Beilage mm Mesliaüener Tagdlatt.
Wo. 107. Morgen-Ausgabe.
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Wehre Dich,
Wehre Dich selber.
Wenn man Dich anrennt, einzeln oder in Haufen. Ehre Di»,
Ehre Dich selber.
Wenn Dich ein Schwächling neckt, laß ihn lansen.
Rückcrt.
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(38. Fortsetzung.)
Die Sängerin.
Roman von E. Schöyen.
Dem Norwegischen nacherzählt von Emil Jonas.
„Da sprechen Sie gerade meine eigenen Gedanken ans", fiel Elsa ein.
, „Ich habe auch niemals die Poesie des Leichtsinns, dieses volce far niente, begreifen können", sichr er fort. .„Eine lärmende Fabrik, die zahlreichm Familien Unterhalt gewährt, ist in meinen Augen viel poetischer als Müßiggang und Paläste in Ruinen."
In diesem Augenblick kam der Wirt mit der Prinzessin vorüber. Alle Herren beeilten sich, die Damen zu Tisch fit führen.
,Lord Lionel bot Elsa den Arm. Lady Jane nntßte einige Augenblicke warten, bis ein kleiner rothaariger Lberst kam und sich vor ihr verbeugte. Lady Churchill ging neben dem Herzog von P., Lady Janes Vater.
Man schritt die mit Teppichen belegten Treppen hinab in den Speisesaal; es war ein langes Gemach mit hohen, freistehenden Silberkandelabern, einer Menge Lampen in allen Ecken, vier Kronleuchtern von Silber, und die Decke war mit Freskobildern geschmückt auf mattem Silbergrund, Scenen aus der Jliade darftellend.
. Der Tisch war reich ausgestattet mit riesenhaften Kristallaufsätzen und frischen Blumm, deren Duft sich mit dem Geruch der ausgesuchtesten Leckerbissen inischte. Eine zahlreiche Schar Bedienter bewegte sich hin und her mit silbernen Tellern und silbernen Gefäßen, aus welchen die Gerichte umhergeboten wurden.
Elsa aß mit gutem Appetit. „Wenn man gesungen hat, ist man stets hungrig", sagte sie lachend zu ihrem Kavalier; „man muß sa den ganzen Tag vorher fasten."
„Ja, es ist wohl mit dem Gesänge wie mit allem Großen: mit Entsagung wird er erkauft", antwortete der Lord, indem er einen Fasanen tranchierte.
Während der Mahlzeit ließen mehrere Gäste sich dem berühmten „Stern" vorftellen, unter anderen auch der österreichisch« Prinz, welcher erzählte, daß er entf dem Kontinent mehrfach den Genuß gehabt habe, Elsa zu hören, und daß es schon längst sem heißester Wunsch ge- gewesen sei, Elsas persönliche Bekanntschaft zu machen. Er stellte ihr auch seine Gemahlin vor, eine seine zarte Frau mit schwarzen Augen. Elsa bemerkte sofort ihr seltsam scheues Wesen. Sie sah unaufhörlich auf den Mann, als ob sie dessen Meinung über alles, was sie sagte oder tat, erst hören wollte.
Endlich gab Ihre Hoheit, die Prinzessin, das Zeichen zum allgeminen Aufbruch: Elsa wurde von Lord Lionel hinausgeleitet.
Donnerstag, den 6. Marx. 81. Jahrgang. 1903.
„Lionel", sagte eine Sfimme hinter ihm — es war die der Lady Churchill, die noch immer am Arm des Herzogs hing — „hast du Gambi gesehen? Er nahm ja die Garderobe mit in den Wagen."
„Dort steht er", antwortete der Lord, indem er den Neger herbeiwinkte, der sich sofort näherte.
„Ich bin sehr glücklich. Sie wieder zu sehen", sagte Lady Churchill zu Elsa. „Ich würde gerne mit Ihnen oben im Saal gesprochen und Ihnen für den schönen (besang gedankt haben, aber es war ja ein so arges Gedränge um Sie."
„Hätte ich gelvutzt, daß Mylady zugegen waren, würde ich versucht haben, mich zu Ihnen durchzudrängen", antwortete Elsa.
„Gestatten Sie, daß ich den Mantel umnehme. Es zieht hier so, alle Türen stehen offen!" sagte die alte Dame, und während Gambi ihr half, nahm ihr Sohn den weißen Pelzmantel aus der Hand eines anderen Dieners und legte ihn über Elsas Schultern.
„Komm,^Lionel", sagte die Lady, indem sie sich an dm Arm ihres Sohnes hing, „wir haben vielleicht ein andermal das Vergnügen, Sie zu treffen", sagte sie, Elsa die Hand reichmd.
„Das ist schon möglich", antwortete Elsa, ein wmig enttäuscht.
Ein anderer Herr bot Elsa dm Arni, währmd ihr Dimer ihnm folgte. Aber in dem Gedränge draußen kam sie noch einntal in die Nähe der Lady Churchill und hörte sie zu ihrem Sohne sagen
„Ich kann dir nicht verzeihen, daß du Lady Jane nicht zu Tisch führtest. Sie hatte es sicher erwartet."
Elsas Begleiter wandte sich in demselben Augenblick zu ihr und sie hörte daher nicht, was der Lord seiner Mutter antwortete.
II.
Am folgenden Tage ließ Lord Lionel sich bei Elsa an- melden. Er wurde sofort eingeführt.
„Es ist freilich nicht mein Empfangstag", sagte sie, indmi sie ihm entgegmging; „aber für alte Freunde macht man ja gern eine Ausnahme."
Die Majorin, die bald oarauf eintrat, äußerte auch ihre große Freude über das Wiedersehm.
„Komnien Sie, Mylord, und sehen Sie unser Heim an", sagte Elsa. „Wir habm uns entschieden, festen Fuß in England zu fassen und nur ein paar Monate'während des Jahres zu reisen. Jeden Sommer wollm wir eine kurze Zeit in Schweden verbringen."
In dem Zimmer, in welchem sie standen, warm alle Stuhl- und Sofalehnen von der Majorin mit Sfickereim geschmückt wordm. Sie hatte sich dm ganzm Winter hindurch bemüht, kolorierte Photographiom zu sammeln, die sie dann auf hellrotes oder himmelblaues Seidenzeug abdruckte und später nachsfickte. Nach Ankunft in London vor einigm Wochm hatte sie alle die neum Möbel mit diesm Sfickereim überziehen lassen. Jede? Sofa und jeder Stuhl zeigte nun eine Reiseerinnerung, hier war eine Landschaft von Sydney, dort ein Tempel von Kalkutta, braune und schwarze Menschen in bunter Kleidung, oder halbnackte, mit Jagdgerätschaften in den Händen. Ferner eine Partie von den Ufern des Nils mit malerischen Beduinen, unter Palmen und Platanen lagernd, ein chinesischer Markt von St. Louis und der "Hafen von
Rio de Janeiro und auf dem in einm Bronzerahmm gefaßten Kaminschirm ein kleines halbverfallenes Häuschen mit einigen Tannen — Elsas Kinderheim in dem schwedischen Dorfe. Die Wände lvarm mit losehängenden. faltmreichen Tapeten aus safrangelber 'Seide bekleidet, eingewebt mit Silber und blutroter Seide mit Streifm von Gold. Sie bildeten gleichsam einen warmen Rahmm um alle die farbenreichen Bilder.
Lord Lionel ließ dm Blick von einem Gegmstand auf dm andern gleitm und folgte mit lebhaftem Interesse dem Bericht über die Stickereien und was sie vorstellten.
Durch eine breite Glastür gelangte man in einen länglichen Raum mit massivm Kristallwänden und Decke, von hier aus hatte man Aussicht auf die schönsten Partieen des Hydeparks. Dieser Raum erinnerte an einen tropi- schm Garten, ringsum eine Fülle von seltenen Gewächsen und Blumm. Alan hörte ein Sausen, Zwitschern und Flüstern, das an Stärke zunahm, als die beiden Damen mit ihrem Gaste eintraten. Zwei Affm, nicht größer als kleine Kätzchen kletterten an einer hohen Stellage auf und ab, kurze, scharfe Töne ausstoßend. Ein größerer thronte oben auf einem Balken; er runzelte die Stirn und blinzelte mit den. Augen, worauf er Nüsse zu knacken begann, um die Schalen dem Lord an dm Kopf zu werfen. Ein junger Löwe lag und spielte mit dem spanischm Pudelhund „Dick".
„Welch lusfige, kleine Welt!" rief der Lord, indem er sich umsah. „Dies Zimmer ist fast noch heimischer als Ihr Bildersalon."
„Nicht wahr?" sagte Elsa; „ich liebe meine Tiere, ich ziehe ihre Gesellschaft der der meisten Menschen vor."
„So?" antwortete er lächelnd, „das ist ein wenig viel gesagt."
„Ja, ich vertrete, was ich sage", fuhr sie fort; „wenn man gut gegen ein Tier ist, tut es einem niemals Böses. Aber die Menschen, von denen man am meisten hält und für die man die schwerstm Opfer bringt, bringen uns ost die schwerstm Leiden."
„Mrs. Wikner, Sie müssm bittere Erfahrungen gemacht haben."
„Ja", anfivortete Elsa, indem sie ihre Affen streichelte und ihnen Zucker gab. „Wenn man sich viel in der Welt umgesehen hat. sind es gewisse traurige Wahrheiten, die sich einem aufdrängen, gleichviel ob man will oder nicht. Aber nun müssen Mylord meine Vögel sehen! Das sind meine kleinen Brüder!" fügte sie lächstnd hinzu.
Sowohl unter dem Dache als in der Ecke fanden sich größere und kleinere Bauer. In einem von diesm wurde ein Nest aus Zweigen, Baumwolle und Stroh gebaut. In anderm badeten sich Vögel in Kristallschalen. _ Wer die meisten der beflügelten Bewohner waren doch hinaus- geflogm auf die hohen Tannen.
„Wir Mmschen sind manchmal so einfälüg, erst am Ende dorthin zu gelangen, von wo wir hättm ansgehen müssen", sagte Elsa. „Ich meinerseits behaupte zum Beispiel, daß jeder Sänger seine Studien zuerst bei Vögeln machen müßte. Die menschliche Kunst hat kaum ein Ausdrucksmittel erfunden, das diese kleinen Sänger nicht von der Natur bekommen hätten."
„So? Das wußte ich nicht!" antwortete der Lord.
(Fortsetzung folgt.)
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Zur Feier unseres 88-jährigen Bestehens findet Sonntag, den 8. März er., Abends 8 Uhr, in der Männer - turnhalle, Platterstraße 16, eine
Abendunterhaltung
mit darauffolgendem Ball statt.
Wir laden hierzu die Mitglieder der Abtheilung nebst ihren Angehörigen, sowie alle Feuerwehr-Kameraden und Freunde der Abiheilung ergebenst ein. 614
I. A.:
Die Commission.
Dr. JErwein s Nach/.
Dr. med. Assmann, hontöop. Arzt,
Mainz, Fischihorplatz 13.
Sprechstunden an Wochentagen: von 10 — 12, 2 —4 Uhr. Sonntags nur von 9—11 Uhr.
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