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ffp. 1*1. *1. Jahrgang

Wie-d«d-«-r Taghlatt (Morg-n AnSgav-). Verlag: «anggafse 27

I». März!»«»», «eite».

das 60. Lebensjahr nicht überschritten hat. Beiträge 'werden nicht erhoben. In beteiligten Kreisen gibt inan sich der Hoffnung hin, daß diese neue Kolonne, welche in ben ersten Tagen des April zusammentreten wird, der gut'-rr Sache des Roten Kreuzes in weit ausgiebigerem Maße nutzen wird, als dies bisher bei dem beschränkten R-rkrutierungsgebiet der Vereins-Kolonnen möglich war.

— Handwerkskammer. Das zum Zwecke der bevor­stehenden Neu- und Ersatzwahlen von Mitgliedern und j>eren Ersatzmännern der Handwerkskammer hier aus­gestellte Verzeichnis der im Landkreise Wiesbaden mit Ausnahme von Biebrich vorhandenen wahlberechtigten Gewerbevercine liegt im Landratsamte zu Wiesbaden, Lessingstratze 16, während der Zeit vom 20. bis ein­schließlich 27. März 1908 zur Einsicht der Beteiligten «ffen. Etwaige Beschwerden gegen das Verzeichnis sind -in der Zeit vom 20. März bis 2. April 1003 beim Kgl. Landrat anzubringen.

— Die Polizeiverwaltung zu Biebrich hat neuerdings eine Allgemeine D i e n st v o r s ch r i f t für die Polizei-Exekutivmann-

& herausgegeben und bei ihren Beamten eingesührt. Diese rift ist im Auftrag seiner Behörde von Herrn Polizei- Kommissar Bvoß an Hand der für die Exekutivpolizci mah- gebenden gesetzlichen Bestimmungen ausgearbeitet und enthält in faßlicher leichtverständlicher Weise eine Zusammenstelluilg der allgemeinen und den hauptsächlichsten Teil der besonderen Dienst­vorschriften. Zugleich sind dabei die letzten ministeriellen Ber- iüaungcn, betreffend die Ausübung des Exckutivdienstes. ent- iurcchenü berücksichtigt worden. Der erste Teil dieser Vorschrift ILandelt zunächst über die allgemeine Instruktion, wie Beruf und «ilichten der Beamten, Dienstgeheimnis, Disziplin und Ehren­bezeugungen, Bekleidung und Bewaffnung, Familien-Angelegen- »citen Beschwerden und Gesuche und Wasfengebrauch, und geht dann 'über auf spezielle Vorschristen. Diese Anweisungen sind !den Verhältnissen entsprechend ausgeführt und behandeln in aus- «hrlicher Weise die allgemeine Straßcnordnung, sittenpolizeiliche «luaelegenheiten und das Verhalten bei den verschiedenen Dienst­obliegenheiten, ferner den Posten- und Patrouillendienst, Wacht- dienst, Verhalten bei Vornahme von Verhaftungen und vor­läufigen Festnahmen, Transport und Behandlung von Gefangenen »lunter Berücksichtigung der letzten diesbezüglichen Ministerial- !verfügungj, Verhalten bei Ausbruch eines Brandes, sowie Ve- Itrafungen bei Pflichtwidrigkeiten und Dicnstvcrlctzungen. Als Anhang ist ein Verzeichnis der Fcuermeldestellen, der Fcuer- !wehrbczirkc und die für dieselben festgesetzten Feuersignale beige- Durch diese kurze sachliche Dienstanweisung ist cs den Erekutivbeamten an die Hand gegeben, sich mit den Äestimmungen id-r Strafgesetze und Polizeivcrordnungen vertraut zu machen !und die nötige Erfahrung zu sammeln, um zum Schutze des Publi­kums gegen Übertreter der Gesetze und Störer der öffentlichen Änhe, Sitte und Ordnung in zweckmäßiger Weise einschreitcn zu ^können. Vor allem soll durch diese Vorschrift den in letzter Zeit stn einigen Städten wiederholt vorgekommencn polizeilichen Miß- !grifsen vorgebeugt werden und sind die Beamten speziell ange- tzalten, sich dem Publikum gegenüber stets anständig, höflich und Hilfsbereit zu benehmen. Wird seitens der Polizeibcamten nach dieser Anweisung gehandelt, so kann nur angenommen werden, daß zwischen dem Publikum und der Polizei ein angenehmes Ver- ihältnis bestehen wird, das für beide Teile nur vorteilhaft wirken muß, ohne daß sich jemand dabei etwas vergibt.

— Die Hastpflichtfrage der Gastwirte. In einem Cafä übergotz vor einiger Zeit ein Kellner drei an einem Tische sitzenden Damen die Kleider mit Schokolade. Die Begossenen verlangten daraufhin von dem Inhaber des Cafös einen Schadenersatz von 1000 Mk. für die kostbaren Roben unter Zurverfügungstellung derselben. Da der Jnanspruchgenommenc gegen Haftpflicht versichert war, teilte er den Fall der Versicherungsgesellschaft mit. Diese mußte schließlich nach einigem Hin und Her den Anspruch an den Cafö-Jnhaber — nicht gegen den unvorsichtigen Kellner — anerkennen, doch einigte man sich schließlich dahin, daß jede der Damen als Entschädigung 160 Btt. erhielt, indem ihnen die Roben als Eigentum zwecks Reinigung überlassen wurden.

v. Die Bauarbeiten a« der Heidcumaucr haben Ver- kehrsstörungen zur Folge, die sich in den letzten Tagen sehr unangenehm fühlbar machten. Die sehr notwendige Verbindung von der Kirchhofsgasse über den alten Kirchhof nach den: Schulbcrg und der Schwal- bacherstraßc ist nun schon fast D/i Jahr gesperrt und es wäre wirklich Zeit, daß sie lvieder hergestellt würde. Seit mehreren Tagen ist auch der Durchgangsverkehr von der Kirchhofsgassc nach der Adlerstraße wegen der

Einlegung der Röhren in die die letztere Straße schneidende Coultnstraße unterbrochen und wurde der­selbe deshalb durch das römische Tor über den alten Kirchhof nach der Kirchhofsgasse geleitet. Wenn das Passieren dieser Strecke schon bei trockenem Wetter bei dem vielfach aufgegrabenen Boden mißlich war, so lief man bei dem gestrigen Regenwetter Gefahr, dort stecken zu bleiben. Wenn denn schon das Stadtbauamt ge­zwungen ist, derartige Sperrungen vorzunehmen, dann sollte es auch dafür sorgen, daß der andere Weg in einem einigernmßen passierbaren Zustand sich befindet. Mit Backsteinen ließ sich dies leicht erreichen; cs sind deren ja genug da, der Straßenjugend dienten sie die ganze Zeit als Spielzeug, so daß schließlich ein ganzer Haufen auf dem Adlerterrain zerstreut war.

— Weiße Haare und weiße Federn. Das schwarze Haar des Negers verdankt seine Färbung der Ansamm­lung eines dunklen Farbstoffs in den Zellen der Haare. Das weiße Haar auf einem ehrwürdigen Greisenhaupt aber und ebenso etwa auch die weißen Federn eines Schwans enthalten keinen Farbstoff, sondern ihr schnee­iges Aussehen rührt davon her, daß sich das Licht in den Lufträumen oder Luftblasen der einzelnen Zellen wider­spiegelt. Nach ihrem Bau unterscheiden sich weihe Haare oder graue Haare in nichts von grauen, braunen, schwar­zen, roten oder gelblichen, außer eben darin, daß kein Farbstoff in ihnen ist. Nach neueren Forschungen ist jedoch auch zu berücksichtigen, daß die Wände den farb­losen Haarzellen das Licht ins Auge lenken. Diese ein­zelnen Zellen sind äußerst klein und haben eine große Zahl von Flächen, von denen stets, in welcher Stellung zum Licht sich das Haar auch befinden mag, irgend eine die Strahlen ins Auge ivirft. Der Eindruck der weißen Färbung kommt also ebenso zu stände wie beim Schnee oder beim pulverisierten Glas. Man sollte wohl meinen, daß die dünnen Wände eines Haares oder einer Feder überhaupt durchsichtig erscheinen müßten, aber es wird eben fast alles Licht von den hellen Zellwänden zurück- geworfen, und nur so wenig geht hindurch, daß es für das unbewaffnete Auge im Vergleich zu der starken Spiegelung des Lichtes nicht wahrgenommen werden kann.

— Bedenkliche Praktiken bei der Wnrftfabrikation. Aus der Rheinpfalz wird der „Franks. Ztg." geschrieben: Aufsehen erregt in der Pfalz die gelegentlich einer Ge­richtsverhandlung in Zwcibrücken gemachte Entdeckung, daß in der Pfalz — und wohl auch anderwärts — die Haut vom Fas felochs (Stier) zur W u r st ver­wendet wird. Der Großwurstler Omphalius stand dieser- halb unter der Anklage des Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesctz. Er wies nun durch verschiedene als Sachverständige vernommene Metzgermeister der Pfalz nach, daß es allgemein unter den Metzgern üblich sei, die Fasselhaut im Schlachthaus zu brühen, zu reinigen, sodann zu Hause zu kochen, zu hacken und zu Wurst zu verwenden. Andere Zeugen hatten früher schon be­hauptet, dieser Usus bestehe auch außer, den pfälzischen Städten in Frankfurt a. M., St. Johann rc. Nach dem Gutachten des Professors Di'. Halenke, Vorstandes der Kreisversuchsstation in Speyer, ist eine derartige Mani­pulation als eine Nahrungsmittelverfälschung anzusehen. Es fehlte nunmehr nur noch, daß auch die Hörner, Klauen und Borsten fein vermahlen und zu Wurst ver­arbeitet werden. Das Schöffengericht sprach jedoch den Angeklagten frei, weil der Nachweis des Bewußtseins der Fälschung nicht zu erbringen sei. Daß eine Fälschung vvrliege, gab das Gericht zu. Da die Haut des Rindviehs der Beschau nicht unterliege, sei es denkbar, daß auch Häute, denen eine Krankheit anhaftet, zur Wurstfabri- kativn verwendet werden. Die Metzger-Innung Zwei­brücken sah sich veranlaßt, zu dieser Frage öffentlich Stellung zu nehmen, indem sie ausführte, daß die Ver­wendung von Fasselhaut zur Wurst in keiner Schlacht- Hausordnung verboten sei. Ferner stellt die Innung an das Publikum die Frage: Was ist der Kalbskopf eil tortne? Was ist der gebrühte Kalbsfuß? Was ist

Gelatine? Nichts weiter als ein Abfall von Haut. Der Schlachthofdtrektor in Zweibrücken, dem in dieser Er­klärung nebenbei Vorwürfe gemacht wurden, erwidert in einer öffentlichen Erklärung wie folgt: „Es steht z. B. auch nirgends geschrieben, daß die Hoden, Gebär­mutter rc. zur Wurstfabrikation nicht verwendet werden dürfen, und doch wird niemand glauben, daß dies erlaubt sei." — Wir dürfen wohl annehmen, daß die Wies­badener Würste, die ja in gutem Ansehen stehen, anders geartet sind und daß unsere Metzgermeister mit dem Publikum Abscheu vor jener rheinpfälzischen Wurst­fabrikationspraktik empfinden, eine Praktik, bet der uns eine Anekdote eiufällt. Ein tödlich verletzter Hanbwerks- bursche war in einem Hause freundlich ausgenommen und gepflegt worden. Im letzten Augenblick raffte er sich zu folgender Rede empor: Ich bin ein armer Metzger- gcsell und kann Euch für Eure christliche Liebe nur mit einem guten Rat danken: Freßt niemals Worschtl Mit diesen Worten starb er.

— Es ist eine arge Unsitte, kleinen Kindern, ja Säug­lingen, Bier zu trinken zu geben. Die schädlichen Folgen des Alkoholismus bleiben nicht aus, wenn sie auch nicht sofort in die Augen springen. Ein mangelndes Ge­dächtnis, ein zerrüttetes Nervensystem sind die Folgen, und außerdem übt der Alkoholismus eine demoralisie­rende Wirkung aus. Vor dem sechsten Lebensjahre ist für ein Kind kein Bier zuträglich.

— Straßensperre. Interessenten seien darauf aufmerksam gemacht, daß die Rhcinstraße in der Biebricher Gemarkung, und zwar van der Landesgrenze (Kasteler Gemarkung) bis zur Wil- helmstraßc in Biebrich, zwecks Erbreiterung vom 28. März d. I. ab aus die Dauer von etwa 8 Wochen für den Fuhrvcrkehr polizei­lich gesperrt wirb. Fuhrwerke nach Kastel und zurück müssen demnach die an der Eisenbahnstation Curve vorbei führende Kastelerstraße benutzen.

— Kleine Notizen. Eine ALteilungssitzung der „E i h i s ch e n Kultur" findet heute abend 8 Uhr Friedrichstraße 18, 1, statt.

Vereins-N achrichte».

* Der „Bezirksverein Altstadt" hält die ordent­liche Generalversammlung heute Donnerstag, den 19. März er., abends 9 Uhr, im Lokale des Restaurants „FriedrichShos", Fried- richstratze 85, ab. Aus der Tagesordnung stehen u. a. Rechnungs­ablage des Kassierers und Wahl einer Rechnungs-Prüfungs- Kommission und Neuwahl des Vorstandes.

* Der Stemm- und Ringklub „A t h l c t i a" unternimmt am kommenden Sonntag, den 22. März, nachmittags 4 Uhr be­ginnend, einen Familien - Ausflug nach Bierstadt, Saal „Zum Bären" (Mitglied Hepp).

* Die von dem Dilettanten-Berein „Urania" für kommenden Sonntag in der Turnhalle, Hellmundstratze 25, arrangierte große theatralische Volksunterhaltung verspricht in allen Teilen einen großartigen Verlauf zu nehmen. Die drei zur Aufführung gelangenden Theaterstücke werden zweifellos die größte Anerkennung finden. Da diese Veranstaltung am 22. März, dem Geburtstage weiland Kaiser Wilhelms I., stattsindet, ist als erstes Stück ein effektvolles patriotisches Festspiel vorgesehen, das in, Jahre 1889 spielt. Das zweite Stück, ein Rittcrschauspiel in 3 Aufzügen, spielt am Ende des 13. Jahrhunderts. Den Schluß bildet ein humorvolles Tiroler Volksstück.

dl. Biebrich, 18. Mürz. In diesem Jahre werden bei der evangelischen Kirchengemeinbe zu Ostern 219 Konfirmanden ge­prüft und konfirmiert, und zwar 111 Knaben und 198 Mädchen. Die Feier findet an zwei verschiedenen Tagen in der evangelischen Hauptkirche statt. Die erste Abteilung (Herr Pfarrer vr. Gerberi) mit 84 Knaben und 68 Mädchen hat am Sonntag, den 29. l. M., nachmittags 3 Uhr, Prüfung und am Palmsonntag, den 5. April, vormittags 9 l / 2 Uhr Konfirmation. Die zweite Abteilung, Herr Pmrrer Küblcr, mit 47 Knaben, 42 Mädchen hat am Palm­sonntag, nachmittags 3 Uhr, Prüfung und am Ostermontag, de:, 18. April, vormittags 9‘/a Uhr Konfirmation. — Von der katho- liicheu Kirchengemeinde gehen am weißen Sonntag 191 Kinder zur ersten heiligen Kommunion, und zwar bei der Pfarrkirche 31 Knaben und 29 Mädchen, bei der Herz-Jesu-Kirche 26 Knaben und 16 Mädchen.

X Sonneuberg, 17. März. Unser evangelischer Frauen- verein hielt am verflossenen Sonntagmittag in hiesiger Kirche seine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Pfarrer Schupp, gab in seiner Begrüßungsrede an die Erschienenen ein klares Vereinsbild in seinen Zielen und Erfolgen. Den Kaflen- dcricht erstattete Fräulein Althen. Nach diesem zählte der Verein 781 Mitglieder. Die Einnahmen betrugen rund 890 Mk., die Ausgaben 443- Mk., somit verblieb ein Uberschuß von 447 Mk..

Erdboden bei den Ausgrabungen im Forum zu sein. Das „Giornale d'Jtalia" bespricht die beunruhigende Entdeckung und meint, die Denkmäler auf dem Pala- tinischen Hügel wären von größtem geschichtlichen Wert, und deshalb müßten sofort Schritte unternommen wer­den, um den nicht wieder gut zu machenden Schaden zu verhindern. — Bekanntlich wurde nach dem Einsturz des Campanile von San Marco eine genaue Unter­suchung aller alten Bauwerke Italiens und die Wieder­herstellung derer, die bedroht erschienen, angeordnet. Von den von der Kammer für diesen Zweck bewilligten Summen hat Venedig allein bisher 88 000 Lire für Wiederherstellungsarbeiten verbraucht, von denen 26 000 auf die Befestigung des Dogenpalastes fielen und der Rest sich auf eine Reihe Kirchen verteilte. Auf die Frage, wodurch diese allgemeine Erschütterung, der Bauwerke Venedigs hervorgerufen ist, gibt Giacomo Boni, der Architekt, der die Oberleitung der Restaurationsarbeiten hat, die Antwort, daß sie von der langsamen, durch Jahr­hunderte fortschreitenden Verdichtung des tonhaltigen Untergrundes von Venedig herrührt. Diese Verdichtung oder vielmehr Sackung hat eine sehr merkbare Senkung des Bodens in dem ganzen Teile des aöriatischen Küsten­gebietes, der sich von Venedig bis Ravenna erstreckt, her­vorgerufen. In Venedig schwankt diese Senkung von 9 bis 40 Centimeter im Jahrhundert durchschnittlich. So liegt heute die Oberfläche des alten Markusplatzes, auf dem der eingestürzte Campanile sich erhob, einige Centimeter unter dem Meeresspiegel. In dem Unter­gründe des Fenice-Theaters hat man etwa zwei Meter unter dem Meeresspiegel eine Wand aus Weidenruten .gefunden. Man glaubt, daß dies der letzte Rest einer 'Hütte ist, die von den ersten Bewohnern der Lagune, - 'den Enetern vielleicht, gebaut wurde. Berücksichtigt man 'die Tiefe, in der diese Wand gefunden wurde, so schätzt iman, daß sie auf etwa 1000 Jahre vor der römischen Ara .zurückgeht. In den Fundamenten des Campanile hat wan in einer Tiefe von 21/2 Metern eine dichte Schicht Torf gefunden, die aus Resten von Sumpfpflanzen ge­bildet war. Andere Ausgrabungen haben hier und dort Spuren von römischen Straßen entdecken lassen, die Heute in den Lagunen versenkt sind. Die ständige Sen­kung des Bodens von Venedig scheint auf diese Weise

änderung allmählich aufhörcn wird, und er stützt sich auf diese Annahme, wenn er die Besorgnis, die venetianischen Bauwerke würden alle einstürzen, wenn nicht für un­nötig, so doch wenigstens für sehr verfrüht erklärt. Diese Anschauung hält ihn jedoch nicht ab, mit den Befestigungs­arbeiten an diesen Bauwerken fortzufahren.

* Vom Unterseeboot überrascht. Aus Cherbourg wird berichtet: Am Sonnabend bot sich für das Untersee­boot „Espadon" unter dem Befehl des Schiffsleutnants Wolf eine Gelegenheit, seinen militärischen Wert zu zeigen. Das kleine Schiff hatte das Arsenal gegen mittag verlassen und befand sich gegen zwei Uhr auf der Höhe von Barfleur. Es fuhr auf der Oberfläche des Meeres und überwachte den Horizont, als plötzlich Rauch erschien und der Befehlshaber erkannte, daß er sich einem franzö­sischen transatlantischen Dampfer gegenüber befand. So­gleich wurde Befehl zum Untertauchen gegeben, und in weniger als 6 Minuten war der „Espadon" unter den Wellen in einer Tiefe von etwa 6 Metern verschwunden, so daß nur das äußerste Ende seines Periskops hervor­ragte. Bald kam der Dampfer — es war die „Cham­pagne" — über dem Unterseeboot an. In diesem Augen­blick stieg der „Espadon" an die Oberfläche und erschien vor den Blicken der erstaunten Reisenden, die sich auf dem Deck befanden. Der Kommandant der „Champagne" war ebenso überrascht wie seine Passagiere und ließ das Schiff stoppen. Der „Espadon" näherte sich auf Gehörs­wette und Schiffsleutnant Wolf sagte zum Komman­danten: „Wenn Sie ein Feind wären, lägen Sie jetzt auf dem Grund, denn ich hätte sie mit Torpedos in die Luft sprengen lassen." Die Reisenden brachten ihm dar­auf eine begeisterte Huldigung dar, und beide Schiffe setzten ihren Weg fort.

* Das Brockcngcspenst in Amerika. Das Vrocken- gespenst ist weit berühmt. Alle haben davon gehört, nicht viele haben es gesehen. Von vornherein ist nicht anzunehmen, daß die Erscheinung auf unfern Blocksberg beschränkt sein sollte, denn die Verhältnisse dieses Berges, so merkwürdig sic sein mögen, sind doch nicht gerade einzigartig zu nennen. Man wird also wohl im allge­meinen von einem Berggespenst sprechen dürfen, das unter gewissen Vorbedingungen des Wetters dem mensch­lichen Auge erscheint. In der Wochenschrift „Science" wird jetzt mitgeteilt, daß jenes Berggespenst unlängst

mit ganz derselben Schärfe, wie es gelegentlich auf dem Brocken erscheint, auf der Spitze des sogenannten Grünen Berges in der Nähe der Ortschaft Boulder im Staate Colorado beobachtet worden ist. Diese Kuppe bildet den höchsten Punkt in einem Hügelland und erhebt sich 750 Meter über die benachbarte Ebene und etwa 2800 Meter über den Meeresspiegel. Am 1. Februar dieses Jahres war der Gipfel von weißen Wolken umzogen, und in den umgebenden Ebenen fielen gelegentlich Schnecschauer. Die Temperatur befand sich augenscheinlich unter dem Gefrierpunkt. Die Sonne stand 20 Grad über dem Hori­zont und schien auf dem Gipfel hell. Auf der entgegen­gesetzten Seite befand sich eine Masse von weißlichen ober grauen Wolken. Auf dieser Wolke war ein vollständiger Kreis in den Regenbogenfarben zu sehen, dessen Durch­messer innerhalb der am schärfsten hervortretenden roten Farbe auf 9 Grad geschätzt wurde. Umgeben war dieser Ring von einem solchen in blauer Farbe und dann von einem noch größeren wieder in rötlicher Färbung. Innerhalb des roten Ringes erschienen die Farben blau und violett. In dem Feld innerhalb des Hellen roten Rings erschien deutlich der Schatten des auf dem Gipfel stehenden Beobachters in so scharfen Umrissen, daß jede Bewegung der Arme und sogar der Hände in dem Ab­bild bemerkbar wurde. Es waren noch mehr Leute auf dem Gipfel, die sämtlich von einer geeigneten Stelle aus ihr Gespenst in der Wolke zu sehen bekamen, während man den Schatten oder die Bewegungen des Nachbars, wenn er nur 6 oder 8 Fuß entfernt stand, nicht wahr­nehmen konnte. Die Erscheinung dauerte etwa zwanzig Minuten.

Dr. T. Die Erschöpfung als Krankheit. Es wird der ärztlichen Wissenschaft nicht mit Unrecht zum Vorwurf gemacht, daß sie für manche Krankheitszustänöe gewohn­heitsmäßig Benennungen gebraucht, die nicht viel besser als Phrasen sind. Dieser Mangel wird auch von ein­sichtigen Vertretern der Medizin zugegeben und eben ein­fach darauf zurückgeführt, daß auf den fraglichen Gebieten die Forschung noch nicht weit genug gediehen ist, um solche ungenügende Begriffe zu klären und aufzulösen. Zu derartigen Bezeichnungen gehört, wie allbekannt, das Wort Erkältung. Aber auch der Rheumatismus z. B. ist ein unter diesem Gesichtspunkt bedenklich erscheinendes Ding, denn unter diesem Namen sind ganz sicher viele Störungen des Gesundheitszustandes versteckt, die unter-