1. Sei läge nun W iestmüener Tngklatt.
$<*♦ 89. Morgen-Ausgabe.
Sonntag, den 22. Februar.
81. Jahrgang. 1903.
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Alle bipjemscn, die sich fragen, warum man ciaentli» Neve, alle, die das Lebe» verwünschen, haben nie oder su ö,eI kieliebr. Mantegazza.
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<29. Fortsetzung.)
Die Sängerin.
Roman von E. Schöyen.
Dem Norwegischen nacherzählt von Emil Jonas.
.... ee * n I/in Lächeln und sein Handdruck bypno- ttsierren sie vollständig. Sobald er sich entsernt hatte, wandelte sie wie eine Nachtwandlerin umher, gleichgültig für alles und für alle.
Als sie zwei Wochen verlobt waren, wurden Elsa uiid Samuel Deska getraut.
., ^! e Ceremonie fand in der schwedischen Gesandtschaft mit ermgen Landsleuten als Zeugen statt. An dein- stlben Tage reiste das Brautpaar ab, während die Mawnn in Paris blieb .
VI.
^.„Die Neuvermählten mieteten eine völlig eingerichtete Billa rn der Nahe vou 9dizza. ^ Ein ewig blauer Himmel snv ^ruENwarme tn der Lust. Getragen von inilden Wrnden drang der Duft der Rosen und Lilien durch die osfenm Fenster und erfüllte das Haus mit Wohlgeruch. Sie lasten auf der Veranda und sahen über das Mittelmeer bmaus, das seine regenbogenfarbigen Wogen gegen die glitzernde Sandkiiste brausen liest, oder sie ruderten auf dasselbe hinaus in einem kleinen weißqe- ^r Boot.m welchem sich nur Platz für sie beide be- smrd Er fischte das war seine liebste Beschäftigung erne Erinnerung aus seiner Kindheit in Cyperns wenn der Fisch nicht anbersteu wollte, konnte er süindeirlang am Boden des Bootes liegen und die gelben und bleichroteii Wolken anstarren. „Ach wie wunderbar gefällt es mir hier, ries er. das Dasein zu geniesten, ohne das qe- rmgi.e zu tun!" „Schatz", antwortete Elsa lächelnd, „das wurde doch wohl ziemlich einförmig auf die Dauer stsn! Eme Weile ertragt man's wohl, auf lange Zeit Ware es für mich eine Strafe."
„Das begreife ich nicht!"
fragte^sst^ ^ ^°ch nach deiner Kunst sebneu?"
„Meine Kunst?" wiederholte er lächelnd. „Rein ich kanudir versichern, daß ich das nie tue! Mein höchstes Ziel ist stets gewesm. ein Verinögeii zu erwerbeii. um als Kavalier leben zu können. Und hier im Siiden arbeitet Niemals ein vornehmer Mann, das weißt du wohl."
„Ja, ich habe es wohl gehört", antwortete Elsa * ^ meinerseits vermöchte einen solchen Tagedieb Nicht zu achten.
„Ich sehe nicht ein. weshalb man sich das Leben so sauer machen soll, wenn es nicht nösig ist", sagte Deska ...Wenn ich genug erworben babe. ziehe ich mich zurück."
N , "Dann will ich hoffen, daß das noch lange dauert, vsch für meinen Leil werde singen, so lange noch ein einziger Ton in meiner Kehle sitzt."
„Du. meine liebe Freundin, singst so lauge, wie ich es wünsche", sagte er. „Jetzt bist du zunächst und vor allein Samuel Deskas Frau."
Elsa lachte über diese Tyrannei. Sie war noch glückt lich und stolz darüber, ihn ihren Gatteri nennen zu dürfen.
Eines Tages bekamen die Neuvermählten Besrich voin Orchester-Dirigenten des Monte Carlo. Der neue große Konzertsaal daselbst sollte eingeweiht werden, mehrere von Frankreichs vornehmsten Künstlern halten ihre Mitwirkung schon zugesagt, da sollten Deska und seine Gattin auch nicht fehlen. Der Tenorist sagte rundweg nein. Aber Elsa gab mit Freuden ihre Zustimmung und der Kontrakt wurde stehenden Fußes unterschrieben.
Monaco lag nur zehn Minuten mit der Eisenbahn van ihrer Villa entfernt, und Deska fuhr natürlicherweise mit zur Probe.
Tie herrliche Lage der Stadt, die Felsen im Hintergründe. bewachsen mit graugrünen Olivenbäumen, die Villen, umgeben von paradiesischen Gärten und mit entzückender Aussicht über die Meeresbucht, welche zwischen den beiden Felshöheu ins Land einschnitt, an welcher Blaues Spielpalast und die mittelalterliche Fürstenburg einander begrüßen. — all dieser Reichtum und tropische Glanz, diese Menge von Blumen mitten im Winter, versetzten Elsa in einen Zustand der Entzückung. Sie konnte nicht müde werden, diese Pracht zu beschauen und darüber zu sprechen. Doch die Augen ihres Mannes schienen von der^ Schönheit der Natur nichts zu gewahren —- seine Aufmerksamkeit war ausschließlich auf das prachtvolle Kasino gerichtet. Diese großen Säle, deren Decken und Wände von Gold strahlten, der bunte Marmor und die glänzeirden Freskobilder bezauberten ihn.
Während seine Gattin in der Musikprobe saug, schleuderte er in den Spielsälen umher. Ein tausendstimmiges Gesumme erfüllte die Lust, vermischt mit dumpfen Stößen der Schabstangen, mit welchen die Crcnrpiers das Gold auf den grünen Tischen hin und her schoben. Reich geputzte Damen, alle möglichen Sprachen redend, saßen auf purpurbekleideten, weichen Diwans ringsum an den Wänden und führten mit den jungen Herren lebhafte Zwiegesprächs.
Die meisten scharten sich um den Tisch in der Mitte des Saales. Personen beiderlei Geschlechts. Millionäre und ruinierte Schwindler, Fürsten und Bankiers sah man Seite an Seite, um das Glück herauszufordern. Viele mit gleichgültigem Gesicht, als ob der Verlust oder der Gewinn von einigen Hunderttausend für sie eine gleich- giltige Sache wäre, andere mit bleichemGesicht und fieber- glühenden Augen, wie im Kampf ums Leben. Vier Kontrolleure der Croupiers saßen auf erhöhten Bänken zu beiden Seiten des Tisches.
Deska entdeckte mehrere seiner Bekannten, aber sie waren alle so vom Spiel hingenommen, daß sie kaum sich Zeit nahmen, seinen Gruß zu erwidern. Er stellte sich hinter den Strrhl eines derselben und schaute zu. Dieses Rasckieln mit Gold stahl sich in sein Ohr auf eine seltsam behagliche Weise. Gold! Gold! Der Abgott der Menschheit! Es war etwas Myssisch-betörendes in
der flüsternden Musik dieser goldenen Ströme — ---
Deska fühlte plötzlich ein unbezwingliches Verlangen, nach diesen glänzenden Spielsachen zu greifen. Er begann zu setzen. Alle seine Nerven zitterten vor Spannung.
Das Blut lief kochend durch seine Adern und stand dann wieder plötzlich still. Nach Verlauf einer halben Stunde hatte er fast ueunzehntausend Franken gewonnen.
Als Elsa die Probe verließ, kam ihr Mann gerade in den Konzertsaal hinein, um sie abzuholen. Er war in sehr aufgeräumter Stimmung und während sie Arm in Arm nach der Eisenbahnstaston hinabwanderten. erzählte er. daß er in den Goldberg hineingedrungen sei und sich mit den Taschen voll Schätzen zurückgezogen habe.
„Dieses Fieber gefällt mir", schloß er. „Es feuert das Gemüt an, wie der Traubensaft das Blut feurig macht."
„Du machst mich wirklich ängstlich!" sagte Elsa. „Versprich mir, nicht wieder zu spielen! So wollen wir doch nicht zu Gelde kommen!"
„Was ist das nun wieder für ein Vorurteil?" antwortete er. „Es ist doch in der Tat vollkommen gleichauf welche Weise man Geld verdient, sei es am pieltisch oder auf der Bühne. Jeder Handel ist ein glücklicher Zufall, jede Kunst ein Wettlauf. Es komnst alles darauf hinaus, andere zu unterdrücken, um sich selbst zu erhöhen."
Elsa war nicht derselben Meinung. Allein es war vergeblich, mit Deska darüber zu diskutieren. Tie Idee, die er einmal ergriffen hatte, saß in seinein Gehirn so fest genagelt, daß kein Widerspruch sie 'jemals zu erschüttern vermochte.
Von der Stunde an war Deska täglicher Gast in Monte Carlo. Anfangs gewann er bedeutende Summen, später verlor er. Jedoch das Mißgeschick steigerte mrr seinen Eifer. Elsa bat ihn wiederholt, seine Besuche dort einzustellen, aber er antwortete nur mit Lachen und Scherzen.
Als sie in dem großen Musikfest sang, das von der besten Gesellschaft aus den nahegelegenen Städten besucht war, saß ihr Mann am grünen Tisch. Das Konzert schloß sehr spät und sie mußten deshalb im Hotel Europa, das dicht neben dem Kasino gelegen ist, übernachten.
Als sie allein in ihrem Schlafzimmer standen, erzählte Deska ihr. daß er im Laufe des Wends sein ganzes Vermögen verloren habe.
„Das ist nicht möglich!" rief sie entsetzt.
„Ja. es ist wahr, was ich sagte", antwortete er. indem er sich auf einen Stuhl neben dem Spiegeltisch fallen ließ. Er stützte die Stirn in die Hand und blieb so mit müdem, starrem Blick sitzen.
„Ta siehst du nun. daß ich Recht hatte", sagte Elsa. „So geht es ja immer, und ich bat dich doch tagtäglich, es nicht mehr zu tun!"
„Halte keine Moralpredigten!" antwortete er hart. „Das nützt ja nichts, ich habe ein Recht, mit meinem Gelds zu tun. was ich will!"
Es war das erste mal, daß er so scharfe Worte aussprach s in seiner Ssimme lag dabei ein Klang, den sis nie früher vernommen hatte.
Was sollen wir nun tun?" fragte sie.
Ja, was sollen wir nun tun?" wiederholte er. „Ich besitze nicht einen einzigen Franken mehr, um die Miete zu bezahlen, lind dann die Diener und alle anderen Ausgaben --"
(Fortsetzung folgt.)
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