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Nr. 385»Freitag, 20. August 1015.

wir das Gegenteil getan und unsere Friedensliebe bekun­det. Deutschland, so sagte ich ihm, wünscht aufrichtig in Frieden mit Frankreich zu leben, und es werde ebensowenig über Frankreich wie über ein anderes Land herfallen. (Sehr licht,gN Nachdem Haldane von Berlin abgereist war, wurden >ie Verhandlungen in London fortgesetzt.

Ich habe, meine Herren, vor einigen Wochen in der ^Rordd. Allg. Ztg." die Verständigungsformen veröffentlichen lassen, die bei diesen Verhandlungen von der einen wie von der anderen Seite vocgeschlagen worden sind. Auch diese Ver­öffentlichung ist der Beachtung unserer Gegner wert. So viel ich weis',, ist sie von der englischen Presse mit Ausnahme einer einzigen ignoriert worden. Ich will deshalb aus die Sache kurz zurückkommen. Zunächst machten wir, um dauernde Beziehungen zu England zu erzielen, den Vorschlag eines unbedingten gegenseitigen Neutralitäts­versprechens.

Als dieser Vorschlag als zu weitgehend von England abgelehnt wurde, schlugen wir vor, die Neutralität auf Kriege zu be- schränken, bei denen man nicht sagen könne, daß die Macht, der die Neutralität zugesichert worden war, der Angreifer ser. Aus das schlug England ab. Inzwischen hatte England seiner­seits folgende Formen vocgeschlagen:England wird keinen unprovozierten Angrifi auf Deutschland machen und sich einer aggressiven Politik gegen Deutschland enthalten. Ein Angriff auf Deiitschland ist in keinem Vertrag enthalten und in keiner Kombination vorgesehen, der England zurzeit angehört, und England wird keiner anderen beitreten, die einen solchen Angriff bezweckt." Ich meinte, daß es unter zivili­sierten Staaten überhaupt nicht üblich sei, unprovoz,erte An­griffe auf andere Mächte zu machen, und deshalb Ver­sprechen, sich solcher Überfälle zu enthalten, nicht wohl den Inhalt eines feierlichen Vertrages (Sehr richtig!) abgeben können. Das englische Kabinett war anderer Ansicht und glaubte auf unsere Vorstellungen ein übriges zu tun, wenn es seine Bereitwilligkeit erklärte, seinen im übrigen unver­änderten Formen folgende Worte vorauszuschicken. Wenn die beiden Mächte gegenseitig den Wunsch haben, Friede und Freundschaft untereinander sicherzustellen, erklärt_ England, daß es keinen unprovozierten Angriff usw., wie ich vorher mitgeteilt habe.

Meine Herren! Dieser Zusatz kann an dem Urteil über den Inhalt des englischen Angebots nichts ändern und ich meine noch heute, und kein Mensch hätte es mir übel nehmen können, wenn ich schon damals die Verhandlungen abge­brochen hätte. (Sehr richtigI) Ich habe das nicht getan, ich habe, um alles, was in meinen Kräften staiid, zu tun, und um den europäischen und den Weltfrieden zu sichern, mich bereit erklärt, auch diesen angeblichen Vorschlag zu disku­tieren, mit der einen Bedingung, es möge der englische Vor­schlag durch folgenden Zusatz ergänzt werden:England wird daher selbstverständlich wohlwollende Neutralität bewahren, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden." (Sehr richtig!) Ich bitte Sie, meine Herren, die letzten Worte zu beachten, falls uns ein Krieg aufgezwungen werden sollte. Ich habe nachher noch auf diesen Piinkt zu- rückzukommen. Sir Edward Greh lehnte diesen Grundsatz rundweg ab. (Hört! Hört!) Über seine Formen könne er nicht hinausgehen, und zwar, wie mir unser Botschafter Metternich. erklärte, aus Besorgn is, sonst d,e bestehenden Freundschaften mit anderen Mächten zu gefährden. (Heiter­keit.) Das bildete für uns den Schluß der Verhandlungen.

Ein Kommentar dazu ist eigentlich unnötig England hielt es für ein Zeichen besonderer, durch feierliche Verträg« zu besiegelnder Freundsihaft, das; es nicht ohne Grund über uns herfallen wollte. (Heiterkeit), behielt sich aber freie Hand für den Fall vor, daß seine Freunde dies um sollten.

Ter Hergang ist in England bisher nicmalS vollständig viit- gelcilt worden.

Allerdings in Bruchstücken, aber auch in diesen unrichtig. Der englische Ministerpräsident Asquith bat am 2. Oktober 1914 in Cardiff über diele Sachen gesprochen. Ich zitiere nach einer amtlichen, von ihm selbst redigiierten Publikation seiner Red.-- Lord Asguith teilte seiner Zuhörerschaft die englische FormSl, uns nicht unprovoziert angreifen zu wollen (dre Formel, die ich vorher verlesen Hobe), in vollem Wortlaut mit. Er fährt dann fort: Das war von den deutschen Staatsmännern nich: genug. Sie wollten, daß wir weiter gingen. Sie forderten, wir sollten uns absolut zur Neutralität für den Fall ver- pflichten, daß Deuffchland in einen Krieg verwackelt werden fotttein the event, of Geimäny being engaged in war.

unter den vielen Röcken und Hüten, und das laute Summen mischt sich in die Geräusche der Fuhrwerke.

Derkleine Generalstab" ist also trotz aller Gewohnheit, die den Menschen auch mit den größten Ereignissen vertraut macht, noch immer am Leben. Und er wird erst ganz ver­schwinden, wenn der wirkliche, der große Generalstab, sein Werk zum Abschluß gebracht hat.

Auf der Straßenbahn.

Frauen in Uniform. In grünen Jacken, die grünen Mützen der Straßenbahner auf dem widerspenstigen. Haar. Wer dachte ftüher daran, daß Frauen diesen Dienst tun würden? Nun, jetzt tun sie Dienst, sicher, zuverlässig und be­scheiden, als sei dies immer so gewesen. Viele sind still, einen in sich gekehrten Zug im Gesicht. Das sind die Schaffnerinnen, die um den linken Arm ein Trauerband tragen.

Immer wieder wird man in der Bahn auf seltsame Weise an den Krieg erinnert. Man hört eine Helle Stimme, man blickt auf: eine Frauenhand streckt das Billett entgegen Die Hand einer Frau, die tapfer und eifrig ihren Dienst tut, wie ihr Mann weit draußen, irgendwo, seine Pflicht erfüllt oder schon erfüllt hat.

Die Schloßwache.

Nicht Hunderte, nein. Tausende und mehr folgen in diesem Jahr der Wache, wenn sie mit Musik und Helmen- glanz auszieht. Alles ist wie früher, und doch ist alles anders, denn es hat eine neue Bedeutung bekommen, die wir mit neuen Augen sehen. Die Männer in Uniform, die im Schmetterklang ihrer Instrumente dahinschreiten, haben für uns etwas unendlich Stärkendes, Beruhigendes. Der Zu- sammenklang der straffen Schritte mit der taktfesten Musik erfüllt uns mit einem früher unbekannten Empfinden siche­ren Stolzes. Diese Uniformen, die in der Sonne flimmern, lassen uns an flatternde Fahnen denken, an brausende, wilde und heroische Akkorde. Nun erst wissen wir, was das ist: die Schloßwache!

Vor dem Zeughaus stehen Kanonen. Nicht jene alten, ehrtmtrdiHen Maschinen, vor denen man m inchmal einen

Wiesbadener Tagmarr»

Diese Behauptung des Ministers Asquith ist eine Ent­

schuldigung des Sachverhalts. Allerdings hatten wir Beginn unbedingte Neutralität gefordert, im Druse der Ver­handlungen (aber haben wir unsere Neutra litärsforderung aus den Fall «eschränki. daß Deutschland ein Krieg au (ge­zwungen werden sollte. In englffchem Worrlarrt:shcurl war be forced upon Germany". Das hat er feinen Zuhörern vorenthalten. (Bewegung.) Ich halte mich für berechtigt, zu sagen, daß er damit

die öffentliche Meinung »n England in unverantwortlicher Weise irregefühet

hat. (Sehr richtig.) Aber fteilich hätte Minister Asquith eine vollständige Darlegung gegeben, io hätte er in seiner Rede, die auf die Stellung seiner Zuhörer zugrschnitten war, nicht so fortsahren können, wie er es tatsächlich tat. Er sagte (immer in wirklicher Übersetzung): Und . diese Forderung,

namentlich der unbedingten Neutralität in jedem Krieg«, stellten d>ie deutschen Staatsmänner in einchn AuigLnbhck, in dem Deuffchland beides, seine agross!ven sowohl wie seine defensiven Rechtsuffttel, besonders auf dem Meere, ungeheuer bewährt, sie vermuten, um es ganz klar zu sagen, daß wir ihnen) so weit wir in Frage kamen, freie Hand gaben, wenn sie sich eine Gelegenheit aussuchten, Europa zu überwäl­tigen und zu beherrschen. (Heiterkeit.) Es ist mir unfaßbar, ich will keinen anderen Ausdruck gebrauchen, wie ein hoher Staatsmann, wie Minister Asquith, einen Vorgang, den er genau kennt, unobjektiv so unrichtig darstellen konnte und dar­aus Schlüsse zu ziehen, die der Wahrheit ins Gesicht schlagen. (Sehr richtig!) Ich frage, wer hat Legenden verbreitet und erfunden? Ich bin auf diesen Vorschlag näher eingegangen, um vor aller Welt Verwahrung einzulegen gegen

die Unwahrhaftigkeii und Verleumdung, mit der unsere Gegner uns bekämpfen.

(Allgemeine Zusffmmung.) Nachdem in voller Kenntnis der deutschfeindlichen Richtung der englischen Politik und mit äußerster Geduld das Entgegenkommen bis an die letzte Mög­lichkeitsgrenze gekommen war, nachdem uns statt Brot Steine gereicht waren, sollten wir durch eine unerhörte Verdrehung der Tatsachen vor aller Welt an den Pranger gestellt werden. Mag es unseren Feinden gelingen, auch diese Fesfftellungen in dem Waffenlärm und den menschenunwürdigen Ver­hetzungen der Völker untergehen zu lassen, die Zeit wird kom- rnen, wo die Geschichte rhr Urteil fällen wird. (Sehr rich­tig!) EL war der Augenblick gekommen, wo England und Deutschland durch aufrichtige Verständigung den Frieden der Welt verbürgen konnten. Wir waren bereit, das zu tun. Eng­land hat es abaelehnt. Die Schuld wird es jetzt nicht mehr lassen. (Beifall.)

Meine Herren! So endet die Episode Haldane. Bald darauf wechselten Sir Edward Greh und der ffanzösische Bot­schafter in London Cambon die bekannten Briefe, die auf ein französisch - englisches Defensivbündnis gin­gen, dces indes durch die dann getroffenen Vereinbarungen der beiderseitigen Generalstäbe und Admiralitäten tatsächlich zu ernem O f f e n s i v b ü n d n i s wurde. Auch diese Tatsachen hat die englische Regierung der Öffentlichkeit in ihrem Lande vor­enthalten. Bis zum I.Auqust v. I. hatten die englischen Minister denrParlament immer wieder erklärt, daß England sich im Falle eines europäischn Konfliktes vollkommen freie Hand vorbe- halte. Das war dem Buchstaben nach vielleicht, in Wirklich­keit aber nicht der Fall; infolge der Vereinbarungen der beiden Admiralitäten, welche die französische Nordküste unter den Schutz Englands gestellt hatten. Dieselbe Taktik hat England bei seinen im Frühjahr 1914 angebahnten Marine­verhandlungen mit Rußland befolgt, als ein Marineabkom- men eingeleitet wurde, ein Abkommen, in dem die russische Admiralität den Wunsch hatte, mit Zuhilfenahme englischer Schiffe unserer Provinz Pommern die Wohltat einer russi­schen Invasion zuteil werden zu lassen. (Heiterkeit.) Meine Herren! So hatte sich

der Ring der Engländer mit ausgesprochen antideutscher Tendenz

immer fester zusammengeschlossen. Die Saat Königs Eduards war in die Halme geschossen. Wir waren, wie Sie wissen, gezwungen, die Situation mit der großen Wehr- vorlage 1913 zu beantworten.

Meine Herren! Aber ich will hier ausdrücklich davon sprechen, daß wir in voller Klarheit über den Ernst der Welt­lage neben den Verhandlungen mit England stets bestrebt ge­wesen sind, unsere Beziehungen zu Rußland nach Mög-

Augenblick stehen blieb und kopffchütteln dachte: ,chas war einmal, als es Krieg gab." Es sind ganz neue, moderne Geschütze, und die Luft um sie scheint noch ruhelos zu atmen von Blut und Pulverdampf. Und doch scheint die warme Berliner Sonne schattenlos aus ihre stählernen Läufe. Russische Kanonen, denkt man im Weitergehen . . .

Die Häuser des Schweigens.

Am Ende der Linden, auf dem Pariser Platz, in der Wilhelmstraße in einem eng umgrenzten Block vornehm­ruhiger Straßen stehen Paläste mit verschlossenen Fenster­läden. Ihre Fenster sind blind geworden; Staub und Ver­gessenheit hüllt sie in eine Atmosphäre des Äbgestorbenseins. Das sind die Botschaftsgebäude unserer Feinde. Auf den Dächern recken sich die Fahnenstangen, ihrer F ihnen beraubt, dürr und kahl in die Luft empor. Die schweren Tore sind versperrt. Staubüberzogen und schmutzig die Türgriffe, dre schon so lange keine Hand berührte. Es sind große, zum Teil prächtige Gebäude. Doch ein eisiges Schweigen scheint aus ihnen zu dringen; es ist, als sei selbst die Luft um sie dumpf und schwer. Ihre Bewohner sind verschwunden; kein Wort, kein Laut gibt mehr Kunde von ihnen. Wie in einem Zau­berschlaf liegen die Häuser da hier eines und dort eines, stumm wie Verdammte. Und beim Anblick dieser in Schwei­gen gehüllten Häuser fühlt man den ganzen Umfang der Zahl falscher Feinde, die wider uns aufstanden. Dieses Schweigen ist beredter als aller Lärm es sein könnte. Es ist eine stumme Sprache, die tief in das Bewußtsein dringt; eine bittere Sprache von Neid, Haß, Gier und Treulosigkeit. Und dann wirft.man unwillkürlich den Kopf in den Nacken, ein heißes Gefühl von ernstem Willen strömt durch die Brust. Es ist der Wille, fest, unverrückbar fest zu stehen im Streit gegen die trügerischen Gäste, die zwischen unseren Mauern hausten.

Nus Kunst und Leben.

* Gedenktag der Lothringer Schlacht. Am 20. August ist der Jahrestag der ersten, großen offenen Frldschlacht dieses Weltkrieges, die allgemein noch unter der BezeichnungDer

Morgen-Ausgabe. Erstes Blar».Seite 5.

lichkeit zu pflege. Ich habe mich hierüber wiederholt im

Reichstag ausgesprochen, wie ich denn in unserer gesamten Politik vor der Volksvertretung nichts zu verheimlichen hatte, auch nie etwas zu verheimlichen beabsichtige. (Abge­ordneter Liebknecht: Belgisches Ultimatum.

Allgemeine Unruhe. Rufe: Raus! Lachen!) Meine

Herren! Auch Rußland gegenüber, dessen Politik ja für die Entschlüsse Frankreichs von entscheidender Bedeutung war, habe ich stets nach der Überzeugung gehandelt, daß freund­liche Beziehungen zu den einzelnen Ententegenossen die all­gemeine Spannung mildern könnten, daß jedes gewon­nene Friedensjahr wenidstens die Aussicht biete, die allgemeine Explosionsgefahr herabzusetzen. Wir waren da­bei in einzelnen Fragen mit Rußland zu guter Verständi­gung gelangt. Ich erinnere and das Potsdamer Ab­kommen. Die Beziehungen von Regierung zu Regierung touren nicht nur korrekt, sondern von persönlichem Ver­trauen getragen.

Die Gesamtlage wurde dadurch nicht geheilt, sie war bis in die Wurzeln vergiftet,

weil die Revanchegedanken Frankreichs und die kriegerischen panslawistischen Explosionsbestrebungen Rußlands durch die antideutsche Politik der balance of power des Londoner Ka­binetts nicht sowohl beschwichtigt, als unausgesetzt aufgestachelt wurden und frische Nahrung erhielten. Die Spannung wurde so groß, daß sie eine ernste Belastungs­probe nicht mehr ertrug.

So kam, meine Herren, der Sommer 1914. Ich habe die einzelnen Vorgänge am 4. August geschildert Immer wiederholte und unrichtige Angriffe und Darstellungen der Gegner nötigen mich, auch hier noch auf einige Punkte zurück- zukommen. Besonders in England wird neuerdings immer wieder behauptet, der ganze Krieg hätte vermieden werden können, wenn :ch auf den Vorschlag Sir Edward Greys einge­gangen wäre, mich an einer

Konferenz zur Regelung des russisch-österreichischen Streitfalls

zu beteiligen. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Der englische Konserenzvorschlag wurde mir am 27. Juli durch den Botschafter übecbracht. Wie auch aus dem englischen Blau­buch hervorgeht, hat de: Staatssekretär des Auswärtigen Amts in der betreffenden Unterredung mit Sir Edward Goschen, in der er den vorgeschlagenea Weg als unzweckmäßig bezeichnete, mitgeteilt, nach seinen Nachrichten aus Rußland sei Herr Ssasonow zu einem direkten Meinungsaustausch mit dem Grafen Berchtold geneigt, und er sei der Ansicht, daß eine direkte Aussprache zwischen Petersburg und Wien zu einem befriedigenden Ergebnis führen könne. Deshalb sei es das beste, das Ergebnis dieser Aussprache abzuwarten. Sir Edward Goschen meldete dies nach London und erhielt tele­graphisch die Antwort, in der Sir Edward Greh wörtlich er­klärte:So lange Aussicht für einen direkten Meinungsaus­tausch zwischen Österreich und Rußland vorhanden ist, werde ick) auf jede andere Anregung verzichten, da ich durchaus darin übereinstimme, daß dieses das Verfahren ist, das allen ande­ren bei weitem vorzuziehen ist." Sir Edward Greh schloß sich damals also dem deutschen Standpunkt an und stellt seinen Konferenzvorschlag ausdrücklich zurück. Ich habe es aber nicht, wie Sir Edward Greh, bei dem platonischen Wunsch bewenden lassen, es möge eine direkte Aussprache zwischen Wien und Petersburg stattfinden, sondern habe alles getan, was in meinen Kräften stand, um die russische und die österreichisch-ungarische Regierung dem Gedanken zugängig zu machen, sich in einem Gedanken­austausch von Kabinett zu Kabinett auseinanderzusetzen. Ich habe schon einmal hier ausgesprochen, daß wir unsere Vermittelungsaktion auch in Wien in einer Form betrieben haben, die wie damals bis an das Äußerste dessen ging, was mit unserem, BundeSverhälimS noch vereinbar war. Am 29. Juni, abends, traf folgende Meldung des kaiserlichen Botschafters in Petersburg ein: Herr Ssasonow, der mich abends zu sich bat. teilte mir mit, daß iws Wiener Kabinett auf den ihm von hier aus geäußerten Wunsch, in direkte Ver. Handlungen einzutrelen, mit der kategorischen Ab­lehnung geantwortet habe. Es blieb somit nichts andere« übrig, als auf den Vorschlag Sir Edward Grehs einer Konfe­renz zu Vieren zurückzukommen. Da sich die Regierungen inzwischen zu einem direkten Meinungsaustausch bereit er­klärt Haffen, so ist klar, ,daß ein M i ß v e r st ä n d n r S vorlreg». Ich telegraphierte mit Wien und benutzte die Gelegenheit, um meine Auffassung von der gesamten Situation erneut und be-

Sieg von Metz" in der Erinnerung sein dürfte Die Bezeich­

nung ist durchaus falsch, denn der Kampfplatz lag weitao von Metz, erstreckte sich vielmehr von Delme bis Saarburg über etwa 136 Gemeinden und setzte sich aus einer Unsumme von Einzelgefechten zusammen. Zudem ist gerade über diesen gewaltigen, blutigen Auftakt des Weltkrieges außer M'.tter- lungen in Feldpostbriefen nur sehr wenig bekannt geworden. Diese Lücke will nun ein Buch ausfüllen, das als Gcdenk- tverk dieser großen Lcthringer Schlacht am 15. August im Drei Masken-Verlag. München, nnter dem TitelBahern- siege und Heldengräber" erschienen ist. Der Verfasser dieses umfangreichen Buches, der bekannte Münchener Schriftsteller Joseph Di. Jurinek, ein gelegentlicher Mitarbeiter unseres Blattes, hat mit besonderer Genehmigung der Heeresleitung das gesamte Kamtssfeld der Lothringer Schlacht durchwandert und führt uns in fesselnden, packenden Schilderungen di: sich über 150 Kilometer erstreckende Front entlang, vorbei an der gesamten Armee des Kronprinzen Rupprecht von Bauern, vorbei auch an acht französischen Arnieekorps. Der Kampf­platz ist durch 1088 Heldengrübeisi gekennzeichnet, die wir in dem Buche alle ohne Ausnahme besuchen. So erfährt zum über­haupt ersten Male die Hermat Authentisches über die Ruhe­stätten von 20000 Gefallenen, Freund und Feind im Tod vereint. Die Tatsache hebt das Buch aus der Flut der Kriegsliteratur hervor und stempelt es zu einern Werke, das allen, die schon einen Helden betrauern, Trost bringen nruß. Die Heldengräber werden mit liebevoller Anteilnahme be­schrieben rn.d viele Namen der unter o:n Hügeln Ruhenden veröffenüicht. Wir finden in dem BucheBayernsiege und Heldengcäbcr" die Ruhestätten von Preußen, Württem- bergern, Badenern, Lcthrrngern und Bayern, erfahren bisher unbekannte Einzelheiten über die Heldenehrung an der Lothringer Front. In schlichtem, feldgrauem Gewand prä­sentiert sich rein äußerlich dieses Buch, das vrelen Taufenden Familien erzählt, wo ein ihnen treuer Held im Kampfe süv das Vaterland sterbend niedersank. Kronpc-nz Rupprecht von Bayern hat die Widmung dieses Gedenkwerkes ange­nommen und dadurch die besondere Bedeutung dieser pietät­vollen Publikation gekennzeichnet.