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?| Mehr als Erworbenes gilt. wie wir's erworben habe». -»
*\ Rückert. »
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(3. Fortsetzung.)
Der Wallhefer.
Roman von O. v. Kis-Killay.
Werner runzelte die Stirn. Der Ton, in welchem sie ,u ihm sprach, verdroß il>n. Er erwiderte nichts und setzte sich auf einen Stein, finster vor sich hinstarrend, p war ja geradezu ein Schnlmeisterton, welchen sie angeschlagen hatte. Sie hatte ihn wie einen kleinen Jungen zur Rede gestellt. Freilich war er einigermaßen Schuld an dem Mißgeschick, jedoch hatte es nur an seinem Ungeschick gelegen ... Da war sie denn am Ende gar nicht das liebenswürdige, sanfte Geschöpf, für das er sie gehalten hatte . . .
Er sah verstohlen zn ihr hin und — sein Groll schwand. Sie stand noch immer abgewandt, und starrte nach dem See hinaus. Wie frei und anmutig hob sich i>te schlanke, zierliche Gestalt von den: lichten Hinter- gründe ab! Das feine Köpfchen mit dem überreichen Haar war gesenkt. Es lag in ihre:- ganze:: Haltung etwas so rührend Ergebenes — zum Teufel! daß er sich vor chr blamiert hatte . . .
Er sprang auf und trat ans sie zu.
„Gnädiges Fräulein", sagte er mit einem Versuch zur Munterkeit, „es bleibt u:is nichts übrig, als unser Abenteuer humoristisch zu nehmen. Sehen wir es als als eine kleine Robinsonade an, welche in der Erinnerung sogar recht nett wirken wird . . . Ilnd schließlich — es kann nicht so gar lange dauern, bis irgend ein vorüber- fahrendes Boot uns arme Schiffbrüchige anfnimmt."
Käthe blickte ihm voll ins Gesicht.
, „Wir sind keine Kinder, um ungestraft eine Robinsonade aufführen zu können", sagte sie Mt. „Überdies müsse:: Sie die Hoffnung aufgeben, so bald von hier fort- zukommei:. Die Lustfahrer sind bereits lange zn Hause, und Fischer werden sich schwerlich hier in die Fahrstraße der großen Dampfschiffe verirren. Es hilft nichts, zu beklagen und zu bereuen."
Ohne Werner noch einen Blick zu gönnen, ging sie einige Schritte weiter und setzte sich hart am Rande des
UferS hin.
Slbgeblitzt! Sein Ärger regte sich wieder. Verdrossen verfügte er sich nach seinem Platze zurück und versank in mürrisches Brüten. Was wollte sie von ihm? Sollte er auf den Knieen rutschend ihre Verzeihung erbetteln? Ne selbst sagte, es helfe nichts, das Geschehene zu bejammern. Warum fuhr sie dann noch fort, zu grollen? Sie war also nachtragend — es lag also Trotz und Eigensinn in ihrem Charakter ... Er war aber auch nicht der Mann, stets nachzugeben. Sie würde an ihm ihren Herrn finden — wenn sie einmal sein eigen war . . Er brauchte es ihr dann gar nicht in Worten heraus- msagen, sie würde es an seinen Blicken, an seinem ganzen Wesen merken, daß er verstimmt war. Dann würde ihr Trotz schmelzen, sie würde zu ihm kommen, die schönen, traurigen Augen zu ihm erheben und flüstern: „Werner, sei wieder gut!" Und er würde sie in die Arme nehmen
und sie fest, fest an sich drücken . . . Wenn er es jetzt gleich tun könnte! Den süßen, trotziger: Mund zur Strafe wundküssen... , , _..
Er rückte unruhig auf fernem harten S:tze hin und her.
Doch sie sollte den ersten Schritt zur Versöhnung tun. Sie war es ihm schuldig — er hatte ja bereits einen Versuch gemacht.
So saßer: sie, einige dreißig Schritt voneinander entfernt, und riihrten sich nicht. Die Sonne sank fiefer und strahlte ihren Abschiedsgruß in leuchtenden Farbe:: am Himmel aus. Jetzt verschwand sie, und nur ein breiter Purpurstreifen verkündete die Stelle, wo sie zur Ruhe gegangen war. Endlich verblaßte auch dieser, und nun senkte sich die licküe nordische Sommernacht herab, füll und lautlos, wie ein Tag aus Dornröschens Schlummerreich. Käthe hatte die Arme ::m ihre Kniee geschlungen. Ihre Gedanken schweiften weit ab, und fast hätte sie den Mann da driibcn vollständig vergesse::. Ihr Herz war van unnennbarem Sehnen erfüllt, weit, weithin zu schiffen, in unbekannte Gegenden, dem Farbenglanze der Sonne, dem ungeahnten Glücke zu! . . .
Ein Räuspern Werners riß sie aus ihren Träumereien in die unbehagliche Wirklichkeit zurück. Ja, hier saß sie auf der wüsten Insel, hungernd, frierend, und konnte auf ihre Befreiung bis zum nächsten Marge:: warten. Das hatte sie ihm zu verdanken, ihm, dem Tölpel, den: unbeholfenen Menschen. Es war gut, daß der Zufall ihr zu rechter Zeit die Augen über ihn geöffnet hatte. In ihrem Sehnen nach Glück hätte sie sich vielleicht betören lassen. Da saß er und maulte, obgleich er ganz allein die Schuld trug. Es war nicht zu verkennen - 1 — hier traten Merkmale eines Charakters hervor, dem ähnlich, der bereits ihr junges Leben verkümmert und verbittert batte. Ein Größenwahn, der auch die eigene Schuld als tätliche Beleidigung enipfand, weil durch sie der Mmbus seiner Unfehlbarkeit getrübt war. Er schien ihr zu grollen, weil sie aus seinen Scherz mit der Robinsonade nickst ein- geaangen war ... Ja, diese Robinsonade konnte schlimme Folgen nach sich ziehen. Im besten Falle galten sie für verlobt, und die bösen Zungen . . .
Sie war auch so entsetzlich hungrig, b:s zum Um sinke::! Es wurde kühl ... Sie schauerte einigemal zusammen. Werner stand plötzlich vor ihr, sie hatte sein Nahe:: gar nicht gehört. Er hielt seinen Plaid aus gebreitet und legte ihn um ihre Schultern.
„Sträuben Sie sich nicht. Fräulein Gordan", sagte er fast gebieterisch, als sie Miene machte, sich zu wideo setzen. '..Gnädiges Fräulein", fügte er dann weicher hinzu, „ich trage ja die Verantwortung für Sie, nmchen Sie es mir nicht zu schwer. Sie sind so leicht gekleidet und können sich erkälten."
„Aber Sie? Sie haben ja das Tuch für sich mitge nommen?" erwiderte Käthe, welche sich jetzt ohne Wider stand einhüllen ließ.
„Ich? Mein Anzug ist jedenfalls wärmer als de: Ihrige", antwortete Werner befriedigt. „Überdies habe ich das Sitzen satt und will _ mir etwas Bewegung machen. Das bringt das Blut in Umlauf — und bald muß ja Hilfe kommen."
Von neuem umfing sie tiefe Sülle, nur durch das Knirschen des Sandes unter Werners. Schritte:: unter.
brochen. Auf und ab, aus und ab, wie e:n Pendel —- frtft regelmäßigen Bewegungen machten Käthe schlafng. Auch die Wärme, welche jetzt so wohlig ihre Glieder durch- trömte, wirkte ermüdend. Wie gern sie sich jetzt m chrem weichen Bette ausgestreckt hätte! Und er n:arsch:erte so krampfhaft, so taktmäßig! Mochte er wohl an sernsn Exerzierplatz denken, um sich zu zerstreuen? Ob er mcht auch hungrig war? Jetzt schien er müde zu werden er setzte sich wieder auf seinen alten Platz. Dann mußte er aber frieren — jedoch die ganze Nacht auf und ab zu patroullieren, war er nicht im stände. — Und sw swtte seinen Plaid . . . Wenn er sich nun ihretwegen erkaltet» und krank w::rde! ....
Ein kurzer Kampf entspann sich in ihrem ^nnerm Dann stand sie entschlossen auf und trat vor Werner hm.
„Herr Rauenberg", sagte sie mit gesenkte»: Blick, „wir sind Unglücksgesährten nnd sind verpflichtet, ernander beizustehen. Sie haben mir Ihren Plaid abgetreten ich kann ihn nicht für mich allein behalten und Sie fneren lassen. Erlauben Sie, daß ich mich zu Ihnen setze, dann wollen wir uns beide in den Plaid wickeln. H:er sind gewöhnliche Rücksichten nicht am Platze."
Ein Ausdruck freudigster Überraschung flog über Werners Gesicht und in seinen Augen leuchtete es auf. Er erwiderte aber nur ein kurzes: „Ich danke!" und half Käthe das T::ch auseinanderbreiten.
Und nun setzten sie sich in steifer Haltung, aber dicht aneinandergedrängt zur langen Nachtwache hin. Werners Innern wogte und stürmte es. Die levens- warme Berührung d-es geliebten Mädchens machie chn trunken. Er hätte sich eher die Hand abhauen lassen, als daß er durch eine einzige Bewegung aus ihren: Vertrauen
Vorteil zog . . . c .. r .,
Er biß die Zähne zusammen u:ch bückte vor stch hm. Und neben ihm atmete, es leise und bei jedem Atemzuge streifte ihre Schulter die seinige ... Es war zum Toll- werde,:! Er ballte die Hände krampfhaft zusammen ....
Sie saßen stumm, regungslos, und die Zeit verstr:ch, obue daß es ihnen zun: Bewußtsein kam. Käthe war tot- müde Es war ihr alles , gleich, weim sie nur schlafen durfte! — Allmählich löste sich auch die Spannung nt Werners Seele und ging in eine dämmernde Empfindung iiber, io sei es gut, sehr gut . . .
Da — beinahe wäre er zusammengefahren — suhlte er einen leichten Druck, einen ganz leichten, er benahm ihm aber fast den Atem. — Käthe war fest eingeschlafen und lehnte sich schlaff und willenlos an ihn. Jetzt konnte er nicht länger widerstehen. Leise schob er fernen Arm um ihre Taille und zog sie näher an sich. Ihr Kopf fiel
an seine Brust. t
Mt einer gewissen Zärtlichkeit bückte er zu chr nieder. Sie schlummerte so ruhig und friedlich wie ein Krnd. und von ihren halbgeöffneten Lippen drangen fiefe, regelmäßige Atemzüge. Sein Herz schwoll. '.Mein Weib!" Gerade die scheue, keusche Berührung machte sie ihm ganz zu eigen. Er trug jetzt kein Verlangen, es war ibm. als wären sie schon eins.
Im Osten rötete sich der Himmel. Immer hoher stiegen die Gluten, — jetzt glitt der glänzende Feuerball empor. Die Vögel erwachten, hier ein Lockton, dort em anderer, — bald war das Konzert in vollem Gange.
(Fortsetzung folgt.)
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