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Uitsbsdkner Täglilck

51 . Jahrgang

Verlag: Langgasse 27.

Attzeigcu-Prcis:

Die einspaltige Pctitzcile für lokale Anzeigen

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15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 T ,„- Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg

Abend-Ausgabe.

ins MWerMis litt neuefttu ©infeommtn(tenrt- »lihWN >« McmBrM Wicsdiidrii.

Aus dem Abgeovdnetenhause, 17. März, wird uns

^vergleichende Übersicht der Ergebnisse der Ver­anlagung zur Einkommensteuer, sowie zur Ergänzungs- steuer welche alljährlich anfangs Januar vom Finanz- Minister dem Abgeordnetenhause zugestellt zu werden nklcat ist letzterem auch diesmal pünktlich zugcgangcn, und zwar für die Einkommensteuer auf die Jahre 1901 und 1902 und für die Ergänzungssteuer auf die Perioden 1899/1901 und 1902/1904. Diese umfangreichen Zahlen- rusammenstcllungen sind wohl nur dem Abgeordneten­bause also nur beschränkten Kreisen, zugänglich. Mit bem Fortschreitcn und dem Abschlüsse der Etatsberatungen in den beiden Häusern des Landtags pflegt auch ihr reicher Inhalt unter dem umfangreichen Druckmaterial zu verschwinden, das den letzteren regierungsseitig fort-

^Ums^weniger wird es noch einer besonderen Recht­fertigung bedürfen, wenn an dieser Stelle diejenigen An­führungen des gedachten Materials, die über die neuesten Einkommensteuervcrhältnissc unseres Regierungsbezirks Wiesbaden Aufschluß geben, in kurzer, systematischer Zu­sammenstellung zur Mitteilung gelangen, zumal dieselben an Ort und Stelle weiteren Kreisen zur Zeit im wesent­lichen noch unbekannt sein werden.

In der offiziellen Reihenfolge der 86 Preußischen Regierungsbezirke nimmt unser Regierungsbezirk die 80. Stelle ein: nach dem letzteren bilden alsdann die fünf rheinischen Regierungsbezirke und der Regierungsbezirk Sigmaringen den Schluß. , , onn ,

Bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 ergab sich in unserem Regierungsbezirk Wiesbaden eine Seelen­zayl, und zwar:

Städte 530 8-9

Land. . . 477 010

zusammen 1007 839.

Die Personenstandsaufnahmcn, die in gesetzlich vor- aeschriebcner Weise den beiden Einkommensteuer-Veran­lagungen für 1901 und 1902 vorangingen, stellten Ziffern fest, die etwas anders lauten, und zwar:

' '' 1901 1902

Städte. 526 272 537 798

Land. 481282 487 720

Zur Einkommensteuer überhaupt (d. h. einschließlich ihrer selbständigen Familien-Angehörigcn) veranlagt waren hiervon:

1001: 409 218 Personen oder 40,61 Prozent 1902: 452 844 „ „ 44,16 „

so daß das nun zu Ende gehende Stcuerjahr uns also nach beiden Richtungen einen erklecklichen Aufschwung gebracht hat. ...

Es wird nicht ohne Interesse sein, hinsichtlich dieser beiden Prozentualziffern unseren Regierungsbezirk mit der Staatszisfer und den übrigen Regicrungöbezlrts- ziffern vergleichend zusammenzustellen: Danach bleibt in beiden Jahren die Staatsziffer nicht unwesentlich hinter derjenigen unseres Regierungsbezirks zurück, da die­selbe sich nur ans 84,75, bezrv. 35,39 Prozent stellt. Hüter den 36 Regierungsbezirken aber steht der unirige 1901 mit seiner Ziffer an neunter Stelle, und zwar hinter Berlin (53,85), Potsdam (42,73), Münster (45,22 , Arns­berg (58,50), Düsseldorf (54,35), Köln (40,81), Trier (44,14) und Sigmaringen (45,76 Prozent). Im Jahre 1902 aber nimmt der Regierungsbezirk Wiesbaden die 6. Stelle ein, da er von den angeführten acht Bezirken, die Regierungsbezirke Potsdam, Köln und Sigmaringen überflügelt. Was die Anzahl der überhaupt zur Ern- kommensteuer heraugezogenen Personen anbelangt, so können wir im Regierungsbezirk Wiesbaden mit dersel­ben also durchaus zufrieden sein.

Kürzt man die angeführten Personen,tandsziffern um die in denselben enthaltene Zahl der nicht selbständi­gen und daher auch nicht selbständig zur Einkommen­steuer veranlagten Familien-Angehörigen, so erhält man die Zahl der tatsächlich zur Einkommensteuer veranlag­ten Personen, der sogenannten Zensiten.

Dieselbe stellte sich in unserem Regierungsbezirk Wiesbaden in den beiden Betrachtsjahren wie folgt:

1901 1902

Städte. 96 950 113 984

Land . 36 051 37 537

zusammen 133 001 151 521,

und betrug nach Prozenten der Personenstandsziffern:

1901 1902

Städte .... 18,42 Prozent 21,19 Prozent

Land . . . _._7, 49 „ 7,/0 „

überhaupt 13,20 Prozent

14,78 Prozent

Der Preußische Staat in seiner Gesamtheit hat im Jahre 1902 die Prozentualziffern 15,47 Prozent für die Städte, 7,35 Prozent für das Land und 10,88 Prozent überhaupt auszuweiscn und steht mithin nach allen drei Richtungen hinter uns zurück. Unsere Gesamtzifser 14,78 Prozent für 1902 aber überbietet von den 36 preußischen Regierungsbezirken nur drei, nämlich Düsseldorf mit 17 09, Arnsberg mit 18,06 und Berlin mit 23,29 Prozent. Die beiden letzten Stellen im Staat nehmen die Bezirke Gumbinnen und Marienwerder mit je nur 4,87 Prozent

Zensiten von der Gesamtheit ihrer Einwohnerzahl ein. Dann folgen die übrigen Regierungsbezirke des Ostens.

Das Gesamteinkommen dieser 151 521 Zensiten unse­res Regierungsbezirks Wiesbaden nun stellte sich im Jahre 1902 in absoluten Ziffern, sowie in Hnndertteilen der Staatssumme wie folgt, und zwar:

Städte . . . 432 612 848 Mk. 7,21 Prozent

Land . . . 60 665 702 „_2,37 Prozent

5,76 Prozent

überhaupt 493 278 550 Mk

Die Ziffern nach dieser Richtung sind von besonderem Interesse, weil sie ein übersichtliches Bild von der Be­deutung der einzelnen Landesteilc für die Steuerkrast des gesamten Staats sind. Unter den Prozentualziffern der 36 preußischen Regierungsbezirke nimmt der unsrrge mit seinen Ziffern, und zwar mit 7,21 Prozent für die Städte, die vierte, mit 2,37 Prozent für das Land die fünfzehnte und mit 5,76 Prozent überhaupt die fünfte Stelle ein. Die Steuerkraft unseres Regierungsbezirks in ihrer Gesamtheit, insbesondere aber diejenige der Städte, nimmt innerhalb des preußischen Staats mithin eine ganz hervorragende Stellung ein. Aber auch die­jenige des Landes steht noch wesentlich über der Mitte.

Auf einen Zensiten entfallen hiernach durchschnittlich an Einkommen in unserem Regierungsbezirke, in den Städten 3795,38 Mk., auf dem Lande 1616,16 Mk., iiber- haupt 3255,51 Mk., eine Gesamtziffer, die keiner der übri­gen 35 Regierungsbezirke auch nur annähernd erreicht, und die dem unserigen daher nach dieser Richtung die erste Stelle im Staate verleiht. Letzterer selbst hat in seiner Gesamtheit für einen Zensiten nur ein Durchschnittseinkommen von 2276,94 Mk. aufzuweisen, und die Stadt Berlin nur 26o3,57 Mk. Rach unserem Regierungsbezirk, aber weit hinter dessen Ziffer zurück, folgt der Regiernngsbezirk Breslau, aber mit nur 2812,41 Mk. So leicht wird uns also kein Bezirk die erste Stelle streitig machen!

Auch eine Gliederung des Gesamteinkommens in die einzelnen Quellen, aus denen es fließt, läßt sich zu- sammcnstellen, aber nur für die Zensiten mit einem Ein­kommen von über 3000 Mk., das sind für unseren Regie­rungsbezirk Wiesbaden 322 205 500 Mk. Dasselbe setzte sich aus folgenden Quellen zusammen und ergab pro­zentualiter folgenden Anteil an den betreffenden Gesamt­ziffern für den Staat, und zwar:

Kapitalvermögen .... 132019082 Mk Grundvermögen, cinschl. Be­triebskapital . 48115 790 „

Handel, Gewerbe, Bergbau 116 879 734 „

Gewinnbr. Beschäftigung Ze. 62 506 312 „

— 10,67 %j

= 4,83 „ = 7,92 „ = 5,76 „

zusammen 359 519 918 Mk. — 7,50 %

Ab: Gesamtbetrag der gesetz­lich gestatteten Abzüge . 37 81 4 418 Mk. — 5,39 %

bleibt steuerpfl. Einkommen 322 205 500 Mk. — 7,86%

Roman von Max Dorning. (2. Fortsetzung.)

II.

Über der märkischen Heide webte der Frühling. Dem Unfreundlichen, trüben Aprilwetter der letzten st-age iwarm Sonnenschein und warme Lüfte gefolgt, und rmg»- herum hob über Nacht ein leises Keimen und Wachsen, ! eirt duftendes Blühen und sprossen an. ^rrsches Grün tlicftc aus dem Zweigwerk der Büsche, iunge Nadeln setzten die hochstämmigen Kiefern an und tausend Früh­lingsblumen hoben da und dort fragend ihre Häupter empor: „Bist du gekonimen, freundlicher Lenz ? Und der Lenz hairchte sie warm und milde an, daß sie sehn­süchtig ihre Kelche voll und voller erschlossen, und seine Antwort klang ihnen entgegen: „Ja, ich tun da! Uber ein Kleines, und Ihr sollt meine volle Pracht sehen! — Auf den einsamen Heidekrug zu, der nicht fern von wem Dorfe R. liegt, trieb an einem solchen klaren April­tag ein Schweinetreiber seine Borstentiere. Keine statt­liche Herde war's, die behaglich grunzend dahergelaufen wäre, sondern etwa ein halbes Dutzend magerer, dürrer Schweinchen, die hungrig und müde ihres Weges trotte­ten Mißmutig ruhten die Blicke des Treibers auf fernen Tieren. Unheimlich und wild sah der Mann aus; man ffonnte sich vor ihm fürchten. Ein mächtiges Haupt- und jBarthaar saß auf einem reckenhaften Körper, der m bunt- geflickten, abgetragenen Kleidern steckte; schwer und .wuchtig war der Schritt des Mannes, und ferne großen, nägelbeschlagcnen Schuhe drückten sich tref rn den feuchten (Heidefand hinein. Irr der Hand trug ern einen dicken ÄNotenstock mit eiserner Spitze; wen er etwa mit dessen Schwere traf, der macht" wohl erlöst fern vorr allen Erden awten.

Jetzt hatte er den Krug errrercht. Hier wollte er wasterr. Er trieb seine Tiere in den Stall und trat dann in das niedrige Gastzimmer, das zugleich auch Wohn­zimmer für deii Krüger und dessen Familie war.

Nicht gerade freundlich sah der letztere den Treiber an.

eid Ihr schon wieder da?" fragte er unwirsch Wie Ihr seht, Lehmann, bin ich's!" lachte der Treiber. „Fast scheint's, als ob Ihr mich zu allen ieufeln wünschtet!" t _ ,.

„Du könntest wohl Recht haben!" dachte der Krüger.

Wer laut sagte er: , « r ■

„'s sind schwere Zeiten jetzt, und es treibt sich allerlei

Volk auf den Landstraßen herum-"

Der andere lachte.

„Ha, ha. guter Meister Lehniann! Und zu dem aller­lei Volk auf der Landstraße zählt Ihr mich auch?"

Nun ja!" cntgegnete Lehmann unwirsch und ver­drossen. „Weiß inan denn, wer Ihr seid? Vor einigen Wochen seid Ihr hier aufgetaucht mit Euren armseligen Ferkeln, die kein Mensch kaufen will, und wenn Ihr uns erzählt, Ihr seid ein Viehhändler aus dem Ruppinschen, — so mutz man Euch das eben glauben!"

„Euch ist heut der Weizen verhagelt, Lehmann, daß Ihr mir Predigt, wie der Pfarrer einem ungeratenen Biibeii. den er über dem ersten Diebstahl erwischt hat! Holt mir einen Krug von Eurem sauren Bier iind laßt mich uiigeschoren!" ■ .

Ter Krüger tat, wie ihm geheißen. Als er den -rrunt vor seinen Gast setzte, griff dieser init der Hand in seine Tasche und holte eine Zahl Geldstücke heraus:

„ßst-ld habt Ihr iioch immer!" brummte Lehmann. „Macht' wissen, woher! Eure Schweine bringen Euch nichts ein, denii die werdet Ihr doch nirgends los!"

Der andere klimperte lustig mit den Münzen.

„Euch drückt die Neugier noch das Herz ab!" sagte er. „Was geht's Euch an, woher ich mein Geld habe! 's' ist mein eigen, darauf könnt Ihr Euch verlassen,

Krüger!" , . .

Dieser wollte eben etwas entgegnen, als seine Auf­merksamkeit- ebenso wie die des Viehhändlers, durch einen neuen Gast in Anspruch genommen wurde. Ein hoch­gewachsener junger Mann in giiter bürgerlicher Kleidung trat in das Zimmer. Wir kennen ihn — es ist Ernst Fahrenbach.

„Kann ich hier einen Imbiß haben?" fragte er nach kurzem Gruß.

Gewiß, gewiß!"

So bringt mir, was Ihr habt, und gebt einen Krug Bier dazu!"

Er ließ sich an einem Tisch nieder.

„Wie weit ist's noch nach Berlin?" fragte er.

„Etwa sechs Stunden, wenn der Herr gut zu Fuß ist!" antwortete der Krüger.

Fahrenbach nickte und versank in Schweigen. Er war auf dem Wege von Magdeburg nach Berlin, und er legte diesen Weg zu Fuß zurück. Er hatte nur sehr spärliche Geldmittel von zu Hause mitnehmen können, nur das, was er bei sich getragen hatte ; der Vater würde ihm jeden, auch den kleinsten Betrag verweigert haben. In Berlin hoffte er von Bekannten weitere Geldmittel zu erhalten, gleichzeitig mit den Empfehlungen aus patriotischen Kreisen, die ihm den Weg in die österreichische Armee öffnen sollten.

Seine Stimmung war eine ernste, aber doch gehobene. Er kannte seinen Vater; er wußte, daß ihm dieser seinen entscheidenden Schritt niemals vergeben würde. Aber er wußte auch, daß nicht nur der Wille des Vaters ihm die Rückkehr in das Vaterhaus verschloß, sondern daß auch andere Umstände dieselbe, fürs Erste wenigstens, unmög­lich machten. Er war Untertan des Königs von West­falen, und wenn er als solcher in das Lager des Feindes überging, hatte er, sofern man seiner wieder habhaft wurde, schwere Galeerenstrafe, vielleicht den Tod zu ge­wärtigen.

„Niemals!" murmelte er vor sich hin.

Lebendig wollte er nicht in die Hände des Feindes fallen. War er erst in Österreich, so war er sicher. Er hoffte, wie zahlreiche der edelsten Patrioten damals, auf den Sieg des Donaustaates, der ungeheure Anstrengun­gen und Waffenrüstungen gemacht hatte, und er glaubte, daß bei den ersten Siegesnachrichten von der Donau her sich ganz Norddeutschland wie ein Mann zum Kampfe gegen den Fremden erheben werde. Dem siegreich heim- kehrcnden Sohne aber würde der Vater, so dachte er, nicht ewig grollen, um so weniger, als er dann je selbst den Lieblingswunsch des alten Herrn erfüllen wollte^ seine eheliche Verbindung mit Gertrud.