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51 Jahrgang.

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Mr Reform des Konsulaiswesens.

-Xn ihren „Industriepolitischen Betrachtungen" be­leuchtet die „Deutsche Export-Revue" die Frage ob seit der Ara der Weltpolitik der Schutz des „größeren Deutsch­lands" ein sicherer geworden ist. Wir entnehmen den interessanten Ausführungen folgende bemerkenswerte

Ansichten: . 0 ,, r

Die Exportindustrie, so schren es, war eine Zeitlang der Pflegling der amüichen Kreise, die eine deutsche Welt- volitfl proklamiert hatte. Die Haltung der Regierung bei der Zolltarifvorlage hat aber gezeigt, daß dar- Blatt­lein sich gewendet hat, die Exportindustrie wird ganz auf rictenen Füßen stehen müssen und wird gut tim, nach Lage her ^inge an Kampfesorganisationen zu denkeu. Wir werdm zu dieser Anschauung direkt hineingedrangt, wenn wir das Facit der sogenannten Weltpolitik ziehen, durch dir von Amts wegen so große Hoffnungen m der Export indüstrie geiveckt wurden. Was ist von den Ver Brechungen gehalten, was von den Hoffnungen in Er iiilluna aeaanqen? Prüfen wir doch einmal die Ergcb nisse dieser sogenannten Weltpolitik vom Standpunkt der Exportindustriellen.

Zunächst, ist seit der Ära der Weltpoüük der Schutz

Deutschtums im Auslande ein sichererer geworden als m Zeiten der Kontinentalpolitik? Ist amtlich mehr ge­schehen zur Förderung des deutschen Exports . uf neu- traten Märkten? „ .

Man wird nicht behaupten tonnen, daß es bester ge

W ° r % Zeiten der Kontinentalpolitik bis tief in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts galt der Deutsche im Aus­lande privatim vielfach, amtlich aber immer als ein. un bequemes Familienmitglied. Ter Deutsche der das Vaterland verlassen, tat es auf seine eigene Gefahr hm.

_ Dienstag» den 24. Mar;.

Er galt in der Heimat inehr uiid minder mit Recht als Abenteurer und konnte nicht beanspruchen, daß die Heimat sich seinetwegen in Unannehmlichkeiten setze. Dieser Standpunkt des Fürsten Bismarck ist zuin^Beisprel noch in einem uns zufällig bekannt gegebenen Schreiben des Staatssekretärs Herbert Bismarck an den damaligen Admiralstabschef v. d. Goltz 1889 ausgedruckt; cs heißt da, daß die Kommandanten der Schiffe am besten Ge­legenheit hätten, mit den führendeii Deutschen im Aus­lände zusammenzutreffen, sie möchten diese warnen, sich in riskante Unternehmungen im Vertrauen aus den Schutz des Reiches einzulassen. Das Reich gedenke sich nicht m solchen Händeln zu engagieren. Das ist ein Standpunkt, der sich begründen und vertreten läßt. Das kontinentale Reich will keine überseeischen Händel, und wer ms Aus­land geht, tut es auf eigene Rechnung und Gefahr Nun gut, es ist ein klarer Standpunkt, und jeder Deutsche un Auslande hatte sich iiach ihm zu richten und hat sich nach

ihm gerichtet. ..■ Hone

Die Botschaft unseres Kaisers vom 18. ^anuar 189b stürzt das bismarckische kontinentale Prinzip um sie er­klärt ausdrücklich als besondere Aufgabe der kaiserlichen Regierung den Schutz des „größeren Deutschlands. Da­mit wird dieses zu stärkeren Engagements ermutigt, es wird ihm gesagt, das Reich steht hinter euch, dringt vor. Tie Regierung hat mit jener Erklärung große moralische Verpflichtungen übernommen, sie hat das Deutschtum im Auslande zu einer Initiative angespornt, die es andern­falls gewiß vorsichtigerweise nicht entfalten wurde, so lange es sich bewußt bleiben mußte, auf eigene Kraft an­gewiesen zu sein, ohiie die amtliche Zusicherung, daß das Reich hinter ihm stehe. , ^ , r

Hat die jüngste Regierung ihren Worten Taten folgen lassen? Der kontinentale Fürst Bismarck versprach den Deutschen im Auslände nichts, aber er griff schnell uiid mit fester Hand ein, wo eine eklatante Schädigung Tcnt scher vorlag, so in Nicaragua, Haiti, Marokko.

Die Klagen über den geringen Rückhalt, den das Deutschtum im Auslande an den deutschen Konsuln und Gesandten hat, sind immer stärker geworden. Das amt­liche Personal unserer überseeischen Vertretung ist nach wie vor den modernen Ansprüchen und Anforderungen ihres Wirkungsfeldes mir in den seltensten Fällen ge­wachsen. Es faßt seine Verpflichtungen gesellschafürch auf, den Kastengeist überträgt es auf das Deutschtum im Ausland und sprengt, anstatt zu einen. Es wird auch nicht anders werden, solange der auswärtige Dienst unserem Adel reserviert blecht. Andere Völker besetzen diese Posten nach Befähigung, nicht nach Geburt; sie senden die tüchtigsten, emsigsten, kenntnisreichsten Männer in die Länder, die sie wirtschaftlich erobern wollen. Will das Reich die Botschaft von 1896 wahr machen, dann muß es sich in erster Linie die entsprechende zuversichtliche Organisation schaffen. , ein modern geschultes Personal für den auswärtigen Dienst.

Retaktions-Fernlprechcr No. 52.

1803.

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ttttrtltntr» für die Abend-Ausgab« bis 12 Uhr mittags, für die Morgen-Ausgabe bis ^ Uyr nachmilrogs. tf AUHklA kll- AIlltQHUlS nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, >edoch nach Möglichkeit S rg g S

Ko. 140

verlags-Fernfprecher N». 2958.

Abend-Ausgabe.

§?ür öcrs 2. gmartcxC 1903

auf das

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im Vertag Langgaste 27, bei den Ausgabestellen, den Zmeig - Grprditianen

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M ja,amtlichen deutschen Reichsyostanftalten.

Wir wollen moderne Weltpolitik machen und haben dazu eine Organisatton, die aus sridericwnischcr Zerr lammt mit vormärzlichen Anschauungen.

Die Reform des Konsulatswesens ist ein Schmerzens- ichrei, der immer wieder erschallt und verhallt. Was rst bemi geschehen in der Hinsicht? Es ist wahr, dre Kon- illate sind um einige vermehrt, es wurden auch Handels- achverständige an einige Orte gesandt. Aber was rst damit geholfen? Der Geist unseres Konsnlatswescns rst der alte. Man kann nicht sagen, daß in dieser amtlichen Organisaflorr unser Außenhandel eine tüchtige Stutze habe, sicher nicht eine kräftigere als früher. Die Klagen hören nicht auf, daß in deni Schutz des Deutschtums ge- fellfchaftliche Ulsterschiede gemacht werderr. Dre wohl, habend stell Elemente unter den überseeischerr Deutschen haben ein Interesse daran, Konflikte mit den Regierungen ihrer neuen Heimat zu verhindern. Der Engländer, Amerikaner, Franzose im Auslande ist vor seinem Kow sulat der Landsmann ohne Ansehen seiner Stellung.

Der Preis ist Magdeburg!

Roman von Max Doruiug.

(6. Fortsetzung.)

„Vielleicht könnte mau ihn entfernen, ihn unschädlich machen?" warf der Oberst ein.

Fahrenbach zuckte die Achseln. ar ,

„Ern schwieriges Unternehmen, Herr Oberst! „Aber einen anderen Vorschlag möchte ich mir erlauben

„Sprechen Sie, lieber Freund!"

„Ich selbst möchte nach, Magdeburg znructkehren, unter zuverlässigen Freunden für uns werben

Der Oberst wehrte erschrocken ab.

„Das hieße mit der Gefahr spielen, lieber Freund, und das tut nie gut! Sie stehen auf der Proskrrptrorrs- liste; wenn man Sie erkennt, sind Sie verloren!"

„Man sollte mich nicht erkennen", fiel Ernst lächelnd ein. „Was Schenk möglich ist, wird auch nur moglrch fein!"

Der Oberst wiegte sinnend das Haupt.

„Hm! Es wäre zuweilen schön, wenn wir erneu Funken Allwissenheit hätten! Wenn man wüßte-"

Er brach ab und versank in anhaltendes Sinnen.

Endlich schien er einen Entschluß gefaßt zu haben. Er sah auf und lange ruhten seine Augen auf Fahren- bach.

„Ihr Wort hat einen Aufruhr in meiner Seele ent­facht, lieber junger Freund!" sagte er.

„Das eben war meine Absicht, Herr Oberst! Es handelt sich um die Eroberung meiner Vaterstadt — sollte ick, da nicht den Wunsch haben, mich auf den gefahrlrchsten Posten gestellt zu sehen?"

Noch immer wiegte der Oberst das Haupt sinnend hin und her. „Es ist nicht zu leugnen", entgegnete er lang- som, als überlege er noch einmal jedes Wort, ehe er es über die Lippen lasse, „es ist nicht zu leugnen, daß eine Partei oder auch. nur ein kleiner Anhang in der Stadt uns von unendlichem Nutzen sein müßte. Wenn es den Unseren dort gelänge, uns vorzuarbeiten: Kanonen zu

vernageln, Posten zu bestechen, die entschlossensten Offi­ziere der Garnison in der entscheidenden Stunde irgend­wo fernzuhatten, iu einer Gesellschaft, bei einem Ball, widrigenfalls aber sich ihrer in aller Sülle mit Gewalt zu bemächtigen" -- er holte tief Atem — „junger Mann, Sie haben eine gläiizende Fata Morgana vor meine Angen gestellt, nun sehen Sie zu, wie Sie sie wieder

bannen!" _ ., ,

Ich will's, Herr Oberst! Lasseii Sie mich nach Magdeburg!"

Sinnend schritt der Oberst, auf uiid nieder. ,

„Es ist ein verwegenes Spiel, Fahrenbach! Vielleicht köiinten wir Jemand anders senden, der nicht Gefahr liefe, erkaimt zu werden. Etwa Schenk —"

Fahrenbach schüttelte dm Kopf.

„Nein, Herr Oberst! Ganz abgesehen davon, daß wir in Schenk unseren tüchügstm und listigsten Werber verlieren würden, dem an Kenntnis von Land und Leuten, an glücklicher Begabung, mit ihnen zu verkehren und um­zugehen, keiner gleichkommt, kaiin nach Magdeburg nur ein solcher gesendet werden, der die Stadt, die Personen, die Festungswerke auf das Genaueste kennt. Ein ein­ziger kleinster Fehlgriff müßte verhängnisvoll werdm!"

Der Oberst nickte zustimmend.

„Ihre Beweisführung ist zwingend, lieber Freund! Aber der Erfolg bleibt unter allen Umständen zweifel­haft, und seine'besten Lmte gibt man an ein zweifel­haftes Unternehmen nicht gern weg. Sie haben mir wahrhaftig das Herz schwer gemacht!"

„Lassen Sie mich ziehen, Herr Oberst!" bat Ernst.

„Wenn ich's täte, so trüge ich für Ihr Leben die Ver- antwortung!"

„Was liegt an dem Leben eines einzelnen, wmn das Vaterland in Gefahr ist?"

„Viel ", antwortete Katte ernst, „immer so viel, daß man es niemals ohne Not aufs Spiel setzm darf!"

„Aber der mögliche Erfolg ist groß!"

Der Oberst schöpfte tief Atem. Tonn streckte er dem jungen Manne die Hand entgegen und sagte bewegt:

' „Sie haben mich besiegt, mein lieber junger Freund!

Mage M Mmng des MaWehejmnW.

Die Vorlage zur Sicherung des Wahlgeheimnisses, die dem Reichstage zugegangen ist, ist ein „Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend Änderung des Wahlregle­ments vom 28. Mai 1870", und ist dem Reichstage „zur Beschlutznahme" vorgelegt. Diese wird sich in einer Lesung vollziehen. Abgeändert werden §§ 9, 11 bis lö,

15 bis 21, 27 bis 34 des Wahlreglements. Die wesent­lichsten Abänderungen sind:

Die Wahlhandlung beginnt um 10 Uhr vormittags und dauert bis 7 Uhr nachmittags, also eine Stunde länger als bisher. Die Stimmzettel müssen von werßem Papier und dürfen mit keinem Kennzeichen versehen sein. Sie sollen 9 zu 12 Centimeter groß und von mittel­starkem Schreibpapier sein und sind von dem Wähler in einem mit amtlichem Stempel versehenen Umschläge, der sonst kein Kennzeichen haben darf, abzugebcn. Tie Um­schläge sollen 12 zu 15 Centimeter groß und aus undurch­sichtigem Papier hcrgcstellt sein. Sie sind iu der erforder­lichen Zahl bereitzuhalten. Es ist entweder durch Bereit­stellung eines oder mehrerer Ncbenräumc, die nur durch das Wahllokal bctretbar und unmittelbar mit ihm ver- buudeu sind, oder durch Vorrichtungeu an einem oder mehreren von dem Vorstandstischc getrennten Neben­tischen Vorsorge dafür zu treffen, daß der Wähler seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag zu legen ver­mag. Ein Abdruck des Wahlgesetzes und des Reglements ist im Wahllokal auszulegen. Während der Wahlhand­lung dürfen im Wahllokal keine Stimmzettel aufgelegt oder verteilt werden. Der Wähler, welcher seine Stimme abgeben will, nimmt von einer durch den Wahlvorstand in der Nähe des Zuganges zu dem Nebenraum oder Nebentisch aufzustcllenden Person einen abgestempelten Umschlag an sich. Er begibt sich sodann in den Neben- ramn oder an den Ncbentisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag steckt, tritt an den Vor-

TaS Ziel ist lockend: der Preis ist Magdeburg! So sei es denn!"

In Heller Freude drängten sich die Worte über Ernst? Lippen: „So stimmen Sie zu, Herr Oberst?"

„In Gottes Namen, ja!"

„Dank Ihnen, tausend Tank!"

Er drückte lebhaft die Hand Kaltes.

Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen. Dann nahm der Oberst wieder das Wort; tief ernst klang, was er sagte, und ein leises Beben ging durch seine Stimme:

„Der Weg, den Sie gehen wollen, niein Freund, ist ein solcher, von dem nicht alle wiedertehren, die ihn an- treteu. Und nur das Vaterland, das unterjochte, tödlich bedrängte, kann und darf solche Opfer fordern! Niemand sonst! In dessen Dienst ziehen Sie hin — ein hoher, heiliger Beruf! Ihr Ernst, Ihre Treue, Ihre Gewissen- Hastigkeit werden das große Ziel nicht aus den Augen verlieren; es gilt Ihre Vaterstadt, Ihre Heimat — der Preis ist Magdeburg. Sie wissen es! Darüber aber steht das Höhere, zu dem jenes nur die erste Stufe seiu soll: die Befreiung des Vaterlandes. Dieser Gedanke verlasse Sie nie! Mit ihm mögen Sie sich erheben, mit ihm sich niederlegen, mit ihm sterben, wenn es sein muß! Der alte Gott aber, der noch keinen Preußen verlassen, sei mit Ihnen!"

Es schimmerte feucht in seinen Augen, als er geendet. Hastig zerdrückte er den silbernen Tropfen; er wollte seins Rührung nicht sehen lassen.

Dann schloß er die Tür auf.

„Nun kommen Sie, lieber Freund! Ich fahre ein Stück mit Ihnen, und wir besprechen auf der Fahrt noch einige Einzelheiten! Ein großes Ahnen zieht mir durch die Brust — wollte Gott, es wäre die Ahnung des kommenden Morgens!"

„Mir ist, als sähe ich sein Leuchten schon!" antwortetg Ernst.

Ter Oberst blieb einen Augenblick stehen.

„Oft", sagte er, und wieder klangen seine Worte tief- ernst, „oft sieht das Auge am nächtlichen Himmel ein selt­sames Aufflammen, das verheißungsvoll emporlodert.