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Verlag: Langgasse 27

Anzcigen-PrciSr Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeigen 15 Pfq.. für auswärtige Anzeigen 25 Pf?. — Reklamen die Pctitzeile für Wiesbaden 50 Pfg,

Abend-Ausgabe.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 21. März.

Die zweite Beratung des Etats wird fortgesetzt mit hem Kolonial-Etat, zunächst mit dem Etat für das ost- .krikanische Schutzgebiet. Die Kommission hat von der !»«r Rate von einer Million für Weiterführung der Mambara-Bahn über Korogwe hinaus bis Mombo eine Viertelmillion abgestrichen. beantragt also hierfür nur 2 / Millionen Mark zu bcwrürgen. - Abg. Stolle i* | ritat es, daß das Reich noch immer nrchts getan M um in seinem Schlitzgebiet die Sklaverei abzu- KlLn - Kolonialdirektor Dr. Stübel erwidert,

T wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutfch-Ostafrika hätten bisher mehr oder weniger die Haussklaverei zur Grundlage, dürften nun aber mit der Tangabahn eine ^lmäbliche Umgestaltung erleiden. Dann werde es auch möglich sein, eine Änderung zu schaffen. Auch die Regte- 3 betrachte die Haussklaverei nur als einen vorüber «fiMtben Zustand. Je eher die wirtschaftlichen Verhalt- niffe sich umgestalteten, desto eher werde auch die Besei­tigung der Haussklaverei möglich sein. Was die Reso- ution Gröber, betreffend Beseitigung der Haussklaverei, anlange, so ''eien entsprechende Erlasse ergangen sowohl sür Deutsch-Ostafrika, wie für Togo und Kamerun. Es seien auch in 1002 bereits 2087 Freibriefe ausgestellt Ln ES im Jahre vorher. - Abg. S ch r e m P'kons) wünscht Vereinfachung des zu komplizierten Verwal­tungsapparates in den Schutzgebieten und beklagt den Assessorismus, der Mißstimmung errege. — Kolmnal- -.rxektor Dr.© tiibel erwidert, in englisch-Nigerua sei die Verwaltung kostspieliger als im deutschen Kamerun.

Abg. Stolle (Soz.) äußert seine Freude über die Er klärung des Kolonialdirektors hinsichtlich der Sklaverei, aber mit der wirtschaftlichen Entwickelung dürfe die Kraae nicht verquickt werden. - Gouverneur Graf Götzen erklärt, er habe versucht, die kaufmännischen Elemente mehr zur Verwaltung heranzuziehen. In einer Konferenz in Dar-es-Salaam habe er die Wünsche der Kaufleute entgegengenommen und dieselben hatten auch Beachtung gefunden. — Abg. Arendt (Reichsp.) hält eine besondere Ausbildung von Kolonialbeamten für wünschenswert. Er hofft, daß durch die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch der Rest der Haus­sklaverei mit der Zeit schwinden werde. — Direktor tm Schatzamt. Twele, stellt fest, daß das Reichsschatzamt mit Ausbildung eines besonderen Kolomalbeamtensiabes durchaus einverstanden sei, die Frage sei nur noch das _ Gouverneur Graf Götzen geht auf die Heran­ziehung der Eingeborenen in Ostafrika zur Arbeit an

Der Preis ist Magdeburg!

Roman von Max Dorning.

(6. Fortsetzung.)

IV.

In dem unscheinbaren, überaus einfach eingerichteten Fremdenzimmer eines Gasthauses der kleinen Statt Rathenow güig ein stattlicher, hochgewachsener Mann nnt großen, wuchtigen Schritten auf _ und nieder. Er war längst keilt Jüngling mehr: reichliches Grau, da und dort schon silberweiße Streifen, zeigten sich tn Bart- uns Haupthaar, aber doch lag in der großen, eindrucksvollen Erscheinung noch die volle Kraft und sieghafte,-V'ische i er Jugend. Alle Bewegungen waren leicht und schnell, aus den" hellblaucii Augen spracheii eure feurige Entschlofseii- heit und ein unbeugsamer Wille, und jener fesselnde Zug, dm Kraft und Selbstbewußtsein unter allen Umstanden verleihen, ruhte auf den: interessanten Gesicht.

„Er bleibt lange!" sprach er vor sich hin. „Hofferü- lich ist ihm kein Unglück zugestotzen!"

Da hörte er von der Straße her das Rollen eine»

leichten Wagens. „ „ . ~ . , .

„Er kommt!" murmelte er befriedigt. Erwartungs­voll blickte er nach der Tür. , , .

Einen Augenblick später stand Ernst Fahrenbach rm

^^iGolt zum Gruß unb das Vaterland über alles!" sagte der Fremde bewegt und reichte Fahrenbach t.e

^",Mott zum Gruß und das Vaterland über alles!" wiederholte Ernst, indem er die gebotene Hand warm drückte. „Da bin ich zurück aus Berlin. Herr Oberst

v. Katte!" , .. ... .

Mit leisem Lächeln legte der Oberst die Finger auf

)en Mund. _ .... r .

„Nicht so laut, lieber junger Freund i mahnte er „Die Luft um uns ist geschwätzig geworden wie die altm Weiber und die jungen Spatzen!. Ich bin der Gsuo- besitzer Römer aiis Ostpreußen, der niit Jhneii über einen Gutskauf verhandelt! Sie wissen bod)-"

„Ich weiß, Herr Römer!" entgegnetc Ernst.

und bemerkt dabei, daß es sich um eine Arbeitspflicht sur Eingeborene nicht handle. Man habe nur einen ^ s gemacht. Nach Verhandlungen mit den Häuptlingen sei angeordnct worden, daß jedes mors ein Feld anzul g habe, auf dem es geeignete Produkte zu bauen habe. Jeder Dorf-Eingesessene müsse 12 Tage iin Jahre aus diesem Felde arbeiten. - Beim Ausgabe-Titel für Weiterbau der Usambara-Bahn bedauert Abg. Richter isreis. Volksp.), daß dem Reichstage jetzt zugemutet werde, §4 Millionen Mark für den Weiterbau zu bewilligen, nachdem das Haus im Vorjahre einen ablehnenden Be­schluß gefaßt habe. Redner verbreitet sich ausführlich über diesen Bahnbau, der allem Anscheine nach unren­tabel sein würde. Wenn die Forderung setzt bewilligt werden sollte, so sei diese Wandlung nur zu erklären durch die persönliche Liebenswürdigkeit des Gouverneurs und die Beredsamkeit des Prinzen Arenberg. l-velter- keit.j Das ganze Gebiet, das die Bahn durchlaufen solle, sei Fiebergebiet, abgesehen von einigen Luftkurorten. (Heiterkeit.) Gebe es Interessenten, die so fest von der Entwickelungsfähigkeit des ganzen Gebietes uberzeugt seien, so sollten diese die Bahn selbst bauen. Der Haupt­fehler in Ostafrika sei nicht der Mangel an Eisenbahnen, sondern die halb-militärische bureaukratische Verwaltung und da solle das Reich solche Summen hergeben, wahrend es näher liegende innere Ausgaben nicht erfüllen könne. Er bitte um Ablehnung der Forderung. — Graf Götze u bemerkt, die Fortsetzung der Bahn sei ein unerläßlicher Schlußstein, sei das Dach auf dem Hause, welches letzt zwar erkennbar, aber nicht rentabel sei. Dort seien Gegenden, wo Europäer arbeiten könnten, Plantagen­bau und Landwirtschaft möglich seien. Die Bahn solle gebaut werden ohne Luxus, sparsam, und sie solle auch sparsam bewirtschaftet werden. — Direktor vr. S t u b e l tritt ebenfalls sür Bewilligung der Forderung nach dem Kommissionsvorschlage ein. — Abg. v. H e r t l i n g (Zentr.) spricht sür Bewilligung der geforderten Summe. Die Bahn sei doch nicht neu, sie sei lediglich ein Schluß­stein, und wenn begründete Aussicht sei, daß sich Ein­nahmen und Ausgaben der Bahn bald ausgleichen wür­den und der Verkehr sich hebt, so solle man nicht so ge­ringschätzig über die Kolonialpolitit reden, wie dies hier geschehen sei. Redner kommt alsdann auf den schwachen Besuch des Hauses zu sprechen und im Anschluß daran auf die Forderung seiner Partei, betreffend Diäten an die Reichstagsabgevrdneten. Wenn nicht endlich Diäten bewilligt werden, werde man kein beschlußfähiges Haus für so wichtige Aufgaben mehr erreichen. — Abg. Das­bach (Zentr.) bittet für einen Teil seiner Freunde um Ablehnung der Forderung, und zwar wegen der schlechten Finanzen. — Abg. Barth (freis. Ver.) erklärt sich und seine Freunde als Gegner der Kolonialpolitik. Da aber Deutschland nun einmal die Kolonieen besitze, sei man gewissermaßen verpflichtet, zu erörtern, was zu geschehe» habe, um die Kolonie einigermaßen brauchba r zu ge-

staltcu. Wenn seststehe, daß ohne Verlängerung der Bahn alles bisher dafür Ausgegebene weggeworsenes Geld ist, so wolle er lieber noch etwas hinzutun, um zu sehen, ob noch etwas herauszuhvlen ist. — Die Forderung von % Millionen wurde mit großer Mehrheit genehmigt. Die Titel Kamerun und Togo werden fast debattelos ge­nehmigt. — Beim Titel Südwest-Afrika erklärt auf Be­fragen des Abgeordneten Arendt Gouverneur Leut- w ein, in Bezug auf Snmpathicen mit den Buren seien wohl alle einig. Gleichwohl müsse man fragen, ob )tc als Ansiedler in unserem Gebiete auch nützliche Elemente seien. Der Bur sei nur als Viehzüchter zu brauchen und dazu gehöre Kapital. Wenn sich also ein Bur im dcut- schen Gebiet niederlassen wolle, müsse er Geld mitbrrngen, einen anderen könne man nicht brauchen. — Abg. Schrempf (kons.) bedauert die Nichtzulassung von durch den Krieg verarmten Buren. — Abg. Bebel ,Soz.) schildert die Wertlosigkeit der Kolonie. — Der Etat sür Südwest-Afrika wird genehmigt. Die Etats für Neu- Guinea und die Kolonieen werden gleichfalls erledigt, ebenso der Etat für Samoa. Damit ist der Kolonial-Etat erledigt. — Von dem Etat des Reichs-Militärgerichts find noch einige Besoldungstitel rückständig. Die Kom­mission beantragt Genehmigung. — Abg. Stadt- Hag e n (Soz.) kommt auf einige bekannte Fälle zuruck, wo Soldaten sich vor Gericht auf ausdrückliches Befragen als Sozialdemokraten bekannt hätten und dieserhalb be­straft worden seien, ebenso ein Reservist, der auf Be­fragen, weshalb er die China-Denkmünze abgelehnt habe, seine sozialistische Gesinnung als Grund angegeben habe. Der Erlaß des General-Kommandos, durch den die Sozialdemokraten in solcher Weise gezwungen wurden, ihre Gesinnung zu verschweigen, sei feige. — Präsident Gras B a l l e ft r e m erteilt dem Redner wegen des Wortes „feige" einen Ordnungsruf. — Der Etat de» Reichs-Militärgerichts wird geehmigt. — Beim Bcrntar- Etat, Kapitel militärtechnische Hochschule, hat die Kom­mission 108 000 Mk. bewilligt unter der Voraussetzung, daß der Unterricht der Offiziere über Lehrgegenstande von allgemein technischer Bedeutung auch weiterhin tu der technischen Hochschule in Charlottenbrunn erfolgt. Diesem Beschluß der Kommission tritt das Haus best — Die Forderung für den Truppen-Ubungsplatz Neu­hammer beantragt die Kommission nunmehr unverkürzt zu bewilligen. Zugleich beantragt die Kommission eine Resolution, wonach künftig bei Wertabschätzungen von für das Heer zu erwerbenden Grundstücken das Reichs­schatzamt Mitwirken soll. Das Haus tritt dem Beschluß der Kommission bei. Ferner wird zum Marine-Etat der Kommissionsantrag für die Reparatur der Kreuzer „Irene" und „Kaiserin Augusta", nur etne Millton Mark zu bewilligen, angenommen. — Der Etat der Zölle wird genehmigt. — Beim Etat der Brausteuer erklärt Schatz- sekretär Thiel mann, daß gegenwärtig weder nnt den Staaten, die der Brausteuer-Gemeinschaft angehören.

Der Oberst hatte eilte Flasche Weilt bringen lassen, füllte zwei Gläser und hob dann das seine empor:

„Dem Vaterland und allctl. die eS gut nnt ihm meinen!" sagte er. Die Gläser klangen lusüg aneinander.

„Und nun sprechen Sie, mein lieber Freund", fuhr der Oberst fort, nachdem er die Tür abgeschlossett hatte. „Wie stehen unsere Angelegenheiten und was sagt man

in Berlin dazu?" .

„Die Patrioten sind begeistert von unserem Unter­nehmen ! Sie sind bereit, es mit allen Kräften zu fördern und zu stützen!"

„Was sagt Chasot?"

„Er sieht den Anfang zur Rettung oes Vaterlandes darin, wenn es uns gelänge Magdeburg zu überrumpeln! Er wird uns eine Handvoll tapferer, erprobter Leute ver­schaffen —"

Willkommene Hülfe!" .

„Schill ist Feuer und Flamme für uns; er tft fest ent- schlossen, auf eigene Faust loszuschlagen, wenn der König sich noch länger zurückbält. Auf ihn können wir rechnen!"

' „Ich zähle auch auf ihn! Ter Zauber seines Namens aus den glorreichen Tagen von Kolberg nmaibt ihn noch immer und ist ein Magnet für Taufeild und Aber­tausend!" , „ r , . Ä .,

„Sobald Napoleon mit feiiler Hauptmacht m Öster­reich engagiert ist", fuhr Fahrenbach fort, „will Schill aus Berlin aufbrechen, die Elbe überschreiten und rings um sich herum das Land zum Aufstand bringen. Für das Wesentlichste hält er es, daß dieser Aufstand m einer starken Festung eine Stütze und Riickhalt finde, und zu diesem Zweck wäre der Besitz von Magdeburg unbe Ycf'IBcn*

’ „Ich hoffe, wir werden cs haben! Wie aber ist die Stimmung am Berliner Hofe?" ~ .

„Sie ist geteilt. Die einen, an ihrer Spitze Prinz Wilhelm, die Generale Blücher, Gneisenau, Scharnhorst sind für den sofortigen Anschluß an Österreich, für ein uitgesäumtes Losschlcgen, und scheu nur hierin das Heil

die anderen-" . „ ,

„Treiben ihre Alteweiberpolitik nach wie vor! siel der Oberst grimmig ein. „Mil denen ist nichts anzu­fangen; das sind die Lumpenseelen von der Sorte, wie der große Friedrich sie einst angeredet: „Kerls, wollt Ihr

denn ewig leben?" Das Leben, das herrliche, kostbare Leben ist diesen Ängstlichen alles, und wenn sic eine Leiche sehen, greifen sic zitternd nach ihrem Riechsalz oder fallen in Ohnmacht! Pah! mir brauchen sic nicht! Preußen ist zu stolz, sich durch solche armen Seele:: retten zu

lassen!" ,

Er schwieg eilten Augenblick, ehe er weiter fragte: „llud wie stehen die Werbungen?"

„Gut! Ich habe über 300 Mann geworben, die unseres Winkes gewärtig stehen!"

.Bravo!" .. . _ , ...

„Und Schenk läßt sagen, daß er eifrig am Werke stt und von Tag zu Tag die Schaar der Unseren vermehrt!'

„Das Vaterland möge es ihm vergelten! Er gehört zn den zähen Naturen, denen das Größte gelingt, weniger durch große Taten, als durch unerschütterliche Beharr- lichkeit!" Fahrenbach neigte zustimmend das Haupt._ Einige Augenblicke ging der Oberst nachdenkend im Zimmer auf und nieder. Dann blieb er vor Ernst stehen.

Ich glaube", sagte er, „der Augenblick der Tat ist für uns nicht mehr fern! Doch ist die äußerste Vorsicht von Nöten; die Franzosen haben das ganze Land mit einem bis ins einzelne aus gedachten Spionierfyslem überzogen, rnd jede auffällige Bewegung wird von ihnen beobachtet und weitergemeldet. Haben wir das Signal zttm Los- bruch gegeben, so dürfen wir Leinen Augenblick mehr über­legen sind beraten. Das geringste Zögern wäre unser Ver- derben, zum mindesten die Vereitelung unseres Planes, Wie der Blitz müssen wir niederfallen, ringsumher das Land in Glitt und Flammen setzen, und ehe sich die Über­raschten erholen köniten, müssen wir hinter den Mauern von Magdeburg stehen, die Besatzung entwaffnet und gefangen haben. Man sagt, der Kommandant sei ein

schwieg und sah Ernst, eine Antwort erwartend,

CH ' Er ist mir zu unbekannt", antwortete dieser, „als daß 'ich über ibn urteilen könnte. Das aber weiß ich. daß die Seele der Kommandantur und der intelligenteste und entschlosseuste Offizier des Stabes der Kapitän der jungen Garde Vicomte de Charillon ist. Ihn kenne ich gut. — teer ihm im Kampfe gegenübcrsteht, mag Mi vorsehen!

. (Fortsetzung folgte