Einzelbild herunterladen
 

Ho^137. Morgen Ausgabe.

* „

g also

El Gleichwie ein allzu ftrenflc« Recht das größte Unrecht, ^ eitet Gnade die größte Ungnade.

Luther. fr

ffffW WW¥***W9W¥¥¥W9¥¥9W¥¥¥¥¥¥W¥¥¥¥999*

(9. Fortsetzung.)

Der Mallhefer.

Roman von O. v. Kis-Killay.

Bei Tisch war die Unterhaltung eine angeregte. Ter Vater prüfte den zukünftigen Schwiegersohn auf seiire politischen Ansichten hin und war befriedigt, da sie mit ^ seinigen übereinstiinmten. Tarrte Luise tnarf von «eit zu Zeit eine harmlose Bemerkung dazwischen, wäh- ^nd Kätlie und die Mutter schweigend dabeijaßen.

Und nun nach deni Essen ertönte das ominöse Wort: hQl Brautpaar solle allein gelasseir werden. Käthe ging chrem Verlobten ins Wohnzimmer voran, wo die Vor- hänge trotz der noch nicht hereingebrochenen Dunkelheit herabgelassen waren und die Lampe auf dem Tische stand.

Sie hatte das unklare Gefühl, jetzt, jetzt werde ihr eine Offenbarung werden . . . Und da, — Werners Sinne umschlangen sie, fest, daß ihr der Atem verging, und Küsse brannten ihr mif Wangen, Augen und Mund. §ie verlor aber nicht einen Augenblick die Besinnung, ihr Herz klopfte nicht einmal stärker als sonst . . . Und trie sie einmal in sein Gesicht blickte, hätte sie fast laut aufgelacht. Werner hielt den Mund gespitzt und die «lugen geschlossen . . . Sie mutzte an ein Bild denken, das in des Vaters Arbeitszimmer hing. Ein Auerhahn führt mit gespreizten Flügeln seinen Tanz vor den in ehrfürchtiger Bewunderrmg versammelten Hennen auf. Seine Augen sind geschlossen . . .

Als alles im Hause schlief, satz Käthe in ihrem Bette aufgerichtet, die Arme um die Kniee geschlungen und sann. Mein Gott, lag denn ein Fluch auf ihr, datz sie sich nicht freuen konnte, wie andere Menschen sich freuen? Sie war Braut, — warum empfand sie nicht ihr Glück? Warum hatte sie den ganzen Abend dasGefühl gehabt, als spiele sie eine Rolle, in die sie sich nicht hineingedacht hatte? Warum atmete sie erleichtert aus, als der Abend zu Ende war, und warum überfiel sie jetzt eine solche Bangigkeit? Er war demnach nicht der Rechte, und sie hatte ihr Sehnen nach Liebe für die Liebe selber ge halten. Sie hatte sich in das phantastische Bild verliebt, das ihr seine Briefe erschaffen, — der wirkliche Mann war ihr fremd . . . Was sollte sie tun? Es war nur noch eine Woche bis zur Hochzeit. Sollte sie ihm sagen, daß sie sich getäuscht hätte, sollte sie ihn zurückgehen heißen? Es wäre ein Skandal! Und waS würde aus ihr werden? Das traurige, aussichtslose Leven im Eltern hause fortführen? — Sie war aber dann wenigstens frei und durfte ihre Seele behalten. — Die Ehe der langt ja den ganzen Menschen . . . Das eiste Morgen grauen brach an, als Käthe den müden, schmerzeirden Kopf in die Kissen legte und einschlief. —

Sie erwachte spät aus festem Schlafe. Die helle Sonne schien ins Zimmer und lachte sie wegen ihrer Güllen aus. Und vollends als Werner mit

duftenden Blumenstrautz erschierr und sw mit den zart lichsten Worten an seine Brust drückte, dünkte rhr das Leben doch nicht so schlimm. .

In den darauffolgenderr Tagen fand sie keine Mutze für ihre Grübeleien. Ihre ganze Zeit war nnt Abfchwi Visiten, Besuchen von Theatern und Museen und den letzten Vorbereitungen zur Hochzeit ausgefullt. und allmählich teilte sich chr der Rausch urit, der arw seiner heißen Zärtlichkeit strömte, und sie dachte frohlockend. Jetzt ist es die Liebe!"

Der letzte Abeird war gekommen. Die Eltern batten sich einen Polterabend verbeten. Nur Tante -uise er­schien zum Tee. ,, , . , ., p

Wie gewöhnlich zog sich der Vater m sein Arbeits­zimmer zurück. Die übrige Gesellschaft setzte sich cm den runden Tisch im Wohnzimmer, um zu plaiwern. Dieses Plaudern beschränkte sich freilich auf einzelne, von der Tante hingetvorfene Bemerkungen, welche Werner be- stätigte und entwickeln half. Die zwei anderen schwiegen.

Und plötzlich kam es Käthe schaudernd zum Bewußt- sein, wie es hätte sein können, wenn sie Werner rhre Zweifel mitgetült hätte! Weiter in dieser oleiernen Manotonie fortvegetieren zu müssen, erner Monotonie, welche lähmend auf Nerven und Sinne wirrte. Ein­tönig tickte die Wanduhr, eintönig klapperten die Strick­nadeln, wenn sie aneinanderschlugen, eintönig klangen die sich um denselben Gegenstand drehenden Bemerkun­gen . . . Man kam nicht von der Stelle, — es war wie der Moment des Einduselns, bevor man das Bewußtsein verliert . . . llnd das Lebeir war hier, an ihrer Serie! Ihre verkümmerten Kräfte würden sich im Wirken und Arbeiteir für ihn, vielleicht auch für andere, entwickeln...

Sie griff nach Werners Hand und umrlammerte sie mit festem Drucke. Freudig überrascht blickte er sie an. Käthe war sonst nicht demonstrativ.

Nach fünfjähriger Abwesercheit war Käthe Rauen- bera wieder ins elterliche Haus nach Petersburg zirruck- aekehrt. Eine traurige Veraillassung hatte sie hierher berufen: die Mutter lag im Sterben. Vor zwei Wochen hatte eine Depesche des Vaters sie zur Eile gemahnt, und sie war sofort dem Rufe gefolgt. Der schwache Lebens- funken war aber noch nicht erloschen, obgleich er oft nrt Verglimmen zu sein schien. Eine tüchtige Pflegerin war binzuqezogen worden, jedoch wich Käthe nicht von dem Lager der Kranken. Es war ihr ein Bedürfnis, der Mutter, die so wenig Liebe im Leben genossen, die reichste Fülle derselbeii zukommen zu lassen. Aiifangs hatte sw versucht, sie durch ermunternden Zuspruch zu trösten und oufzurichten. Sie hatte ihr von einer Reise ms Bad ge- -prochen, die sie gemeinschaftlich machen würden Sie würde gestärkt wieder heimkehren. Da war aber dw Kranke, mit einer für die fülle Frau ungewohnten Heftig- keil aufgefahren und hatte erklärt, sie wolle sich nicht be- lügen lassen, sie wisse ganz gut, woran sie sei . . Zu- lebt hatte sie .Käthens Hände gepackt und sie angefleht, sie solle ihr nur sagen, weiin es ans Sterben ginge,-- sie habe Wichtiges vor, daS nicht unterlaffeii werden dürfe. .

Wenn du kommunizieren willst, Mütterchen, so tue es lieber jetzt", hatte Käthe erwidert Das heilige Abendmahl wird dich stärken, schiebe es doch nicht auf.

Die Kranke war sehr unruhig geworden.

„Ich will gar iücht kommunizieren", hatte sie geant-

wortet, „nein, wenigstens jetzt nicht — es tourde mich z sehr aufregeii . . . llnd, Käthe, ich bin immer eine gutt, Christin gewesen . . ."

Sie hatte nichts mehr hinzugefügt.

Heute schien es besser zu gehen. Die Schmerzen hatten, nachgelassen. : Die Krankenwärterin war /ruf einige Stunden entlasseii wordeii, ltnb Käthe hatte still am Bette der Mutter gesessen, bis diese eurgeschlummert schien. Geräuschlos erhob sich Küche iind trat aus Zensier. Es war ein trüber Herbstnachmittag — ein kalter Regen prasselte an die Scheiben, llnten auf der Straße wurden die Laternen angezündet. Der Mann stellte seine Letter an den Pfahl und stieg langsam hinauf. In den Laden gegenüber war schoii Licht. Käthe wiißte ganz genau, m welcher Reihenfolge es sich entzündete. Erst kam die große Manufakturwarenhandlung mit ihrem strahlmidm elektrischen Licht, dann der Wurstladen mit einer Ga-- flamme, das kleine Schuhmachergeschäft urrh seiner kärg­lichen Beleuchtung u. s. f. Wie manches Mal hatte sie in den vielen Jahren hier am Fenster gestanden und hinausgeschaut! Es war rioch alles wie früher — dw kleinen Details rücken mir laiigsam vor .... Der alte Rahmen für das altgewohnte Bild nnt wre ärmeren Augen sah sie es aber jetzt an! Sie gehörte nicht mehr hierher, sie ivar fremd geworden. Fremd! too mar sie es denn nicht? War sie es nicht auch im eigenen Hause an der Seite ihres Gatten? Es überlief sie frostig. . Wie es so geworden war, wußte sie nicht zu sagen. Allmählich und von selbst war die Entfremdung gekommen. Sw hatten sich nie gestritten, aber auch ohne Worte fühlten sie die Kluft, welche ihre grundverschiedenen Charaktere und Lebensanschauungeii zwischen ihnen gegraben hatten. Ob Werner dessen vollkommen bewußt.war? Darüber war Käthe nicht im klaren. Sie hatten sich ja nicht darüber ausgesprochen. Ja, hier lag der große, schwere gehler. Sie konnten sich nicht aussprechen, es war, als redeten sw eine verschiedene Sprache. And so schwiegen sie. Nach außen hin war alles glatt und korrekt. Sie guMN zu­sammen spazieren, besuchten Theater und Gesellschaften, empfingen auch bei sich, aber — wenn sie allein blieben, wußten sie nicht den rechten Ton zu findeii. Werner war einsilbig und wortkarg geworden, und nur ichkoer aus sich herauszubringen, llnd auch Käthe zog. sich in sich selber zurück und schloß ihre Idee- irnd Einpsindungswelt vor ihm ab. Im Anfänge hatte sie es versucht,, ihn m ihre Gedanken und abstrakten Träumereien hineinzu­ziehen. Er hatte sich aber ablehnend verhalteii und ge- ineint, was man nicht genau wissen könne, solle nmn sem lassen. Schließlich hatte er mit einer Art Erregchett er- klärt, nichts sei unausstehlicher als eine philosophierende arau — sie sei die gähnende, wandelnde Langeweile und müsse jeden Mann aus dem Hause treiben. Seitdem war ihm Käthe nicht mehr damit gekommen. Sw vermied geflissentlich jedes höhere Gesprächsthema und beschrankte ibre Unterhaltung mir auf die alltäglichsten Drnge. Und doch liebte sie ihn. Wenn sie ihn verlieren mußte! Wmn er jetzt an Stelle der Mutter mit dem Tode ringend da- liegen würde! Da stände sie noch einsamer in der Welt.

(Fortsetzung folgt.)

Seiden-Haus Marchandj

36 Langgasse 36.

ÜCllWiirZcSddfllStoirP.örantie-llnal.

Pferde-Versichernngs- Gesellschaft Wiesbaden.

Am 1. April c. wird mit der Einziehung der Beiträge zur ersten

..... -- F432

Hebung 1903/1904 begonnen.

Es wird um pünktliche Zahlung ersucht

Der Vorstand.

Schlafzimmer-Einrichtungen.

einfach und hochelegant, in modernem Styl nnd Holzarten, Büffets, Bücherschränke, Spiegel- schränke, Kleiderschränke. Verticows. Herren- und Dame,, - Schreibtische. Auszieb- und Sovhatische, Waschkommoden u. Nachttische, Kommoden, Consolen, große Trumeauxspiegel m Nußb. und Gold, einzeln« Sovhas. Ottomanen, elegante Salon-Garnituren, 1-thünge und 2-thürige Tannen-Kleiderschränke, Küchenschränke, Betten, Stühle, Etagären.

Ferd. Hüller, 9 Langgasse 9.

©

0

s

1

*3

ö

• pH

ÄV

•pH

o

u

©

m

• pH Jh

cö

SM

i

Si

o

O

©

0

©

©

KL

»"Ö

0

0

W-

S-»

PS

09

Ä>

o>

Chic und elegant garnirte

Damen-Hüte,

Sämmtliche Meulieiten

für die

Frühjahr^ und Sommer^Saison

sind eingetroffen.

Luise Kleinofen,

... .--/

SpeciaLGeschäft für feinen Damenputz 1 45 Lamrsrasse 45