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5i. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bczugs-PreiS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. so Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Ameraen - Annalrmr ^,die Abend.Aue««»« dir '12 UJ)i : tnittao», für bie Morgen. «luSaabe bis 3 Uhr nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

2 V jo»* nachsterschemenden Ausgabe wird kerne Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. u v s a 6

Uv. 107. v«rlagS-Fer«,»recher No. 2953,_ DottNerSlag» dkN 5. Mlirs. RebaklionS-Fernsprecker No. 82. 1903.

Hergen-flusflabe.

Sine nntlultramontanc PnljlJti'tinipiis.

Tie ständig wachsende Nachgiebigkeit der Regierung gegenüber den Forderungen des Zentrums aus allen Gebieten, die charakterlose gesellschaftliche Anlehnung an die ultramontane Machtgröße in einflußreichen Kreisen, die geflissentliche Verschleierung der Gefährlichkeit des llltramontanismus als eines internationalen Macht­faktors inmitten des politischen Lebens der Nation, die teilweise Aufhebirng des Gesetzes zur Abwehr des Jesuitenordens als eines Störers des konfessionellen Friedens und schließlich die Kriegsfanfare des Bischofs voll Trier im Kampf um die Schule haben das kulturelle Selbstbewußtsein des deutschen Volkes zu neuem Er­wachen gebracht. Tie Mißhandlung des Volkscharakters und die Beengung der kulturellen Arbeit der Nation haben unter dem Druck der Zustände und unter den augenblicklichen Herausforderungen zu einer Bewegung geführt, die aus ernsten Besorgnissen zu öffentlichen Warnrufen, ans anfänglicher Bangigkeit zur Entrüstung, aus stiller Aufklärungsarbeit zu praktischem Tun sich ausgewachsen hat. Neben den zahlreichen örtlichen Protestkundgebungen gegen die Vorherrschaft des llltra­montanismus im deutschen Reiche, neben der unpolitischen, warnenden Tätigkeit einiger Vereine und Verbände ist nun soeben als neue Erscheinung auf dem Gebiet dieser Proteschewegung eine durchaus politische antiultra­montane Wahlvereinigung mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit getreten. Der Aufruf der Vereinigung trägt gegen 400 Unterschriften aus Angehörigen" der verschiedensten Berufe, Gesellschaftskreise und- politischen Parteien und gibt damit Zeugnis, daß die Erkenntnis der ultramontanen Gefahr allmählich Allgemeinbesitz der weitesten Volkskreise wird. Die Gedankenführung des Aufrufs ist eine unter den gegebenen Verhältnissen durchaus gebotene, frei von jedem Fanatismus und jeder religiösen Intoleranz, andrerseits scharf und selbst- bewußt genug im Erkennen und Verteidigen bewährter kultureller Güter. Wer immer nur vorurteilslos und mit eindringlichem Blick in die Geschichte schaut, wer immer nur strebend auf die Selbständigkeit seiner Charakterbildung Wert legt, wer immer nur Liebe zum Volke als einer kulturellen Gesamtheit empfindet, der kann und muß sich diesen Anschauungen anzuschließen in der Lage sein.

Als Auswerfen eines Notankers, nicht als demon» stratives Hissen einer neuen Flagge ist die antiultra- montane Wahlvereinigung zu betrachten. Darum wird sie auch niemals störend in das vorhandene offizielle Parteigetriebe eingreifen. Der Beweis für diese An-

Ferrilleton.

Bestrebungen m die ReiWder deutschen Mache.

Uber dieses Thema sprach Herr Rektor Jung in der letzten Versammlung des „Deutschen Sprachvereins". Ans den sehr umfangreichen, hochinteressanten Dar­legungen sei folgendes wiedergegeben:

-War von jeher unsere deutsche Muttersprache

fremdländischen, besonders lateinischen und französi­schen Einflüssen ausgesetzt, so läßt sich zur Zeit — trotzdem die öffentliche Meinung gegen unsere Nachbarn jenseits des Kanals eingenommen ist — die überraschende Wahr­nehmung einer zunehmenden Vermengung der deutschen Sprache mit Fremdwörtern aus dem Englischen machen. — Vor 100 Jahren zählte ein Sprachforscher nur 12 eng­lische Wörter im Deutschen (Bill, Dogge, Jury, Lord, Park, Pudding u. a.): vor 20 Jahren entdeckte Professor Dunker schon deren 148. Gewaltig ist seit dieser Zeit ihre Zahl angcwachsen. Man begnügt sich nicht mehr damit, englische Namen nur für Dinge, die England und Amerika ausführen, anzuwenden, nein — was ge­radezu schmachvoll ist: man gebraucht sie für die einfach­sten Begriffe des gewöhnlichen Lebens, und hätte man dafür auch einen reichen Vorrat an deutschen Bezeich­nungen. Sprach man früher englische Wörter nach fran­zösischer Art, mit dem Ton ans der letzten Silbe aus, so läßt jetzt jeder, der etwas Englisch versteht, seine Sprach- kenntnis in der Richtung leuchten, daß er sich der eng­lischen Ausdrucksweise befleißigt, und beispielsweise Nju- Uork für Neu-Uork, Nju-Faundlünd für Neu-Fundland spricht. Ein deutsches Geschäft, das in Vlissingen eine Zweigfabrik für Kaffeeersatz besitzt, hält es für nötig — man staune — in seinen deutschen Ankündigungen diese holländische Stadt englisch Flushing zu nennen.

Die Gründe zur Einbürgerung englischer Wörter in unserer Sprache liegen nun nicht nur in den Fort­schritten, die die .Kenntnis des Englischen macht, sondern nicht zum letzten in dem großen Einflüsse, den englische Sitten und Moden, englische Einrichtungen im politi­schen und gesellschaftlichen Leben — namentlich in Sport-

nahme liegt auch in der Tatsache, daß fast alle Unter­zeichner die Angabe ihrer speziellen politischen Partei­stellung angeben, um zu erweisen', daß sie an ihrer bis-, hörigen _ Parteizugehörigkeit festhalten wollen. Aller­dings, die einzelnen Abgeordneten werden in ihren Wahl­kreisen mit dieser antiultrsmontanen Bewegung zu rechnen haben insofern, als für ihre Kandidatur neben anderen Verpflichtungen auch diejenige einer abwehrenden Stellungnahme zum ultramontanen System und eine Rechenschaftslegung in dieser Hinsicht gefordert werden könnte. Damit kann eine Bresche gelegt werden in die elende politische Gewohnheit der sogenannten „Handels­geschäfte". Andererseits erscheint die neue Wahlver- einigung geeignet, um, abgesehen vom Zentrum, zwischen den verschiedenen Parteigruppen im einzelnen Falle Dermittlerdienste zu leisten, gegenüber einer gemein­samen größeren Gefahr die kleineren Unterschiede zu überbrücken und die gewohnheitsmäßig widerstrebenden Richtringen einander nahe zu bringen. Das ist positive und segensreiche Arbeit.

Da der Aufruf auch als ein Appell der Wählerschaft an die Mitglieder der Parlamente aufzufassen ist, fehlen selbstverständlich die Unterschriften auch derjenigen Ab- geordneten, die an sich grundsätzlich auf gleichem Boden mit den Ausführungen des Aufrufes stehen.

Die Bewegung ist da. Der Wille ist ausgesprochen. Die Umstände sind günstig. Der Erfolg wird nicht aus- bleiben. Vivat, crescat, floreat!

»

Der betreffende Aufruf lautet:

„Zentrum ist Trumpf! Das Fortschreiten des llltra­montanismus kann nicht geleugnet werden. Seine politische Vertretung, das Zentrum, übt immer größeren Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung im Reiche und in den einzelnen Bundesstaaten aus und greift tief in alle Gebiete des staatlichen wie des privaten Lebens ir, unserem Vaterlande mit zersetzender Wirkung ein: Das nationale Bewußtsein wird gelähmt, die freie Ent­faltung des geistigen Lebens unterbunden, eine klerikale Bevormundung angebahnt und ein falsches Paritäts- Verhältnis ausgebildet. In Politik und Kunst, in Wissen­schaft und Religion, überall hemmt der Ultramontanis- ums den Fortschritt und hindert die freie Selbstbestim­mung des einzelnen wie der Gemeinschaft. Zugleich werden die Kräfte unseres Volkes einem internationalen und antinationalen Herrschaftssystem dienstbar gemacht, das unter fremdländischer Oberleitung steht. Selbst in den Fällen, in denen der llltramontanismus sich an­scheinend patriotisch oder külturfördernd gebärdet, ist sein Auftreten wesentlich durch seine eigensüchtige Partei- Taktik bestimmt. Die praktische Anwendung des Syllabus in Deutschland, jener Kriegserklärung gegen alles, was unser Vaterland, was die Kulturwelt an geistiger Frei­heit, an Ergebnissen der Wissenschaft und Kunst, an

und Bewegungsspielen — neuerdings bei uns gewonnen haben. Beim Ruder- und Jagdsport, in der Hunde- und Pferdezucht, beim Radfahren, Croguet, Tennis und Fußball: überall sind die Engländer die bewunderten Vorbilder unserer vornehmen Welt. Englisch ist fein: Englisch ist Trnmpf! Wie man seiner Zeit sich in Nach­äffung des Französischen nicht genug tun konnte, so ist man jetzt nur gar zu gern der Affe der Engländer. Diese auffällige Wandlung im Geschmack der Deutschen ver- anlaßte schon in 1899 einen Aufsatz der „Daily Tele­graph", worin Verfasser u. a. ausführtc, daß zu keiner Zeit das deutsche häusliche und öffentliche Leben so unter englischem Einflüsse gestanden habe als in der Gegen­wart. Der deutsche Hausbau und die Hauseinrichtungen hätten sich geändert, um sich den englischen Ansichten über Gesundheitspflege und Geschmack anzupassen.

Männer und Frauen kleideten sich nach Londoner Mustern und die englischen Seebäder würden maßgebend für die Mode. — Die Bevorzugung des Englischen vor dem Französischen erhärtet rein äußerlich schon aus dem Umstande, daß die früher so beliebten französischen Namen, wie Jean, Louis, Henri, Jayues, Lisette u. a., mehr und mehr verschwinden und englischen, wie John, William, Harry, James, Mary, Betty, Jenny, Ellen u. a., Platz machen. Dieselbe Änderung der Mode finden wir auch in der Benennung der Hunde, Pferde und Wagen: hatte man für erstere früher italienische Namen — Caro, Nero, Bello, Bella — oder französische — Ami, Ehäri, Fidöle —, so treffen wir jetzt englische, wie Bill, Bobby, Ban, Fox rc., Namen, wie Cab, Coach, Com- fortable, Gig u. a. sind nichts Seltenes, und als Be­nennung von Stoffen und Kleidungsstücken Namen, wie Cheviot, Shirting, Covercoat, Plaid, Havelock, Smoking, an der Tagesordnung.

Daß man gegenwärtig in den weitesten Kreisen wenigstens einige Kenntnis des Englischen voraussetzt, kann mau recht wohl aus den öffentlichen Ankündigungen der Kunstreitergesellschaften, der Singspielhallcn und ähnlicher Institute erkennen. Zeigten dieselben früher eine Menge französischer Bezeichnungen, so tritt jetzt das Englische mehr und mehr in den Vordergrund. Statt Monsieur und Mademoiselle liest man jetzt Mr. und Miß:

politischem und sozialem Fortschritt, in langem, heißem Ringen sich erworben hat, ist noch heute das unverrück­bare Ziel des llltramontanismus, wie das von führenden Männern des Zentrums herausgegebene Staatslexikon für jedermann dartun kann. Tie Erreichung und Ver- wirklichung dieser ultramontanen Ziele führt zu einer Zersetzung und Zerstörung deutscher Kultur. Deshalb ist der UltramoutauiSmus heute wie allezeit als der eigentliche und gefährlichste Feind unseres Volkes zu betrachten. Die Kultur unseres Volkes ist auf einer Unterlage aufgebaut/ die in ihren wesentlichsten Bestand­teilen sich aus Ergebnissen der deutschen Reformation zusammensetzt. An dieser Grundlage unserer bisherigen Entwickelung wollen wir niit Bewußtsein festhalten, während Roms Endzweck ans ihren Umsturz gerichtet ist, Tie Erkenntnis der ultramontanen Gefahr muß Gemein- gefnhl werden. Wir fordern deshalb alle Männer im Deutschen Reiche, die mit uns das gefahrdrohende Wachs­tum des Ultramontanismus erkannt haben, unbeschadet ihrer sonstigen parteipolitischen Stellung oder religiösen Überzeugung auf, nach Vermögen im öffentlichen Leben, insbesondere auch schon bei den bevorstehenden Reichs- tagswahlen, in Verbindung mit uns in antiultramon- tanem Sinne wirksam zu sein. Selbst in solchen Wahl- kreisen, in denen der llltramontanismus noch keine poliftsche Rolle spielt, dürfen wir unsere Stimme keinem Wahlkandidaten geben, der nicht unzweideutig erklärt, bei allen Fragen, die das Verhältnis zum ultramontanen System berühren, in abwehrendem Sinne tätig zu sein. Dies gilt namentlich überall da, wo die Grundlagen unseres Kulturlebens, die Selbständigkeit des Unterrichts- Wesens, die Freiheit wissenschaftlicher Forschung und Kunstausübung, die Unabhängigkeit der religiösen Über­zeugung irr Frage kommen. Wir ersuchen alle Ge­sinnungsgenossen, uirser Vorhaben nach Kräften zu unterstützen und uns Zustimmimgserklärimgen zngehen zu lassen."

Ausland.

Zur Wirtschaftslage in Venezuela.

Die Blockade der venezolanischen Häfen ist mm auf­gehoben, nachdem der amerikanische Friedensvermittle-v Mr. Bowen der Bevölkerung etwas voreilig diese Auf­hebung schon für Ende Januar in ziemlich sichere Ans- ficht gestellt hatte. Bald dürste wieder ein reger Handels- verkehr im Gang sein: denn es lagerten bereits große Mengen von Waren in Curatzao und St. Thomas, die nun schleunigst hercmgefcchren werden. Die Eile ist um so notwendiger, als es bereits vor drei Wochen in den Städten am Notwendigsten fehlte. ES gab kein Mehl und deshalb kein Brot mehr. Die Gasbeleuchtung nmßte eingestellt werden, und auch der Vorrat an Kerosen'

die two Sisters Harri son stehen noch in schlechtestem Andenken. In einem Theater, das ein „first dass Programm" hat, bildeten eine „great attraction" die Power Brothers. — Da wird weiterhin die Kneipe zum Bar, das Dampfschiff ein Steamer, die Natives (Eingeborenen) stehen unter Chiefs, Koprahändker werden zn Copratraders rc. :c.; so geht's lustig eng. lisch weiter. Selbst deutsche Beamte und Offiziere nennen ihre schwarzen Diener in Afrika meist Bov. Wie oft hört, man last not least, gentlemanlike. shocking, all right rc.? Ein Engländer oder Fran­zose würde gewiß nicht seine Muttersprache so verleug­nen. Und könnte man alle diese Begriffe nicht bequem deutsch ansdrücken: dann wäre es noch entschuldbar: oder sollte das nicht möglich sein bei Dinner, Snpper, Drawmg-room, Highlife. Nobilitv, Mob, Clerks, Stewards u. a.? — Etwas anderes ist cs, wenn daS englische Wort unübersetzbar ist, wenn wir keinen ent. sprechenden Ausdruck haben, wie Sport, Spleen, Check, Humor, Pudding. Solche Wörter können wir einfach herübcrnehmen und sie ein deutschen, wie das bei einer ganzen Reihe schon geschehen ist: Bay, Brise, Dock, Dogge, Elfe, Frack, Lotse, Puffer, Schwindler n. a. Dann mutz man sie natürlich aber auch in der Aussprache als deutsche Wörter behandeln. Noch erfreulicher ist cs wenn englische Ausdrücke einfach übersetzt werden, was bei der nahen Verwandtschaft der Sprachen außerordent­lich nahe liegt und leicht ist. So haben wir übertragen Blaustrumpf, Blaubuch, Buchmacher, Freidenker, Frei» maurer, Heißsporn, Ostend, Westenö.

Warum sagen wir nicht auch statt:

Pive o’clock tea — Fünf-Uhr-Tee,

Self made man — selbstgemachter Manu, Self-government — Selbstverwaltung, the upper ten thousand — die oberen Zehntausend Majorität — Mehrheit,

Minorität — Minderheit,

Export — Ausfuhr,

Import — Einfuhr,

Referenzen — Empfehlungen,

Lift — Fahrstuhl,

Reporter — Berichterstatter ju