bei der Ausübung de» vor- lehaltenen Rechtes der Wiedereinlösung sollte von schwedischer Seite außer dem Kapital noch ein dreiprozentiger Zins gezahlt werden. . ,
Nein formell handelt es sich also bei diesem Vertrag tasächlich nickt um einen Kaufvertrag, sondern um einen Pachtvertrag.' Die Großherzoglich Mecklenburgiiche Regierung hat auch bei den Verhandlungen über die Ein verleibung der Stadt Wisniar in die mecklenburgische landständische Körperschaft, wie sie im Larife der letzten 50 Jahre mehrmals stattgefunden habwi, jedesmal auf den Äkalmäer Vertrag hingewiesen, wonach es sich erst iin Jahre 1903 entscheiden ivürde, ob ^rtadt und Herrschaft Wismar dauernd „mit dein Lande Mecklenburg vereinigt" bleiben würde.
Trotz dieser Reserviertheit, die sich streng cm den sor nlalen Bestand der Dinge und an den Wortlaut der Verträge hielt, ist weder in Deutschland noch in Schweden jemals ernstlich mit der Möglichkeit einer Wleder-E'w lösung Wismars durch Schweden gerechnet ivorden. Viel inehr ist die „Verpfändung" Wismars sowohl vor 100 Jahren, wie auch inr Laufe dieser 100 Jahre etwa so cufqefatzt worden, tvie die „Pachtung" Kiautschous, die selbstverstäiidlich ebenfalls als eine „ewige" Pachtung, d h. als ein Kauf gedacht ist.
An den Wismarschen Pachtvertrag wurde man ergent lich erst erinnert, als im Jabre 1900 inr schwedischen Reichstag ein Antrag arif Auslösung WiSmars euige- l rächt wurde. Der schwedische Blinister des Auswärtigen, v Lagerheim, erklärte damals, die Regierung denke nicht darair, Wismar dem Deutschen Reiche irgendwievorzuenthalten: der förniliche Verzicht auf das EinlösungS- recht werde seiner Zeit iir einer für beide Teile ehrenvollen Weise erfolgeii. Die oben erwähnte, rm schwedi scheir Reichstage eingebrachte Vorlage bedeutet die Er füllung dieser Ankündigung. Wie der schwedische Reichs tag damals den Antrag auf „Auslösung" WismarS mit Überwiegender Mehrheit ablehnte, so wird er auch
zweifellos jetzt deni eiitgegeiigesetzteii Antrag der Regie- rtmg, der freilich nur die äußere formelle Anerkennung einer historisch wie staatsrechtlich selbstverständlichen Tatsache bedeutet, mit großer Mehrheit zustimmen.
Gegen den Allwholriüßbrauch.
Man mutz kein sanatischcr Mäßigkeitsapostel sein uiid kann doch zugcben, datz der Alkohol in der Tat zu einem der schlimmsten Feinde der Menschheit gehört, m ist nicht notwendig, datz wir zum Beweise für diese Behauptung die Statistik zur Hilfe rufen oder gar umfangreiche historische Feststellungen treffen über die Rolle, welche die geistigen Getränke in der Menschheitsgeschichte und insbesondere in der Geschichte einiger Staaten und Völker spielte; ein offener, vorurteilsfreier Blick in das wirtschaftliche und soziale Leben der Gegenwart klart nics vollständig aus über die unheilvollen Erscheinungen, welche der Alkohol überall dort hcrvorrnft, wo er nicht mehr als harmloser Sorgenbrecher gilt, sondern die Bedeutung eines gefährlichen Gcnutzmittels erlangt hat, welches die physische und moralische Gesundheit seiner Sklaven untergrübt und ganze Familien und Völker elend macht. Es ist nicht uns/re Absicht, hier einen grausigen Totentanz der Trunksucht zu malen, wie wir es wohl könnten. Jeder unserer Leser hat ja tagtäglich Gelegenheit, in seiner Umgebung Betrachtungen über die Verwüstung anzustellcn, welche der unmäßig genossene Alkohol anrichtct. Nur ein einziges Beispiel möchten wir geben, das unseres Erachtens ein Helles Schlaglicht aus die leidige Gewohnheit, über den Durst zu trinken iind die daraus resultierenden wirtschaftlichen und sozialen Schäden wirst. Einer unserer Herren Kollegen hat in seiner Eigenschaft als Gerichtsberichterstattcr sesk- gcstellt, daß unter 188 in seinem Beisein und in einem Zeitraum von nicht ganz zwei Jahren zur Aburteilung gekommenen schweren Körperverletzungen nur vier waren, bei welchen sich ein Einfluß des Alkohols aus die Straftat nicht positiv fcststcllen ließ, alle übrigen aber begannen im Wirtshaus, und jeder der Angeklagten berief sich entweder daraus, datz er angetrunken oder schwer betrunken gewesen sei. Die Strafe, welche auf diese 135 Körperverletzungen entfielen, betrugen insgesamt 75 Jahre imd 10 Monate Gefängnis und außerdem 2485 Mk. Geldstrafe! Die Gerichtskosten, die Kosten für die Verteidigung re. dürsten ungefähr 10 000 Mk. betragen haben. Und wie groß mag erst der nicht zahlenmäßig nachzuweiscnbe Verlust an ideellen Werten gewesen fein, der sich in diesen verschwindend wenigen Fällen aus dem übermäßigen Genuß geistiger Getränke ergab, abgesehen davon, daß die Verurteilten vielfach fürs ganze Leben an den Folgen der im Rausch verübten Tat zu leiden haben!
Ist es da ein Wunder, daß man heute an den grünen Tischen sowohl als dort, wo man mitten im praktischen Leben steht, mehr als je geneigt ist, den Genuß der geistigen Getränke aus das richtige Maß zurückzuführen, insbesondere alles zu vermeiden, was der Ausbreitung des Alkoholmißbrauches förderlich sein könnte? Teils nicht man das auf dem Wege der Belehrung zu erreichen, teils auf dem Wege der sozialen Gesetzgebung. Ilnd auf leiden Wegen ist schon einiges erreicht worden. Der
Feuilleton.
Messer.
Die heutige hygienische Wiffenschast ist wi <rllgemei- uett für scharfe Gewürze nicht eingenommen, sie halt sie für einen künstlichen Anreiz, der, wenn es nrch unbedrug ait tiermeiöen fct. Slftcr gang ttctftcntncrt itriib ft dieselben nicht können, weil sie den Speisen das Pikante verleihen und dies nicht nur bei literarischen Erzeugnissen bei jugendlichen Gesichtern, sondern von den Kennern auch gerade bei allen ulögUchen Genchten sehr oe-ck>äkt wird Das ist aber die Absicht der Wissenschaft auch nicht? sie will nur. daß man das Anreizende mit Maß genieße, und besonders an einem Gewürz, dem häufigsten, dem Pfeffer, hat sie nicht viel auszusetzen, so lanae es nicht in zu großen Mengen zur Anwendung kommt Ihr Kampf dagegen würde auch kaum ein sehr erfolgreicher sein^da die wenigsten Menschen des Psejsers
Die Pflanze, welche das Gewürz liefert, das sowohl grs sthwarzeV wie als weißer Pfeffer in den Handel kommt ist ein rebenartiges Klettergewächs, das ill den Wäldern von Travancore und an der Küste von Malabar wild gedeiht. Im südwestlichen Indien wird es un ausgedehnten Matze kultiviert, und von da ist es nach Java, Sumatra, Borneo, die Malayische Halbinsel, Siam, di Philippinen und Westindien gelangt.
Schon zu den Zeiten Alexanders des Großen war der Pfeffer den Alten bekannt, und zu einer Zeit bildete er einen bedeutenden Artikel im Welthandel und war mit Gegenstand der Hauptaus' '.ihr Indiens nach Ewropa, ehe Baumwolle, Tee und Zucker eine so sem Export spielten. Wahrend des Mittelalters stano der Preis dieses Gewürzes ganz außerordentlich hoch, und es heißt, daß die Kostbarkeit des Psefsers einen der
Gründe bildete, der die portugiesischen Seefahrer ver- anlaßte, einen Seeweg nach Indien zu suchen.
Die Pfesserpflanze ist eine durchaus tropische und gedeiht am besten in einem feuchten, heißen Klima ber einem jährlichen sehr starken Regenfall, auf einem durch verfaultes Laub reich gedüngten Boden. Sie schlingt sich um fast jede Stütze, die sich ihr bietet, und erreicht eine Höhe von einigen 20 Fuß, aber bei der Kultur hält man sie gewöhnlich nur circa halb so hoch. Die Blätternder Pflanze sind oval und glänzend, sie bringt 20 bl» 30 weiße Blüten hervor, welche in eine Frucht mit >e einem einzigen Kern reifen. Diese fleischige Beere, welche einen weichen Stein bedeckt, ist ungefähr so groß wie eine Erbse und zeigt zuerst eine grüne, dann eine rote und endlich eine gelbe Farbe. Sie enthält ein Harz, dem sie den beißenden Geschmack verdankt und ein flüchtiges Ol, das einen aromatischen Geriich ausströmt. Der weiße Pfeffer wird ans dem schwarzen gewonnen, indem mau die Schale durch Weichen und Reiben entfernt.
Nach drei Jahren trägt die Pflanze Früchte und während der 7 bis 8 Jahre nachher befindet sie sich in voller Kraft. Die aus Samen gezogene trägt einige Jahre länger als die aus Ablegern erzielte, doch ist der Pfeffer von letzterer besser, und daher findet diese Methode am meisten Anwendung. Die Blüte erscheint im Juli oder August und die Beeren ungefähr 7 Monate später. Der Ertrag hängt von dem mehr oder weniger reichlichen Düngen, der geeigneten Behandlung und dem
Regen ab. „ ^ _ . . ..
Das Pflücken geschieht mittels der Hand und di. Beerenbüudel werden in einen länglichen Rohrkorb ge tan, den der Arbeiter durch einen Strick um bie Taille befestigt und der ihm hinten herabhängt. Man wartet gewöhnlich das Reifen der Beeren nicht ab, sondern pflückt sie, wenn sie noch grün sind iind eben die Farbe wechseln Manchmal werden sie dann sortiert, manchmal auch ' nicht. ' Geschieht ersteres, dann scheidet man die schon
reifen Beeren von den anderen. Elftere werden 7 bis 8 Tage in Wasser cingeweicht oder auseinander gehäuft, so daß die Schale gärt, und dann mit der Hand oder auf einen- groben Tuch gerieben, -venu die Quantität klein ist, oder unter Fuß getreten, wenn sic groß ist. Sv wird die Schale von dem inneren Stein abgcricben und dieser letztere bildet den in den Handel kommenden weißen Pfeffer. Die noch verbleibende Masse wird entfernt durch Waschen in Körben, die man in laufendes Wasser stellt. Der Pfeffer wird dann getrocknet, indem man ihn circa eine Woche lang der Sonne aussetzt. Dadurch bleicht er noch und wird hellgrau oder gelblichgrau. Diittels eines chemischen Drittels findet dann noch ein weiteres Bleichen statt
Das Hauptprodukt ist schwarzer Pfeffer. Er wird aus unsortierten Beeren erzielt, die während 4 Tagen anfgeschichtet werden. Die grünen Beeren werden dann weicher und wechseln die Farbe und die Schale aller wird mehr oder weniger zerdrückt, Dann breitet man die Beeren aus und !«ßt sie trocknen. Die Haut und ein Teil der Schale bleiben als eine dunkle, trockene, runzlige Decke auf den Kernen nnd der Pfeffer hat ei» schwarzes Aussehen.
Weißer Pfeffer ist weniger scharf und teurer als schwarzer, doch geben ihm viele den Vorzug, weil er in den Speisen kaum sichtbar ist.
Von den Eingeborenen Indiens wird das Gewürz in großen Mengen konsumiert, da dort sehr scharf gewürzte Gerichte sehr beliebt sind, trotzdem bleiben aber für die Ausfuhr noch bedeutende Quantitäten übrig. Dieselben werden in alle Welt gesandt, doch sind es im allgemeinen mehr die Kinder des Orients, die das Produkt der Psesfcrpflanze — „Piper nigrnm" — beziehen. Immerhin bildet auch Europa einen bedeutenden Abnehmer dafür und würde schwerlich einen Ersatz wissen, wenn diese Zufuhr einmal ausbleiben sollte.
