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51. Jahrgang. Jf9* NS.

Wiesba»eaer Tagvlatt (Morgen-Ausgabe). Verlag; «anggasle 27

Berte 2. 28 . Februar LSv».

Verwendungen kann auf Ersatz derselben noch dreißig Jahre lang geklagt werden.

Bis jetzt gingen wir davon aus, daß der Verlierer oder der Eigentümer bekannt geworden ist. Häufig aber ist der Berechtigte nicht zu ermitteln. Dann hat der Finder, vorausgesetzt, daß er der Anzeigevflicht genügt hat, die Möglichkeit, selbst Eigentümer der Sache zu werden. Wenn sich niemand meldet und der Finder den Verlierer nicht kennt, so erwirbt der Finder mit dem Ablaufe eines Jahres nach der Anzeige des^ Fundes bei der Polizei das Eigentum der Sache. Bei Sachen, deren Wert drei Mark nicht übersteigt, beginnt die Frist mit dem Funde. Vom Eigentumserwerbe ist keine Rede, wenn der Fund auf Nachfrage verheimlicht wird. Sind vor Ablauf der Frist Berechfigte dem Finder bekannt ge­worden, oder haben sie bei einer Sache, die niehr als drei Mark wert ist, ihre Ansprüche bei der Polizei rechtzeitig angemeldet, so kann der Finder sie auffordern, sich iiber seine Ansprüche binnen einer angemessenen Frist zu er­klären. Tun sie das nicht, so erwirbt er ebenfalls das Eigentum an der Sache. Der Finder kann auf sein Recht zum Eigentumserwerb der Polizei gegenüber ver­zichten; dann geht dies Recht auf die Gemeinde des Fundortes über. Letzteres tritt auch ein, wenn er nicht verzichtet hat, aber trotz Eigentumserwerbes die Sache nicht binnen der ihm von der Polizei bestimmten Frist abfordert. ,

Der Eigentumserwerb des Finders oder der Gemeinde enthält eine gewisse Härte für den Verlierer. Deshalb bestimmt das Gesetz, daß er noch drei Jahre lang nach dem Eigmtumsübergange die Sache oder deren Erlös vom Finder oder der Gemeinde herausverlangen kann (natürlich hat ec auch dann Finderlohn und Aufwendun­gen zu vergüten), vorausgesetzt, daß die Sache noch vor­handen ist. (Auf die Einzelheiten können wir hier nicht eingehen, s. namenüich 8 81t! B. G,-B.)

Recht oft werden verlorene Sachen in den Eisenbahn­zügen, Posten, Pferdebahnen und sonstigen Derkehrs- anstalten, in Wartesälen :c. gefunden. Diese sind sofort an die Behörde, an dieVerkehrsanstalt oder derenPersonal abzuliefern. Finderlohn gibt es dann nicht und von Verwendungen ist auch nicht die Rede. Die Verwaltung rc. hat den Fund öffentlich bekannt zu machen und wenn sich niemand meldet, werden die gefundenen Sachen von Zeit zu Zeit versteigert und der Erlös wird drei Jahre, seit Ablauf der in der Bekanntmachung angedrohten Frist aufbewahrt und fällt dairn, wenn sich der Berechfigte nicht meldet, dem Fiskus, bei Gemeindeanstalten der Ge­meinde zu.

Ist der Fund ein Schatz, d. h. eine Sache, dre so lange verborgen gelegen hat, daß der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, so erhält derjenige, welcher den Schatz entdeckt und in Besitz genommen hat, die eine Hälfte; die andere bekommt der Eigentümer der Sache, in welcher der Schatz verborgen war.

Amtsgerichtsrat Löwen herz - Köln.

Deutsches Deich.

* llbnngen von Festnngstelegraphistcn 1903. Die Telegraphisten werden nach den Festungen Königsberg, Thorn, Danzig, Posen, Köln, Mainz, Stratzburg und Metz kommandiert werden. Eine Übung findet vom 25. September bis 5. November, die andere vom 31. Oktober bis 11. Dezember und die letzte vom 5. Dezember bis 16. Januar 1904 statt. Seitens des bayerischen Kriegsministeriums wird zur ersten Übung nach Metz eine Anzahl Festungstelegraphisten komman­diert werden.

* Die Landordnnng von Kiantschou ist eines der merkwürdigsten sozialpolitischen Experimente, die das

deutsche Reich im letzten Jahrzehnt unternommen hat. Und doch wissen nur verhältnismäßig wenige etwas davon. Hier sind nämlich zum erstenmal die Gedanken der sogenanntenBodenreformer" in die Praxis überführt worden. Als das deutsche Reich in Ostasien Fuß faßte, mußte es verhindert werden, daß Engländer oder Russen oder Amerikaner den verhältnismäßig wenig ausge­dehnten Grund und Boden der Pachtkolonie einfach aus­kauften, und dadurch die Absichten des deutschen Reiches vereitelten. In überaus geschickter Weise haben Admiral v. Dieörichs und Admiralitätsrat I)r. Schra­meier es verstanden, dieser Gefahr zu begegnen. Sic machten alle Terrainspckulation unmöglich, indem sie als einzige Steuer" eine Grundwertsteuer von 60 vom Tausend einführten und daneben eineZuwachssteuer", die 331 / 3 % des unverdienten Zuwachswertes für das ganze deutsche Volk sicherte. Dieses Vorgehen hat außer­ordentliche Beachtung auch im Auslande erfahren, in Deutschland sind es namentlich die Bodenreformer, die sich in ihrer Werbearbeit auf diesen Versuch und seine bisherige Bewährung berufen. Da ist es außerordentlich dankenswert, daß einer,der dabei war", AdmiralitätS- rat Schrameier in Tsingtau, in einer kleinen interessanten Schrift (Wie die Landordnung von Kiantschou ent­stand?", Berlin, I. Harrwitz Nachfolger, 60 Pf.) ein zu­verlässiges Bild von der Entstehung und dem Wesen dieses, auf jeden Fall hochbedeutsamen sozialpolitischen Experiments gibt.

Anstand.

* Rußland. In Berliner militärischen Kreisen soll nach einer Darlegung desB. T." das Moskauer Tele­gramm derTimes" keinen Glauben finden, wonach bei dem Generalstab in Kiew und Odessa eine außerordent­liche Tätigkeit herrsche und soeben 100 000 Mann der Reserven erster Klasse und 180 000 Mann der Reserven zweiter Klasse den Befehl erhalten hätten, sich bereit zu halten, binnen vierzehn Tagen nach einem zweiten Befehl unter die Fahnen zu treten. Rußland habe gar keine Reserve erster und zweiter Klasse, sondern nur eine Reserve und eine Reichswehr. Die Übungen fänden im Sommer statt und die weiterhin in der Depesche ge­meldete Nachricht, daß die an den Kursier Manövern beteiligt gewesenen Truppen seitdem dauernd mobil er­halten würden, sei völlig aus der Luft gegriffen. Ver­mutlich soll durch solche Ausstreuungen die Aufmerksam­keit Europas nur auf das Gebiet des Schwarzen Meeres gerichtet und von anderen Gegenden abgelenkt werden.

Ans Stadl und Kand.

Wiesbaden, 28. Februar

Personal-Nachrichte«. Dem seitherigen Schutzmann Heinrich Winter ist eine etatsmäßige Regierungsbotenstelle bei der hiesigen Königlichen Regierung vom 16. d. M. ab verliehen morden.

Sitzgelegenheit für die weiblichen Angestellten. Ein Rundschreiben der zwölf größten Berliner Frauen­vereine an die Geschäftsinhaber fordert diese unter Hin­weis auf die Bundesratsverordnung vom 1. April 1900, welche vielfach umgangen oder nicht beachtet wird, dringend zur Beschaffung von Sitzgelegenheiten für ihre Angestellten auf. Es sollen Listen der Geschäfte heraus­gegeben werden, welche diese Forderung in vollem Maße erfüllen. Bei Einkäufen sollen nur die in die Listen Ein­getragenen berücksichtigt, die anderen aber durch Boy­kottierung ihrer Geschäfte seitens der Einkäufe machenden Frauen bestraft werden.

Ein neuer Pcrsoncnwagcntyp der preußische« Staatsbahn. DerBresl. Gen.-Anz." schreibt: Im An­schluß an die Äußerungen des Eisenbahnministers im Abgeordnetenhause über die Versuche, einen ruhigeren Gang der Personenwagen in Schnellzügen zu erreichen.

erfahren wir von maßgebender Seite, daß man auch Ver­suche hinsichtlich des Baues verbesserter Personenwagen eifrig betreibt. Maßgebend für die Richtung, die dabei verfolgt wird, sind die Konstruktionsprinzipien, welche beim Bau der neuen Güterwagen mit vermehrter Trag­fähigkeit zu Grunde gelegt sind. Durch die Herstellung des Untergestells aus gepreßtem Material können die Wagen ganz andere Dimensionen erhalten, als dies bei Verwendung von gewalzten Trägern möglich wäre, die viel zu hoch und zu schwer ausfallen müßten. Bekannt­lich sind die unlängst vergebenen 160 Personenwagen vierachsig mit zwei Drehgestellen zu bauen, da die Ver­wendung derart großer Wagen in Schnellzügen den Gang derselben günstig beeinflußt. Die Modelle des neuen Personenwagentyps, von verschiedenen namhaften deut­schen Spezialfabriken hergestellt, sehen noch eine erheb­liche Verlängerung des Personenwagens vor. Derselbe soll auf sechs Achsen ruhen, wahrscheinlich werden je drei Räderpaare mit einem Drehgestell angeordnet werden. Es ist wahrscheinlich, daß in allernächster Zeit bereits einige Fabriken mit dem Bau solcher neuen Personen­wagen, von denen man zunächst eine beschränkte Anzahl in Betrieb zu stellen beabsichtigt, betraut werden.

Frachtkarten. über die im preußischen Abge- ordnetenhause vom Minister Budde erwähnte Fracht­karte und ihre Verwendung, mit der im Eisenbahn­direktionsbezirk Breslau bereits am 1. März begonnen werden soll, wird jetzt näheres bekannt. Danach können Eil- und Frachtstücken an Stelle des Frachtbriefes Eisenbahngüterkarten beigegeben werden. Die Ver­wendung der Karten ist im einzelnen folgende: Die neue Eisenbahngüterkarte wird ebenso wie bisher der Fracht­brief vom Versender ausgefüllt. Sie enthält zugleich das 'Benachrichtigungsschreiben, das auf der Empfangs­station dem Empfänger zugestellt wird. Das zunächst versuchsweise eingeführte vereinfachte Abferttgungsver- fahren erstreckt sich nur auf Eil- und Frachtstückgüter und schließt weder Vorausbezahlung der Frachten noch deren Überweisung noch Nachnahmebelastung aus. Die Fracht u. s. w. kann sowohl auf der Versand- wie auch auf der Empfangsstation entrichtet werden. Auf der Versand­station kann die Zahlung entweder in bar oder durch auf die Eisenbahngüterkarten zu klebende Marken erfolgen. Auf der Empfangsstation müssen die Frachten u. s. w. in bar erlegt werden. Die Eisenbahnmarken, welche den Postmarken ähnlich sind und in verschiedenen Werten bis zu zehn Mark aufliegen, werden ebenso wie die Güter­karten, letztere vorläufig kostenlos, bei den genannten Abfertigungsstellen ausgegeben. In der Frachtberech­nung tritt eine Änderung nicht ein. Der Zweck des neuen Verfahrens ist die beschleunigte Abfertigung der Eilgut- und Stückgutsendungen, die den Aufenthalt des Publikums au den Schaltern wesentlich abkürzen wird, namentlich dann, wenn das Publikum sich die Marken im Vorrat beschafft und die Auslieferer des Gutes die zu zahlende Fracht schon vor Abgabe der Güterkarte am Schalter in den entsprechenden Markenwerten aufklebeu. Um dies zu ermöglichen, werden auf den Versand­stationen die Frachtbeträge nach denjenigen Stationen, nach denen von dem vereinfachten Abferfigungsverfahren in besonders großem Umfange Gebrauch gemacht wird, von zehn zu zehn Kilogramm ausgerechnet an geeigneter Stelle zum Aushang gebracht werden.

Postverkehr. DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichs­postamts, wonach Postsendungen an und von Personen der Besatzungen der Schiffe in den westindischen Ge­wässern, nachdem die Blockade gegen Venezuela eingestellt ist, nicht mehr als Gegenstände der Feldpost zur Beförde­rung gelangen und die zugestandene Portofreiheit und Portoermäßigung in Wegfall kommt. Für den Postver­kehr mit diesen Schiffsbesatzungen gelten von jetzt ab wieder die im Verkehr mit den deutschen Kriegsschiffen im Ausland allgemein bestehenden Portosätze.

Ans stoffliche Iulereffe.

Im neuesten Heft der meisterhaft redigierten Halb­monatsschriftDas literarische Echo" (Herausgeber vr. Josef Ettlinger, Verlag F. Fontane & Co.) findet sich an leitender Stelle ein Aufsatz von Rudolf Krauß, der mit der unkünstlerischen Betrachtungsweise des Pub­likums gegenüber den Kunstwerken und solchen, die sich dafür ausgeben, stark ins Gericht geht. Es wäre doch einmal sehr angebracht, sich im einzelnen zu prüfen, wie unendlich viel rein Stoffliches unser Interesse an der Kunst wachhält und zu erwägen, um wie vieles jeder Kunstgenuß zu erhöhen wäre, wenn mau diese erdifchcn Bestandteile aus den Feierstunden des Lebens verbannte. Zur ersten Anleitung mögen folgende Leitsätze aus dem zitterten Aufsatz folgen: .

Es ist das unzerstörbare Merkmal des Spießbürger­tums, daß cs an der rohen Materie klebt und die Seele nicht davon losreißcn kann, um sie emporsteigen zu lassen in die Regionen des rein Geistigen. Und diesen seinen -Charakter kann der Philister auch dann nicht verleugnen, -wenn er sich entschließt, Beziehungen zur Kunst zu suchen. Cs gibt dann nur eine Gottheit, deren Führung er sich anvertraut; sie heißt: der Stoff, und nur eine Macht, >die in ihm lusterregende Wirkungen hervorzubrtngen (vermag: das stoffliche Interesse.

Darum findet sich auch nirgends ein verhältnismäßig so kunstsinniges Publikum zusammen als da, wo Kam­mermusik getrieben wird. Es ist allerdings zugleich auch her engste Kreis deö Publikums.

Wer der Maler des Bildes ist und was es bedeutet, sind die beiden Hauptfragen, die sein Gemüt beschäftigen, -und sobald er darauf Antwort erhalten hat, zieht er be­friedigt von dannen. Sehr häufig begnügt man sich schon 'damit, wenn das Bild Gelegenheit gibt, daß man sich an etwas erinnert", fühlt man sich von einem Porträt schon angezogen, wenn man in den Zügen Ähnlichkeit >mit irgend einem lieben Bekannten aufzuspüren vermag.

Wer ertrüge die Banalitäten und Unwahrscheinlich- ckeiten des RührstücksAltheidclberg", wenn sich nicht sim Hintergrund auf der Szene das altbertthmte Schloß cher Pfalzgrafen zeigte? SudcrmannS Hinterhaus- Theorie hat die bis zum Ekelhaften gesteigerte Vorliebe sür Proletaricrstubcn mit allen ihren naturalistischen Ingredienzien gezeitigt: wie gerne läßt man sich ei"

paar Stunden lang durch das Arme-Leute-Elend in eine aus Mitleid, Grausen und moralischer Entrüstung ge­mischte Stimmung versetzen, um dann die angenehme Empfindung in sein gemütliches Heim mitzunehmen, daß man es so doch viel besser hat und so viel besser ist! Wie verdient sich vollends ein Otto Ernst den Dank des Philisters, wenn er so der Reihe nach die der Öffent­lichkeit am meisten preisgegebenen Stände durchhechelt und in recht grelle satirische Beleuchtung rückt! Wir sind nachgerade soweit gekommen, daß der Erfolg eines Dra­mas in erster Linie vom glücklichen Funde eines noch nie dagewesenen, möglichst pikanten Milieus abhängt. Das ist, im Grunde genommen, doch ganz gleichbedeutend mit dem Gesetze vom großen Tric, dessen Wirksamkeit das Schicksal eines Pariser Schwankes zu bestimmen pflegt.

Natürlich ist die Freude, wenn man in einer Dich­tung persönliche Bekannte oder Ähnlichkeiten mit solchen ausfindig macht, nicht geringer, als wenn einem ein der­artiges Glück bei einem Bilde begegnet. Auf der Bühne zumal verfehlt wirkliche oder eingebildete Pvrträtierung kaum jemals ihre Wirkung, und der allgemeine Jubel wird nur dann noch überboten, wenn sich der Schauspieler den Scherz erlaubt, in einer stadtbekannten Maske auf- zutreteu. Das persönliche Interesse richtet sich übrigens in der Poesie zumeist auf den Autor selbst. Zunächst entladet es sich in brennender Witzbegier darauf, woher er seinen Stoff genommen, wie er ihn empfangen hat. Dem Autor und seinem guten Ruf können aus diesem Treiben große Gefahren erwachsen. Schildert er die Ver­irrungen eines Jünglings, dann heißt es:Der mutz es toll getrieben haben in seiner Jugend!" Wenn sich aber nun gar einer im Jchton zu erzählen unterfängt, ist er ganz gewiß verloren. DerIch" ist in den Augen des Philisters unfehlbar er selbst,meine Frau" seine Frau, und mit schmunzelndem Behagen läßt sich der Wackere nun vorplaudern, was nach seiner nicht zu ent­kräftenden Überzeugung der Dichter alles erlebt hat. Davon ahnt er ja nichts, daß cs auch ein rein geistiges Erleben gibt, ein Schauen mit den Augen der Phanta­sie, und daß mit solchen Hilfsmitteln zum mindesten die wirklichen inneren und äußeren Erlebnisse bis zur völ­ligen Unkenntlichkeit umgestaltet werben. Die Materie im Rohzustand - darüber kommt das große Publikum nun einmal nicht hinaus.

Indessen bas sind noch nicht einmal die Schlimmsten;

sie suchen wenigstens auf ihre plumpe Art in die Geheim­nisse poetischen Schaffens einzudringen. Es gibt noch eine fiesere Stufe. Darauf stehen die, die sich daran ge­nügen lassen, sich den Inhalt von Dichtwerken aus Be­sprechungen anzueignen: nun wissen sie ja, um was es sich handelt, und können ungeniert mitreden. Das ist der höchste Triumph des strfilichen Interesses. Es gibt in der Tat Leute, die ihre ganze Literaturkenntnis aus Theater- und Buchkritiken schöpfen. Und außerdem etwa noch aus Zeitungsromanen. Die Spannung, die das Warten aus die Fortsetzung von Tag zu Tag, von Woche zu Woche erzeugt, erhöht die Teilnahme an dem Inhalt in willkommener Weise; daß dabei jeder Genuß, jede richtige Beurteilung der Darstellung, der Form, des Stils außerhalb des Bereiches der Möglichkeit gestellt wird, verschlägt nichts."

Aus Kunst und Leben.

* Pagauinis Nachlaß. AuS Mailand wird der Post" geschrieben: Die Enkelkinder und Erben des be- rühmten Violinvirtuosen Paganini haben der Stadt Genua mehrere Gegenstände aus der Hinterlassenschaft ihres Großvaters für 170 000 Lire zum Kauf angeboten. Es handelt sich hauptsächlich um wertvolle Orden und Denkmünzen, die Paganini von europäischen Fürsten als Geschenk erhalten hatte; dazu kommen noch der Wagen, in welchem er einst ganz Europa bereiste, sowie mehrere Violinen und andere Musikinstrumente. Nach einer anderen Meldung sollen sich in dem Nachlaß auch zahl­reiche Manuskripte von Musikstücken, darunter mehrere ungedruckte, befinden. Die Stadt Genua, die bereits Paganinis Amatigcigc besitzt, hat, wie man hört, das ihr von dem Baron Attila Paganini im Namen der Erben gemachte Angebot zurückgewiesen, weil sie den Preis zu hoch findet. Jetzt soll der Nachlaß dem italienischen Staate angeboten werden, und wenn die Erben auch hier eine Zurückweisung erfahren sollten, dürften die Gegen­stände ins Ausland gehen.

C. K. Miß Duncan macht in Berlin Schule. DaS behauptet ein englischer Korrespondent in Berlin, der seinem Blatte folgende erstaunlicheTatsachen" über eine neuecraze" der Berlinerinnen zu melden weiß: Die Berliner Gesellschaft so heißt cs wörtlich in -iescm Bericht hat ein neues Steckenpferd entdeckt, dank der Vqrstellunaen von Miß Isidora Dnncan, die