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Berliner Schriftleitnng des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Gnntzelstr. 66, Fernspr.: Amt Uhl-nd 450 «. 451. Tagen und BW-n«^d Kn? W^üb-^^
Zreitag, 20. August 1915.
Abend-Ausgabe.
Nr. 386. - 63. Jahrgang.
Auch Nowogeorgijewsk gefallen!
88VVV Mann gefangen. Ueber 70V Geschütze erbeutet.
Oer Fall des letzten russischen Stützpunktes in Polen!
W. 7.-6. Wrohes Hauptquartier, SV. Ang. (Amtlich.) Tie Festung Nowogeorgijewsk, der letzte Halt des Feindes in Pol n, ist nach har - nackigem Widerstand genommen. D e gesamte Besatzung, davon gestern im Luvkampf allein über Svvvv Mann, und vorläufig unübersehbares Kriegsmaterial, siel in nn'ere Hand- Seine Majeslät der Kaiser hat sich nach Nowo- gevrgijewsk begebe», um dem Führer des Angriffs, (Kenerai der Infanterie von Beseler, nnd den tapfere» Augriffs.rnppcn seinen wie -cs Vaterlandes Dank ausznsprechen.
Oberste Hecrcsleitnng.
Sersolgung der Russen westlich Kotono. — Weitere Erfolge der Armee von Gallwitz. — vre ungeheure Kriegsbeute von Nowogsorgt- jewsb. — lveiteres Vordringen der Armee des Prinzen Leopold. — Bedeutende Fortschritts auch bei der Armee Mackensen.
Ler Tagesbericht vom 20. August,
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Slug. «Amtlich.)
westlicher Rriegsschauplatz.
Zwischen AngreS und Souchez wurde der Feind heute nacht ans den von ihm gestern besetzten Grabenstücken vertrieben.
Am Schabmönnle, in den Vogesen, ging ein kleiner Teil unserer vorderste» Stellung an die Franzosen verloren.
(westlicher Rriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Östlich von Kowno folgen unsere Truppen nach erfolgreichen Kämpfen dem Feind.
Im Raume der D e w i n a bis zur Straße Augustowv- Nrodno sind die Russen in die Linie G u d e l e (östlich von Mariampvl) -L o tz z i e j e-S t u d z i e n i z c n a zurückge- gangen und leisten dort erneuten Widerstand. Auch westlich von Thkocin wird noch gekämpft.
Die Armee des Generals vo n Gallwitz setzt ihre Angriffe erfolgreich fort und nahm 1ü Offiziere nnd 2656 Mann gefangen nnd erbeutete 12 Maschinengewehre.
Die Festung Nowogeorgijewsk, der letzte Halt des Feindes in Bolen, ist nach hartnäckigem Widerstand genommen. Die gesamte Besatzung, 6 Gcneralc, über 85 600 Mann, davon gestern iw Endkainpf allein über 26 666 Mann, wurden zu Gefangenen gemacht. Die Zahl der erbeuteten Geschütze erhöht sich auf über 766. Der Nm- song des genommene» sonstigen Kriegsmaterials läßt sich noch nicht übersehen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Barrern.
Die Heeresgruppe ist im weiteren Vordringen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Der linke Flügel warf den Feind hinter den Koterka- und Pulwa-Abschnitt südwestlich von Wisoko-Litiowsk) zurück. Südlich des Bug wurde gegenüber Brest-Litowsk Gelände gewonnen.
Oestlich von Wkodawa erreichten unsere Truppen in scharfer Verfolgung die Gegend ^on Piszcza.
Oberste Heeresleitung.
In diesen Wochen und Tagen dringt Siegeskunde mf Siegeskunde zu uns. Vor gerade vierzehn Tagen wst fielen Warschau und Jwangorod, idann hieß es Nowogeorgijewsk sei eingeschlossen. Ostrolenka befinde sich schon seit läitgerer Zeit in unseren Händen, vor zwei Tagen ward Kawno erobert und abermals gab's nn Siegesläuten. Nun ist auch Nowogeorgijewsk, das ftaif befestigte Bollwerk, am Einfluß des Bug in
die Weichsel und der Bahnlinie Mlawa-Kowel gelegen, gefallen.
Die Bedeutung dieser Festung als westlichster Punkt des polnischen Festungsvierecks — wozu noch Warschau, Jwangorod und Brest-Litowsk gchören — wird erst recht klar, wenn man die Verteidigungswerke näher ms Auge saßt. Icowogeovgijewsk ist >das alte Modlin, dessen strategische Wichtigkeit bereits Karl XU. nach seinen russischen Feldzügen und den Fchden gegen seinen polnisch-sächsischen Vetter August II. erkannt hatte und der darum Modlin im Jahre 1704 befestigen ließ. Napoleon I., der auch zur Befestigung Brest- Litowsks beigetragen hatte, war es, der 1807 den eigentlichen Bau der Festung begann, doch war dieser noch nicht beendet, als die Russen 1813 den französischen General Daendels zur Übergabe Zwangen. Während des Ausstandes 1830 bemächtigen sich die Polen der Festung, bis sich auch der polnische Kommandant Graf Ledochowski am 7. Oktober 1831 bedingungslos ergeben mußte. Nun nahmen die Russen bis auf den heutigen Tag Besitz von der Festung und Nikolaus I. ließ sie zur starken Brückcnkopsstellung ausbauen. Ihr erster moderner Umbau erfolgte unter Alexander III. im Jahre 1882 und auch nach dem russisch-japanischen Kriege sowie dam mit Frankreich eingegangenen Bündnis ist beständig an der Verbesserung der Festung gearbeitet worden, da das französische Gold und die französischen Anleihen nur unter der Bedingung der Verteidigungsverstärkungen nach Rußland floß. Ebenso werden auch die Kriogsnionate noch manches zu den Verbesserungen hinzugefügt haben. Galt doch das nur wenig nordwestlich von Warschau gelegene Nowo- georgistwsk für die Russen als westlichstes Ausfallstor und zugleich als starker Rückhalt im Falle der Bedrän- gung. Die Hauptfcstung mit der Zitadelle liegt am rechten Weichseluser und besteht aus lauter banwen- festen, nur für die Garnison bestimmten Gebäuden, umringt von gewaltigen, bis 40 Meter hohen Wällen, die ihrerseits wieder von einer langen Reihe von Außen- werken umgeben sind. Eine größere Anzahl — besonders drei aus dem rechten Bugufer — Sperrsorts machten die Festung weiter zu einer Festung allerersten Ranges.
Wer wann hätte auch eine solche in diesem .Kriege noch den deutschen Geschützen und der unwiderstehlichen deutschen Tapferkeit standgehalten. Bereits am 6. August war das Sperrsort Zeyrze als erstes gefallen. Warschau, das geschützt werden sollte, war genommen worden und in den letzten Tagen ward Fort um Fort und Befesti- gungswerk um Bofostigungswerk erstürmt. Wie tapfer sich auch die Russen gewehrt haben mögen, der deutsch e^An sturm war noch unwiderstehlicher! Und wieder .war es der General der Infanterie v. Beseler, der schon Antwerpen genommen hatte, und der auch hier seine Feldherrntüchtigkeit aufs glänzendste erwies. DennNowogoorgijewsk ist nach verhältnismäßig kurzer Zeit gefallen. Schon gleich nach dem Fall von Warschau war es völlig eingeschlossen worden und schwand seit dem stetig weiter vottvärtsgebenden Vorrücken der verbündeten Armeen immer mehr hinter die deutschen Linien zurück. Vorläufig noch unübersehbar ist die Sieges- hente. Allein am letzten Tage sielen 20 000 Mann Besatzung, die eigentlich immerauf30-bis 40 000 Mann angenommen wird, in die Hände der-Sieger. Wir haben allen Grund, uns dieses neuesten Erfolges zu freuen, der an demselben Tage errungen war, an dam auch auf See abermals ein englisches Unterseeboot an seine Vernichtung durch ein deutsches Unterseeboot glarchen mußte. Der Bedeutung des Falles wegen ist es auch, daß der Kaiser sich dahin begeben hat, um dem Eroberer und den tapferen Truppen persönlich seinen Dank zu überbringen. Dasselbe Nowogeorgijewsk ist gefallen, von dem noch kürzlich ein Petersburger Berichterstatter französischer Blätter behauptete, daß sich die Festung mindestens neun Monate gegen den feindlichen Ansturm werde halten können, so groß sei die Verproviantierung, so reichlich die Munition und Waffen bemessen. / '
Der Eindruck, den dieser neueste Erfolg des Generals Beseler deshalb aus die West Mächte haben wird, kann darum auch nicht ausbleiben. Es wird eine Wirkung sein, die aufs neue Niederdrücken und entmutigen muß, der ihnen durch die neuen starken Armeen,
von denen gestern der Reichskanzler im Reichstag« sprach, und die zu anderen Schlägen bereit stehen, leie hast vor Augen führen wird, daß nun auch ihre Stunde gekommen ist! . . I>r. A. H.
Große Ratlosigkeit in russischen Regierungskreisen.
Br. Kopcnhkgen, 20. Aug. ..Erg. Drahtbericht. Jens. Minr) Aus Petersburg wird gemeldet, in allen Regrerarngskreisen herrsche Ratlosigkeit. Man befürchtet, daß die Duma rreitere Auskunft scher den Verlust von Polen und oer O stse eprovtn z en fordern werde. Ein Versanrmlun^s- verbot des Militärkommandanten hat die öffentliche Unruhe gesteigert.
Lin grotzerttriegsrat im riiffischenHauptquartier
Br. Wien, 20. Aug. (Eig. Dvcchtbericht* Zerrs. Blüh Aus Petersburg wirb gemeldet: Die Zufv-tzumig der Laze aerji den Kriegsschauplätzen hat, wie' in Dumakreisen verdautstz den Großfürsten Nikolai Nikokosewitsch veranilcrht, sämtliche Mini st er nnd die Mitglieder des obersten Kriegs» rats zu sich ins Hauptquartier zu bescheidem, wo alle schwet-M- den Fragen einer eingehenden Erörterung unterzogen werden sollen. Der Kriegsminister erklärte einem Dlmmrdep». tierten, daß er bei dieser Beratung die mil.tärische Lage Ratz. landS völlig wahrheitsgemäß darstelle und sei« Bereitwilligkeit aussprechen werde, alles aufzubietarr, in» Wandel in dem herrschenden Miß ständen za, schaffen.
Rußlands letzter Rettungsanker!
Ein abenteuerlicher Plan einer Überschwemmung der galizischen Grenze bis B r e st - L i t o w sk.
Bf- Genf, 20. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zenls. Bln.) Pariser Meldungen besagen, Rutzlanb könne sich im Falle der Notwendigkeit verteidigen, indem es den weilen Teil seines Gebietes, wo sich jetzt die Operationen cbspielen, ü b e rs ch w e m m t. Ingenieur Melmikow) habe einen Plan unterbreitet, der es rnöglich mache, die ganze Gegend von der galizischen Grenze bis nördlich der Festung Brest-Litowsk unter Wasser zu setzen. Aus diese Werse würde man jedes Vorrücken der derstscheu untd östereichisch-ungarischen Armee nach Kiew verhindern und die Öpevationszone auf das iwrdöstltche Polen beschränken können, das ein wahres Lobhrinch von Wäldern und Seen ist. Der Plan Melmikow soll darin bestehen, eine Anzahl kleiner Flußläufe derart ab» zuleiten, daß die sumpfige Gegend Pinsk in einen werten See verwandelt werde. Die Überschwemmung könne im Zeitraum von wenigen Minuten durchgeführt werden und etwa 12 Millionen kosten, also ungefähr den Betrag, den Rußland in zwei Tagen für den Krieg auswende.
Der ruhmreiche Anteil der Sachsen vor Nowogeorgijewsk.
Aus Dresden wivd vom 18. d. M. berichtet: Am 17. August ist dom König folgende Nachricht aus dem Großen Hauptquartier zugegangen: ,/Brigade Pfeil und Teile einer Landwohrürigade nahmen gestern abend die lzartnäckig verteidigte erste Stellung der aus zwei Stellungen bestehenden russischen Linie der Nord oft» front von Nowogeorgijewsk. Zwei zu den Forts gohöriige starke Erdwerke gestürmt, 500 Gefangene, 4 Geschütze."
Der König hat darauf das nachstchende Telegramm an den Brigadekvmmandeur gerichtet: „Oberst G r af
Pfeil. Erfahre soeben durch den Militäroevollniäch- tigten von Ihrem gestrigen glänzenden Gefecht. Meine braven Landwehrleute haben sich ausgezeichnet geschlagen. Ich spreche allen daran Beteiligetn aus vollem Herzen meinen innigsten Dank aus und freue mich, daß auch Ihre Brigade zu den vielen Ruhmestaten meiner Armee in diesem Kriege eine neue herrliche hinzuge- fügt hat."
ver Angriff auf die Südwestfronr von Vrest-Litowsk.
Bialostok und Offowice von der Südüahnvcrbindung abgcschnitte«.
Br- Berlin, 20. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Der Berichterstatter des ,,B. T." im österreichisch-ungarischen Hauptquartier meldet: Der Angriff aus die Südwestfront von Brest-Litowsk ist nunmehr ein» geleitet. Im Anschluß an die gegen den Fortsaürt«!
